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33. Jahrgang Heft 1/2 Januar/Februar 2015

Editorial
Die Redaktion der „Arzneimitteltherapie“


Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Ein schwieriges Unterfangen


Übersicht
Christian M. Lange, Frankfurt

In den letzten Jahren kam es zu einer revolutionären Erweiterung des medikamentösen Repertoires zur Therapie der Hepatitis C. Dank der Zulassung der direkt-antiviral wirksamen Arzneimittel Sofosbuvir, Simeprevir, Daclatasvir, Ledipasvir und der bevorstehenden Zulassung weiterer potenter Substanzen, kann heute das Hepatitis-C-Virus (HCV) bei den allermeisten infizierten Patienten dauerhaft eliminiert werden. In dieser Übersicht fassen wir die aktuellen Therapieempfehlungen, die Kombinationstherapien mit und ohne pegyliertes Interferon alfa umfassen, zusammen.

Arzneimitteltherapie 2015;33:4–11.

Current opportunities for treating chronic hepatitis C

During the last decade, therapeutic opportunities to combat infection with hepatitis C virus (HCV) have been dramatically changing. Due to the recent approval of sofosbuvir, daclatasvir, ledipasvir and simeprevir, and additional potent directly acting antiviral agents (DAA) on the horizon, HCV eradication is possible in the vast majority of HCV infected individuals by DAA combinations with or without pegylated interferon alfa. This review summarizes these exciting developments with a focus on current recommendations for the treatment of chronic hepatitis C.

Key words: Sofosbuvir, simeprevir, daclatasvir, ledipasvir, all-oral therapy, interferon-free therapy, HCV



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Prof. Dr. Martin Storr, München
Aus Expertensicht

Regorafenib (Stivarga®), ein oral einsetzbarer Multikinaseinhibitor, ist in Europa seit Juli 2013 zur Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms (mCRC) zugelassen. Seit August 2014 kann Regorafenib in einer weiteren Indikation verwendet werden, da die Zulassung erweitert wurde. Der nunmehr zugelassene Einsatz beim gastrointestinalen Stromatumor (GIST) ist ein geeigneter Zeitpunkt, das Arzneimittel Regorafenib noch einmal genauer zu betrachten.

Arzneimitteltherapie 2015;33:15–7.



Klinische Studie
Dr. Ingo Stock, Bonn
Kombinationstherapie aus Paritaprevir/r, Ombitasvir und Dasabuvir bei chronischer Hepatitis-C-Virus-Infektion erfolgreich

In mehreren klinischen Studien der Phase III führte eine 12-wöchige Kombinationstherapie mit Paritaprevir/r, Ombitasvir, Dasabuvir und Ribavirin bei zuvor behandelten oder unbehandelten Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Virus(HCV)-Genotyp-1-Infektion in mindestens 92 % aller Fälle zu einem anhaltenden virologischen Ansprechen. Unter einer entsprechenden Therapie ohne Ribavirin wurde bei zuvor unbehandelten Patienten ohne kompensierte Lebererkrankung in 90 bis 99 % der Fälle ein anhaltendes virologisches Ansprechen erzielt.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Kausale Therapie denkbar?

Für die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen, wie Alzheimer-Demenz oder Morbus Parkinson, stehen bislang nur symptomatische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Verschiedene kausale Therapieansätze werden intensiv erforscht. Amyloid-Antikörper bei Alzheimer-Demenz wie Gantenerumab und verschiedene Protein-Aggregationshemmer wurden bei einem Symposium im Rahmen der Neurowoche 2014 in München vorgestellt und diskutiert.



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Triptane sind nicht teratogen

Die Einnahme von Serotonin-1B/1D-Agonisten („Triptanen“) während der Schwangerschaft erhöht das Risiko von angeborenen Missbildungen nicht.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Knochendichtemessungen nach einer Alendronsäure-Therapie?

Bisphosphonate sind Mittel der Wahl zur Therapie der Osteoporose. Mittlerweile wird ein Beenden dieser Therapie nach drei bis fünf Jahren befürwortet. Das Risiko, nach Absetzen des Bisphosphonats trotzdem eine Fraktur zu erleiden, lässt sich mittels einer Knochendichtemessung der Hüfte zum Zeitpunkt des Absetzens einschätzen. Spätere Messungen liefern keinen weiteren Erkenntnisgewinn. Das ergab eine Post-hoc-Analyse der FLEX-Studie.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Johann D. Ringe, Leverkusen



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Kausale Therapie mit Ataluren

Seit August 2014 ist das Orphan-Drug Ataluren (Translarna®) bedingt für die Behandlung von Patienten ab einem Alter von fünf Jahren mit Duchenne-Muskeldystrophie aufgrund einen Nonsense-Mutation (nmDMD) von der EU-Kommission zugelassen. Die oral applizierbare Substanz wurde bei einem Pressegespräch von PTC Therapeutics am Rande der Neurowoche 2014 in München vorgestellt.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Glatirameracetat in der immunmodulatorischen Basistherapie

Glatirameracetat ist seit über zehn Jahren zur immunmodulatorischen Basistherapie der schubförmigen multiplen Sklerose (MS) zugelassen. Der Wirkstoff gehört hierfür wegen seines gut dokumentierten Wirksamkeits- und Sicherheitsprofils nach wie vor zu den Therapien der ersten Wahl, wie im September 2014 auf einem Satellitensymposium der Firma Teva in München auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) dargestellt wurde.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Der Progression entgegenwirken

Zu den wichtigsten Therapiezielen bei der Behandlung einer multiplen Sklerose gehören die Senkung der Schubfrequenz und die Reduktion der Behinderungsprogression über einen möglichst langen Zeitraum hinweg. Dass Beta-Interferone nach wie vor zu den Mitteln der ersten Wahl gehören, wurde auf dem von Merck Serono unterstützten Symposium „MS im Dialog“ deutlich, das am 17. September 2014 anlässlich der 87. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in München stattfand.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Eine Gratwanderung zwischen Schlaganfallprävention und Blutung

Die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) haben die dauerhafte Antikoagulation beim Vorhofflimmern einfacher und sicherer gemacht. Im Rahmen der jüngsten Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) wurden bei einem von der Firma Daiichi Sankyo veranstalteten Satellitensymposium die Ergebnisse der ENGAGE-AF-TIMI-48-Studie diskutiert, in der Edoxaban mit einem Vitamin-K-Antagonisten verglichen wurde.



Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Endarteriektomie als kurative Option

Bei der chronischen thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) handelt es sich um eine progressive und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Um eine Heilung erreichen zu können, ist die rechtzeitige diagnostische Abklärung und Behandlung in einem spezialisierten Zentrum essenziell. Auf einer von Bayer HealthCare veranstalteten Pressekonferenz gaben Experten des Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System (ECCPS) in Gießen einen Einblick in den aktuellen Stand der Wissenschaft und Therapie.



Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
HIV-Therapie als Prävention

Eine suffiziente HIV-Therapie – mit den heutigen Wirkstoffklassen und den Formulierungen zur einmalig täglichen Einnahme wesentlich erleichtert – eignet sich anscheinend auch zur Verhütung einer HIV-Übertragung. Ziel dabei ist eine dauerhafte Virussuppression mit der Folge einer verminderten bzw. fehlenden Infektiosität. Die neue Strategie wurde auch unter den Abkürzungen TasP (Therapy as prevention) und T4P (Therapy for prevention) bekannt. Verschiedene Untersuchungen wurden bereits unternommen, die These „Prävention durch adäquate Behandlung“ auch wissenschaftlich zu validieren.



Simone Reisdorf, Erfurt
Aber nicht bis in die Hypoglykämie

Mit Antidiabetika wie dem GLP-1-Rezeptoragonisten Liraglutid und dem neuen Insulin degludec für die Basaltherapie lassen sich HbA1c-Ziele erreichen, ohne vermehrte Hypoglykämien zu riskieren. Diese Erfahrungen wurden auf einer Pressekonferenz, veranstaltet von Novo Nordisk, im Rahmen des EASD-Kongresses in Wien diskutiert.



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Zulassungserweiterung für Aflibercept

Für Patienten mit einer Sehbeeinträchtigung aufgrund eines diabetischen Makulaödems (DMÖ) steht jetzt mit Aflibercept eine weitere Therapieoption zur Verfügung. In den Zulassungsstudien mit insgesamt über 860 Patienten konnte im Vergleich zur Lasertherapie die Sehschärfe signifikant verbessert werden. Dies wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Bayer HealthCare Deutschland auf der 112. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) am 26. September 2014 in Leipzig berichtet.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Nach PSA-Rückfall nicht unbedingt direkt Androgen-Entzugstherapie einleiten

Bei Männern mit Prostatakarzinom und einem nur aufgrund der wieder angestiegenen PSA-Werte festgestellten Rückfall nach Operation oder Bestrahlung ist es nicht nötig, sie direkt mit einer Androgen-Entzugstherapie (ADT) zu behandeln noch bevor die Erkrankung wieder symptomatisch wird. Im Hinblick auf das Langzeitüberleben macht es keinen Unterschied. Diese Daten, die von einer Beobachtungstudie mit 14 000 Männern mit Prostatakarzinom stammen, wurden während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Juni 2014 in Chicago vorgestellt.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Clemens Unger, Freiburg



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Abirateron nach Aktualisierung der S3-Leitlinie nun in der Erstlinientherapie empfohlen

Während des letzten Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) wurde die neue Version der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms vorgestellt. Bei nicht oder mild symptomatischen Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) wird Abirateronacetat jetzt schon in der Erstlinie empfohlen [1]. Nur wenige Tage zuvor war in Madrid während des europäischen Krebskongresses (ESMO) die finale Analyse der Zulassungsstudie COU-AA-302 vorgestellt worden. Hier hatte sich gezeigt, dass der Androgenbiosynthese-Hemmer gegenüber Placebo das Gesamtüberleben bei Patienten mit dieser Erkrankung signifikant verlängert [2].



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Längeres progressionsfreies Überleben mit Panobinostat

Wenn Patienten mit einem rückfälligen oder refraktären multiplem Myelom zusätzlich zur Kombination aus Bortezomib und Dexamethason noch mit Panobinostat therapiert werden, so verlängert sich deren progressionsfreies Überleben signifikant um fast vier Monate, und die Rate an kompletten Remissionen wird fast verdoppelt. Die Phase-III-Studie, in der das gezeigt werden konnte, wurde im Juni 2014 während der Jahrestagung der amerikanischen Onkologen in Chicago vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Brentuximab Vedotin gut wirksam und verträglich bei Hodgkin-Lymphom und systemischem anaplastisch-großzelligem Lymphom

Das Antikörperkonjugat Brentuximab Vedotin (Adcetris®) ist derzeit eines der wirksamsten Arzneimittel für die Behandlung von Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Hodgkin-Lymphom (r/rHL) und systemischem anaplastisch-großzelligem Lymphom (sALCL). Zudem ist die Verträglichkeit relativ gut. In zahlreichen Studien wird derzeit sein Einsatz in früheren Stadien der Erkrankung sowie bei weiteren CD30-positiven Tumoren untersucht, wie bei einer Pressekonferenz der Firma Takeda Pharma berichtet wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Lang anhaltende Wirksamkeit mit dem ALK-Inhibitor Ceritinib

Besonders bei nichtkleinzelligen Bronchialkarzinomen (NSCLC) konnte die Biomarker-stratifizierte Therapie in den vergangenen Jahren erhebliche Erfolge aufweisen. Dabei werden genetische Veränderungen ermittelt, die die Tumorproliferation besonders fördern, um daraufhin einen entsprechenden Inhibitor einzusetzen. Eine dieser Mutationen ist eine Umlagerung, die zur Aktivierung der anaplastischen Lymphomkinase (ALK) führt. In einer Studie, die während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Juni 2014 in Chicago vorgestellt wurde, zeigte der neue ALK-Inhibitor Ceritinib auch nach Vorbehandlung mit anderen ALK-Inhibitoren noch eine dauerhafte und hohe Tumoraktivität.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Ipilimumab auch in der Adjuvanz einsetzen?

Bei Patienten mit Hochrisiko-Melanomen könnte es sich lohnen, Ipilimumab adjuvant, also nach der primären Operation einzusetzen. Im Vergleich zu Placebo wird dadurch das relative Risiko für einen Rückfall um etwa 25 % gesenkt. Die diesen Erkenntnissen zugrunde liegende Studie wurde im Juni während des amerikanischen Krebskongresses (ASCO) in Chicago vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau