Suche / Archiv


Erweiterte Suche

31. Jahrgang Heft 10 Oktober 2013

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen


Übersicht
Stephan Grabbe, Mainz, Rainer Kunstfeld, Wien, Sophia Wilden, Tina Müller-Brenne und Carmen Loquai, Mainz
Der Hedgehog-Signalweg und Vismodegib

Der Hedgehog-Signalweg spielt eine bedeutende Rolle bei der Karzinogenese vieler solider Tumoren, da er bei fast allen Basalzellkarzinomen und verschiedenen anderen soliden Tumoren mutiert und damit konstitutiv aktiviert ist. Vismodegib ist ein oral verfügbarer Hemmstoff des Hedgehog-Signalwegs, der kürzlich für die Therapie des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Basalzellkarzinoms zugelassen wurde. Trotz einer in der Zulassungsstudie berichteten Erkrankungskontrolle (Tumorrückgang oder konstante Tumorgröße) bei über 80 % der Patienten für mindestens neun Monate war die subjektive Akzeptanz der Therapie bei den behandelten Patienten aufgrund der unerwünschten Ereignisse (Muskelspasmen, Abgeschlagenheit, Geschmacksverlust, Alopezie) gering. Insgesamt steht mit Vismodegib jedoch ein erster Vertreter einer grundlegend neuen Substanzgruppe zur Verfügung, die bei einer Vielzahl von soliden Tumoren ein therapeutisches Potenzial besitzt.

Arzneimitteltherapie 2013;31:261–6.

Recent develepoments concerning the therapy of basal cell carcinoma – the hedgehog pathway and vismodegib

An activating mutation in the hedgehog pathway is a dominant carcinogenetic element of almost all basal cell carcinomas and several other solid tumors. Vismodegib (Erivedge®) is a novel, orally available inhibitor of the Hedgehog pathway that has recently been approved for the therapy of locally advanced or metastatic basal cell carcinoma. The drug exhibits often dramatic effectiveness and mostly low grade side effects. Although a tumor control rate of greater than 80 % for at least nine months of therapy was reported in the pivotal clinical trial, the subjective acceptance of the drug in treated patients was surprisingly low, most likely due to limitations in quality of life due to side effects such as muscle spasms, fatigue, dysgeusia, or alopecia. Nevertheless, vismodegib is the first representative of a novel class of antitumor drugs that may exhibit therapeutic potential for a whole variety of solid tumors.

Key words: basal cell carcinoma, hedgehog pathway, vismodegib



Hans-Peter Lipp, Tübingen
Studienergebnisse und Patientenpräferenz im Überblick

Mit Herceptin® 600 mg/5 ml Injektionslösung steht seit wenigen Wochen eine neue Applikationsform zur Verfügung, die eine subkutane Fixdosis von 600 mg Trastuzumab alle drei Wochen bei Mammakarzinom-Patientinnen erlaubt. Phase-III-Studienergebnisse und Patientenbefragungen zeigen, dass die neue Applikationsart Vorteile bietet, sicher ist, gut vertragen wird und gegenüber der bisherigen konventionellen intravenösen Gabe zu bioäquivalenten Resultaten führt. Die hierzu verwendete Halozyme-Technologie und der damit einhergehende Einsatz von rekombinanter humaner Hyaluronidase war auch Gegenstand verschiedener Studien mit dem monoklonalen Anti-CD20-Antikörper Rituximab bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom. Die bisherigen Ergebnisse sind sehr Erfolg versprechend und eröffnen auch für diese Indikation in absehbarer Zeit die Perspektive einer subkutanen Gabe von fixen Dosen.

Arzneimitteltherapie 2013;31:268–72.

Subcutaneous administration of rituximab and trastuzumab: Clinical study results and patient preference – an overview

Very recently, Herceptin 600 mg/5 ml injection solution has been approved offering the option to administer the monoclonal antibody subcutaneously in a fixed dose of 600 mg every three weeks in patients with breast cancer. According to phase III study results and patient surveys, the novel drug administration form can be categorized to be safe, well tolerated and bioequivalent to the intravenous route. Based on the underlying Halozyme technology including recombinant human hyaluronidase as an excipient, clinical trial programs have been meanwhile expanded to the anti-CD20 monoclonal antibody rituximab. Interim analysis indicates that subcutaneous fixed dose rituximab can be successfully used in patients with non-Hodgkin’s lymphoma, which opens a novel perspective to simplify drug administration in those patients.

Key words: Trastuzumab, Rituximab, subcutaneous, hyaluronidase, HannaH, SABRINA, PrefHer



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Verlängertes progressionsfreies Überleben mit Afatinib bestätigt

Bei asiatischen Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) mit EGFR-Mutationen konnte der Tyrosinkinase-Inhibitor Afatinib das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu der in Asien bei NSCLC standardmäßig eingesetzten Chemotherapie aus Gemcitabin und Cisplatin auf ein Jahr fast verdoppeln. Dies ergab die Phase-III-Studie LUX-Lung-6, die während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Anfang Juni in Chicago vorgestellt wurde [1, 2]. In der LUX-Lung-3-Studie, die im vergangenen Jahr vorgestellt worden war, hatte Afatinib auch bei Kaukasiern im Vergleich zu der in Europa überwiegend eingesetzten Kombination aus Pemetrexed und Cisplatin zu einer signifikanten Verlängerung des PFS geführt [3, 4].



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Längeres Überleben mit Nintedanib besonders bei Adenokarzinom

In der LUME-Lung-1-Studie zeigte sich, dass für Patienten mit fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinomen (NSCLC) durch ein Hinzufügen von Nintedanib zur Chemotherapie auch in der Zweitlinientherapie noch eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und sogar des Gesamtüberlebens möglich ist. Nintedanib hemmt VEGF-, PDGF- und FGF-Rezeptoren. Die Ergebnisse dieser internationalen Phase-III-Studie wurden im Juni 2013 während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Cetuximab versus Bevacizumab bei metastasiertem Kolorektalkarzinom

Ein Regime aus Cetuximab plus FOLFIRI erreichte bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (Wildtyp-KRAS) in der Erstlinientherapie vergleichbare objektive Ansprechraten wie die Kombination aus Bevacizumab plus FOLFIRI. Dies ergab die FIRE-3-Studie, deren Ergebnisse bei der Jahrestagung der American Society of Oncology (ASCO) Anfang Juni 2013 in Chicago vorgestellt wurden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Patienten mit NRAS-Wildtyp profitieren von Panitumumab

Mit der Bestimmung des KRAS-Status kann bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom die Therapie optimiert werden. Auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago) vorgestellte Daten belegen, dass die Bestimmung des Mutationsstatus von KRAS und NRAS auf den Exons 2, 3 und 4 eine noch stärker zielgerichtete Therapie mit erhöhtem Nutzen für den Patienten ermöglicht.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Sorafenib verlängert progressionsfreies Überleben

Der Tyrosinkinasehemmer Sorafenib (Nexavar®) verlängert das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit Radioiod-therapieresistentem differenziertem Schilddrüsenkarzinom signifikant. Dies ergab die randomisierte Phase-III-Studie DECISION (Study of sorafenib in locally advanced or metastatic patients with radioactive iodine refractory thyroid cancer), deren Ergebnisse in der Plenarsitzung bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2013 vorgestellt wurden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Erhaltungstherapie mit Pazopanib verlängert krankheitsfreies Überleben

Eine Erhaltungstherapie mit Pazopanib (Votrient®) kann das krankheitsfreie Überleben von Frauen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom nach Behandlung mit Operation und Chemotherapie im Vergleich zu Plazebo signifikant um durchschnittlich 5,6 Monate verlängern. Dies ergab die Phase-III-Studie AGO-OVAR16, deren Ergebnisse von Prof. Dr. med. Andreas Du Bois, Essen, bei der Jahrestagung der American Society of Oncology (ASCO) vorgestellt wurden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Nivolumab beim fortgeschrittenen Melanom

Nivolumab ist ein PD1-Antikörper in klinischer Prüfung. PD1-Antikörper können möglicherweise bei einem breiten Spektrum maligner Erkrankungen eingesetzt werden. Viel versprechende Ergebnisse mit Nivolumab wurden beim ASCO 2013 beispielsweise zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Wandel in der Therapie

Erstmals konnte gezeigt werden, dass mit einer Behandlungsoption, die auf konventionelle Chemotherapie verzichtet, eine Heilung der akuten Promyelozyten-Leukämie (APL) möglich ist. In der internationalen, multizentrischen Phase-III-Studie, die während der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) vorgestellt wurde, führte bei APL-Patienten mit Standardrisiko eine Behandlung mit der Kombination Arsentrioxid (ATO) und All-trans-Retinsäure (ATRA) nicht zu schlechteren Ergebnissen als die bisherige Standardtherapie.



Michael Koczorek, Bremen
Rituximab erweitert die Therapieoptionen

Mit der Zulassungserweiterung von Rituximab für die Behandlung der Granulomatose mit Polyangiitis und der mikroskopischen Polyangiitis steht erstmals seit 40 Jahren eine neue Therapieoption bei diesen ANCA-assoziierten Vaskulitiden zur Verfügung. Rituximab ist bei Patienten mit Rezidiv in der remissionsinduzierenden Behandlung dem bisherigen immunsuppressiven Standard Cyclophosphamid signifikant überlegen und bei neu diagnostizierten Patienten vergleichbar wirksam. Das zeigt die Studie RAVE (Rituximab in ANCA-associated vasculitis), deren Daten bei einer Pressekonferenz der Roche Pharma AG im Juni in Hamburg vorgestellt wurden.



Dr. Katharina Arnheim, Freiburg
Vancomycin bei allen Schweregraden Mittel der Wahl

Mit oralem Vancomycin in Kapselform steht eine effektive Therapie für die Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) aller Schweregrade zur Verfügung. Auch wird dieses Antibiotikum gut vertragen, sodass eine hohe Compliance gegeben ist. Das ist wichtig, da CDAD immer häufiger auch im ambulanten Bereich auftreten. Die Therapie mit dem oralen Antibiotikum war Thema eines Presseroundtables von Riemser Phama.



Helga Brettschneider, Frankfurt am Main
Omalizumab bewirkt schnelle Symptomkontrolle bei Urtikaria

Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria bietet die herkömmliche Therapie oft keine ausreichende Linderung. Der monoklonale Antikörper Omalizumab verringerte jetzt in einer Studie die Beschwerden dieser Patienten schnell und wirksam. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der 47. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft bei einem Symposium von Novartis Pharma vorgestellt.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
VEGF-Inhibitor Ranibizumab ist der alleinigen Lasertherapie überlegen

Die diabetische Retinopathie und das diabetische Makulaödem gehören zu den häufigsten Gefäßkomplikationen bei Diabetikern. Dabei korreliert das Risiko einer dauerhaften Sehbehinderung mit der Diabetes-Dauer. Mit dem VEGF-Inhibitor Ranibizumab steht eine Therapiestrategie zur Verfügung, die den Sehverlust aufhalten und die Erblindung verhindern kann, so das Fazit eines von der Firma Novartis anlässlich des diesjährigen Diabetes-Kongresses in Leipzig veranstalteten Satellitensymposiums.



Simone Reisdorf, Erfurt
Neuer SGLT-2-Inhibitor überzeugt in Studien

Empagliflozin senkt HbA1c-Wert, Nüchternblutglucose, systolischen Blutdruck und Körpergewicht – das besagen die Daten mehrerer aktueller Studien, die als Poster auf dem Kongress der American Diabetes Association (ADA) in Chicago vorgestellt wurden. Getrennt untersucht wurde die Wirkung des SGLT-2-Inhibitors bei Patienten mit einem Ausgangs-HbA1c über 10 %: Hier war der Effekt auf die Blutzuckerkontrolle noch deutlicher.



Dr. Claudia Heß, Mainz
Neue Therapieoption beim psychiatrischen Akutfall

Eine akute Agitation gilt bei psychiatrischen Erkrankungen als Krisensituation, die eine rasche Deeskalation erfordert. Wird keine baldige Rückführung in die Therapiefähigkeit erreicht, sind sowohl der Patient als auch seine Umgebung stark gefährdet. Mit der Möglichkeit der nichtinvasiven Gabe des Wirkstoffs Loxapin als inhalative Akuttherapie (Adasuve®) steht ab dem dritten Quartal 2013 eine neue Therapieoption zur Vermeidung von Eskalationen bei agitierten Patienten zur Verfügung [1].



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau