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28. Jahrgang Heft 11 November 2010

Editorial
Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich, Regensburg


Übersichten
Ingo Stock, Bonn
Eine Herausforderung für die antibakterielle Therapie
Enterococcus faecalis und E. faecium gehören zu den wichtigsten Erregern nosokomial erworbener Erkrankungen. Neben Harnwegsinfektionen gehen vor allem Endokarditiden und septische Infektionen häufig auf diese grampositiven Bakterien zurück. Therapeutisch problematisch sind die zahlreichen natürlichen und erworbenen Antiinfektiva-Resistenzen von E. faecalis und E. faecium. Insbesondere die erworbene Aminopenicillin- und/oder Glykopeptid-Resistenz vieler E.-faecium-Stämme, aber auch die weit verbreitete sekundäre Aminoglykosid-„Hochresistenz“ stellen eine Herausforderung für die antibakterielle Therapie dar. Die Behandlung schwerer Enterokokken-Erkrankungen ist daher streng nach dem Antibiogramm auszurichten. Generell kommen für die Behandlung schwerer Erkrankungen durch Vancomycin-sensible Enterokokken Kombinationstherapien mit Penicillinen und Aminoglykosiden, Penicillinen und Cephalosporinen (bei Aminoglykosid-„Hochresistenz“) sowie Aminoglykosiden und Glykopeptiden (bei Aminopenicillin-Resistenz) infrage. Erkrankungen durch Vancomycin-resistente Erreger können mit Streptograminen (nur E. faecium), Linezolid und Tigecyclin therapiert werden.


Andreas Disko und Günter Krämer, Zürich
Zonisamid (Zonegran®) ist in Europa seit fünf Jahren als Add-on-Medikament für die Behandlung fokaler epileptischer Anfälle mit und ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen zugelassen. Erfahrungen aus Asien und die Ergebnisse verschiedener Studien geben Hinweise auf einen möglicherweise breiteren Anwendungsbereich. In diesem Artikel werden die seit der Zulassung erschienenen Publikationen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit des Antiepileptikums kritisch zusammengefasst.


Viola Andresen und Peter Layer, Hamburg
Chronische Obstipation ist eine häufige Störung, die die Betroffenen zum Teil erheblich in ihrer Lebensqualität einschränken kann. Wichtig ist zunächst die diagnostische Abklärung und Differenzierung zwischen einer primären (idiopathischen) und einer sekundären (beispielsweise durch eine organische Erkrankung oder medikamentöse Therapie bedingten) Form. Bei der primären Form muss zudem noch zwischen transitabhängigen Störungen und Stuhlentleerungsstörungen unterschieden werden. Reichen Basismaßnahmen wie Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung nicht aus, werden zur medikamentösen Therapie zunächst Laxanzien angewendet. Kann durch Laxanzien keine ausreichende Wirkung erzielt werden, steht für Frauen mit chronischer Obstipation seit Januar 2010 mit dem prokinetisch wirksamen 5-HT4-Rezeptoragonisten Prucaloprid eine neue Second-Line-Therapieoption zur Verfügung. Weitere medikamentöse Ansätze sind Sekretagoga und Opioid-Rezeptorantagonisten. Ziel dieses Beitrags ist es, unter besonderer Berücksichtigung der medikamentösen Therapie einen Überblick über die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Obstipation zu geben.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Neue Therapie für Patienten mit Imatinib-resistenter CML?
Erste Ergebnisse einer noch laufenden Phase-II/III-Studie zeigen, dass mit Omacetaxin-Mepesuccinat bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) und Imatinib-Resistenz aufgrund einer T315I-Mutation ein anhaltendes hämatologisches und zytologisches Ansprechen erreicht werden kann.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Additive Behandlung mit Dexamethason erbringt keinen zusätzlichen Nutzen
In einer Metaanalyse fünf großer randomisierter Studien zur adjuvanten Therapie der bakteriellen Meningitis mit Dexamethason wurde kein Effekt auf die Mortalität sowie die Häufigkeit neurologischer Komplikationen nachgewiesen.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Längeres progressionsfreies Überleben mit 500 mg Fulvestrant
Seit März 2010 ersetzt die 500-mg-Dosierung (zweimal 250 mg i. m.) die bisher zugelassene 250-mg-Dosierung des Estrogen-Rezeptorantagonisten Fulvestrant in der Behandlung von postmenopausalen Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem fortgeschrittenem Brustkrebs. Die höhere Dosierung ermöglicht eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens bei vergleichbarem Nebenwirkungsprofil. Die Daten der CONFIRM-Studie wurden auf einem Symposium der Firma Astra Zeneca im Mai 2010 in Berlin vorgestellt.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Monotherapie mit Eribulin verlängert Gesamtüberleben
Erstmals konnte eine Monotherapie bei intensiv vorbehandelten Frauen mit lokal rezidivierendem oder metastasiertem Mammakarzinom die Überlebensrate signifikant verbessern: Das Zytostatikum Eribulin-Mesylat verlängerte das mediane Gesamtüberleben um 2,5 Monate im Vergleich zu einer Therapie nach Wahl der behandelnden Ärzte. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie EMBRACE wurden auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology am 6. Juni 2010 in Chicago/USA vorgestellt.


Richard E. Schneider, Tübingen
Verlängertes progressionsfreies Überleben mit Bevacizumab
In einer Phase-III-Studie hatten Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom, primärem Peritonealkarzinom oder Tubenkarzinom, die eine Chemotherapie mit 6 Zyklen Carboplatin/Paclitaxel in Kombination mit Bevacizumab (ab dem 2. Zyklus) und anschließend eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab über 16 Zyklen erhielten, ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben als Frauen, die ausschließlich mit 6 Zyklen Chemotherapie mit Carboplatin/Paclitaxel behandelt wurden. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie Nr. 0218 der Gynecologic Oncology Group (GOG) wurden im Juni 2010 auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt.


Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Panitumumab beim kolorektalen Karzinom
Der rekombinante humane Antikörper Panitumumab ist ein Baustein der zielgerichteten Therapie beim metastasierten kolorektalen Karzinom. Bei Vorliegen eines nicht-mutierten K-ras-Gens kann durch die Blockade des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR) ein verlängertes progressionsfreies Überleben erzielt werden. In einem von Amgen, München, veranstalteten Symposium wurden beim diesjährigen Deutschen Krebskongress neue Studien mit Panitumumab vorgestellt.


Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Docetaxel-haltige Chemotherapie auch bei Älteren einsetzbar
Bei älteren Patienten mit Magenkarzinom werden Kombinations-Chemotherapien zurückhaltender eingesetzt als bei jüngeren. Grund ist vor allem die Befürchtung, dass die therapieassoziierte Toxizität von dieser Patientengruppe schlechter toleriert wird. In der FLOT65+-Studie wurde daher speziell die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie bei Patienten über 65 Jahre untersucht. Das Studienkonzept wurden bei einer Fortbildungsveranstaltung der Firma Sanofi-Aventis vorgestellt, erste Ergebnisse wurden beim diesjährigen ASCO-Meeting präsentiert.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Antidiabetische Therapie bei eingeschränkter Nierenfunktion
Die diabetische Nephropathie gehört zu den häufigsten Komplikationen des Diabetes mellitus und erschwert die Therapie, da viele Antidiabetika bei eingeschränkter Nierenfunktion nur begrenzt oder gar nicht angewendet werden dürfen. Was dies für die einzelnen Substanzen bedeutet, wurde im Rahmen der 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft im Mai 2010 in Stuttgart diskutiert.


Ralf Schlenger, München
Der Phänotyp als Therapie-Lotse
Beim Asthma bronchiale gelingt es zunehmend besser, pathophysiologisch und klinisch unterschiedliche Phänotypen zu unterscheiden. Das verspricht eine individualisierte, zielgenauere Vorbeugung und Behandlung. Welche scheinbar „therapieresistenten“ Patienten beispielsweise von Leukotrien-Antagonisten oder Anti-IgE-Therapie profitieren, wurde bei einem Symposium der Firma MSD Sharp & Dohme auf dem diesjährigen Pneumologenkongress berichtet [1].