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32. Jahrgang Heft 11 November 2014

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Highlights vom Europäischen Kardiologenkongress 2014 in Barcelona


Übersicht
Gregor Dückers, Kathrin Siepermann und Tim Niehues, Krefeld
Diagnostik und medikamentöse Behandlung

Nationale und internationale Leitlinien haben dazu beigetragen, die Versorgungsqualität von mit HIV infizierten Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Vor Indikationsstellung für eine antiretrovirale Therapie (ART) bedarf es zunächst der exakten Diagnosestellung. Die lebenslang durchzuführende ART ist eine Kombinationstherapie, die an verschiedenen Stellen in die Virusreplikation eingreift. Die Therapieindikation im Kindes- und Jugendalter richtet sich nach Klinik, Alter und der CD4-Zellzahl. Häufigster Grund für einen Anstieg der Viruslast unter ART ist eine mangelnde Therapieadhärenz. Im Falle eines tatsächlichen Therapieversagens ist eine Resistenztestung und schließlich Anpassung der kombinierten Therapie erforderlich. Die Transition von Jugendlichen ist eine weitere besondere Aufgabe.

Treatment of HIV in children

National and international efforts to harmonize, standardize and validate treatment protocols significantly improved the care and treatment for HIV infected patients and subsequently its outcome. Children with HIV infection may now have the chance of a normal life expectancy under antiretroviral treatment (ART). ART is a life-long drug combination treatment, which interferes at different sites within the viral replication cycle. Treatment regimen for children depends on clinical symptoms, age, and CD4 count. The main reason for treatment failure is non-adherence to ART. In cases of proven treatment failure resistance testing and adaption of ART is required. Judicious transition and psycho-social support of adolescents is another important task within the care of patients with HIV.

Key words: HIV, children, HAART, treatment

Arzneimitteltherapie 2014;32:317–26



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neuer Androgenrezeptor-Inhibitor verlängert das Überleben bei kastrationsresistentem Prostatakarzinom

Im Juni 2013 wurde der oral anzuwendende Androgenrezeptor-Antagonist Enzalutamid (Xtandi®) von der European Medicines Agency (EMA) zur Behandlung von Männern mit fortgeschrittenem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs, während oder nach mindestens einem Zyklus einer Docetaxel-basierten Chemotherapie zugelassen. Es ist damit nach Abirateronacetat der zweite Vertreter einer neuen Generation von Antiandrogenen. Zusätzlich zur kompetitiven Blockierung des Androgenrezeptors inhibiert Enzalutamid auch den Androgenrezeptor-Signalweg. Zur Identifizierung neuer Erkenntnisse zur Sicherheit unterliegt Xtandi® noch einer zusätzlichen Überwachung.

Enzalutamide: novel androgen receptor inhibitor prolongs survival in patients with castration-resistant prostate carcinoma

Enzalutamide targets multiple steps in the androgen receptor signaling pathway, the major driver of prostate cancer growth. In the AFFIRM-study enzalutamide significantly prolonged overall survival in men with metastatic castration-resistant prostate cancer after chemotherapy from 13,6 to 18,4 months. In addition the superiority of enzalutamide over placebo was shown in all secondary endpoints as the PSA-level response rate, the time to PSA progression and the quality of life. As adverse events epileptic seizures and hot flashes are to be mentioned. As enzalutamide is an inductor of several CYP-enzymes, interactions with other medications have to be observed with caution.

Key words: Enzalutamide, castration-resistant prostate cancer, androgen receptor signaling pathway, quality of life, seizures, glucocorticoid receptor.

Arzneimitteltherapie 2014;32:329–33.



Johannes Huber und Manfred P. Wirth, Dresden
Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2014;32:334–5.



Martin Storr, München
Aus Expertensicht

Die Therapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt und deutlich verbessert. Mit der Einführung des Tumornekrosefaktor-alpha(TNF-α)-Blockers Infliximab in der Behandlung des Morbus Crohn begann 1999 ein Paradigmenwechsel in der CED-Therapie. Aktuell stehen mit Infliximab, Adalimumab und Certolizumab drei TNF-Blocker zur Behandlung der CED zur Verfügung. Der darmselektive, humanisierte, monoklonale Integrin-α4β7-Antikörper Vedolizumab steht in Europa seit Mitte des Jahres zur Behandlung der CED zur Verfügung.

Arzneimitteltherapie 2014;32:336–8



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Humanisierter Antikörper gegen NGF bei der schmerzhaften diabetischen PNP wirksam

In einer Phase-II-Studie wurde der gegen NGF gerichtete Antikörper Fulranumab zur Behandlung der schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie getestet. Aufgrund von erhöhten Raten unerwünschter Ereignisse wurde die Studie jedoch vorzeitig durch die FDA abgebrochen. Dennoch ließ sich eine Reduktion der Schmerzintensität unter Behandlung mit Fulranumab erkennen.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
IL-17-Rezeptorantagonist Brodalumab gegen Gelenkentzündung

Brodalumab ist ein neuer, gegen den Interleukin-17-Rezeptor gerichteter monoklonaler Antikörper. In einer zunächst Plazebo-kontrolliert und doppelblind sowie dann offen weitergeführten Phase-II-Studie zeigten bis zu 64 % der Patienten mit einer aktiven Psoriasis-Arthritis eine Response, gemessen anhand der American College of Rheumatology Response Criteria. Die Verträglichkeit war gut, neutropenische Ereignisse wurden nicht gesehen.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Integrinhemmer Etrolizumab führt in klinische Remission

Patienten mit einer therapierefraktären mäßigen bis schweren Colitis ulcerosa profitieren von einer Behandlung mit dem spezifischen Integrinhemmer Etrolizumab – so das Ergebnis einer zehnwöchigen Plazebo-kontrollierten Phase-II-Studie. Der humanisierte monoklonale Antikörper interagiert mit den Integrinen α4β7 und αEβ7, die maßgeblich an der pathologischen Einwanderung von entzündungsfördernden Immunzellen in den Darm beteiligt sind. Die Verträglichkeit der Kurzzeittherapie ist gut.



Andrea Warpakowski Itzstedt
Sorafenib verlängert progressionsfreies Überleben

Beim fortgeschrittenen Radioiod-resistenten differenzierten Schilddrüsenkarzinom verlängerte der orale Multi-Kinase-Inhibitor Sorafenib im Vergleich zu Plazebo signifikant das progressionsfreie Überleben von 5,8 auf 10,8 Monate. Diese Ergebnisse der bisher ersten Phase-III-Studie in dieser Indikation wurden in der Zeitschrift Lancet vorgestellt.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Schlaganfallrisiko und Blutungsrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern unter Dialyse

Bei Patienten, die dialysepflichtig sind und unter Vorhofflimmern leiden, reduziert zwar die Gabe von Warfarin das Risiko eines Schlaganfalls, erhöht aber gleichzeitig das Risiko schwerwiegender Blutungen um 44 %, so das Ergebnis einer retrospektiven Kohortenstudie.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Sekundärprävention bei Patienten mit großen arteriosklerotischen Plaques im Aortenbogen

In einer randomisierten Studie mit 349 Patienten mit großen arteriosklerotischen Plaques im Aortenbogen, die vorzeitig abgebrochen wurde, ergab sich kein Unterschied im präventiven Effekt der Kombination von Acetylsalicylsäure und Clopidogrel im Vergleich zu einer oralen Antikoagulation mit Warfarin.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Ist die Therapie mit Simvastatin sinnvoll?

Eine Therapie mit Simvastatin ist bei der aneurysmatischen Subarachnoidalblutung nicht in der Lage, die Schwere der neurologischen Ausfälle positiv zu beeinflussen. Dies zeigte eine randomisierte, Plazebo-kontrollierte Doppelblindstudie.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Humanalbumin als Volumenersatz

In einer Metaanalyse von 16 Studien ging man der Frage auf den Grund, ob Humanalbumin als Volumenersatztherapie bei der Behandlung der Sepsis einer Therapie mit kolloidalen oder kristalloiden Lösungen überlegen ist. Untersucht wurde die Sterblichkeit, die sich in den verschiedenen Therapien nicht signifikant unterschied.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Kombination von Vitamin-K-Antagonisten und Thrombozytenfunktionshemmern sinnvoll?

Eine dänische Studie brachte folgende Antwort: Bei Patienten mit Vorhofflimmern und stabiler koronarer Herzerkrankung führt die Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern zusätzlich zu Vitamin-K-Antagonisten zu einem erhöhten Blutungsrisiko, ohne das Risiko thromboembolischer Ereignisse zu vermindern.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Erhöhtes Krebsrisiko durch TNF-α-Blocker?

Die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen mit TNF-α-Blockern erhöht das Karzinomrisiko der Patienten nicht. Dies ergab eine große dänische Kohortenstudie mit den Daten von über 56 000 Patienten.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Empfehlung von Antibiotika nach hierarchischem Prinzip

Die Ausheilung von Tuberkulose dauert bei voller Sensibilität des Erregers sechs Monate, bei Resistenz gegen gängige Antituberkulotika jedoch 20 Monate und länger. Neue Wirkstoffe kommen nur zögerlich auf den Markt und die verfügbaren (auch neuen) Impfstoffe überzeugen keineswegs. Das im Frühjahr 2014 von 40 internationalen Wissenschaftlern erstellte „TBNET-Consensus-Statement“ bietet nun eine Leitlinie zur Behandlung dieser Patientengruppe.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Thrombozyten- plus Gerinnungshemmung

Die bisherige antithrombotische Standardtherapie des akuten Koronarsyndroms (ACS) ist die duale Thrombozytenfunktionshemmung. Nach den Ergebnissen der ATLAS-ACS-TIMI-51-Studie kann durch eine zusätzliche Gerinnungshemmung mit dem Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban in niedriger Dosierung die Prognose weiter verbessert werden. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Rahmen einer von Bayer HealthCare veranstalteten Pressekonferenz im Juni 2014 in Frankfurt a. M. diskutiert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Ist eine Vortherapie mit einem P2Y12-Rezeptor-Inhibitor sinnvoll?

Bei der Therapie des akuten Koronarsyndroms ist neben der Koronarintervention eine duale Trombozytenfunktionshemmung mit Acetylsalicylsäure und einem P2Y12-Inhibitor unverzichtbar. In entsprechenden Studien erwiesen sich die neueren Substanzen Prasugrel und Tigacrelor dem Clopidogrel überlegen. Die Frage, ob überhaupt und wenn ja, bei welcher Substanz eine Vorbehandlung vor der perkutanen Koronarintervention sinnvoll ist, wurde im Rahmen eines von den Firmen Daiichi Sankyo und Lilly anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) in Salzburg veranstalteten Satellitensymposiums diskutiert.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Duale HER2-Blockade nach der Operation nicht nötig

Die Ergebnisse einer großen Phase-III-Studie zeigten, dass in der postoperativen (adjuvanten) Therapie HER2-positiver Brustkrebs-Patientinnen mit frühem Brustkrebs eine Kombination zweier HER2-Inhibitoren – Trastuzumab plus Lapatinib – nicht wirksamer ist als eine Therapie nur mit Trastuzumab. In der Studie, die während der 50. Jahrestragung der amerikanischen Onkologen vorgestellt wurde, zeigten sich im Hinblick auf die Rate an krankheitsfreiem Überleben nach vier Jahren keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsarmen.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Höhere Ansprechraten in der Neoadjuvanz mit Bevacizumab

Ein histopathologisch komplettes Ansprechen (pCR) auf eine neoadjuvante Behandlung deutet bei Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs auf eine bessere Prognose hin. Offensichtlich können diese Ansprechraten durch ein Hinzufügen von Bevacizumab noch gesteigert werden. Entsprechende Daten wurden während des amerikanischen Krebskongresses im Mai 2014 vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Kein Benefit für Bevacizumab im adjuvanten Setting

Wird einer adjuvanten Chemotherapie Bevacizumab hinzugefügt, so führt das bei Frauen mit HER2-negativem Brustkrebs nicht zu besseren Ergebnissen im Hinblick auf das Überleben. Die Ergebnisse dieser Studie wurden während der 50. Jahrestagung der amerikanischen Onkologen (ASCO) im Juni 2014 in Chicago vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau