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29. Jahrgang Heft 3 März 2011

Editorial
Die Redaktion der „Arzneimitteltherapie”


Übersichten
Ingo Stock, Bonn

Erkrankungen durch gramnegative Bakterien mit einer Resistenz gegenüber zahlreichen Antibiotika werden immer häufiger. Multiresistente Pseudomonas-aeruginosa-, Acinetobacter-baumannii- und Klebsiella-pneumoniae-Stämme sind nicht selten gegenüber allen Beta-Lactamen, Chinolonen, Aminoglykosiden und vielen weiteren Antibiotika resistent. Die aufgrund schwerer Nebenwirkungen lange Zeit nur wenig eingesetzten Polymyxine (Colistin, Polymyxin B) zeigen eine gute In-vitro-Aktivität gegen viele gramnegative Bakterienarten und sind zumeist auch gegen multiresistente Stämme dieser Spezies aktiv. Ein klinisches Ansprechen auf Polymyxine bei Erkrankungen durch gramnegative multiresistente Erreger wurde in Kasuistiken, Fallserien und retrospektiven Untersuchungen belegt. Bei Infektionen mit manchen multiresistenten Erregern sind Polymyxine die derzeit einzige verbleibende Therapieoption. Aufgrund ihrer nephrotoxischen Eigenschaften sollte der Einsatz von Polymyxinen auf Pneumonien, Sepsen und andere schwere Erkrankungen durch multiresistente gramnegative Erreger beschränkt bleiben. In kontrollierten und vergleichenden klinischen Studien muss geklärt werden, ob Polymyxine alleine oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt werden sollten. Die optimale Dosierung und Therapiedauer sowie die mögliche Abhängigkeit dieser Parameter von der Indikation sind ebenfalls zu evaluieren.

Arzneimitteltherapie 2011;29:71–80.



Dr. Christoph Rüssel, Borken
Stellenwert von Degarelix und Anwendung in der Praxis

Ziel der medikamentösen Therapie des Prostatakarzinoms mit GnRH-Agonisten und -Antago- nisten ist die Hemmung der androgenvermittelten Tumorzellstimulation. Im vorliegenden Beitrag werden die verschiedenen Optionen der medikamentösen Kastration zur Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms dargestellt und die mögliche Bedeutung der bei Anwendung von GnRH-Agonisten beobachteten sogenannten Testosteron-Surges für den Therapieerfolg erörtert. Mögliche Indikationen einer Therapie mit dem GnRH-Antagonisten Degarelix werden anhand zweier Kasuistiken vorgestellt.

Arzneimitteltherapie 2011;29:83–8.



Fragen aus der Praxis
Sophie Lochner, Dresden

Das Antiarrhythmikum Dronedaron ist für erwachsene, klinisch stabile Patienten mit nicht permanentem Vorhofflimmern zugelassen, um ein erneutes Auftreten von Vorhofflimmern zu verhindern oder die ventrikuläre Herzfrequenz zu senken. Aufgrund des fehlenden Iodsubstituenten gilt Dronedaron als besser verträglich als Amiodaron – allerdings wurden inzwischen Fälle von Leberschädigungen unter Dronedaron bekannt, weshalb vor Behandlungsbeginn und im Therapieverlauf Leberfunktionstests durchgeführt werden sollten.



Klinische Studie
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Taxan-Kombination verbessert Rate für krankheitsfreies Überleben

Bei Mammakarzinom-Patientinnen mit negativem Nodalstatus und mindestens einem Hochrisikofaktor für ein Rezidiv ist die Rate für krankheitsfreies Überleben unter einer adjuvanten Chemotherapie mit Docetaxel, Doxorubicin, Cyclophosphamid (TAC) besser als unter Fluorouracil, Doxorubicin, Cyclophosphamid (FAC). Das ergab die GEICAM-9805-Studie nach einem medianen Follow-up von 77 Monaten.



Referiert & kommentiert
Rosemarie Ziegler, Albershausen
Doch ein erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom?

Personen, die über mehrere Jahre orale Bisphosphonate einnehmen, haben gegenüber Personen ohne diese Medikation ein signifikant erhöhtes Risiko für ein Ösophaguskarzinom. Das ergab eine jüngst publizierte Analyse eines britischen Patientenregisters.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Langjährige Einnahme von Acetylsalicylsäure schützt vor Kolorektalkarzinom

Durch die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure in Tagesdosen von mindestens 75 mg über mindestens fünf Jahre können die Langzeitinzidenz und -mortalität für ein Kolorektalkarzinom verringert werden. Die Schutzwirkung ist beim proximalen Kolonkarzinom am stärksten ausgeprägt. Das ergab eine Auswertung der Langzeitdaten von fünf Studien, in denen Acetylsalicylsäure zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse eingenommen wurde.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Rituximab als Erhaltungstherapie in allen Therapielinien zugelassen

Ende Oktober 2010 hat die Europäische Kommission die Zulassung von Rituximab (Mabthera®) erweitert, es kann nun auch zur Erstlinien-Erhaltungstherapie von Patienten mit follikulärem Lymphom eingesetzt werden. Die Zulassung basiert auf den Daten der PRIMA-Studie (Primary rituximab and maintenance). Die beim ASH 2010 präsentierten Drei-Jahres-Daten dieser Studie wurden bei einer Pressekonferenz der Roche Pharma AG im Januar 2011 in Frankfurt vorgestellt.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Nilotinib als neue CML-Erstlinientherapie zugelassen

Ende Dezember 2010 erteilte die europäische Arzneimittelbehörde EMA die EU-weite Zulassung für Nilotinib (Tasigna®) zur Therapie erwachsener Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie (Ph+-CML) in der chronischen Phase. Die Zulassung basiert auf den Daten der ENESTnd-Studie, die bei einer von Novartis im Dezember 2010 in Frankfurt veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt wurden. Nilotinib steht nun für die Erst- und Zweitlinientherapie zur Verfügung.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Therapieziele glucocorticoidfreie Remission und Mukosaheilung stehen im Vordergrund

Durch medikamentöse Therapien sollen die Entzündungsaktivität von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verringert, eine Remission erreicht, Rezidive und Komplikationen verhindert und die Lebensqualität verbessert werden. TNF-α-Antikörper können wesentlich dazu beitragen, auch die Therapieziele glucocorticoidfreie Remission und Heilung der Mukosa zu erreichen. Auf einem Pressegespräch des MSD-Unternehmens Essex Pharma im Dezember 2010 in Hamburg wurden anhand aktueller Daten von der 18th United European Gastroenterology Week unter anderem Strategien zur Optimierung einer Therapie mit Infliximab bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen diskutiert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Telmisartan-Amlodipin-Fixkombination für Hochrisiko-Hypertoniker

Hypertoniker mit weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren und/oder Begleiterkrankungen gelten als Hochrisiko-Patienten, bei denen durch Antihypertensiva nicht nur eine effektive Blutdrucksenkung, sondern auch eine Organprotektion angestrebt werden sollte. Die seit Oktober 2010 zugelassene antihypertensive Fixkombination Telmisartan plus Amlodipin (Twynsta®) wird diesen Ansprüchen in besonderem Maße gerecht, so das Fazit eines von der Firma Boehringer Ingelheim anlässlich des Kongresses der Deutschen Hochdruckliga im Dezember 2010 in Berlin veranstalteten Satellitensymposiums.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Lehren aus der Grippe-Pandemie 2009

Glücklicherweise war das H1N1-Virus der Pandemie 2009 nur niedrig pathogen, so dass die Folgen bei weitem nicht so schwerwiegend waren, wie zunächst befürchtet. Eine sachliche Bestandsaufnahme der Pandemie 2009 ermöglicht es, sich nun auf kommende Pandemiefälle besser vorzubereiten.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau