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32. Jahrgang Heft 3 März 2014

Editorial
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Clemens Warnke und Bernd C. Kieseier, Düsseldorf
Neue orale Option zur Behandlung der schubförmigen multiplen Sklerose

Teriflunomid wurde im Jahr 2013 als neues Basistherapeutikum zur Behandlung der schubförmig-remittierend verlaufenden multiplen Sklerose in Deutschland zugelassen. In zwei Phase-III-Studien konnten Sicherheit und Wirksamkeit der Substanz demonstriert werden, sodass sich mit Teriflunomid eine weitere orale Therapieoption für Patienten mit MS anbietet. Erkenntnisse um die Vorläufersubstanz Leflunomid bieten die Chance, indirekte Hinweise auf die Langzeitsicherheit zu erhalten. Der vorliegende Übersichtsartikel gibt Auskunft über die Substanz, ihre Wirkweise, die generierte Evidenz aus dem Studienprogramm sowie den Einsatz von Teriflunomid im praktischen Alltag.

Arzneimitteltherapie 2014;32:41–45.

Teriflunomide: a new oral option for therapy of relapsing MS

Teriflunomide has been approved for treatment of relapsing forms of MS in Germany in 2013. Recently, safety and clinical efficacy of teriflunomide has been demonstrated in two phase III clinical studies. Teriflunomide is the active metabolite of leflunomide, used for therapy of rheumatoid arthritis for more than a decade. As such, previous knowledge and clinical experience exists, and long-term safety appears foreseeable. In this review article, mode of action, efficacy and safety data from the clinical trial program and information on the use in clinical practice are discussed.

Key words: multiple sclerosis, leflunomide, immunotherapy, oral therapy



Konstantin Huhn und Ralf A. Linker, Erlangen
Neue Option in der oralen Therapie der multiplen Sklerose

Seit Februar 2014 ist das Fumarsäurederivat Dimethylfumarat (Prüfsubstanz BG-12, Handelsname Tecfidera®) für die Behandlung der schubförmigen multiplen Sklerose (RRMS) in Deutschland verfügbar, nachdem zwei große Phase-III-Studien (CONFIRM und DEFINE) erfolgreich abgeschlossen wurden. Anhand der Studienergebnisse wird eine orale Dosierung zur Behandlung der RRMS von zweimal täglich 240 mg Dimethylfumarat als optimal angesehen. Die beiden Studien CONFIRM und DEFINE belegten eine relative Schubratenreduktion von 53 % bzw. 44 % für die zugelassene Dosierung von Dimethylfumarat gegenüber Plazebo. DEFINE zeigte außerdem eine signifikant schwächere Behinderungsprogression mit einer relativen Risikoreduktion von 38 % unter Behandlung mit Dimethylfumarat. In beiden Studien wurde die Einnahme generell gut vertragen und war sicher hinsichtlich schwerer unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW). Die häufigsten UAW waren gastrointestinale Beschwerden, wie Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen, die besonders in der Frühphase der Therapie auftraten, sowie eine Flush-Symptomatik. Aktuell muss noch abgewartet werden, welchen Stellenwert Dimethylfumarat nach der Einführung auf dem europäischen Markt unter den bisherigen MS-Therapien bekommen wird.

Arzneimitteltherapie 2014;32:46–55.

Fumaric acid – a new option in oral therapy of multiple sclerosis

Since February 2014, the derivate of the fumaric acid dimethyl fumarate (clinical trial substance BG-12; tradename Tecfidera®) is available in Germany for the treatment of relapsing remitting multiple sclerosis (RRMS) after successful completion of two global phase III trials (CONFIRM and DEFINE). Following the findings, the optimal dimethyl fumarate dosage for the treatment of RRMS is 240 mg twice daily. DEFINE and CONFIRM showed a relative reduction of annual relapse rates as compared to placebo of 53 and 44 % at the approved dosages, respectively. Furthermore, progression of disability was significantly ameliorated under therapy with dimethyl fumarate with a relative risk reduction of 38 % as shown in the DEFINE trial. Administration of dimethyl fumarate was generally well-tolerated and safe without any severe side effects. Flushing and gastrointestinal events, including diarrhea, nausea and upper abdominal pain, were most common adverse events, which were seen particularly in the early phases of treatment. At present, after the introduction of dimethyl fumarate into the European market, its future positioning among current MS treatment regimens is awaited with great interest.

Key words: Dimethyl fumarate, BG-12, multiple sclerosis, immunomodulation, neuroprotection



Volker Limmroth, Barbara Eichhorst, Christina Limmroth, Köln, und Hans-Peter Hartung, Düsseldorf
Neue Optionen in der Therapie der schubförmigen multiplen Sklerose

Alemtuzumab, ein monoklonaler Antikörper gegen CD52, ist jüngst von der EMA (European medicines agency) zur Behandlung der schubförmigen multiplen Sklerose zugelassen worden. In den Phase-III-Studien war die Substanz hochwirksam, zeigte aber auch ein komplexes Nebenwirkungsprofil, das ein langfristiges und umfangreiches Monitoring erfordert. Anders als erwartet erfolgte die Zulassung auch mit der Möglichkeit einer Erstlinientherapie, sodass Alemtuzumab auch zu Beginn der Erkrankung eingesetzt werden könnte. Die intravenöse Gabe sowie das komplexe Management potenzieller unerwünschter Arzneimittelwirkungen machen die Nutzung in der neurologischen Praxis jedoch unattraktiv. Der zukünftige Stellenwert der Substanz in der MS-Therapie wird sich daher erst in den nächsten Monaten zeigen.

Arzneimitteltherapie 2014;32:56–62.

Alemtuzumab – new option in the therapy of relapsing remitting multiple sclerosis

Alemtuzumab, a monoclonal antibody against CD52 has recently been approved by the European Medicines Agency for the treatment of relapsing remitting multiple sclerosis. In both phase-III-trials the substance proved to be highly efficacious, but also showed a complex adverse event profile requiring both a longterm and specific monitoring. Interestingly, the approval encompassed the option of first-line-treatment paving the way to use the drug in early stages of the disease. The intravenous form of administration as well as the complex management of potential adverse events may jeopardize the use in private practice. Hence, the future place of the drug for the treatment of multiple sclerosis is still to be determined within the next month.

Key words: Alemtuzumab, multiple sclerosis, monoclonal antibody, CD52



Klinische Studie
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Albumin ist nicht wirksam

Eine randomisierte, Plazebo-kontrollierte Studie zeigte, dass eine Behandlung mit hoch dosiertem Albumin in der Behandlung des akuten ischämischen Insults nicht wirksam ist.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Idelalisib bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen

Idelalisib, ein oraler, kleinmolekularer Hemmer der Delta-Isoform der Phosphatidylinositol-3-kinase (PI3Kδ), kann in Kombination mit Rituximab das progressionsfreie Überleben, die Ansprechrate und das Gesamtüberleben von Patienten mit rezidivierter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) im Vergleich zu alleiniger Rituximab-Gabe signifikant verbessern, so das Ergebnis der Phase-III-Studie 116. Für die Idelalisib-Monotherapie konnten günstige Wirkungen in einer Phase-II-Studie bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen gezeigt werden.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Obinutuzumab plus Chlorambucil bei Patienten mit Begleiterkrankungen

Der neue monoklonale Antikörper Obinutuzumab plus Chlorambucil erwies sich im Vergleich zur Standardtherapie aus Rituximab plus Chlorambucil als wirksamer bei der Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und Begleiterkrankungen.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
C-reaktives Protein als Marker für kardiovaskuläres Risiko

Zwischen Atherosklerose und Entzündung gibt es einen engen Zusammenhang. Dies belegen die Ergebnisse einer vordefinierten Post-hoc-Analyse der SATURN-Studie (Study of coronary atheroma by intravascular ultrasound: effect of rosuvastatin versus atorvastatin).



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Langzeitergebnisse für Dabigatran bei Patienten mit Vorhofflimmern

Die Auswertung einer Langzeitstudie zeigt dass die orale Antikoagulation mit Dabigatran in der Schlaganfallprävention bei Patienten mit Vorhofflimmern wirksam ist. Bei der hohen Dosis von Dabigatran ist die Rate von schwerwiegenden Blutungskomplikationen gegenüber der niedrigen Dosis erhöht.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Polypille verbessert die Adhärenz und Persistenz der Arzneimitteleinnahme

Die Polypille verbessert bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder multiplen Risikofaktoren die Adhärenz der Arzneimitteleinnahme und führt zu einer besseren Reduktion von systolischem Blutdruck und LDL-Cholesterol.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Kombinationstherapie für die frühe Rezidiv-Prophylaxe

In einer Metaanalyse von 9012 Patienten ergeben sich Hinweise darauf, dass eine frühe Kombinationstherapie mit Thrombozytenfunktionshemmern nach TIA und ischämischem Insult einer Monotherapie bezüglich der Verhinderung von vaskulären Ereignissen überlegen ist, aber einen Trend zu mehr schwerwiegenden Blutungskomplikationen zeigt.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Ziel ist die personalisierte Therapie

Der Verlauf einer akuten Myokarditis ist individuell sehr unterschiedlich. Ein Teil der Patienten entwickelt einen bleibenden myokardialen Schaden, was als inflammatorische Kardiomyopathie bezeichnet wird. Die Therapiestrategie sollte sich an dem im Vordergrund stehenden pathogenetischen Mechanismus – Viruspersistenz oder chronische Inflammation – orientieren.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptorantagonisten als Auslöser

Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) und H2-Rezeptorantagonisten über mehr als zwei Jahre kann das Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel erhöhen, so das Ergebnis einer großen Fall-Kontrollstudie in den USA.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Katharina Arnheim, Freiburg
Zonisamid auch in der Pädiatrie

Nur eine geringe Zahl der verfügbaren Antiepileptika ist ausreichend für die Anwendung bei pädiatrischen und jugendlichen Epilepsiepatienten untersucht und zugelassen. Nun wurde die Zulassung von Zonisamid erweitert auf die Zusatztherapie bei Patienten mit fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung ab sechs Jahren.



Dr. Beate Fessler, München
Subkutaner TNF-α-Inhibitor zugelassen

Der subkutane TNF-α-Inhibitor Golimumab steht nun auch für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Colitis ulcerosa zur Verfügung. Entscheidend waren die Daten der PURSUIT-Studie: Jeder zweite Patient spricht nach sechs Wochen auf die Induktionstherapie klinisch an. Von einer Erhaltungstherapie profitiert im weiteren Verlauf etwa die Hälfte der Responder.



Dr. Petra Ortner, München
Optimierte Konditionierungsregime

Eine Stammzelltransplantation stellt für viele Patienten mit aggressiven hämatologischen Neoplasien die einzige kurative Chance dar. Die Optimierung der Konditionierungsregime ist hierbei eine wichtige Zielgröße.



Ralf Schlenger, München
Ivacaftor zeigt stabile Langzeiteffekte

Das seit August 2012 zugelassene Ivacaftor ist ein selektiver Potentiator des CFTR-Kanals. Voraussetzung für den Einsatz ist das Vorliegen einer bestimmten CFTR-Mutation, somit die Genotypisierung. Aktuelle Langzeitstudiendaten zeigen eine anhaltende therapeutische Wirksamkeit von Ivacaftor bei gutem Sicherheitsprofil. Die Ergebnisse wurden auf einem Symposium der Firma Vertex anlässlich der 16. Deutschen Mukoviszidose-Tagung in Würzburg vorgestellt.



Martin Wiehl, Königstein-Falkenstein
Neue Perspektiven individualisierter Therapien mit GLP-1-Analoga

Als injizierbare Alternative zu Insulin haben GLP-1-Analoga in der Therapie des Typ-2-Diabetes seit einigen Jahren ihren festen Platz eingenommen. Sie erwiesen sich als gute Kombinationspartner mit oralen Antidiabetika und auch mit Basalinsulin. Die kurz- und langwirksamen Vertreter der Substanzklasse eröffnen zudem neue Perspektiven individualisierter Therapien. Auch bei Typ-1-Diabetes zeichnen sich interessante Einsatzmöglichkeiten ab. Einen guten Überblick über die neuen Behandlungsoptionen bot die 49. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Barcelona.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau