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30. Jahrgang Heft 7/8 Juli/August 2012

Editorial
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen


Übersichten
Winfried J. Randerath, Solingen

Das schwere Asthma bronchiale ist durch anhaltende Beschwerden und Einschränkungen trotz oraler oder hoch dosierter inhalativer Therapie mit Glucocorticoiden definiert. Zu den wesentlichen Aufgaben in der Diagnostik gehört es, Erkrankungen auszuschließen, die ein schweres Asthma vortäuschen und so zur Fehlbehandlung führen können. Zahlreiche Begleiterkerkrankungen der Lunge, aber auch anderer Organe, sowie psychische Belastungen können den Verlauf eines vorbestehenden Asthmas verschlimmern. Daneben ist es erforderlich, Auslösemechanismen im Umfeld des Betroffenen zu suchen. Neben der möglichst umfassenden Therapie der Komorbiditäten und der Beseitigung von Triggern kommt der Optimierung der Therapienutzung durch den Patienten, also der richtigen Inhalationstechnik und der konsequenten Adhärenz, große Bedeutung zu. Die medikamentöse Therapie folgt den allgemeinen Regeln der Asthmabehandlung, es werden jedoch meist hoch dosierte inhalierbare Glucocorticoide eingesetzt. Besondere Maßnahmen stellen die adaptive Desaktivierung beim Analgetika-Asthma-Syndrom und der Einsatz von Anti-IgE-Antikörpern dar.

Severe bronchial asthma

The severe bronchial asthma is defined by persistent symptoms and limitations despite of an oral or highly dosed inhalation therapy with glucocorticosteroids. The essential responsibilities of the diagnostic process are to eliminate diseases which simulate severe asthma and therefore cause mistreatment. Numerous associated diseases of the lung but also of other organs as well as psychological stress can aggravate the course of an existing asthma. Furthermore it is necessary to look for trigger mechanisms in the environment of the person concerned. In addition to a comprehensive therapy of the comorbidities and clearance of the triggers, optimization of the patient’s usage of the therapy, i. e., correct inhalation technique and consequent adherence, is a major concern. The drug therapy follows the general rules of asthmatic treatment but in the majority of cases highly dosed inhalation therapy with glucocorticosteroids will be applied. The adaptive deactivation of aspirin-sensitive asthma and the application of anti-IgE-antibodies are representing special measures.

Key words: Sulfidoleukotrienes, glucocorticosteroids, anticholinergics, betareceptor agonists

Arzneimitteltherapie 2012;30:212–9.



Dagny Holle, Essen/Düsseldorf, Steffen Nägel und Mark Obermann, Essen

Trigemino-autonome Kopfschmerzen (TAC) sind eine Gruppe primärer Kopfschmerzen, die sich durch schwere einseitige Kopfschmerzattacken begleitet von ipsilateralen trigemino-autonomen Symptomen auszeichnen. Zur Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzen zählen der Cluster-Kopfschmerz, die paroxysmale Hemikranie sowie das SUNCT-Syndrom (Short lasting unilateral neuralgiform headache with conjunctival injection and tearing). Trotz der oft typischen Symptomatik dauert es häufig lange, bis die Diagnose korrekt gestellt wird und die Patienten die richtige Therapie erhalten. Dieser Artikel soll die klinische Zuordnung der einzelnen Kopfschmerzen erleichtern und die derzeit vorhandenen medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungsoptionen darlegen.

Treatment of trigeminal autonomic cephalgias

Trigeminoautonomic cephalgias (TAC) are a group of primary headache disorders that are characterized by intractable unilateral headache attacks accompanied by ipsilateral trigeminal autonomic symptoms. TACs include the following headache disorders: cluster headache, paroxysmal hemicrania, and SUNCT-syndrome (short lasting unilateral neuralgiform headache with conjunctival injection and tearing). Despite the typical clinical presentation it often takes a long time until patients are diagnosed and treated correctly. This article tries to guide physicians to make the right diagnosis. Current drug and non drug treatment options in TACs will be presented.

Key words: Trigemino autonomic cephalgias, therapy, neuromodulation

Arzneimitteltherapie 2012;30:221–6.



Pharmakovigilanz
Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Porträt eines Enzyms – CYP2C19

Unter den Cytochrom-P450-(CYP-)Enzymen der 2C-Familie, durch die ungefähr 20% aller Arzneistoffe metabolisiert werden, spielt CYP2C19 die größte Rolle. Zu den klinisch relevanten Substraten gehören unter anderem zahlreiche Antidepressiva und Neuroleptika sowie Clopidogrel und Protonenpumpenhemmer. In dieser Übersicht werden Substrate, Inhibitoren und Induktoren des Isoenzyms CYP2C19 vorgestellt, die Bedeutung genetischer Polymorphismen angesprochen und die klinische Relevanz einiger Interaktionen beschrieben.

Portrait of an enzyme – CYP2C19

CYP2C19 is involved in the metabolism of some important drugs. Among these are clopidogrel, all proton pump inhibitors, some antidepressive and antipsychotic drugs. Metabolism of these substrates can be significantly altered due to inhibition or induction of CYP2C19 and polymorphisms in the CYP2C19 gene. Substrates, inhibitors and inducers of CYP2C19 and relevant genetic polymorphisms are reviewed and the clinically relevant drug drug interactions are demonstrated.

Key words: CYP2C19, substrates, inhibition, induction, pharmacokinetic interactions, polymorphisms



Klinische Studie
Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Insulindegludec bei Typ-1-Diabetikern

Die Phase-III-Studie „BEGIN Basal-Bolus Type 1“ wurde durchgeführt, um die Wirksamkeit und Sicherheit der beiden langwirksamen Insulinanaloga Insulindegludec und Insulinglargin als Basistherapie bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 zu vergleichen. Insulindegludec war ebenso wirksam wie Insulinglargin, das Risiko für nächtliche Hypoglykämien war aber unter Insulindegludec geringer. Das neue Insulinanalogon ist damit eine nützliche Weiterentwicklung der bisherigen langwirksamen Insuline.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Insulindegludec bei Typ-2-Diabetikern

Die Phase-III-Studie „BEGIN Basal-Bolus Type 2“ wurde durchgeführt, um die Wirksamkeit und Sicherheit der beiden langwirksamen Insulinanaloga Insulindegludec und Insulinglargin als Basistherapie bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zu vergleichen. Insulindegludec war ebenso wirksam wie Insulinglargin, verursachte aber weniger Hypoglykämien. Eine suboptimale Blutzuckereinstellung zur Vermeidung von Unterzuckerungen ist damit möglicherweise nicht mehr gerechtfertigt.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Iris Hinneburg, Halle (Saale)
Teplizumab schützt Betazellen nur bei einem Teil der Typ-1-Diabetiker

Der monoklonale Antikörper Teplizumab wurde in einer randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie bei Typ-1-Diabetikern in einem frühen Krankheitsstadium untersucht. Ein schützender Effekt auf die Betazellen fand sich lediglich in nachträglichen Subgruppenanalysen, nicht aber in der Gesamtauswertung.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Nur Teilerfolge mit dem neuen Thrombozytenfunktionshemmer Vorapaxar

Der PAR-1-Antagonist Vorapaxar führte zu einer signifikanten Reduktion kardiovaskulärer Todesfälle und ischämischer Ereignisse bei Patienten nach einem Myokardinfarkt und mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Bei Patienten mit ischämischem Insult war die Substanz nicht wirksam. Die Behandlung mit Vorapaxar führte zu einem erhöhten Risiko mittelschwerer und schwerwiegender Blutungskomplikationen einschließlich intrakranieller Blutungen, so die Ergebnisse der multizentrischen Studie TRA-2-P-TIMI-50.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Bettina Christine Martini, Legau
Ivacaftor, eine kausale Therapie für Patienten mit zystischer Fibrose

In einer Phase-III-Studie verbesserte die Einnahme von Ivacaftor bei Patienten mit zystischer Fibrose und einer G551D-CFTR-Mutation die Lungenfunktion signifikant gegenüber Plazebo. Patienten, die mit Ivacaftor behandelt wurden, hatten darüber hinaus ein geringeres Risiko für akute Exazerbationen und nahmen an Gewicht zu.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Erhöhtes Risiko bei langer Natalizumab-Therapie und positivem JCV-Antikörperstatus

Das Risiko einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) bei Behandlung mit Natalizumab (Tysabri®) ist im Allgemeinen gering. Es steigt aber deutlich bei Patienten mit positivem JC-Virus-Antikörpernachweis, vorheriger immunsuppressiver Therapie und bei länger als zwei Jahre dauernder Natalizumab-Behandlung. Dies ergab eine Analyse von Daten aus Postmarketing-Untersuchungen, klinischen Studien und einem schwedischen Register.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Azithromycin erhöht kardiovaskuläres Risiko

Eine fünf Tage dauernde Therapie mit Azithromycin (z. B. Zithromax®) erhöht das Risiko für einen kardiovaskulären Tod. Im Vergleich zu Amoxicillin wurden 47 zusätzliche kardiovaskulär bedingte Todesfälle pro 1 Mio. Therapiezyklen mit Azithromycin beobachtet. Bei hohem kardialem Risiko stieg die Zahl jedoch auf 245 zusätzliche Todesfälle pro 1 Mio. Therapiezyklen. Dies ergab eine Analyse der Daten von Patienten aus dem Tennessee-Medicaid-Programm.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Andrea Warpakowski, Itzstedt
Reduktion der Ribavirin-Dosis bei Anämie verringert Heilungsrate nicht

Statt eine therapieassoziierte Anämie, die sich unter einer Boceprevir-haltigen Tripeltherapie entwickelt, mit Erythropoetin zu behandeln, kann auch die Ribavirin-Dosis reduziert werden – ohne Auswirkung auf die Heilungsrate. Diese Studienergebnisse, die auf dem 47th Annual Meeting of the European Association for the Study of the Liver (EASL) in Barcelona/Spanien [1] vorgestellt wurden, bestätigten die Ribavirin-Dosisreduktion als Mittel der Wahl bei einer Anämie unter einer HCV-Tripeltherapie.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Weiterführung der Bevacizumab-Therapie verlängert Überleben

Eine Weiterführung der Bevacizumab-Therapie bei Progression der Erkrankung nach Erstlinientherapie kann das Überleben von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom verlängern. Dies ergab eine prospektive randomisierte Phase-III-Studie, die von der Arbeitsmeinschaft Internistische Onkologie initiiert (AIO) worden war und deren Ergebnisse am 4. Juni 2012 beim Jahreskongress der ASCO in Chicago vorgestellt wurden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Fusionsprotein zur Behandlung von metastasiertem Kolorektalkarzinom

Mit dem Fusionsprotein Aflibercept ist ein Angiogenesehemmer in der klinischen Prüfung, der mindestens drei angiogene Liganden binden kann und damit die Tumorangiogenese besonders wirksam unterbinden soll. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie VELOUR zeigten eine gute Wirksamkeit bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom. Sie wurden im Rahmen eines von Sanofi veranstalteten Fachpresse-Workshops im April dieses Jahres in Königstein vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Patienten bevorzugen Pazopanib

Mehr Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom bevorzugen in der Erstlinientherapie Pazopanib (Votrient®) gegenüber Sunitinib (Sutent®), vor allem wegen der besseren Lebensqualität und der seltener auftretenden Fatigue. Dies ergab die randomisierte Crossover-Studie PISCES (Patient preference study of pazopanib versus sunitinib in advanced or metastatic kidney cancer), die bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) am 2. Juni 2012 in Chicago vorgestellt wurde.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Bendamustin plus Rituximab als Erstlinientherapie

Die Kombination aus Bendamustin (Levact®) und Rituximab (Mabthera®) verlängerte bei Patienten mit indolenten Lymphomen nach den Ergebnissen einer Phase-III-Studie der deutschen Studiengruppe indolente Lymphome (StiL) das progressionsfreie Überleben und war deutlich besser verträglich als die bisherige Standard-Erstlinientherapie CHOP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) plus Rituximab (CHOP-R). Die am 3. Juni 2012 bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellten Langzeitergebnisse zeigen, dass die Kombination aus Bendamustin und Rituximab das progressionsfreie Überleben im Vergleich zum CHOP-R-Schema auf fast sechs Jahre verdoppelte.



Simone Reisdorf, Erfurt
Intravitreales Implantat verbessert Visus für mehrere Monate

Patienten mit Makulaödem nach retinalen Venenverschlüssen verbleibt oft nur eine sehr geringe Rest-Sehschärfe. Mit der intravitrealen Injektion von langsam frei werdendem Dexamethason (Ozurdex®) bereichert erstmals eine in dieser Indikation zugelassene medikamentöse Behandlung die therapeutischen Möglichkeiten. Die Ergebnisse der zulassungsrelevanten GENEVA-Studien wurden bei einer Pressekonferenz der Firma Pharm-Allergan im Mai letzten Jahres im Rahmen des 24. Internationalen Kongresses der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC) in Nürnberg vorgestellt. Im März dieses Jahres wurden bei einem Lunchsymposium im Rahmen der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) in Berlin aktuelle Registerdaten vorgestellt.



Simone Reisdorf, Erfurt
Aktuelle deutsche Untersuchung bestätigt Ergebnisse der HURON-Studie

Seit Juli 2011 können neben Patienten mit Makulaödem nach retinalem Venenverschluss auch Patienten mit nichtinfektiöser posteriorer Uveitis mit intravitreal injizierbarem, langsam frei werdendem Dexamethason (Ozurdex®) behandelt werden. Wenige Wochen nach Applikation kommt es aktuellen Studiendaten zufolge zu einer signifikanten Reduktion von Glaskörpertrübung und Retinadicke. Die Daten wurden auf einem von der Firma Pharm-Allergan veranstalteten Lunchsymposium im Rahmen der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) 2012 im März in Berlin vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau