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29. Jahrgang Heft 4 April 2011

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Übersichten
Birgit Aßmus und Andreas M. Zeiher, Frankfurt/Main

Eine wesentliche Komplikation nach akutem Herzinfarkt ist die Entwicklung einer Postinfarkt-Herzinsuffizienz. In den letzten Jahren hat man erkannt, dass durch die Gabe von Stammzellen zumindest experimentell eine kardiale Regeneration möglich ist. Daraufhin wurden klinische, Zell-basierte Therapien entwickelt, mit dem Ziel, die Entwicklung einer Postinfarkt-Herzinsuffizienz zu verhindern. Erste klinische Studien, in denen mehrheitlich autologe Knochenmarkprogenitorzellen verwendet wurden, erbrachten durchweg positive Resultate im Hinblick auf eine Verbesserung der linksventrikulären Funktion nach Myokardinfarkt. Hingegen zeigten nachfolgende randomisierte Studien unterschiedliche Ergebnisse, was teilweise durch heterogene Patientenkollektive und unterschiedliche Zellpräparation erklärbar ist. Erste Metaanalysen deuten neben einer Verbesserung der linksventrikulären Funktion auch auf eine Reduktion der klinischen Ereignisrate hin. Zu Patienten mit refraktärer Angina pectoris existieren bisher nur wenige randomisierte Studien; darin wurde eine direkte intramyokardiale Injektion der autologen Zellen ohne relevante Komplikationen durchgeführt. Mehrheitlich ergaben die Studien eine verbesserte Belastbarkeit der Patienten. Insgesamt ist die Fallzahl in diesen Studien für verlässliche Aussagen jedoch noch zu gering. Erste Studien mit Patienten mit chronisch ischämischer Herzinsuffizienz zeigten positive Effekte auf die linksventrikuläre Pumpfunktion, es gibt jedoch bisher keine Plazebo-kontrollierten Studien. Eine wesentliche Limitation zahlreicher Studien ist die Tatsache, dass die Qualität der verwendeten Zellen auf unterschiedliche Arten untersucht wurde und die durchgeführten Qualitätskontrollen bisher nicht ausreichend standardisiert sind. Dies könnte mit zu den heterogenen Resultaten der Zelltherapie in klinischen Studien beitragen. Ziel aktueller Forschung ist es, die Effektivität der Zelltherapie durch ein besseres Verständnis der Wirkungsmechanismen, die Auswahl geeigneter Zellen sowie Selektion der passenden Patienten und Applikationsmethoden zu steigern. Zusammengefasst bietet die Zelltherapie erstmals die Möglichkeit, eine funktionelle kardiovaskuläre Regeneration zu erzielen. Gegenwärtig sollte die Gabe von Stamm- und Progenitorzellen angesichts der limitierten Evidenz jedoch nur im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien erfolgen.

Arzneimitteltherapie 2011;29:106–16.



Johann D. Ringe, Leverkusen
Synergistische Effekte auf Knochen, Muskeln, Schmerz, Sturz- und Frakturrisiko durch neue Kombinationstherapie

An der Entstehung der meisten osteoporotischen Frakturen ist eine inadäquate Krafteinwirkung bzw. ein Sturztrauma beteiligt. Die therapeutische Strategie zur Senkung des Frakturrisikos sollte daher nicht nur auf eine Verbesserung der Knochenfestigkeit hinzielen, sondern auch positive Effekte auf Muskelkraft, Balance und Sturzrisiko haben. Da Immobilität durch Schmerz oder Angst vor neuen Stürzen Muskelabbau und Osteopenie verstärkt, müssen auch diese beiden wichtigen Komponenten im Therapiekonzept berücksichtigt werden. Eine moderne Osteoporosebehandlung mit dem Ziel, künftige Frakturen zu vermeiden, muss also pleiotrop auf Knochen, Muskeln und Sturz ausgerichtet sein und gleichzeitig Schmerz und Sturzangst bekämpfen. Die Kombinationstherapie mit dem antiresorptiv wirksamen Bisphosponat Alendronsäure und dem pleiotrop wirksamen Vitamin-D-Hormon-Prodrug Alfacalcidol wird diesen Anforderungen an eine optimierte Osteoporosetherapie gerecht. Die Überlegenheit dieser Kombinationstherapie im Vergleich zu den jeweiligen Monotherapien wird durch mehrere Studien belegt. Die Wirkstoffkombination (Tevabone®) ist in Deutschland seit Juni 2008 zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose zugelassen.

Arzneimitteltherapie 2011;29:119–24.



Klinische Studien
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Langzeitergebnisse der TAX324-Studie

Eine Induktionschemotherapie mit Docetaxel, Cisplatin und Fluorouracil (TPF) verbessert im Vergleich zur Induktionschemotherapie mit Cisplatin/Fluorouracil (PF) das Gesamtüberleben bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6 Jahren signifikant.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Adjuvante Therapie mit Interferon alfa-2b verbessert Überleben nicht

Eine adjuvante Therapie mit Interferon alfa-2b (Intron A) in mittlerer Dosierung über ein oder zwei Jahre verbessert bei Patienten mit Melanom im Stadium IIB, IIC oder III die Überlebenszeit nicht. Das rückfallfreie Überleben wurde nach einem Jahr Therapie durch die Interferon-Behandlung signifikant verlängert, nach zwei Jahren konnte jedoch kein Effekt mehr gesehen werden. Dies ergab die Nordic-IFN-Studie, eine randomisierte offene Phase-III-Studie.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr.Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Arzneimittelinteraktionen aktuell

An dieser Stelle informieren wir Sie kurz über aktuelle Veröffentlichungen zu therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Kein Therapievorteil von Mycophenolatmofetil gegenüber Azathioprin

Bei Patienten mit Anti-Neutrophilen-zytoplasmatischer-Antikörper-(ANCA-)assoziierter Vaskulitis konnte die Krankheit mit Mycophenolatmofetil weniger erfolgreich in Remission gehalten werden als mit Azathioprin. Die Nebenwirkungsrate fiel in dieser offenen, randomisierten, kontrollierten Multicenterstudie in beiden Behandlungsgruppen ähnlich aus.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Erhöhtes Thromboembolierisiko im Off-Label-Einsatz bei Älteren

Der rekombinante aktivierte Gerinnungsfaktor VII (rFVIIa; Eptacog alfa [aktiviert]) wird bei starken und lebensbedrohlichen Blutungen häufig auch bei Nicht-Hämophilie-Patienten eingesetzt, zugelassen ist diese Indikation allerdings nicht. In einer Analyse von 35 Studien, in denen der Gerinnungsfaktor off Label gegeben wurde, ergab sich ein erhöhtes Risiko für arterielle Thromboembolien. Betroffen von diesen Nebenwirkungen sind vor allem ältere Patienten, insbesondere die über 74-Jährigen.



Dr. med. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Kardiovaskuläres Ereignis trotz ASS-Prophylaxe

Tritt trotz Acetylsalicylsäure-(ASS-)Prophylaxe ein kardiovaskuläres Ereignis auf, wurde vermutet, dass ASS seine erwartete Plättchenfunktionshemmung nicht entfaltet. Eine klinische Studie an 174 Patienten kommt zu dem Ergebnis, dass dies nicht zutrifft. Bei Patienten mit klinischem Versagen der ASS-Therapie war der plättchenfunktionshemmende Effekt von ASS normal, die Patienten wiesen jedoch ein höheres persönliches Risikoprofil für kardiovaskuläre Ereignisse auf.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Tocilizumab unter Real-Life-Bedingungen

Die klinischen Wirkungen von Tocilizumab (RoActemra®) bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) sind in Kombinations- und in Monotherapie auch unter Praxisbedingungen vergleichbar gut. Dies bestätigen die Ergebnisse der ACT-SURE-Studie, die zudem belegen, dass mit der Tocilizumab-Behandlung unmittelbar nach Beendigung einer Therapie mit einem TNF-alpha-Blocker begonnen werden kann.



Dr. Ingo Stock, Bonn
Wirksame Zweitlinientherapie mit Cabazitaxel

Beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom gilt die Gabe von Docetaxel/Prednison als chemotherapeutische Behandlungsoption der Wahl. Bei Nicht-Ansprechen auf diese Erstlinientherapie waren bislang keine Arzneistoffe verfügbar, für deren Anwendung in randomisierten Untersuchungen ein Überlebensvorteil gezeigt werden konnte. In einer randomisierten, multizentrischen Phase-III-Studie wurde erstmalig dokumentiert, dass bei diesen Patienten durch Gabe von Cabazitaxel/Prednison ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil gegenüber einer Behandlung mit Mitoxantron/Prednison erreicht werden kann. Diese Ergebnisse wurden in einer Fachpressekonferenz der Firma Sanofi-Aventis vorgestellt [1] und inzwischen auch in „Lancet“ publiziert [5] und führten bereits zur Zulassung in den USA und einer Zulassungsempfehlung in Europa.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Sunitinib bei pankreatischen neuroendokrinen Tumoren wirksam

Der Tyrosinkinasehemmer Sunitinib (Sutent®) wurde Ende November 2010 von der EU-Kommission für die Behandlung von Erwachsenen mit nicht resezierbaren und/oder metastasierten gut differenzierten pankreatischen neuroendokrinen Tumoren (pNET) mit Krankheitsprogression zugelassen. Aktuelle Daten zu Sunitinib wurden bei einer Pressekonferenz von Pfizer Oncology am 1. Februar 2011 in Berlin vorgestellt.



Abdol A. Ameri, Weidenstetten
Eine Ursache für Schlaganfälle im jungen Erwachsenenalter

Morbus Fabry, eine hereditäre lysosomale Speichererkrankung, kann ein breites Spektrum an kardialen, renalen und neurologischen Krankheitsbildern verursachen. Vor allem bei Schlaganfällen unbekannter Ätiologie, die vor dem 55. Lebensjahr auftreten, sollte an das Vorliegen eines Morbus Fabry gedacht werden. Die Diagnose ist relativ einfach und mit Hilfe einer Enzymersatztherapie ist eine kausale Behandlung möglich.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau