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32. Jahrgang Heft 10 Oktober 2014

Editorial
Prof. Dr. Clemens Unger, Freiburg
Über die Schwierigkeiten der Therapieentscheidung


Übersichten
Clemens Unger, Freiburg
Aktuelle Therapiekonzepte

Das fortgeschrittene Prostatakarzinom wird nach einer bestimmten Zeit erfolgreicher Androgenablation kastrationsresistent. Unter Weiterführung der GnRH-Agonisten- oder -Antagonisten-Therapie bei Testosteron-Werten im Kastrationsbereich steigt der Wert des Prostata-spezifisches-Antigens (PSA) weiter. In dieser Situation ist die Einleitung einer Hormonmanipulation zum Beispiel mit Antiandrogenen, Glucocorticoiden oder einem Antiandrogen-Entzug häufig geeignet, den Einsatz der Chemotherapie zeitlich hinauszuschieben. Neben der Chemotherapie ist in den letzten Jahren eine Reihe weiterer Substanzen zur Behandlung des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms entwickelt worden, unter anderem Androgensynthese-Inhibitoren, Androgenrezeptor-Antagonisten, Immuntherapeutika sowie Radionuklidtherapeutika. Weitere Substanzen befinden sich in früher klinischer Erprobung. Es ist zu erwarten, dass durch das Spektrum der neuen Therapien die Behandlungsergebnisse des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms weiter verbessert werden.

Arzneimitteltherapie 2014;32:270-3

Castrate-resistant prostate carcinoma: current therapeutic concepts

Castrate-resistant prostate cancer occurs when the disease is progressing in the presence of castrate levels of androgens and remains sensitive to further hormonal manipulation. For many years the chemotherapeutic agent docetaxel was the treatment of choice in advanced castrate-resistant prostate cancer. However, several new compounds have been approved recently. Cabazitaxel as a semisynthetic taxane derivative was developed for patients with resistance to docetaxel. Androgen synthesis inhibitor abiraterone and androgen receptor antagonist enzalutamide have been proved to be novel promising agents with improved overall survival rates. Sipuleucel-T, an immunotherapeutic vaccine is now available. Additional immune based therapeutics like PROSTVAC and ipilimumab are currently in clinical trials. Bone targeted radiopharmaceuticals like radium-223, an alpha particle emitting agent, prolong overall survival in patients with only symptomatic bone metastases. Taken together the treatment options for patients with castrate-resistant prostate cancer expanded remarkably in recent times.

Key words: Prostate carcinoma, castrate-resistant, therapy, cabazitaxel, docetaxel, abiraterone, enzalutamide, sipuleucel-T, radium-233.



Alexander Kleger und Thomas Seufferlein, Ulm
Ein aktueller Über- und Ausblick

Das duktale Pankreaskarzinom gehört zu den Tumorerkrankungen mit einer sehr ungünstigen Prognose. Das weitgehende Fehlen von Frühsymptomen sowie die aktuell nicht vorhandene diagnostische Zugänglichkeit von Vorläuferläsionen führen meist zu einer erst späten Diagnose. Nur bei etwa 15 bis 20 % der Patienten besteht die Möglichkeit der einzigen potenziell kurativen Therapie, der Operation. Damit gewinnt die palliative Pharmakotherapie an Bedeutung. In letzter Zeit wurden die therapeutischen Möglichkeiten in der Palliativsituation durch zwei neue, effektive Regime erweitert, das FOLFIRINOX-Regime und die Kombination aus nab-Paclitaxel und Gemcitabin. Eine besseres Verständnis der Biologie des Pankreaskarzinoms hat zur Identifikation von neuen, potenziell als therapeutische Targets infrage kommenden Signalkaskaden geführt. Viele der daraus resultierenden Therapiekonzepte sind aktuell noch in der Phase früher klinischer Studien. Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die zugelassenen Regime und stellt gleichzeitig neue experimentelle Ansätze vor.

Arzneimitteltherapie 2014;32:274–82.

Current concepts in pharmacotherapy of pancreatic ductal adenocarcinoma

Pancreatic ductal adenocarcinoma (PDAC) has a dismal prognosis. Owing to a lack of specific symptoms and no accessible precursor lesions, primary diagnosis is commonly delayed, resulting in only 15%-20% of patients with potentially curable disease upon surgery. Thus, palliative pharmacotherapy becomes increasingly important. Recently, the FOLFIRINOX regimen and the combination of gemcitabine plus nab-paclitaxel are novel and promising therapeutic options for patients with metastatic PDAC. A better molecular understanding of pancreatic cancer has led to the identification of a variety of potential molecular therapeutic targets. A variety of the resulting therapeutic concepts are currently investigated in clinical trials. The present study provides an overview of the currently licensed regimen and introduces new experimental approaches.

Key words: Pancreatic ductal adenocarcinoma, nab-paclitaxel, FOLFIRINOX, gemcitabin, targeted therapy

Zu diesem Artikel existiert ein Korrekturhinweis.



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Claudia Bruhn, Schmölln
HER2-Dimerisierungs-Inhibitor beim metastasierten Mammakarzinom

Der humanisierte monoklonale Antikörper Pertuzumab verhindert nach Bindung an eine HER2-Domäne die Formation von HER2/HER3-Dimeren und reduziert dadurch die intrazelluläre Weiterleitung von Wachstumssignalen. In klinischen Studien zeigte Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Docetaxel bei Patienten mit HER2-positivem Brustkrebs eine signifikante Verlängerung des progressionsfeien Überlebens und des Gesamtüberlebens gegenüber der bisherigen Standardtherapie, ohne dass dabei die Häufigkeit unerwünschter kardialer Ereignisse zunahm.

Arzneimitteltherapie 2014;32:285–9

Pertuzumab: Inhibitor of HER2 dimer formation in the therapy of breast cancer

The humanized monoclonal antibody pertuzumab binds to a domain of HER2 and prevents the formation of HER2/HER3 dimers, which reduces signaling of growth factors via intracellular pathways. In clinical studies pertuzumab showed a significant improvement in progression free survival and in overall survival in combination with trastuzumab and docetaxel in patients with HER2-positive metastatic breast cancer, compared with placebo, trastuzumab, and docetaxel. This effect was not achieved at the expense of adverse events. This regimen represents an improvement on the standard of care for these patients.

Key words: Breast cancer, HER2, trastuzumab, pertuzumab, progression free survival, overall survival



Tilman Schöning, Heidelberg
Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2014;32:290–1



Claudia Bruhn, Schmölln, Konstanze Döhner, Ulm, und Martin Griesshammer, Minden
Erster zugelassener Januskinase-Inhibitor gegen Myelofibrose

Seit August 2012 ist der oral anzuwendende JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib für Patienten mit Myelofibrose auch in Europa zugelassen. Das Indikationsgebiet umfasst die Behandlung von krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen bei Erwachsenen mit primärer Myelofibrose (chronische idiopathische Myelofibrose), Post-Polycythaemia-vera-Myelofibrose oder Post-Essentieller-Thrombozythämie-Myelofibrose. Das Arzneimittel erhielt den Orphan-Drug-Status, da von diesen Erkrankungen nur relativ wenige Menschen (in der Europäischen Union rund 1,5 von 100 000) betroffen sind.

Arzneimitteltherapie 2014;32:292–6



Konstanze Döhner, Ulm, und Martin Griesshammer, Minden
Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2014;32:297–8



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Simone Reisdorf, Erfurt
Mit Pasireotid die Komplikationsrate reduzieren

Die Bildung von Pankreasfisteln und -abszessen ist eine häufige und schwere Komplikation nach chirurgischen Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse. Eine vorsorgliche perioperative Therapie mit dem Somatostatin-Analogon Pasireotid kann die Häufigkeit solcher Komplikationen signifikant reduzieren, wie eine aktuelle Studie zeigt.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Ibrutinib hochaktiv und lebensverlängernd

Frühe Resultate der RESONATE-Studie bestätigen dem ersten oralen Arzneimittel Ibrutinib bei resistenter/rückfälliger chronischer lymphatischer Leukämie (R/R CLL) andauernde Ansprechraten und Überlebensvorteile gegenüber Ofatumumab, dem gegenwärtigen Standard bei R/R CLL. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Juni 2014 während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt. Die Therapie mit Ibrutinib war auch bei den meist älteren Patienten mit CLL gut verträglich.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Signifikanter Überlebensvorteil bei bestimmten Lungenkrebs-Patienten

Die kombinierte Post-hoc-Analyse zweier Phase-III-Studien mit Afatinib beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom zeigten zunächst, dass die mit Afatinib behandelten Patienten zusätzlich zum längeren progressionsfreien Überleben auch insgesamt länger überlebten als die mit Chemotherapie behandelten. Bei Patienten mit der häufigsten EGFR-Mutation (DEL 19) konnte das Mortalitätsrisiko sogar um 41 % gesenkt werden. Außerdem profitieren Lungenkrebspatienten offensichtlich auch von einer Weiterbehandlung mit einer Afatinib-Kombination nach Progression. Die Ergebnisse dieser drei Studien wurden während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Juni 2014 in Chicago vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Ein genauerer Blick auf eine Zweitlinientherapie

Antiangiogenese-Behandlungen mit monoklonalen Antikörpern sowie Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) haben schon bemerkenswerte Resultate bei der Behandlung von Tumoren zeigen können. Aber ihr Einsatz ist aufgrund ihrer charakteristischen Nebenwirkungen wie Blutungen, Perforationen, schweren Hautreaktionen und Bluthochdruck begrenzt. In der LUME-Lung-1-Studie konnte mit Nintedanib erstmals ein Angiogenesehemmer bei NSCLC-Patienten in der Zeitlinientherapie einen Nutzen zeigen. Im Hinblick auf eine Zulassung ist natürlich auch eine Bewertung der Toxizität wichtig. Eine entsprechende Analyse wurde während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Mai 2014 in Chicago vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Höhere Mortalität für adipöse prämenopausale Frauen

Eine Studie mit Patientinnen mit frühem Brustkrebs zeigt, dass adipöse Frauen ein 34%ig höheres Risiko haben, an Brustkrebs zu sterben. Diese Risikoerhöhung zeigte sich allerdings nur bei den 20 000 prämenopausalen Frauen mit Estrogenrezeptor-positiver Erkrankung. Die Daten wurden im Mai 2014 während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Monochemotherapie mit Eribulin

Mono-Chemotherapien können bei Brustkrebspatientinnen im metastasierten Stadium das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Bei stark vortherapierten Patientinnen mit fortgeschrittenem oder metastastasiertem Mammakarzinom konnte mit Eribulin in der Monochemotherapie erstmals ein klinisch relevanter Vorteil im Hinblick auf das Gesamtüberleben erzielt werden. Die Ergebnisse wurden auf einer von der Firma Eisai veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen des Senologiekongresses im Juni 2014 in Berlin vorgestellt



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neue Option für Patientinnen nach Anthracyclin-Vorbehandlung oder -Resistenz

Angesichts der bislang begrenzten Therapieoptionen bei Patientinnen mit Mammakarzinomen, die mit Anthracyclinen vorbehandelt und resistent gegen Taxane sind, erzeugte Vinflunin – als Tubulin-Inhibitor einer neuen Generation – Aufmerksamkeit und neue Hoffnungen. Die Ergebnisse einer Phase-III-Studie mit Vinflunin wurden Anfang Juni während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Zoledronsäure alle drei Monate reicht auch aus

Weniger häufig applizierte Zoledronsäure (alle drei Monate) ist sicher und bietet Frauen mit Brustkrebs und Knochenmetastasen einen vergleichbaren Schutz gegen Knochenbrüche und andere skelettale Veränderungen wie die bislang übliche monatliche Behandlung. Die Studie, die das geprüft und belegt hatte, wurde im Juni 2014 während des Jahreskongresses der Amercian Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Goserelin hilft die Fruchtbarkeit zu erhalten

Das Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analogon Goserelin hilft Frauen, die bei Hormonrezeptor-negativem Brustkrebs mit Chemotherapie behandelt werden, ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. Das konnte in einer Studie gezeigt werden, die bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology im Mai 2014 in Chicago vorgestellt wurde. Eine Hormontherapie mit Goserelin reduzierte deutlich die Rate an frühzeitigem Ausfall der Ovarialfunktion, und die Frauen lebten länger.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Carboplatin zusätzlich zur Standardtherapie

Standard zur Behandlung tripelnegativer Mammakarzinome, die weder Estrogen- noch Gestagenrezeptoren besitzen noch eine Überexpression des humanen epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors 2 (HER2) aufweisen, ist derzeit die Chemotherapie. Die Frage, ob die Gabe von Carboplatin zusätzlich zur Standardtherapie mit einem Anthracyclin und/oder Taxan eine Verbesserung bringt, war Gegenstand der GeparSixto-Studie, deren Ergebnisse auf einem von der Firma Teva veranstalteten Pressegespräch im Rahmen der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie vorgestellt wurden.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neoadjuvante Chemotherapie als Erstbehandlung

Wird ein fortgeschrittenes Ovarialkarzinom zu Beginn mit neoadjuvanter Chemotherapie behandelt, so können dadurch im Vergleich zur Standardbehandlung Komplikationen verringert werden, und die Erkrankung ist weniger belastend für die Patientin. Das konnte in einer kontrollierten Studie gezeigt werden, die im Juni 2014 während der Jahrestagung der Amcerican Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt wurde.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau