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32. Jahrgang Heft 12 Dezember 2014

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Professor Dr. Johann D. Ringe, Leverkusen


Übersicht
Christoph Hiemke, Mainz, und Gabriel Eckermann, Kaufbeuren

Modifizierter Nachdruck aus Psychopharmakotherapie 2014;21:269–79.
Interaktionen von Psychopharmaka

Arzneimittelkombinationen mit fünf oder mehr Arzneimitteln sind häufig und nicht selten auch notwendig im Alltag der Pharmakotherapie, um einen möglichst guten Behandlungserfolg zu erzielen. Mit steigender Anzahl an Arzneistoffen steigt allerdings das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) und Arzneimittelwechselwirkungen. Für Psychopharmaka wurden viele pharmakodynamische und pharmakokinetische Arzneimittelwechselwirkungen zufällig entdeckt. Die Erkenntnisfortschritte der vergangen Jahrzehnte haben dazu geführt, dass Arzneimittelwechselwirkungen nun weitgehend vorhersehbar sind. Die meisten wechselwirkungsbedingten UAW zählen daher heute zu den vermeidbaren Medikationsfehlern. Um möglichst sicher zu kombinieren, gibt es umfangreiche Literatur, Tabellenwerke und hilfreiche computergestützte Programme. Allerdings ist es oft schwierig einzuschätzen, ob ein angezeigtes potenzielles Wechselwirkungsrisiko klinisch relevant ist oder nicht. Darüber hinaus ist die Kombinationsvielfalt so groß, dass es unmöglich ist, jede verordnete Arzneimittelliste bezüglich ihres Interaktionsrisikos individuell umfassend zu prüfen. In diesem Beitrag wird dargestellt wie risikoreiche Kombinationen erfasst werden können. Es wurde ein Algorithmus entwickelt, mit dem bei Kombinationstherapie/Polypharmazie Arzneistoffe mit hohem pharmakodynamischem und/oder pharmakokinetischem Interaktionsrisiko identifiziert werden können. Mit dem Algorithmus kann überprüft werden, ob eine Arzneimittelkombination bezüglich Wechselwirkungen wahrscheinlich sicher oder riskant ist und ob eine Änderung der Medikation notwendig ist. Eine Änderung sollte immer vorgenommen werden, wenn es alternative Arzneimittel ohne Wechselwirkungsrisiko gibt.

Arzneimitteltherapie 2014;32:361–70.

Combination therapy and polypharmacy in psychiatry and drug-drug interactions

Drug combinations and polypharmacy with five or more drugs are common and often necessary in every day pharmacotherapy to achieve best possible treatment outcomes. Treatment with several drugs, however, enhances the risk of adverse drug reactions (ADR) and drug-drug interactions. In psychiatry, many pharmacodynamic and pharmacokinetic drug interactions were discovered during the last decades by accident. Since marked advances in knowledge have resulted, drug interactions are now largely predictable and most interaction-related ADR considered as preventable medication errors. To prevent interaction-related ADR, there is extensive literature. Most helpful are computer-assisted or internet based drug interaction programs. Nevertheless, valid interaction checks are still difficult, especially to assess whether an indicated potential interaction risk is clinically relevant or not. Moreover, the combination diversity is so great under polypharmacy that it is essential to examine each administered list of prescribed drugs with respect to their interaction risk individually. For this publication, psychotropic and non-psychotropic drugs were graded according to their interaction risk burden, and an algorithm is proposed for identification of expected pharmacodynamic and pharmacokinetic interactions in a prescribed drug list of individual patients. Graduated interaction risk evaluation should be applied to decide whether a change in planned medication seems necessary or not. A change is highly recommended whenever a high risk is identified and alternative medications without interaction risk are available.

Key words: Drug-drug interactions, pharmacokinetic, pharmacodynamic, anticholinergic, QT-time, adverse drug reactions



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Michael Koczorek, Bremen
Multimodales Antidepressivum als neuartige Option in der Therapie der Major Depression

Vortioxetin (Brintellix®) ist ein neuartiges, multimodal wirksames Antidepressivum. Es hemmt den Serotonintransporter und wirkt zusätzlich agonistisch und antagonistisch auf unterschiedliche Rezeptoren des Serotoninsystems. Mit diesem multimodalen und synergistischen Wirkungsmechanismus werden mehr Zielstrukturen erreicht als mit hochselektiven Arzneistoffen wie anderen Serotonin- oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern. Vortioxetin hat sich in einem umfangreichen Studienprogramm mit mehr als 6700 Patienten gegenüber Plazebo und im Vergleich mit aktiven Substanzen als antidepressiv wirksam, sicher und verträglich erwiesen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine Verbesserung der kognitiven Dysfunktion, die neben Schlaf- und Angststörungen ein häufiges Residualsymptom, auch bei erfolgreicher Behandlung der Depression, ist. Der Serotoninmodulator und -stimulator – wie er vom Hersteller Lundbeck genannt wird – ist seit Dezember 2013 in Europa zugelassen. In Deutschland wird der Vertrieb voraussichtlich im 1. Quartal 2015 aufgenommen.

Arzneimitteltherapie 2014;32:373–6.



Gerd Laux, Haag i.OB/München
Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2014;32:377–8.



Klaus Lieb, Mainz
Aus Expertensicht

Loxapin (Adasuve®) ist ein Antipsychotikum aus der Reihe der Dibenzoxapine, das in peroraler und parenteraler Form bereits seit den 70er-Jahren unter anderem in den USA und verschiedenen europäischen Ländern wie Frankreich im Handel ist. Nach Zulassung durch die FDA (Food and drug administration) in den USA im Dezember 2012 ist Loxapin nun auch in Deutschland seit Mai 2013 als Inhalat zur schnellen Kontrolle leichter bis mittelschwerer Agitiertheit bei Erwachsenen mit Schizophrenie oder bipolarer Störung zugelassen.

Arzneimitteltherapie 2014;32:379–80.



Klinische Studie
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Behandlungserfolge mit Lanreotid nach Metastasierung

Lanreotid, ein synthetisches Analogon von Somatostatin, konnte bei Patienten mit metastasierenden enteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren vom Grad 1 oder 2 die Tumorprogression signifikant hinauszögern.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Therapieerfolge nach Interferon-Therapie

Patienten mit einer Hepatitis-C-Virus-Infektion des Genotyps 1, die zuvor mit einer auf Interferon basierenden Therapie keinen zufriedenstellenden Behandlungserfolg erzielten, konnten mit einer fixen Kombination aus Ledipasvir und Sofosbuvir, einmal täglich verabreicht, ein anhaltendes virologisches Ansprechen erreichen.

 Mit einem Kommentar von Priv.-Doz. Dr. Frank Grünhage, Homburg



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Martin Storr, München
Das lokal wirksame Budesonid ist Mesalazin und Plazebo überlegen

Die kollagene Kolitis ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die mit wässrigen Durchfällen einhergeht und zur Gruppe der mikroskopischen Kolitiden gehört. Viele der Betroffenen sind ältere Patienten weiblichen Geschlechts. Budesonid ist derzeit die Standardtherapie bei dieser Erkrankung, vergleichende Studien zu anderen möglichen Wirkstoffen gab es bis vor kurzem nicht. Miehlke et al. berichten in der Zeitschrift Gastroenterology über eine multizentrische, Plazebo-kontrollierte klinische Studie, in der Budesonid, Mesalazin und Plazebo in der Behandlung der kollagenen Kolitis verglichen wurden [1].



Prof. Dr. Martin Storr, München
Rifaximin ist sicher in der Behandlung des Reizdarmsyndroms ohne Obstipation

Das Antibiotikum Rifaximin kann klinischen Studien zufolge in der Behandlung des Reizdarmsyndroms ohne Obstipation verwendet werden, insbesondere wenn Blähungen und Diarrhö im Vordergrund stehen. In der Zeitschrift Alimentary Pharmacology and Therapeutics fassen Schoenfeld et al. [1] zusätzliche Daten zu Sicherheit und Verträglichkeit von Rifaximin zur Behandlung von Patienten mit einem Reizdarmsyndrom ohne Obstipation zusammen.



Prof. Dr. Martin Storr, München
Infliximab-Azathioprin-Kombinationstherapie ist den Monotherapien überlegen

Das Biologikum Infliximab und das Immunsuppressivum Azathioprin sind in der Therapie der Colitis ulcerosa etablierte Arzneimittel. Die Kombination der beiden Arzneistoffe wird in der Therapie in Einzelfällen angewendet. Die Wirksamkeit der Kombinationstherapie wurde bisher noch nicht mit der Wirksamkeit der Monotherapien verglichen und ein direkter Vergleich der beiden Monotherapien untereinander ist bisher auch noch nicht erfolgt. Panaccione et al. haben in der Zeitschrift Gastroenterology die Daten einer klinischen Studie zu einer solchen Kombinationstherapie vorgestellt [1].

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Martin Storr, München



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Behandlung mit Sofosbuvir plus Ribavirin

Das neue orale Nukleotidanalogon Sofosbuvir ermöglicht erstmals eine einfache, oral durchführbare sowie neben- und wechselwirkungsarme Behandlung von Hepatitis-C-Patienten, die mit HIV koinfiziert sind. Sowohl therapienaive als auch vorbehandelte Patienten erreichten unter der kombinierten Gabe von Sofosbuvir plus Ribavirin über 12 oder 24 Wochen hohe virologische Responseraten.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Antiepileptika zur Behandlung neuropathischer Schmerzen und der Fibromyalgie

Bei der Behandlung der diabetischen Neuropathie und der postzosterischen Neuralgie sind Gabapentin und Pregabalin besser wirksam als Plazebo. Bei der Fibromyalgie besteht ein schwacher Therapieeffekt von Pregabalin. Die anderen Antiepileptika sind bei diesen Krankheitsbildern nicht wirksamer als Plazebo.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Ute Ayazpoor, Mainz
SGLT2-Hemmer erweitert die Optionen für die orale Behandlung

Seit dem 15. August 2014 können erwachsene Patienten mit Typ-2-Diabetes mit Empagliflozin, einem neuen oralen Diabetesmedikament, behandelt werden. Der SGLT2-Hemmer mindert die Glucoselast unabhängig von der Betazellfunktion, der Insulinresistenz und bereits bestehenden blutzuckersenkenden Therapien und ist sowohl zur Monotherapie bei Metformin-Unverträglichkeit als auch zur Add-on-Therapie zugelassen. Die zugrunde liegenden Studiendaten wurden auf einer von Boehringer Ingelheim veranstalteten Pressekonferenz im Juli 2014 in Ingelheim referiert.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Roland Büttner, Bogen



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Dick, aber nicht krank: das Konzept der „metabolisch gesunden Adipositas“

Das Konzept der metabolisch gesunden Adipositas (Metabolic healthy obesity, MHO) soll eines Tages dazu dienen können, für übergewichtige Patienten das genau passende Behandlungskonzept auszuwählen. Wie auf einen Symposium im Rahmen der diesjährigen Frühjahrstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Mai 2014 in Berlin dargestellt wurde, ist aber noch viel Forschungsarbeit notwendig, bevor es Eingang in den klinischen Alltag finden kann.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Können CSE-Hemmer bei schwer Kranken abgesetzt werden?

Bei Patienten mit begrenzter Lebenserwartung unter einem Jahr kann eine Medikation mit CSE-Hemmern ohne Nachteil abgesetzt werden, so das Ergebnis einer amerikanischen Untersuchung mit 381 Patienten, die auf dem ASCO Annual Meeting 2014 in Chicago vorgestellt wurden.



Abdol A. Ameri, Weidenstetten
Rechtzeitig eine Eskalation der Therapie in Erwägung ziehen

Bestmögliche Freiheit von klinischer und subklinischer Krankheitsaktivität lautet das ambitionierte Ziel in der Behandlung von Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose (MS). Bei Patienten, die unter einer immunmodulatorischen Basistherapie weiterhin Krankheitsaktivität aufweisen, ist eine rechtzeitige Eskalation auf ein wirksameres Arzneimittel erforderlich. Besonders ausgeprägt ist der Einfluss einer Therapieoptimierung in der Frühphase der Erkrankung, noch bevor die Patienten einen EDSS(Expanded disability status scale)-Wert von 3 erreichen [1]. Die Daten wurden auf einem von Biogen Idec veranstalteten Pressegespräch im Juni 2014 in Frankfurt diskutiert.



Dr. rer. nat. Matthias Herrmann, Berlin
Durch Fidaxomicin mehr Patienten anhaltend geheilt

Bei steigender Inzidenz werden durch Clostridium difficile ausgelöste Diarrhöen zu einem immer größeren Problem. Mit Fidaxomicin steht seit Januar 2013 eine Alternative zur Therapie mit Metronidazol oder Vancomycin zur Verfügung, die von der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) bereits in ihre Empfehlungen aufgenommen wurde. Ein Vorteil des Antibiotikums, das die natürliche Darmflora kaum beeinflusst: Rückfälle treten seltener auf als nach Behandlung mit Vancomycin. Experten diskutierten die neue Therapieoption auf einer von Astellas Pharma veranstalteten Pressekonferenz.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Ralf Stahlmann, Berlin



Dr. med. Nana Mosler, Leipzig
Der erste NS5A-Replikationskomplex-Inhibitor ist auf dem Markt

Die Dreifachtherapie aus Peginterferon, Ribavirin und den Protease-Inhibitoren Boceprevir oder Telaprevir wird nicht mehr als Standardbehandlung bei Hepatitis C empfohlen. Grund dafür geben neue Kombinationstherapien, die an verschiedenen Punkten im Replikationszyklus des Hepatitis-C-Virus (HCV) angreifen und damit virologische Ansprechraten von bis zu 100 % in einem Zeitraum von 12 Wochen erreichen. Teil einer solchen Kombinationstherapie ist Daclatasvir, das beschleunigt zugelassen wurde. Ende 2014 wird bereits der zweite NS5A-Inhibitor erwartet.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau