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31. Jahrgang Heft 3 März 2013

Übersichten
Susanne Knake, Adam Strzelczyk und Felix Rosenow, Marburg

Status epilepticus (SE) ist einer der häufigsten Notfälle in der Neurologie, der mit erheblicher Mortalität und Morbidität assoziiert ist. Die Inzidenz des Status epilepticus nimmt im Alter zu, sodass mit dem Altern der Bevölkerung mit einer zunehmenden Inzidenz des Status epilepticus zu rechnen ist. Eine Minimalschätzung für Deutschland geht von mindestens 16 000 Fällen von Status epilepticus pro Jahr aus [14]. In einer populationsbasierten Studie zu Kosten der Epilepsie im Landkreis Marburg-Biedenkopf verursachten Patienten mit einem Status epilepticus rund ein Viertel (24,4 %) der gesamten Kosten für Krankenhausbehandlungen [28]. Deutschlandweit entstehen somit jährliche Kosten von über 80 Mio. Euro für die stationäre Behandlung des Status epilepticus. Momentan steht eine große Zahl von antikonvulsiven Substanzen zur Therapie der verschiedenen Statusformen zur Verfügung, die in sehr unterschiedlichen Therapieregimen eingesetzt werden. Das vorliegende Manuskript diskutiert die aktuelle Therapie des generalisiert tonisch-klonischen Status epilepticus auf der Basis der aktualisierten und konsensbasierten S2k-Leitlinie, die eine Fortentwicklung der entsprechenden Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) von 2008 darstellt [23].

Therapy of status epilepticus

Status epilepticus is one of the major neurological emergency situations requiring immediate medical treatment. Rapid and sufficient treatment is essential to optimize outcome and to reduce mortality. Here, we give an overview about the recent recommendations for the treatment of SE in the prehospital and hospital setting.

Arzneimitteltherapie 2013;31:35–8.



Undine Ott, Jena, und Reinhard Fünfstück, Weimar

Asymptomatische Bakteriurie und Harnwegsinfektionen sind die häufigsten infektiösen Komplikationen nach Nierentransplantation. Besonders problematisch sind Infektionen innerhalb des ersten halben Jahres nach Transplantation. Prädisponierende Faktoren sind neben der immunsuppressiven Therapie auch die fortbestehende chronische Niereninsuffizienz, eine instabile Stoffwechseleinstellung bei Posttransplantationsdiabetes sowie Harnabflussstörungen. Unkomplizierte Infektionen können rasch in eine Transplantatpyelonephritis oder Urosepsis übergehen, die die Transplantatfunktion nachhaltig beeinträchtigen können. Durch die Zunahme multiresistenter Erreger haben Diagnostik und Therapie von Infektionen eine hohe Bedeutung um schwere Verläufe zu vermeiden.

Treatment strategies of urinary tract infection after kidney transplantation

The most common infectious complications after kidney transplantation are asymptomatic bacteriuria and urinary tract infection. Predisposing factors are immunosuppressive treatment as well as persistent renal insufficiency, post transplant diabetes mellitus and an impairment of the urinary flow. In kidney transplanted patients, urinary tract infection plays an important role in graft and patient survival, if it occurred in the first six months post procedure. Urinary tract infection may progress to acute pyelonephritis, and the picture of urosepsis. Due to the development of multiresistant bacteria, clinical diagnostics and therapy are of particular importance to prevent a severe course of the disease.

Key words: urinary tract infection, kidney transplantation, asymptomatic bacteriuria, graft survival

Arzneimitteltherapie 2013;31:41–5.



Consensus
Tom Bschor, Berlin, Andrea Pfennig, Dresden, Christopher Baethge, Köln, Reinhard Gielen, Hamburg, Heinz Grunze, Newcastle, Ute Lewitzka, Dresden, Günter Niklewski, Nürnberg, Johanna Sasse, Chemnitz, Harald Scherk, Osnabrück, Roland Urban, Beate Weikert, Gudrun Weißenborn, Berlin, und Michael Bauer, Dresden*

Die S3-Leitlinie „Bipolare Störungen“ wurde im Mai 2012 zur Veröffentlichung freigegeben. „S3“ (Stufe 3) steht für die bestmöglichste evidenzbasierte Methodik, die eine Leitlinie derzeit haben kann. Dies bedeutet unter anderem, dass die gesamte internationale wissenschaftliche Fachliteratur systematisch aufzubereiten und zu bewerten war, und dass sich alle relevanten Gruppen in einem Konsensusverfahren auf die Empfehlungen der Leitlinie einigen mussten. In diesem Beitrag wird ausschließlich auf die Pharmakotherapie bipolarer Störungen eingegangen. Das Leitlinienkapitel zur Therapie gliedert sich in die verschiedenen Ziele der Behandlung (Grundsätzliches, Behandlung der akuten Manie, Behandlung der akuten bipolaren Depression, Phasenprophylaxe, spezielle Patientengruppen und spezielle Therapiesituationen). Innerhalb dieser Abschnitte wird die Pharmakotherapie neben den anderen Therapieverfahren dargestellt. Bezüglich vieler pharmakotherapeutischer Fragen stellten sich Erkenntnisdefizite und Forschungsbedarf heraus. Daher konnten nur in seltenen Ausnahmefällen Empfehlungen mit dem höchsten Empfehlungsgrad A („soll eingesetzt werden“) vergeben werden. Dennoch bemüht sich die Leitlinie, für alle klinisch relevanten Konstellationen Empfehlungen oder Hinweise zu geben. Grafiken fassen die Empfehlungen für die Initialbehandlung und für die nachfolgenden Schritte im Falle unzureichender Response zusammen.

S3-guidelines on diagnostics and therapy of bipolar disorders. Pharmacotherapy.

The German S3-Guidelines on Bipolar Disorders have been released online in May of 2012. S3 (“step 3”) stands for the currently available highest evidence based methodology guidelines can have. This includes the systematic review and appraisal of the available international scientific literature on bipolar disorders and a consensus of all relevant groups dealing with bipolar disorder on the recommendations. This article deals exclusively with pharmacotherapy of bipolar disorders. The chapter on treatment is subdivided in sections and structured in accordance to the different goals of therapy: general principles of therapy, treatment of acute mania, treatment of acute bipolar depression, maintenance therapy, specific patient groups and specific treatment constellations. Within these sections, pharmacotherapy is one therapeutic strategy. During the process of the guideline development it became clear that substantial deficits exist in many areas of treatment of this disorder and that there is great need for further research concerning many aspects of pharmacotherapy. Hence, only in rare cases recommendations achieved the highest level A (“should be done”). Nevertheless, the guidelines try to give recommendations to all clinical relevant constellations. Graphics summarize the recommendations for the initial therapeutic step and for the subsequent steps in case of insufficient response to the previous step.

Key words: Bipolar disorder, S3-guidelines, pharmacotherapy, recommendations

Arzneimitteltherapie 2013;31:46–51.



Klinische Studie
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Vorteile durch zusätzliche Gabe von Pertuzumab

Frauen mit metastasiertem HER2-positivem Mammakarzinom profitieren von der Gabe des neuen Anti-HER2-Antikörpers Pertuzumab zusätzlich zu der Kombination mit dem bereits etablierten Anti-HER2-Antikörper Trastuzumab plus Docetaxel. Das progressionsfreie Überleben unter dem doppelten HER2-Angriff plus Chemotherapie verlängert sich im Vergleich mit der einfachen Anti-HER2- plus Chemotherapie um sechs Monate, das Sterberisiko war um 34 % verringert. Die Rate kardialer Nebenwirkungen nahm nicht weiter zu. Nachdem Trastuzumab bereits in den USA zugelassen ist, wurde die europäische Zulassung aufgrund dieser überzeugenden Studiendaten im Dezember 2012 von der CHMP der EMA empfohlen.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Behandlungserfolge mit dem Janus-Kinase-Inhibitor Tofacitinib

Patienten mit mittlerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa, die mit dem Janus-Kinase-Inhibitor Tofacitinib behandelt wurden, zeigten in einer klinischen Studie der Phase II häufiger eine klinische Antwort und Remission als solche unter Plazebo.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Rosemarie Ziegler, Albershausen
Ustekinumab wirkt bei refraktärem Morbus Crohn

Bei Patienten, deren Crohn-Krankheit sich als TNF-α-Blocker-resistent erwiesen hatte, konnte in einer Phase-IIb-Studie mit Ustekinumab (Stelara®) zu einem relevanten Anteil eine klinische Besserung erreicht werden.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Behandlungserfolge mit Alemtuzumab

Der monoklonale Antikörper Alemtuzumab, der ursprünglich zur Behandlung von Leukämien entwickelt wurde, ist auch bei multipler Sklerose wirksam. In zwei Phase-III-Studien war Alemtuzumab sowohl in einer Ersttherapie als auch bei Patienten mit therapierefraktären Erkrankungen einer Standardtherapie mit Interferon beta-1a überlegen.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Kein generell erhöhtes Krebsrisiko durch Biologika

Patienten mit rheumatoider Arthritis, die nicht auf herkömmliche Antirheumatika ansprechen, können oftmals erfolgreich mit Biologika behandelt werden. Bedenken, dass die Anwendung dieser Medikamente mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen könnte, wurden in einer Metaanalyse von 63 klinischen Studien nicht bestätigt.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Dapagliflozin zur Therapie des Typ-2-Diabetes

Dapagliflozin ist ein neues Antidiabetikum zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes. Der neue Wirkstoff fördert die Glucoseausscheidung mit dem Urin, indem er ein Transportprotein hemmt, den Natrium-Glucose-Cotransporter 2 (SGLT-2).



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Natrium-Glucose-Cotransporter-2-Hemmung mit Empagliflozin

Außer dem Pankreas und dem Dünndarm spielen auch die Nieren bei der Blutzuckerkontrolle eine wichtige Rolle; denn über spezifische Transporter wird ein Großteil der primär über die Nephrone ausgeschiedenen Glucose wieder rückresorbiert. Mit Empagliflozin steht ein selektiver Inhibitor der Natrium-Glucose-Cotransporter-Proteins 2 (SGLT-2) zur Verfügung, der als Monotherapie oder in Kombination mit Metformin nicht nur den Nüchternblutzucker und den HbA1c-Wert, sondern auch Körpergewicht und Blutdruck senkt, so das Fazit eines von den Firmen Boehringer Ingelheim und Lilly anlässlich der 48. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Berlin veranstalteten Pressegesprächs.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Neue Substanz mit dualem Wirkprinzip verspricht günstige Wirkung

Für die Behandlung der diastolischen Herzinsuffizienz gibt es bisher keine evidenzbasierten und etablierten medikamentösen Therapiestrategien. Mit LCZ696 wurde eine Substanz entwickelt, die sowohl die Angiotensin-Rezeptoren als auch das Enzym Neprilysin hemmt. In der PARAMOUNT-Studie wurde die Substanz mit dem Angiotensin-Rezeptorblocker Valsartan verglichen. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Rahmen der Hot-Line-Session beim Europäischen Kardiologenkongress Ende August 2012 in München präsentiert und diskutiert.



Helga Brettschneider, Frankfurt am Main
Vierfachtherapie überwindet Resistenzen

Mit Pylera® steht seit Oktober 2012 eine Dreifachkombination zur Verfügung, die zusammen mit Omeprazol zur Eradikation von Helicobacter pylori eingesetzt werden kann. In der zulassungsrelevanten Studie wurde damit auch bei Patienten mit Infektionen durch Clarithromycin- und Metronidazol-resistenten Erregern eine hohe Wirksamkeit erzielt [1]. Das wurde bei einer Veranstaltung der Firma Aptalis im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten im September 2012 berichtet.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Mukosaheilung ist ein Behandlungsziel

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind nicht heilbare chronisch entzündliche Darmerkrankungen, die in der Regel schubförmig verlaufen. Für die Therapie stehen verschiedene antientzündliche und immunsuppressiv wirkende Therapiestrategien zur Verfügung. Neben den etablierten Therapiezielen sollte nach neueren Erkenntnissen auch die Mukosaheilung als Behandlungsziel angestrebt werden, so das Ergebnis eines von der Firma Abbott im Rahmen der 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Hamburg veranstalteten Pressegesprächs.



Sonja Schmitzer,Berlin
Neuer Therapiealgorithmus mit Bevacizumab

Der Angiogenesehemmer Bevacizumab kann nun auch über die erste Tumorprogression hinaus und damit sowohl im Rahmen der First-Line-, als auch, fortgesetzt, in der Second-Line-Therapie gegeben werden. Bei geringer Toxizität verlängert Bevacizumab das Leben der Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom signifikant. Die Studienergebnisse, die letztendlich zu einem erweiterten Therapiealgorithmus geführt haben, wurden im Rahmen eines Pressegesprächs der Firma Roche Mitte Januar in Berlin vorgestellt.



Simone Reisdorf, Erfurt
Neue Indikation für Everolimus

Patienten mit renalen Angiomyolipomen bei tuberöser Sklerose (TSC) profitieren von Everolimus. Eine randomisierte Doppelblindstudie mit deutlichem Behandlungserfolg des m-TOR-Inhibitors führte zu seiner Zulassung in dieser Indikation. Die Studienergebnisse wurden bei einer Pressekonferenz der Novartis Oncology vorgestellt und Anfang Januar in Lancet publiziert.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Nintedanib verlangsamt die Progression

Nach der Zulassung des Immunsuppressivums Pirfenidon zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose 2011 wird derzeit der Tyrosinkinase-Hemmer Nintedanib in Phase-III-Studien untersucht, der bereits von der FDA als Orphan-Drug eingestuft wurde. Ergebnisse der Phase-II-Studie und die laufenden Phase-III-Studien wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Boehringer Ingelheim im Oktober 2012 in Biberach vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau