Suche / Archiv


Erweiterte Suche

30. Jahrgang Heft 4 April 2012

Editorial
Prof. Dr. med. Roland Gugler, Karlsruhe
Ein aktuelles Problem?


Übersicht
Roland Büttner, Regensburg, und L. Cornelius Bollheimer, Nürnberg

Die Therapie des Typ-2-Diabetes ist in den letzten Jahren unter anderem durch die Gruppe der GLP-(Glucagon-like-peptide-)1-Agonisten, die den Inkretineffekt verstärken, ergänzt worden. Seit September 2011 liegt der erste für den klinischen Gebrauch zugelassene GLP-1-Agonist Exenatid in einer neuen Darreichungsform vor, die – statt wie bisher zweimal täglich – nur einmal wöchentlich subkutan appliziert werden muss. In dieser Übersicht werden Pharmakologie, Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Präparats dargestellt und mit der Alternativsubstanz Liraglutid im Hinblick auf den klinischen Stellenwert in der Diabetestherapie verglichen. Zusätzlich wird ein Ausblick auf die Entwicklung neuer GLP-1-Agonisten gegeben.

New developments in type 2 diabetes therapy with GLP-1 agonists

GLP-1 agonists enhance the endogenous incretin effect and are commonly used as a new treatment option for type 2 diabetes. The first GLP-1 agonist to be used in diabetes therapy, exenatide, has recently been approved in a slow release formulation which is injected subcutaneously once weekly instead of twice daily. This review focuses on the pharmacology, efficacy and safety of the new formulation and compares it to the alternative GLP-1 agonist liraglutide. New GLP-1 agonists in the pharmaceutical pipeline are introduced.

Key words: GLP-1 agonists, exenatide once weekly, liraglutide

Arzneimitteltherapie 2012;30:109–20.



Pharmakovigilanz
Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Das Cytochrom-P450-(CYP-)Isoenzym 2C9 ist am Metabolismus von etwa 15 bis 20 % aller klinisch relevanten Arzneistoffe beteiligt, darunter viele nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), einige Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten, zahlreiche Antidiabetika sowie alle Vitamin-K-Antagonisten und Phenytoin. Der Metabolismus dieser Substrate kann durch genetische Polymorphismen sowie durch Inhibitoren und Induktoren von CYP2C9 signifikant verändert werden. In dieser Übersicht werden Substrate, Inhibitoren und Induktoren des Isoenzyms CYP2C9 vorgestellt, die Bedeutung genetischer Polymorphismen angesprochen und die klinische Relevanz einiger Interaktionen beschrieben.

Portrait of an enzyme – CYP2C9

CYP2C9 is involved in the metabolism of 15–20 % of clinically relevant drugs. Among these are the Vitamin K antagonists (VKA), the sulfonylurea antidiabetic drugs and phenytoin. Metabolism of these substrates can be significantly altered due to inhibition, induction and polymorphisms in the CYP2C9 gene. Substrates, inhibitors and inducers of CYP2C9 and relevant genetic polymorphisms are reviewed and the clinically relevant drug-drug interactions are demonstrated.

Key words: CYP2C9, substrates, inhibition, induction, pharmacokinetic interactions, polymorphisms



Klinische Studie
Dr. med. Dr. med. vet. Tanja Neuvians, Ladenburg
Erweiterung der medikamentösen Therapieoptionen durch Ulipristalacetat

Die therapeutischen Möglichkeiten bei Uterusmyomen umfassen in erster Linie chirurgische oder auch radiologische Interventionen; medikamentöse Therapieoptionen sind limitiert. Zwar können myombedingte verlängerte und verstärkte Blutungen mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-(GnRH-)Agonisten gestoppt werden, aufgrund ihrer Nebenwirkungen können diese jedoch nur kurzzeitig eingesetzt werden. In zwei aktuellen Studien war der Progesteron-Rezeptormodulator Ulipristalacetat besser wirksam als Plazebo und erwies sich gegenüber dem GnRH-Agonisten Leuprorelinacetat – bei einem günstigeren Nebenwirkungsprofil – als nicht unterlegen. Seit Februar 2012 ist Ulipristalacetat (Esmya®) in Europa zur präoperativen Behandlung moderater bis schwerer Symptome bei Uterusmyomen zugelassen.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Idrabiotaparinux als mögliche Alternative zu Warfarin

In der Cassiopea-Studie war einmal wöchentlich subkutan verabreichtes Idrabiotaparinux im Anschluss an eine initiale Behandlung mit niedermolekularem Heparin bei Patienten mit einer akuten Lungenembolie eine wirksame und sichere Alternative zu Warfarin.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Rate von schweren Infektionen unter TNF-α-Antagonisten und DMARDs vergleichbar

Patienten mit schweren Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen, Psoriasis oder ankylosierender Spondylitis haben unter der Gabe von Tumornekrosefaktor-(TNF-)α-Antagonisten einer großen US-amerikanischen Kohortenstudie zufolge ein vergleichbar hohes Risiko für schwere Infektionen wie unter der Gabe von Disease-modifying antirheumatic drugs (DMARDs). Das Risiko für schwere Infektionen durch TNF-α-Antagonisten wurde bisher möglicherweise überschätzt.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Kombination von Spironolacton mit Cotrimoxazol erhöht das Hyperkaliämie-Risiko

Ältere Patienten, die langfristig Spironolacton einnehmen, sollten nicht mit Cotrimoxazol behandelt werden. Das ist das Ergebnis einer kanadischen Fall-Kontroll-Studie, bei der über 18 Jahre hinweg Klinikeinweisungen wegen Hyperkaliämie untersucht wurden.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Simone Reisdorf, Erfurt
Linezolid klinisch und mikrobiologisch erfolgreicher als Vancomycin

Bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie und Verdacht auf MRSA-Infektion muss rasch und zielsicher über die initiale antibiotische Therapie entschieden werden. In der ZEPHyR-Studie hat sich das Oxazolidinon Linezolid dem Glykopeptid-Antibiotikum Vancomycin, das bisher weitgehend als Goldstandard in dieser Indikation galt, signifikant überlegen gezeigt. Die Ergebnisse der Studie wurden bei einer von Pfizer veranstalteten Pressekonferenz im Februar 2012 in Berlin vorgestellt.



Bettina Christine Martini, Legau
Sitagliptin in allen Stadien einer Niereninsuffizienz anwendbar

Der DPP-(Dipeptidylpeptidase-)IV-Hemmer Sitagliptin hat Ende Dezember 2011 seitens der europäischen Arzneimittelbehörde die Empfehlung zur Zulassung für den Einsatz bei Typ-2-Diabetikern mit mäßiger bis schwerer (einschließlich terminaler) Niereninsuffizienz erhalten. Im Rahmen einer im Februar von der Firma Berlin Chemie in München veranstalteten Pressekonferenz wurde die Therapie mit Sitagliptin den anderen therapeutischen Möglichkeiten bei Typ-2-Diabetikern mit Niereninsuffizienz gegenübergestellt.



Bettina Christine Martini, Legau
Monotherapie mit Vildagliptin bei Metformin-Kontraindikation

Der DPP-(Dipeptidylpeptidase-)IV-Hemmer Vildagliptin wurde von der Europäischen Kommission Anfang Februar dieses Jahres zur Monotherapie bei Typ-2-Diabetikern zugelassen, die Metformin wegen Unverträglichkeit oder Kontraindikationen, zum Beispiel einer mäßigen oder schweren Einschränkung der Nierenfunktion (GFR < 60 ml/min), nicht anwenden können. Bisher war Vildagliptin als Ergänzungstherapie zu Metformin oder in Kombination mit anderen oralen Arzneimitteln für Typ-2-Diabetiker zugelassen. Die aktuellen Studiendaten wurden im Februar auf einer Pressekonferenz der Firma Novartis in München vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Auf dem Weg zur zielgerichteten Therapie

Temsirolimus (Torisel®) ist in Europa seit 2009 für die Behandlung des refraktären und/oder rezidivierenden Mantelzell-Lymphoms zugelassen. Eine Therapie mit Temsirolimus in der Dosierung 175/75 mg verlängert das progressionsfreie Überleben bei Patienten, bei denen bereits verschiedene Therapieoptionen versagt haben, signifikant gegenüber einer Standardtherapie. Auf einer Veranstaltung der Firma Pfizer Oncology im Rahmen der DGHO-Jahrestagung am 3. Oktober 2011 wurden die zulassungsrelevanten Studienergebnisse nochmals aufgezeigt und derzeit durchgeführte Studien zum früheren Einsatz beim Mantelzell-Lymphom oder zur Anwendung bei aggressiveren Tumoren vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Personalisierte Krebstherapie auf dem Weg in die tägliche Praxis

Während des interdisziplinären europäischen Krebskongresses, der am 25. September 2011 in Stockholm stattfand, standen wiederum die Fortschritte in der personalisierten Krebsmedizin, die bei verschiedenen Entitäten zu einer deutlichen Lebensverlängerung führen, im Fokus des Interesses. Für die Praxis relevant ist ein flächendeckendes Netz an qualifizierten Zentren, die eine umfassende und sichere Diagnostik und nachfolgende Therapie gewährleisten können. Im Rahmen der Qualitätssicherungs-Initiative „QuIP“ der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) und des Bundesverbands Deutscher Pathologen (BDP) werden Ringversuche zur immunhistochemischen Bestimmung verschiedener therapeutischer Zielmoleküle durchgeführt, um sicherzustellen, dass reproduzierbare Ergebnisse erzielt werden.



Dr. Beate Fessler, München
Zulassungserweiterung für Infliximab

Der TNF-α-Inhibitor Infliximab darf seit 2007 auch bei Kindern ab sechs Jahren mit schwerem aktivem Morbus Crohn eingesetzt werden, die auf eine konventionelle Therapie nicht angesprochen haben bzw. bei denen Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen gegenüber einer solchen Therapie vorliegen. Seit März 2012 ist Infliximab in Europa auch zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit mäßig schwerer bis schwerer Colitis ulcerosa zugelassen.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau