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28. Jahrgang Heft 12 Dezember 2010

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen,


Übersichten
Hans-Christoph Diener, Ralph Weber, Essen, und Martin Grond, Siegen
Diese Übersichtsarbeit informiert über Studienergebnisse des vergangenen Jahres zum Thema ischämischer und hämorrhagischer Schlaganfall und stellt Konferenzbeiträge der Internationalen und Europäischen Schlaganfallkonferenz 2010 vor, die teilweise noch nicht publiziert worden sind. Hervorzuheben sind die inzwischen veröffentlichten Ergebnisse der ICSS- und CREST-Studien, in denen randomisiert die Karotis-Thrombendarteriektomie und das Karotisstenting verglichen wurden. In der ICSS-Studie war die Karotis-Thrombendarteriektomie dem Karotisstenting bei symptomatischen Karotisstenosen in dem bisher analysierten 120-Tage-Zeitraum hinsichtlich Schlaganfall, Tod und periprozeduralem Herzinfarkt überlegen. In CREST wurden Patienten mit asymptomatischen und symptomatischen ≥ 70%igen Karotisstenosen eingeschlossen. Hier zeigte sich kein signifikanter Behandlungsunterschied hinsichtlich des primären kombinierten Endpunkts (periprozeduraler Schlaganfall, Myokardinfarkt oder Tod und ipsilateraler Schlaganfall innerhalb von vier Jahren nach dem Eingriff). Bei Patienten unter 70 Jahren war die periprozedurale Komplikationsrate signifikant niedriger beim Stenting und bei Patienten über 70 Jahre signifikant niedriger bei der Operation. Weiterhin gibt es kein Neuroprotektivum beim ischämischen Schlaganfall, auch Erythropoetin war nicht wirksam. Mit dem direkten Thrombininhibitor Dabigatran steht möglicherweise bald eine Alternative zu Vitamin-K-Antagonisten für die Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern zur Verfügung. In der RE-LY-Studie war die niedrige Dosis von Dabigatran genauso wirksam wie Warfarin, die höhere Dosis signifikant wirksamer. Die Rate schwerwiegender Blutungskomplikationen war zwischen Warfarin und der höheren Dosis von Dabigatran vergleichbar und bei der niedrigeren Dosis signifikant geringer. Wie die früheren Studien konnte auch die große industrieunabhängige VITATOPS-Studie keine Wirksamkeit von B-Vitaminen in der Schlaganfallsekundärprophylaxe zeigen.


Hans-Peter Lipp, Tübingen
Neuer oraler Angiogenese-Hemmstoff mit verändertem Nebenwirkungsprofil
Pazopanib ist neben Sunitinib und Sorafenib der dritte Vertreter der oral anwendbaren Inhibitoren der VEGF- und PDGF-Rezeptor-assoziierten Tyrosinkinase. Aufgrund der klinischen Studienergebnisse ist Pazopanib sowohl in der Erstlinientherapie als auch bei Zytokin-vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom einsetzbar. Mit der empfohlenen Dosis von einmal täglich 800 mg wurde eine vergleichbare Wirksamkeit wie mit Sunitinib in der Erstlinientherapie erreicht, allerdings treten dermatologische Toxizitäten, Mukositis/Stomatitis, Fatigue und Neutropenien unter Pazopanib deutlich seltener auf. Zu beachten ist die sehr häufig vorkommende Wirkstoffklassen-assoziierte Veränderung der Leberwerte, die regelmäßige Kontrollen unter Pazopanib und Sunitinib erfordert.


Referiert & kommentiert
Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Arzneimittelinteraktionen aktuell
An dieser Stelle informieren wir Sie kurz über aktuelle Veröffentlichungen zu therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen


Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart, Prof. Dr. med. Bernd Reith, Konstanz
Müssen die Leitlinien zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe neu geschrieben werden?
Postoperative Infektionen im OP-Gebiet stellen eine zwar seltene, aber für den betroffenen Patienten außerordentlich belastende Komplikation chirurgischer Eingriffe dar. Ein Infektionsrisiko besteht bei nahezu jeder Art von Eingriff, da bereits die Durchtrennung der Haut die Möglichkeit einer Verschleppung von residenten Hautkeimen in primär sterile Körperbereiche mit sich bringt. Neben diesen sogenannten endogenen Infektionen können während einer Operation jedoch auch exogene Erreger aus dem Umfeld eines Operationssaals eine Infektion verursachen. Die Vermeidung derartiger Infektionen erfordert selbstverständlich in allererster Linie eine konsequente Einhaltung der einschlägigen Hygieneregeln.


Rosemarie Ziegler, Albershausen
Liraglutid wirksamer als Sitagliptin
Bei Typ-2-Diabetikern, die mit Metformin ungenügend eingestellt sind, wird durch zusätzliche Gabe von Liraglutid im Vergleich mit Sitagliptin eine bessere Diabeteskontrolle erzielt. Das ist das Ergebnis einer offenen, randomisierten Vergleichsstudie.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Bosentan steht auch Kindern zur Verfügung
Eine gefürchtete Komplikation bei Kindern mit einem angeborenen Herzfehler ist die pulmonal-arterielle Hypertonie. Für die Betroffenen bedeutet diese nicht nur eine Einschränkung der Lebensqualität, sondern auch eine Einschränkung der Prognose quoad vitam. Mit dem Endothelin-Rezeptorantagonisten Bosentan (Tracleer®) steht ein Medikament für die Behandlung dieses Krankheitsbildes zur Verfügung, das seit Juli 2009 auch in einer pädiatrischen Formulierung zugelassen ist. Die Studiendaten wurden auf einem von der Fa. Actelion Pharmaceuticals veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen der 42. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie am 3. Oktober 2010 in Weimar vorgestellt.


Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Vernakalant: Ein neuartiges Antiarrhythmikum
Mit Vernakalant (Brinavess®) wurde im September 2010 ein neuartiges Antiarrhythmikum zur Behandlung von Vorhofflimmern zugelassen. Intravenös verabreicht ermöglicht Vernakalant bei Patienten mit seit Kurzem bestehendem Vorhofflimmern die rasche Kardioversion in den Sinusrhythmus. Die Daten der zulassungsrelevanten Studien wurden bei einem von der Firma MSD Sharp & Dohme veranstalteten Symposium im Oktober 2010 im Rahmen der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Nürnberg vorgestellt.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Weniger Hypoglykämien unter Insulindetemir
Im Rahmen der 4-T-Studie wurden drei verschiedene Regime für den Einstieg in eine Insulintherapie miteinander verglichen, nämlich eine konventionelle Insulintherapie, eine prandiale Insulintherapie und eine Therapie mit einem langwirksamen Basalinsulin. Mit allen drei Strategien konnte nach drei Jahren eine gute glykämische Kontrolle erreicht werden. Allerdings waren die Inzidenz von Hypoglykämien und die Gewichtszunahme unter dem Basalinsulin Insulindetemir geringer, so das Fazit eines von der Firma NovoNordisk Pharma veranstalteten Symposiums im Rahmen der 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft in Stuttgart [2].


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Neue Therapieansätze bei Patienten mit Weichteilsarkomen
Als neue Therapieansätze werden derzeit bei Patienten mit Weichteilsarkomen in fortgeschrittenen Stadien der klinischen Prüfung der Angiogenesehemmer Pazopanib sowie der mTOR-Hemmer Ridaforolimus untersucht. Die beiden Substanzen wurden bei einem Symposium von MSD Sharp & Dohme während der DGHO-Jahrestagung in Berlin Anfang Oktober 2010 vorgestellt.