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32. Jahrgang Heft 1/2 Januar/Februar 2014

Nachruf
Für die AMT-Redaktion  Für die Herausgeber


Übersicht
Anja Rinke und Rudolf Arnold, Marburg

Neuroendokrine Tumoren sind selten. Ihre Inzidenz nimmt aber seit etwa drei Jahrzehnten zu. Die Tumoren können entweder mit einem charakteristischen klinischen Syndrom einhergehen oder klinisch „stumm“ sein. Dann fallen sie durch ein verdrängendes Tumorwachstum oder als Zufallsbefunde auf. Die bildgebende Diagnostik umfasst Ultraschall, CT, MRT, die Somatostatinrezeptorszintigraphie und PET-Untersuchungen unter Verwendung spezieller Tracer wie 68Gallium. Die Säulen der Therapie sind die Kontrolle der Symptome durch den Hormonexzess und die Kontrolle des Tumorwachstums. Für die Symptomkontrolle sind heute Somatostatinanaloga unverzichtbar. Die Chirurgie, die Biotherapie, die molekular-zielgerichtete Therapie, ablative Verfahren, die Chemotherapie sowie die Peptidrezeptor-basierte Radiotherapie (PRRT) sind sich in der Regel ergänzende Pfeiler der antiproliverativen Therapie. Von verschiedenen Fachgesellschaften publizierte Leitlinien haben hilfreiche Algorithmen publiziert, wie man sich bei der Fülle unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten im Einzelfall verhalten kann.

Arzneimitteltherapie 2014;32:2–13.

Therapy of neuroendocrine tumors

Neuroendocrine tumors (NET) are rare. However, there is a continuous increase in incidence within the last three decades. NET may be functionally active and inactive. Functionally active NET are characterized by a typical clinical syndrome as consequence of the excessive hormone release by the tumor. Imaging of NET is based on ultrasound, CT, MRI, Octreoscan, and PET with specific tracers as 68Gallium. Aims of treatment are the control of hormone-mediated symptoms and the control of tumor growth. Somatostatin analogues are essential for symptom control. Surgery, biotherapy, molecular targeted therapy, ablative measure, chemotherapy and peptide receptor based radiotherapy (PRRT) are currently most powerful measures for effective control of tumor growth. Guidelines proposed by several national and international societies may serve as algorithms how to treat a newly diagnosed patient or patients not responding to one of the treatment alternatives.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Semagacestat nicht wirksam

In einer doppelblinden Plazebo-kontrollierten Studie mit 1537 Patienten mit wahrscheinlicher Alzheimer-Erkrankung war Semagacestat, ein Gamma-Sekretase-Inhibitor, bei der Behandlung der Alzheimer-Erkrankung nicht wirksam.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Einfluss auf die Mortalität beim akuten Koronarsyndrom

Eine prospektive und randomisierte Studie mit 280 Patienten kommt zu dem Ergebnis, dass bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom und Hyperglykämie eine strenge Blutzuckereinstellung weder die enzymatische noch die szintigraphische Infarktgröße verringert, jedoch mit erhöhten Risiken für Mortalität und einen zweiten nichttödlichen Myokardinfarkt einhergeht.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Welchen Nutzen bringt Pentaerithrityltetranitrat als Add-on-Therapie?

In einer randomisierten Doppelblindstudie zeigte der NO-basierende Vasodilatator Pentaerithrityltetranitrat in Kombination mit einer antiischämischen Therapie nur bei symptomatischen Angina-pectoris-Patienten mit einer reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit signifikante Effekte, nicht aber bei unselektierten Probanden.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Gute Langzeitwirkung von Macitentan

Eine Langzeittherapie mit dem neuen dualen Endothelin-Rezeptorantagonisten Macitentan konnte die Morbidität und Letalität von Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie signifikant senken, so das Ergebnis der ereignisgesteuerten SERAPHIN-Studie.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Colchicin unterstützt die Therapie akuter Perikarditis

In einer italienischen Studie senkte zusätzlich zur antientzündlichen Standardtherapie verabreichtes Colchicin signifikant die Rate fortbestehender und rezidivierender Symptome von Patienten mit akuter Perikarditis.



Priv.-Doz. Dr. Dieter Angersbach, Wolfratshausen
Lithium ist nur bei ausreichend hohen Plasmaspiegeln prophylaktisch wirksam

In einer Plazebo-kontrollierten Studie wurden Patienten mit einer Bipolar-I-Störung, die sich unter einer offenen Behandlung mit Quetiapin stabilisiert hatten, doppelblind einer prophylaktischen Behandlung mit Quetiapin, Lithium oder Plazebo zugeteilt. Primäres Ziel der Studie war die Untersuchung der Zeit bis zum Wiederauftreten einer bipolaren Episode (depressiv, manisch oder gemischt). Sowohl Quetiapin als auch Lithium waren signifikant wirksamer als Plazebo. In einer Post-hoc-Analyse wurde daraufhin die Wirksamkeit von Lithium-Plasmaspiegeln von < 0,6 mmol/l und von  0,6 bis 1,2 mmol/l mit der von Plazebo verglichen. Die Analyse zeigte, dass nur Lithiumspiegel zwischen  0,6 bis 1,2 mmol/l der Plazebo-Behandlung überlegen waren, während sich die Wirksamkeit niedrigerer Spiegel nicht von Plazebo unterschied.

( Mit einem Kommentar von Priv.-Doz. Dr. Dieter Angersbach



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Bewährte und neue Therapiestrategien

Bei den Autoimmunerkrankungen der Leber handelt es sich um chronisch progrediente Erkrankungen, die zu ernsthaften Komplikationen, nämlich Leberzirrhose und Leberzellkarzinom führen können. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit für die frühzeitige Einleitung effizienter therapeutischer Maßnahmen, mit denen heute zwar noch keine Heilung erreicht, aber der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst werden kann. Der aktuelle Stand der Forschung im Hinblick auf die Pathogenese, aktuelle Gesichtspunkte zur Diagnostik und neue Möglichkeiten der Arzneimittel-Therapie wurden im Rahmen eines von der Firma Falk veranstalteten Symposiums diskutiert.



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Pomalidomid als neue Option für refraktäre Patienten

Seit August 2013 ist Pomalidomid (Imnovid®) in Europa zur Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen. Wie auf einer Pressekonferenz der Firma Celgene im Rahmen der DGHO-Tagung 2013 in Wien verdeutlicht wurde, besteht damit für Patienten, bei denen alle verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, eine neue Therapieoption.



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Regorafenib als neue Option

Der oral einzunehmende Multi-Kinase-Inhibitor Regorafenib erhielt im August 2013 in der Europäischen Union die Zulassung für die Behandlung erwachsener Patienten mit metastasierendem Kolorektalkarzinom, die zuvor mit verfügbaren Therapien behandelt wurden oder für diese nicht geeignet sind. Aktuelle Daten, unter anderem aus der Zulassungsstudie, wurden auf einer Pressekonferenz der Bayer Vital GmbH im September in Berlin vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Längeres progressionsfreies Überleben mit Lanreotid

Bei Patienten mit gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren (GEP-NET) führte eine Therapie mit dem Somatostatin-Analogon Lanreotid im Vergleich zu Plazebo zu einem langen antiproliferativen Ansprechen und im Vergleich zu Plazebo zu einer längeren progressionsfreien Zeit. Das konnte in einer Phase-III-Studie, die während des europäischen Krebskongresses (ECCO, ESMO, ESTRO) im September 2013 in Amsterdam vorgestellt wurde, gezeigt werden.



Reimund Freye, Baden-Baden
Stellenwert der intravenösen Eisen-Gabe

Eine Eisenmangelanämie tritt häufig bei Krebspatienten auf. Diese ist zum einen krankheitsassoziiert, wobei je nach Krebsentität von einer Prävalenz von 26 bis 53 % ausgegangen wird, oder sie wird durch die Chemotherapie induziert. Hier gehen die Prävalenzzahlen bis zu 75 % [1]. Im Rahmen eines Pressegesprächs der Firma Vifor auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Wien wurden geeignete therapeutische Maßnahmen diskutiert – nicht zuletzt um Bluttransfusionen soweit wie möglich zu reduzieren. Davon ist die Behandlungsrealität allerdings noch weit entfernt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Neuer rekombinanter Faktor VIII für Patienten mit Hämophilie A

Mit Turoctocog alfa (NovoEight®) wurde im November 2013 von der EU-Kommission ein neuer rekombinanter Faktor VIII zur Behandlung und Prophylaxe von Patienten mit Hämophilie A zugelassen, der sich durch seine molekulare Struktur und den Herstellungsprozess von anderen rFVIII-Molekülen unterscheidet. Dies spiegelt sich in einer hohen Sicherheit des neuen FVIII-Präparats wider: in zwei zulassungsrelevanten klinischen Studien entwickelten sich unter der Gabe keine Hemmkörper.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Jüngere Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern werden häufiger mit NOAK behandelt

Die Einführung der neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) hat die Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern wesentlich vereinfacht. Nach neuen Registerdaten werden diese innovativen Substanzen häufiger bei jüngeren Patienten und solchen mit paroxysmalem Vorhofflimmern eingesetzt.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Dauertherapie mit Roflumilast gut wirksam

Eine chronisch obstruktive Bronchitis (Chronic obstructive pulmonary disease, COPD) tritt vor allem als Folge des Rauchens auf. Die erste Therapiemaßnahme ist daher ein sofortiger Rauchstopp. Daneben stehen zahlreiche Wirkstoffe zur Verfügung, mit denen das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden kann. Vor allem stärker betroffene Patienten mit mehr als zwei moderaten bis schweren Exazerbationen im vergangenen Jahr profitieren von einer Therapie mit dem Phosphodiesterase-4-Hemmer Roflumilast. Diese Behandlungsoption wurde auf einem Satellitensymposium, veranstaltet von Takeda Pharma, im Rahmen des Kongresses der European Respiratory Society (ERS) diskutiert.



Dr. Claudia Heß, Mainz
Neue Behandlungsoption und Perspektiven bei COPD

Auch unter Therapie leiden viele Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) weiter unter Atemnot bei körperlicher Belastung und Husten. In allen COPD-Stadien werden deshalb langwirksame Bronchodilatatoren empfohlen. Seit November 2013 steht für die duale Therapie die kürzlich in Europa zugelassene erste Fixkombination zweier langwirksamer Bronchodilatatoren zur Verfügung (Ultibro® Breezhaler®, QVA149). Einen Überblick über die Studienergebnisse und mögliche Behandlungsoptionen gaben Experten bei der Einführungs-Pressekonferenz in Mainz.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau