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31. Jahrgang Heft 7/8 Juli/August 2013

Editorial
Clemens Unger, Freiburg


Übersichten
Günter Niklewski und Teresa Biermann, Nürnberg*

Die Psychoonkologie umfasst definitionsgemäß das gesamte Spektrum von psychosozialer Beratung bis hin zu einer spezifischen Psychotherapie inklusive einer Psychopharmakotherapie. Bei der Behandlung psychischer Störungen onkologischer Patienten müssen jedoch eine Reihe spezieller Aspekte bedacht werden. Zunächst haben viele Psychopharmaka hämatologische Nebenwirkungen, die Folgen für die Behandlung der onkologischen Grunderkrankung haben können. Die wichtigsten werden in dieser Zusammenfassung dargestellt. Weiterhin werden die psychiatrisch relevanten Nebenwirkungen ausgewählter Chemotherapeutika dargestellt. Verschiedene Interaktionen einzelner Stoffgruppen, die die Wirksamkeit der jeweiligen Substanz deutlich einschränken können, werden vorgestellt und bedeutsame Interaktionen, beispielsweise zwischen Tamoxifen und SSRI durch Inhibition des Cytochrom-P450-Enzyms 2D6, werden beschrieben. Von Bedeutung sind weiterhin affektive und kognitive Störungen im Sinne des in der Literatur beschriebenen „Chemobrain“ bei onkologischen Patienten, deren Ursache und Behandlungsoptionen näher erläutert werden. Insgesamt scheint es noch einen großen Forschungsbedarf zu geben, um die komplexen Interaktionen zwischen den Behandlungsoptionen der Psychiatrie und Onkologie besser zu verstehen und zum Wohle des Patienten einzusetzen.

Special aspects of psychopharmacotherapy in an oncological setting

The specialty of psychooncology comprises the entire spectrum of psychosocial counselling up to a specialized psychotherapy including psychopharmacotherapy.

In order to treat mental disorders in oncological patients, several special aspects have to be taken into account as follows: Many psychopharmacotherapeutics have potential hematological side effects themselves that might have a serious impact on the oncological disease and its treatment. The most important side effects of the most common psychiatric drugs are described. Furthermore, some side effects of chemotherapeutics relevant for psychiatrists are mentioned. Due to the different metabolism of various categories of drugs there is a variety of possible interactions that have to be thought of as they might diminish the effectivity of each drug. An example of an interaction with a serious impact on mortality is the reduced effect of tamoxifen in combination with paroxetine through inhibition of the cytochrome P450 enzyme 2D6.

Also of relevance are affective and cognitive disturbances due to chemotherapy in terms of the so called “chemobrain” in certain groups of cancer patients. The assumed causes of chemobrain and possible ways of treatment are described here.

In sum, further research is still required to better understand and treat the complex interactions of the psyche and the body in oncologic patients.

Key words: psychopharmacotherapy, oncology, psychooncology, chemobrain

Arzneimitteltherapie 2013;31:184–92.



Hans-Peter Lipp, Tübingen
Klinische Erfahrungswerte und Perspektiven

Mit liposomalem Cytarabin wurde eine weiterentwickelte Darreichungsform zur intrathekalen Therapie auf den Weg gebracht, die sich durch eine veränderte Freisetzungskinetik dieses Antimetaboliten auszeichnet. Verschiedene Studien und Erhebungen zeigen, dass mit der DepoFoam-Technologie nicht nur die klinischen Abläufe erheblich erleichtert, sondern auch die Perspektiven für die betroffenen Patienten deutlich verbessert werden konnten. Weiter gehende Studienergebnisse bei Patienten mit Mammakarzinom, Lymphom oder HIV lassen auf einen absehbar breiteren Einsatz von liposomalem Cytarabin schließen, da die geringere Zahl notwendiger Injektionen von allen Beteiligten als großer Vorteil gewertet wird. Möglicherweise lassen sich bei Lymphom-Patienten mit ZNS-Manifestation durch eine Kombination aus intensivierter Chemotherapie, intrathekaler Gabe von liposomalem Cytarabin und angeschlossener Stammzelltransplantation (PBSCT) sogar verbesserte kurative Therapieziele in Aussicht stellen.

Liposomal cytarabine based on DepoFoam-technology. Clinical experience and future perspectives

Liposomal cytarabine represents an innovative formulation for intrathecal chemotherapy which is characterized by prolonged release of the incorporated antimetabolite. Several studies and surveys revealed the novel drug formulation to be able to alleviate clinical procedures as well as to improve patients’ perspectives. Further study results in patients with breast cancer, lymphoma or HIV indicate its broader use in the near future primarily based on the reduced need for injections. In addition, preliminary data suggest that lymphoma patients with CNS manifestation may have an improved survival perspective when intensified chemotherapy will be combined with intrathecal liposomal cytarabine followed by PBSCT.

Key words: Liposomal cytarabine, intrathecal administration, DepoFoam technology, study results, curative perspectives

Arzneimitteltherapie 2013;31:195–200.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Vaskuläre und gastrointestinale Nebenwirkungen nichtsteroidaler Antirheumatika

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) mit Ausnahme von Naproxen führen zu einem leicht erhöhten Risiko für schwerwiegende vaskuläre Ereignisse, und zwar überwiegend für Koronarereignisse. Das Risiko von Schlaganfällen ist nicht erhöht. Umgekehrt führen Ibuprofen und Naproxen zu vermehrten gastrointestinalen Nebenwirkungen. Dies ergab eine große Metaanalyse von Studien, in denen NSAR untereinander oder/und mit Plazebo verglichen worden waren.

 Mit einem Autorenkommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Blutdrucksenkung bei lakunärem Schlaganfall

Obwohl eine aggressivere antihypertensive Therapie bei Patienten mit lakunären Infarkten die Rate an Schlaganfällen nicht signifikant reduzierte, ergab die randomisierte, offene SPS3-Studie einen starken Trend zugunsten niedrigerer Blutdruckzielwerte.

 Mit einem Autorenkommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Blutdrucksenkung bei akuten intrazerebralen Blutungen

Patienten mit intrazerebralen Blutungen und stark erhöhtem Blutdruck profitieren möglicherweise von einer frühen aggressiven Blutdrucksenkung. Die INTERACT2-Studie ergab für diesen Ansatz allerdings keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Sterblichkeit oder die Wahrscheinlichkeit einer schweren Behinderung.

 Mit einem Autorenkommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen



Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Spironolacton als neue Therapieoption?

Im Gegensatz zur systolischen Herzinsuffizienz gibt es für die diastolische Herzinsuffizienz keine gesicherten evidenzbasierten Therapien. In einer Plazebo-kontrollierten, randomisierten Studie konnte nun gezeigt werden, dass der Aldosteronantagonist Spironolacton die diastolischen Funktionsparameter verbessert, auf die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität der Patienten jedoch wahrscheinlich keinen Einfluss hat.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Dabigatran in der klinischen Praxis

In einer populationsbezogenen Erhebung in Dänemark bei Patienten mit Vorhofflimmern waren beide Dosierungen von Dabigatran bezüglich Schlaganfall-Prävention genauso wirksam wie Warfarin. Es ergaben sich signifikant niedrigere Raten für die Sterblichkeit, intrakranielle Blutungen, Lungenembolien und Myokardinfarkte für Dabigatran verglichen mit Warfarin.

 Mit einem Autorenkommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Glucocorticoid über fünf Tage reicht aus

Akute Exazerbationen der Lungenfunktion bergen hohe gesundheitliche Risiken für Patienten mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Die Schweizer REDUCE-Studie (Reduction in the use of corticosteroids in exacerbated COPD) konnte zeigen, dass eine 5-tägige Glucocorticoid-Therapie der üblichen 14-tägigen Behandlungsdauer nicht unterlegen ist und die kumulative Glucocorticoid-Dosis dadurch deutlich gesenkt wird.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Bosutinib für vorbehandelte Patienten zugelassen

Der Tyrosinkinase-Inhibitor Bosutinib (Bosulif®) ist von der EU-Kommission bedingt für die die Behandlung von erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie (Ph+ CML) in der chronischen Phase (CP), in der akzelerierten Phase (AP) und in der Blastenkrise (BK) zugelassen worden, die mit mindestens einem Tyrosinkinase-Inhibitor vorbehandelt wurden und für die Imatinib, Nilotinib und Dasatinib nicht als geeignete Behandlungsoptionen angesehen werden. Damit kann eine medizinische Versorgungslücke bei den Patienten geschlossen werden, für die bislang verfügbare Substanzen nicht geeignet waren, so die Aussage bei einer von Pfizer Oncology veranstalteten Pressekonferenz Mitte Mai 2013 in München.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Weniger Knochenkomplikationen – bessere Lebensqualität

Eine osteoprotektive Therapie mit dem RANKL-Antikörper Denosumab (XGEVA®) kann die Lebensqualität bei Patienten mit soliden Tumoren, die Knochenmetastasen entwickeln, bessern oder bewahren, indem Schmerzen und Komplikationen verhindert oder verringert werden, so das Fazit eines Pressegesprächs der Firma Amgen am 3. Mai 2013 in München.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Die Therapieplanung erfolgt stadiengerecht

Das hepatozelluläre Karzinom ist eine der führenden Todesursachen bei Patienten mit Leberzirrhose. Die Therapie sollte heute stadiengerecht in einem interdisziplinären Team festgelegt werden. Fortschritte in der molekularen Klassifikation des Tumors führen dazu, dass zukünftig die Aktivierung bestimmter Signalwege einen wichtigen therapeutischen Ansatz darstellen dürfte. Das aktuelle therapeutische Vorgehen wurde im Rahmen eines von der Falk Foundation e. V. veranstalteten Satellitensymposiums diskutiert, das im Rahmen des 119. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) stattfand.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Leitlinien werden nicht eingehalten

Internationale evidenzbasierte Leitlinien empfehlen die primäre G-CSF-Gabe zur Prophylaxe der febrilen Neutropenie bei Patienten mit hohem oder intermediärem Risiko. Allerdings werden die Leitlinien in Deutschland nicht ausreichend beachtet und befolgt, so das Ergebnis einer retrospektiven Datenanalyse von onkologischen Patienten, die bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert wurde.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Tripeltherapie mit Faldaprevir bringt hohe Heilungsrate bei therapienaiven Patienten

Auf eine 12- bzw. 24-wöchige Therapie mit dem HCV-Proteasehemmer Faldaprevir in Kombination mit pegyliertem Interferon und Ribavirin (pegIFN/RBV), gefolgt von 12 oder 24 Wochen pegIFN/RBV sprachen bis zu 80 % der Patienten mit chronischer HCV-Infektion vom Genotyp 1 virologisch anhaltend an. Bei ihnen konnte auch 12 Wochen nach Ende der Therapie keine Viruslast mehr nachgewiesen werden (Sustained virological response, SVR 12). Die SVR 12 wird mittlerweile als Heilung angesehen. Die aktuellen Daten zu Faldaprevir und dessen weiteres Entwicklungsprogramm wurden im Rahmen einer Pressekonferenz des Unternehmens Boehringer Ingelheim beim europäischen Leberkongress (EASL) diskutiert.



Michael Koczorek, Bremen
Alphablocker plus 5-Alpha-Reductasehemmer verbessert Symptomatik rasch und anhaltend

Kombinationstherapien stellen bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) eine Option dar, um im Vergleich zur Monotherapie eine stärkere Reduktion der Symptome zu erzielen. Daten, die diese Aussage unterstützen, wurden auf einem Symposium vorgestellt, das GlaxoSmithKline anlässlich des 119. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin veranstaltete.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Olmesartan verspricht Gefäß- und Organprotektion

Das vorrangige Ziel einer antihypertensiven Therapie ist eine über die numerische Blutdrucksenkung hinausgehende Gefäß- bzw. Organprotektion. Im Rahmen der OLIVUS-Studie konnte der günstige Einfluss von Olmesartan auf das koronare Plaquevolumen nachgewiesen werden, was im Hinblick auf die Verhinderung vaskulärer Ereignisse relevant ist. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Satellitensymposiums diskutiert, das von Daiichi-Sankyo anlässlich des 119. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) veranstaltet wurde.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau