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29. Jahrgang Heft 9 September 2011

Editorial
Prof. Dr. Clemens Unger, Freiburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Philipp le Coutre, Berlin, und Petra Jungmayr, Esslingen
Tyrosinkinasehemmer bei Philadelphia-Chromosom-positiver chronisch-myeloischer Leukämie

Die chronisch-myeloische Leukämie (CML) ist die erste hämatologische Erkrankung, deren pathogenetischer Hintergrund auf molekularer Ebene mithilfe zytogenetischer und molekularbiologischer Untersuchungen weitgehend aufgeklärt werden konnte. Charakteristisch ist die Expression eines Fusionsproteins mit permanenter Tyrosinkinaseaktivität, die eine gesteigerte, unkontrollierte Zellteilung zur Folge hat. Ein entscheidender Fortschritt in der Therapie der Erkrankung bestand in der Entwicklung spezifischer Wirkstoffe, die die pathologisch aktivierte Tyrosinkinase hemmen. Der erste therapeutisch eingesetzte Tyrosinkinasehemmer war Imatinib (Glivec®), das 2001 zugelassen wurde. Resistenzen gegenüber Imatinib führten zur Entwicklung neuer Wirkstoffe: Fünf Jahre später wurde Dasatinib (Sprycel®) eingeführt, seit Anfang 2008 steht mit Nilotinib (Tasigna®) ein weiterer Tyrosinkinasehemmer zur Verfügung. Zunächst war die Zulassung von Nilotinib auf die Behandlung erwachsener Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver (Ph+) CML in der chronischen und akzelerierten Phase bei Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber einer Vorbehandlung einschließlich Imatinib beschränkt. Ende Dezember 2010 erhielt es die Zulassungserweiterung für die Erstlinientherapie von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom-positiver CML in der chronischen Phase.

Arzneimitteltherapie 2011;29:251–7.



Übersichten
Uwe Lange, Ulf Müller-Ladner, Bad Nauheim, und Johannes Pfeilschifter, Essen
Bedeutung für die Praxis

Funktionseinschränkungen sowie der Verlust von Selbstständigkeit und Lebensqualität sind mögliche Folgen einer osteoporoseassoziierten Fraktur. Die prophylaktischen Maßnahmen konzentrieren sich vor allem auf den Erhalt von Muskulatur und Koordination, eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D sowie die Überprüfung der Notwendigkeit und Dosierung von sturz- bzw. osteoporosebegünstigenden Medikamenten. Eine spezifische Osteoporosemedikation wird ab einem 10-Jahres-Frakturrisiko von 30 % für proximale Femurfrakturen und Wirbelkörperfrakturen empfohlen. In der vorliegenden Arbeit werden die aktualisierte S3-Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) sowie die darin enthaltenen Neuerungen zusammengefasst.

Arzneimitteltherapie 2011;29:259–66.



Pharmakovigilanz
Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Porträt eines Enzyms – CYP1A2

Das Cytochrom-P450-(CYP-)Isoenzym 1A2 ist am Metabolismus von Prokarzinogenen und etwa 10 bis 15 % aller klinisch relevanten Arzneistoffe beteiligt, darunter Antidepessiva wie Agomelatin und Duloxetin, Neuroleptika wie Clozapin und Olanzapin oder das Antiasthmatikum Theophyllin. Der Metabolismus dieser Substrate kann durch Inhibitoren oder Induktoren von CYP1A2, unter anderem Tabakrauch, signifikant verändert werden. In dieser Übersicht werden Substrate, Inhibitoren und Induktoren des Isoenzyms vorgestellt und die klinische Relevanz einiger Interaktionen beschrieben.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Crizotinib bei ALK-positiven Patienten mit Lungenkrebs

Crizotinib ist ein Inhibitor der anaplastischen Lymphomkinase (ALK), der in den bisher durchgeführten Studien bei Patienten mit ALK-positivem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) vielversprechende Wirkungen gezeigt hat. Aktuelle Studienergebnisse wurden im Rahmen des diesjährigen Kongresses der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
MetMAb: Endergebnisse der OAM4558g-Studie

MetMAb verbessert in Kombination mit dem Tyrosinkinaseinhibitor Erlotinib (Tarceva®) bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs und mit positivem Nachweis von Met-Protein das progressionsfreie sowie das Gesamtüberleben. Die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden Phase-II-Studie OAM4558g wurden auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Vadimezan bei Lungenkrebs enttäuschend

Das gefäßzerstörend wirkende Vadimezan (Novartis) zeigte in der Phase-III-Studie ATTRACT-1 (Antivascular targeted therapy researching ASA404 in cancer treatment) nicht die erhoffte Wirkung. Die weitere Entwicklung der Substanz wurde mittlerweile eingestellt. Ergebnisse der ATTRACT-1-Studie wurden auf dem Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Juni dieses Jahres in Chicago vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Vemurafenib verlängert Gesamtüberleben

Der BRAF-Inhibitor Vemurafenib verlängert das Gesamtüberleben von Patienten mit nicht vorbehandeltem, metastasiertem Melanom und einer BRAF-V600-Mutation im Vergleich zu einer Standardchemotherapie signifikant. Dies ergab die Phase-III-Studie BRIM3 (BRAF-inhibitor in melanoma 3), die auf dem ASCO 2011 vorgestellt wurde. Inzwischen wurde die Zulassung von Vemurafenib zur Behandlung bei BRAF-V600-Mutation-positivem metastasiertem Melanom bei der European Medicines Agency (EMA) beantragt.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Zoledronsäure verlängert Überlebenszeit im Vergleich zu Clodronsäure

Bei malignen Knochentumoren reduzieren Bisphosphonate das Risiko für Skelettereignisse. Für Zoldedronsäure wurden zusätzlich Antitumor-Eigenschaften nachgewiesen. In einer randomisierten, klinischen Studie konnte Zoledronsäure die Überlebenszeit von Patienten mit multiplem Myelom im Vergleich zu Clodronsäure signifikant verlängern.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Erlotinib in der Erstlinientherapie

Der Tyrosinkinasehemmer Erlotinib (Tarceva®) ist in der Erstlinientherapie bei Patienten mit EGFR-mutiertem fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) signifikant besser wirksam als eine Standardchemotherapie, so das beim diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellte Ergebnis der EURTAC-Studie (European randomised trial of Tarceva vs. chemotherapy). Auf Basis dieser Studienergebnisse erielt Erlotinib am 22. Juli 2011 vom Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) die Zulassungsempfehlung in dieser Indikation.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Überlebensverlängerung mit adjuvanter Therapie über drei Jahre

Bei Patienten mit gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) halbiert eine adjuvante Therapie mit Imatinib (Glivec®) über drei Jahre im Vergleich zu einer einjährigen Behandlung das Risiko, innerhalb von fünf Jahren zu versterben. Dies zeigten die beim diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago präsentierten endgültigen Ergebnisse der skandinavisch-deutschen SSGXVIII/AIO-Studie (Scandinavian-Sarcoma-Group-Studie Nummer 18/Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie).



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Der Aromatasehemmer Exemestan senkt das Risiko, an invasivem Brustkrebs zu erkranken

In einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie (MAP.3-Studie), an der postmenopausale Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko teilnahmen, senkte der Aromatasehemmer Exemestan (25 mg/Tag) das Risiko, an einem invasiven Mammakarzinom zu erkranken, signifikant um 65 % gegenüber Plazebo. Die Beobachtungszeit umfasste durchschnittlich 35 Monate. Diese Studienergebnisse wurden beim Jahreskongress der amerikanischen Krebsgesellschaft (American Society of Clinical Oncology, ASCO) im Juni 2011 in Chicago vorgestellt.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Genexpressionsanalysen beeinflussen die Therapieentscheidung

Die molekularbiologischen Informationen eines Genchips tragen beim frühen Mammakarzinom dazu bei, die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs einzuschätzen. Wie sich diese zusätzliche Information auf die Therapieentscheidung der behandelnden Ärzte auswirkt, wurde in mehreren Studien untersucht. Ergebnisse dieser Studien wurden bei einer von Genomic Health veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.



Dr. Mirjam Tessmer, Stuttgart
nab-Paclitaxel beim metastasierten Mammakarzinom

An Albumin-Nanopartikel gebundenes, lösungsmittelfreies Paclitaxel (nab-Paclitaxel) kann im Vergleich mit herkömmlichem Paclitaxel gezielter zum Tumor transportiert werden und lässt dadurch eine bessere Wirksamkeit bei geringerem Nebenwirkungspotenzial erwarten. Aktuelle Studiendaten wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Celgene am 19. Mai 2011 in Frankfurt vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Zirkulierende Krebszellen als neuer Surrogatparameter für das Überleben?

In einer Studie zu Abirateron bei Prostatakarzinom zeigte sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Zahl der zirkulierenden Krebszellen (CTC) und dem Überleben der Patienten. Dieses Studienergebnis wurde Anfang Juni auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Hochdosischemotherapie mit Busulfan/Melphalan verbessert Überleben bei Kindern

In einer Phase-III-Studie wurden bei Kindern mit Hochrisiko-Neuroblastom unter einer myeloablativen Therapie mit Busulfan/Melphalan bessere Ergebnisse erzielt als unter einer Therapie mit Carboplatin, Etoposid und Melphalan (CEM). Die Studie wurde vorzeitig gestoppt, weil bei einer Interimsanalyse nach drei Jahren in der Busulfan-Gruppe deutlich mehr Patienten ereignisfrei waren als in der CEM-Gruppe. Die Ergebnisse wurden auf dem diesjährigen ASCO-Kongress in Chicago vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau