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32. Jahrgang Heft 7/8 Juli/August 2014

Editorial
Dr. Andreas Ramming, Priv.-Doz. Dr. Jörg H.W. Distler, Erlangen, Prof. Dr. Ulf Müller-Ladner, Bad Nauheim
Einbahnstraße oder Sackgasse?


Übersicht
Kathrin Phiesel, Christoph Boesecke und Jürgen Kurt Rockstroh, Bonn

In kaum einem anderen medizinischen Bereich ist es durch die medikamentösen Neuerungen der vergangenen knapp 20 Jahre zu so einer revolutionären Veränderung eines Krankheitsbilds gekommen wie im Bereich der HIV-Infektion. Mit einer modernen antiretroviralen Kombinationstherapie (cART) kann bei ausreichend früher Diagnose und Therapieeinleitung heutzutage eine annähernd normale Lebenserwartung HIV-Infizierter angenommen werden. Die Indikation zur Einleitung einer cART richtet sich nach Klinik, CD4-T-Helferzellzahl und HI-Viruslast. Die derzeit gängigen Standardtherapien bestehen aus einer Kombination von zwei nukleos(t)idischen Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (NRTI) plus einem nichtnukleosidischen Reverse-Transcriptase-Inhibitor (NNRTI) oder einem geboosterten Protease-Inhibitor (PI) oder einem Integrase-Inhibitor (INI). Besonders mit der jüngsten Zulassung der beiden neuen Integrase-Inhibitoren Elvitegravir und Dolutegravir stehen zwei weitere sehr gut verträgliche und hoch wirksame Arzneistoffe zur Verfügung, die eine individualisierte, maßgeschneiderte Therapie der HIV-Infektion ermöglichen. Neben der Beachtung des HIV-Resistenzprofils und der persönlichen Lebensumstände sollte bei der Auswahl der Einzelsubstanzen auf mögliche Koinfektionen, Komorbiditäten, Kinderwunsch und Interaktionen mit der Begleitmedikation geachtet werden.

Arzneimitteltherapie 2014;32:191–200.

Current aspects in the management of HIV-infection

Only in very few medical areas have diseases been revolutionized by new drug developments in a way HIV infection has been dramatically altered by the advent of combination antiretroviral therapy (cART). Under modern cART a close to normal life expectancy can be assumed, if HIV diagnosis is made early and treatment is initiated timely. Indication for cART is based upon clinical symptoms, CD4-T-cell count and plasma HIV-RNA level. The current standard ART combinations consists of two nucleos(t)ide reverse transcriptase inhibitors (NRTI) plus one non-nucleoside reverse transcriptase inhibitor (NNRTI) or one boosted protease inhibitor (PI) or an integrase inhibitor (INI). Especially with the licensing of the two new integrase inhibitors elvitegravir and dolutegravir two additional very effective and well tolerated ART agents are available allowing an individualized therapy of HIV infection. In addition to the HIV resistance profile and living conditions co-infections, co-morbidities, wish to become pregnant and drug-drug interactions with co-medications should be taken into account when composing a cART regimen.

Key words: HIV, antiretroviral therapy, dolutegravir, elvitegravir, cobicistat



Pharmakovigilanz
Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e.V. und Dorothee Langenbahn
Unkritischer Austausch von Arzneimitteln führt zu Krankenhausaufenthalt

Durch den unkritischen Austausch („Arzneimittel-Hopping“) zweier Doxepin-Präparate kam es bei einer Patientin zu einer Unterdosierung bei der Entzugssymptomatik bei Alkoholabhängigkeit und bei einer anderen Patientin zu einer Überdosierung, die langfristig zu einer Arzneimittelabhängigkeit führte. Beide Fehldosierungen mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden.



Klinische Studie
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Zuverlässige Nutzen-Risiko-Abwägung erst nach fünf Jahren möglich

Effektivität und Risiken von Wirkstoff-freisetzenden Stents lassen sich erst in einer Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren abschätzen. Das zeigt das Follow-up einer Vergleichsstudie zwischen einem Zotarolimus- und einem Sirolimus-freisetzenden Stent, bei dem sich in Jahr eins zunächst für den Zotarolimus-Stent deutliche Nachteile ergeben hatten. Unter dem Sirolimus-Stent traten diese Risiken erst in den Jahren zwei bis fünf auf, sodass zwischen den beiden Stents nach fünf Jahren kein Unterschied mehr bestand.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Simone Reisdorf, Erfurt
Kein Durchbruch mit Anti-Amyloid-Antikörpern

Die intravenöse Gabe der Anti-Amyloid-Antikörper Bapineuzumab und Solanezumab kann die Demenz vom Alzheimer-Typ nicht aufhalten (Kasten 1). Das besagen zwei aktuelle Beiträge im New England Journal of Medicine, in denen je zwei doppelblinde, randomisierte, Plazebo-kontrollierte Phase-III-Studien vorgestellt wurden.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Michael Hüll, Emmendingen



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Gentherapie als neue Option?

In einer bizentrischen, offenen Studie der Phase I/II wurden Sicherheit und Wirksamkeit von ProSavin®, einem Gentherapeutikum auf lentiviraler Vektorbasis, bei 15 Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit untersucht. ProSavin wurde gut vertragen und verbesserte bei allen Patienten die motorischen Fähigkeiten.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Ceritinib hoch wirksam bei Veränderungen des ALK-Gens

Nichtkleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC), die eine Umlagerung des Anaplastische-Lymphomkinase(ALK)-Gens aufweisen, sind sensibel für eine Therapie mit dem ALK-Inhibitor Crizotinib. Leider entwickeln sich unter einer solchen Therapie auch unweigerlich Resistenzen. Ceritinib (LDK378) ist ein neuer ALK-Inhibitor, der in präklinischen Studien höhere antitumoröse Aktivität gezeigt hat als Crizotinib. Hoffnungsvolle Ergebnisse einer Phase-I-Dosisfindungs-Studie mit Ceritinib wurden unlängst im New England Journal of Medicine publiziert.



Dr. Ingo Stock, Bonn
Oxantel-Pamoat wirksamer als Standard-Anthelminthika

In einer doppelblinden Studie mit Kindern, die von Infektionen mit unterschiedlichen Helminthen betroffen waren, führte die Anwendung von Oxantel-Pamoat bei alleiniger Gabe oder in Kombination mit Albendazol bei der Behandlung der Trichuris-trichiura-Infektion zu einer höheren Heilungsrate als eine vergleichbare Standardtherapie mit Albendazol oder Mebendazol. Die getesteten Anthelminthika erwiesen sich als ähnlich gut verträglich.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Ingo Stock, Bonn
Überlegenheit von Dolutegravir gegenüber Darunavir

In einer offenen Phase-IIIb-Studie (FLAMINGO) war die einmal tägliche Anwendung einer Dolutegravir-enthaltenden antiretroviralen Kombinationstherapie hinsichtlich ihrer Wirksamkeit einer einmal täglichen Therapie mit Ritonavir-geboostertem Darunavir bei HIV-1-positiven antiretroviral-naiven Erwachsenen nach einer Behandlungszeit von 48 Wochen überlegen. In beiden Studienarmen wurde eine gute Verträglichkeit dokumentiert. Resistenzen gegen die in der Studie verwendeten Antiinfektiva waren nicht nachzuweisen.



Dr. Ingo Stock, Bonn
400 mg-Tagesdosis Efavirenz ähnlich wirksam wie Standarddosis

In einer doppelblinden Plazebo-kontrollierten Studie (ENCORE1) war eine antiretrovirale Kombinationstherapie mit Tenofovir, Emtricitabin und täglich 400 mg Efavirenz bei HIV-1-positiven antiretroviral-naiven Erwachsenen einer entsprechenden Standard-Kombinationstherapie mit 600 mg Efavirenz nach einer Behandlungszeit von 48 Wochen nicht unterlegen. In beiden Studienarmen wurde eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit dokumentiert. Bei Anwendung der reduzierten Efavirenz-Dosis waren mit der Einnahme von Efavirenz assoziierte unerwünschte Wirkungen weniger häufig.



Dr. Beate Fessler, München
Zielgerichtete Therapie bei früher rheumatoider Arthritis

Bei Patienten mit früher aktiver rheumatoider Arthritis kann mit einer Kombination aus Adalimumab und Methotrexat (MTX) häufiger eine niedrige Krankheitsaktivität erreicht werden als unter einer MTX-Monotherapie. Das günstige klinische Outcome bleibt auch dann erhalten, wenn das Biologikum abgesetzt wird – so die wichtigsten Ergebnisse der OPTIMA-Studie.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Posaconazol in neuen Darreichungsformen

Das Triazol-Antimykotikum wird in Kürze als Tablette und im weiteren Verlauf des Jahres als intravenöse Lösung zur Verfügung stehen, wie auf einer Pressekonferenz von MSD Sharp & Dohme Anfang April 2014 in München mitgeteilt wurde.



Simone Reisdorf, Erfurt
Neues Therapieprinzip für LDL-Senkung

Wirksame Behandlungsoptionen zur Senkung des LDL-Cholesterols bei kardiovaskulären Risikopatienten werden dringender denn je benötigt. Ein neues Therapieprinzip ist die Hemmung des Proteins PCSK9 durch Antikörper wie Alirocumab. Damit werden LDL-Reduktionen bis etwa 75 % des Ausgangswerts erreicht. Die Daten wurde im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) auf einem Symposium von Sanofi-Aventis vorgestellt.



Michael Koczorek, Bremen
Serelaxin reduziert Dyspnoe und verringert Mortalität nach sechs Monaten

Die Therapie und Prognose der akuten Herzinsuffizienz haben sich in den vergangenen Jahren nicht entscheidend gebessert. Die Mortalität betroffener Patienten ist weiterhin hoch. Eine neue Therapieoption könnte Serelaxin sein. Die rekombinante Form des humanen Hormons Relaxin-2 konnte nicht nur das Kernsymptom Dyspnoe, sondern auch das langfristige Überleben verbessern. Das zeigte die RELAX-AHF-Studie, deren Ergebnisse bei einer Pressekonferenz der Novartis Pharma GmbH im April in Mannheim präsentiert wurden.



Reimund Freye, Baden-Baden
Therapieentscheidungen auf welcher Basis?

Bei der individuellen Behandlung von Patienten mit multipler Sklerose (MS) gehen zahlreiche Faktoren ein, die letztlich zur Entscheidungsfindung beitragen, welches Arzneimittel initial verwendet werden soll. Auf dem 10. Interaktiven MS-Symposium, veranstaltet von Merck-Serono in Berlin, zeigte sich, welche Daten für MS-Behandler von besonderer Relevanz sind. Dabei spielt die evidenzbasierte Medizin eine Rolle, aber keineswegs die wichtigste.



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Vereinbarkeit von Effektivität und Lebensqualität

Ein rasches Ansprechen, ein möglichst langes progressionsfreies Überleben und idealerweise auch die Verlängerung des Gesamtüberlebens sind die medizinischen Ziele einer Tumorbehandlung. Doch dabei müssen auch die individuelle Lebensqualität und die Wünsche des Patienten im Fokus bleiben. Dies wurde auf einem von Merck Serono unterstützten Symposium im Rahmen des Deutschen Krebskongresses 2014 thematisiert, in dessen Mittelpunkt Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren standen.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Frühe Therapie mit Adalimumab erhöht Remissionsrate

Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) kann Adalimumab in vielen Fällen eine Remission herbeiführen. Neue Erkenntnisse, die während der von Abbvie veranstalteten Satellitensymposien beim diesjährigen Kongress der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) vorgestellt wurden, belegen, dass Patienten von einer frühzeitigen Therapie mit Tumornekrosefaktor-(TNF-)alpha-Blockern profitieren können, wenn die entsprechenden klinischen Befunde vorliegen und bei der Bestimmung der relevanten Biomarker erhöhte Werte gemessen werden.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau