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29. Jahrgang Heft 7/8 Juli/August 2011

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Übersichten
Gerd Laux, Wasserburg a. Inn/München
Eine Übersicht

Das Anfang 2009 zugelassene Antidepressivum Agomelatin weist als melatonerger (MT1- und MT2-Rezeptor-) Agonist und gleichzeitiger Serotonin-5-HT2C-Rezeptor-Antagonist einen innovativen Wirkungsmechanismus auf. Experimentell ließen sich schlafregulierende Eigenschaften verifizieren. Kontrollierte klinische Studien versus Plazebo, Escitalopram, Fluoxetin, Sertralin und Venlafaxin belegen antidepressive Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit, auch eine jüngst abgeschlossene große Anwendungsbeobachtungsstudie zeigte günstige Resultate. Es konnten keine klinisch relevanten Veränderungen laborchemischer oder kardiovaskulärer Parameter und keine Gewichtsveränderung festgestellt werden. Sexuelle Funktionsstörungen waren unter Agomelatin-Therapie im Vergleich zu Venlafaxin deutlich seltener, Absetzsymptome traten im Vergleich zu Paroxetin nicht auf. Als Wirkprofil von Agomelatin scheinen sich depressionsassoziierte Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus herauszukristallisieren.

Arzneimitteltherapie 2011;29:211–7.



Kristina M. Dahlem, Esther Biesenbach, Natig Gassanov, Erland Erdmann und Fikret Er, Köln

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind in den westlichen Industrieländern wesentlich für die Mortalität und Morbidität in der Bevölkerung verantwortlich. In der Pathogenese der Atherosklerose spielen oxidative Prozesse eine entscheidende Rolle. Durch Oxidation von Lipoproteinen kommt es zu einer massiven Fettüberladung der Makrophagen mit Schaumzellbildung und der Entstehung einer atherosklerotischen Plaque. Vitamine und andere Nährstoffe bieten theoretisch die Möglichkeit, über antioxidative oder weitere protektive Mechanismen frühzeitig in die Pathogenese kardiovaskulärer Erkrankungen einzugreifen. Beobachtungsstudien ergaben Hinweise auf eine inverse Korrelation zwischen der Einnahme von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln und dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse. In prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studien konnte eine Supplementierung mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln jedoch weder im Rahmen der Primär- noch in der Sekundärprävention als sinnvoller therapeutischer Einsatz bestätigt werden.

Arzneimitteltherapie 2011;29:218–28.



Referiert & kommentiert
Rosemarie Ziegler, Albershausen
Rivastigmin für die Therapie des Deliriums ungeeignet

Obwohl der Einsatz eines Cholinesterasehemmers beim Delirium biologisch plausibel erscheint, musste eine Studie in den Niederlanden wegen erhöhter Sterblichkeit in der Rivastigmin-Gruppe vorzeitig beendet werden.



Bettina Christine Martini, Legau
LDL-Cholesterol je niedriger desto besser

In einer großen Metaanalyse mit 170 000 Patienten wurde untersucht, inwieweit eine stärkere Senkung des LDL-Cholesterolwerts auch eine bessere Risikoreduktion bewirkt. Die Ergebnisse sprechen für eine möglichst starke Absenkung des LDL-Cholesterols.



Dr. med. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Entzündungshemmend und leicht diabetogen

Die CSE-Hemmer Atorvastatin und Rosuvastatin führen zu einer deutlichen Verbesserung einer Hyperlipidämie und zu einer Verringerung des Entzündungsmarkers CRP. Veränderungen verschiedener Parameter der Glucosehomöostase lassen jedoch auf eine leichte diabetogene Wirkung schließen.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Initiale Kombinationstherapie mit Aliskiren und Amlodipin

Die Kombination von Aliskiren und Amlodipin ist seit Kurzem zur Behandlung der Hypertonie zugelassen. In der ACCELERATE-Studie wurde der initiale Einsatz dieser Kombination mit einem verzögerten Therapiebeginn nach initialer Monotherapie mit Aliskiren oder Amlodipin verglichen. Bei vergleichbarer Verträglichkeit wurde eine raschere Blutdrucksenkung erreicht.



Simone Reisdorf, Erfurt-Linderbach
Tigecyclin, ein Instrument der antibiotischen Vielfalt

Während Infektionen durch multiresistente Bakterien immer häufiger werden, schwinden die Möglichkeiten einer antibiotischen Therapie. Betroffen sind davon vor allem infizierte Patienten auf Intensivstationen. Die Wirksamkeit des intravenös applizierbaren Tigecyclin ist dennoch unverändert gut, und zwar in vitro und in vivo. Dies wurde auf einem von der Pfizer Deutschland GmbH veranstalteten Pressegespräch in Berlin betont.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Höhere Chancen auf Heilung mit dem HCV-Proteasehemmer Boceprevir

Werden Patienten mit einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) vom Genotyp 1 zusätzlich zu einer Standardtherapie mit dem HCV-Proteasehemmer Boceprevir behandelt, ist die Heilungsrate etwa zwei- bis dreimal so hoch wie bei einer alleinigen Standardtherapie, und zwar sowohl bei therapienaiven als auch bei vorbehandelten Patienten. Dieses Ergebnis wurde, ebenso wie Prädiktoren für eine Heilung und eine kürzere Therapiedauer, auf einer Pressekonferenz des Unternehmens MSD Sharp & Dohme im Rahmen des 46th Annual Meeting of the European Association for the Study of the Liver (EASL) in Berlin vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Erfolgreiche Prävention mit Fosaprepitant

In einer randomisierten, doppelblinden Studie wurde die Wirksamkeit einer einmaligen Infusion von 150 mg Fosaprepitant mit derjenigen einer dreimaligen Einnahme von Aprepitant in der Prävention akuter und verzögerter Nausea und Emesis bei hochemetogener Chemotherapie verglichen. Studiendaten zur Anwendung von Fosaprepitant in dieser neuen Dosierung wurden bei einem Satellitensymposium der MSD Sharp & Dohme GmbH anlässlich des 2. Jahreskongresses der Arbeitsgemeinschaft „Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin“ der Deutschen Krebsgesellschaft (ASORS) in Berlin vorgestellt.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Pirfenidon wirkt antifibrotisch und antiinflammatorisch

Die idiopathische Lungenfibrose ist eine progressive Erkrankung mit sehr schlechter Prognose. Pathogenetisch spielt die Aktivierung von Fibroblasten eine wichtige Rolle. Pirfenidon, das antifibrotisch und antiinflammatorisch wirkt, wurde Ende Februar 2011 in Europa als erstes Arzneimittel zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose zugelassen. Wesentlich für die Zulassung waren vier randomisierte, Plazebo-kontrollierte Studien. Im Rahmen einer von InterMune Deutschland GmbH veranstalteten Pressekonferenz anlässlich des 52. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. in Dresden wurden Ergebnisse dieser Studien vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Zielgerichtete Therapien bei fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom

Eine platinhaltige Zweifachkombination ist seit langem Standard in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC). Bei Patienten mit einem Nicht-Plattenepithelkarzinom kann eine solche Zweifachkombination um den monoklonalen Antikörper Bevacizumab ergänzt werden. Bei Patienten, deren Krankheitszustand nach einer platinbasierten Standard-Chemotherapie unverändert ist, kommt eine Erhaltungstherapie mit dem Tyrosinkinaseinhibitor Erlotinib infrage. Studienergebnisse, die zeigen, dass Erlotinib in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen NSCLC ebenso wirksam ist wie Docetaxel oder Pemetrexed, wurden bei einer Presskonferenz der Roche Pharma AG anlässlich des 52. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) in Dresden vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau