Suche / Archiv


Erweiterte Suche

29. Jahrgang Heft 6 Juni 2011

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Übersichten
Egid Strehl und Heidegun Blümle, Freiburg
Aktuelle Empfehlungen für die Therapie unkomplizierter bakterieller Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen

Nach den Empfehlungen der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen (HWI) sind Fosfomycin-Trometamol und Nitrofurantoin Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der unkomplizierten Zystitis bei nicht schwangeren Frauen. Penicillinderivate, Cephalosporine oder Fosfomycin-Trometamol werden bei Schwangeren, Fluorchinolone bei Männern für die Erstbehandlung empfohlen. Die Therapie der Pyelonephritis sollte bei Frauen und Männern bevorzugt mit Fluorchinolonen erfolgen, bei Schwangeren mit Cephalosporinen der Gruppen 2 und 3. Die Behandlungsempfehlungen für ansonsten gesunde Frauen in der Prä- und Postmenopause sowie für Nichtdiabetiker und Diabetiker mit stabiler Stoffwechsellage unterscheiden sich nicht. Eine Urinkultur sollte nicht routinemäßig, sondern nur bei entsprechender Indikation (z. B. bei Anzeichen einer rezidivierenden Harnwegsinfektion bei ambulanten Patienten, zur gezielten Suche in der Schwangerschaft oder bei Immunsuppression) angelegt werden. Kenntnisse über die lokale Resistenzrate des Erregerspektrums sollten bei der Therapieauswahl berücksichtigt werden, insbesondere bei der Anwendung von Fluorchinolonen und Cotrimoxazol bzw. Trimethoprim. Die Leitlinienempfehlungen zielen vor allem darauf ab, Patienten mit Harnwegsinfektionen möglichst kurz, aber effektiv zu therapieren.

Arzneimitteltherapie 2011;29:176–84.



Martin Alberer, Karl-Heinz Herbinger und Hans Dieter Nothdurft, München

Die Möglichkeit, Reisende nach ausführlicher Beratung mittels Impfung vor gefährlichen Infektionserkrankungen zu schützen, gehört zum zentralen Teil der Reisemedizin. Bei der stetig wachsenden Zahl der Fernreisen und den sich möglicherweise auch im Rahmen des Klimawandels ausbreitenden, ehemals tropenspezifischen Erkrankungen wie Dengue oder Chikungunya ist der Entwicklung neuer Impfstoffe gegen diese Infektionskrankheiten ein hoher Stellenwert zuzuschreiben. Aber auch bei bereits impfpräventablen Erkrankungen wie der Japanischen Enzephalitis oder Meningokokken-Erkrankungen konnten durch neu entwickelte Impfstoffe eine verbesserte Verträglichkeit und Wirksamkeit der Impfungen erzielt werden. Dabei sind in diesem Bereich der Medizin auch in den kommenden Jahren durch die Entwicklung von Impfstoffen (beispielsweise gegen Malaria) oder die Anwendung gänzlich neuartiger Impfansätze (z. B. transdermale Impfung) wichtige Fortschritte zu erwarten.

Arzneimitteltherapie 2011;29:187–93.



Klinische Studie
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Neue Therapieoption mit Fidaxomicin

Bei Clostridium-difficile-Infektionen konnten mit Fidaxomicin, einem Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse, vergleichbare klinische Heilungsraten erzielt werden wie mit dem Glykopeptid-Antibiotikum Vancomycin. Unter Fidaxomicin war das Rückfallrisiko bei Patienten mit Infektionen mit Non-NAP1/BI/027-Stämmen jedoch deutlich geringer als unter Vancomycin.



Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Behandlungserfolge auch ohne Interferon

Bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion konnte durch eine Behandlung mit zwei neuen, oral verfügbaren Wirkstoffen – einem Polymerase- und einem Protease-Inhibitor – die Viruslast deutlich, teilweise sogar unter die Nachweisgrenze gesenkt werden.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Niedermolekulares oder unfraktioniertes Heparin?

In der multizentrischen PROTECT-Studie (Prophylaxis for thromboembolism in critical care trial) wurde die Wirksamkeit einer Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin (Dalteparin) mit der von unfraktioniertem Heparin bei kritisch kranken Patienten verglichen. Tiefe Beinvenenthrombosen und schwere unerwünschte Ereignisse wie schwere Blutungen oder Tod traten in beiden Gruppen gleich häufig auf. Unter Behandlung mit niedermolekularem Heparin fanden sich weniger Lungenembolien und Heparin-induzierte Thrombozytopenien, die als sekundäre Endpunkte allerdings nur begrenzt aussagekräftig sind.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Zugang über A. femoralis oder A. radialis gleichwertig

Bei der Frage, ob man als Zugang für die Koronarangiographie bzw. perkutane Koronarintervention (PCI) besser die A. femoralis oder die A. radialis nutzen sollte, gehen die Meinungen der Kardiologen auseinander. Die multizentrische RIVAL-Studie, an der über 7 000 Patienten mit akutem Koronarsyndrom teilnahmen, ergab nun, dass beide Vorgehensweisen gleich sicher und erfolgreich sind. Allerdings traten beim Zugang über die A. radialis weniger lokale Gefäßkomplikationen auf.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Die sofortige Therapieeinleitung ist essenziell

Bei einem anaphylaktischen Schock handelt es sich um eine schwere systemische Überempfindlichkeitsreaktion, die meist immunologisch vermittelt wird. Entscheidend für die Prognose ist eine sofortige Therapieeinleitung mit Volumensubstitution, Catecholamin-, Antihistaminika- und Glucocorticoid-Gabe. Die Behandlung des anaphylaktischen Schocks war Thema eines Seminars im Rahmen des Kongresses Interdisziplinäre Intensivmedizin, der vom 6. bis 10. März 2011 in Garmisch-Partenkirchen stattfand.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Die Therapie orientiert sich am Anfallstyp

Voraussetzung für eine adäquate Therapie epileptischer Anfälle bei Intensivpatienten ist die rasche zuverlässige Diagnosestellung, was bei nichtkonvulsiven Anfällen nicht immer einfach ist. Im Mittelpunkt der Therapie steht, soweit möglich, die Behandlung der Grunderkrankung. Dazu kommt – neben der Vermeidung oder Behandlung von Komplikationen – eine spezifische antikonvulsive Therapie, die bei einem epileptischen Status frühzeitig und in ausreichend hoher Dosierung durchgeführt werden sollte. Die Therapie epileptischer Anfälle bei Patienten auf der Intensivstation war Thema eines Seminars im Rahmen des Kongresses Interdisziplinäre Intensivmedizin, der vom 6. bis 10. März 2011 in Garmisch-Partenkirchen stattfand.



Stefan Oetzel, Tübingen
Tapentadol − eine neue Behandlungsoption

Die Behandlung von Schmerzpatienten erfordert ein individuell auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmtes Therapiemanagement. Dabei hat die Lebensqualität der Patienten oberste Priorität. Seit Oktober 2010 steht mit retardiertem Tapentadol (Palexia® retard) ein neuartiges Analgetikum mit einem dualen Wirkungsmechanismus zur Verfügung. Studien ergaben, dass unter Tapentadol – bei gleicher analgetischer Wirksamkeit – weniger Opioid-typische Nebenwirkungen auftraten als unter Oxycodon. Zudem wirkte es sich positiver auf die Lebensqualität der Betroffenen aus. Die Daten wurden Ende März 2011 in Frankfurt auf einem von der Firma Grünenthal veranstalteten Symposium vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau