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33. Jahrgang Heft 5 Mai 2015

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Übersicht
Jörg Bojunga und Jürgen Schölmerich, Frankfurt/M.
Eine neue Substanzklasse zur Behandlung des Typ-2-Diabetes

Die Behandlung des Typ-2-Diabetes stellt weiterhin eine Herausforderung dar, da es bei einem relevanten Anteil der Patienten nicht gelingt, das HbA1c-Therapieziel zu erreichen oder zu erhalten. Obwohl zahlreiche orale Antidiabetika verfügbar sind, ist deren Effektivität unter anderem durch unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme oder Hypoglykämie limitiert. Es besteht daher ein Bedarf nach neuen antidiabetischen Substanzen mit verbessertem Nutzen-Risiko-Profil. Die Entwicklungen der letzten Jahre haben sich auf die Niere als potenzielles therapeutisches Ziel in der Diabetestherapie fokussiert. SGLT2-Inhibitoren sind eine neue Substanzklasse, deren antidiabetische Wirkung auf einer insulinunabhängigen Verstärkung der renalen Glucoseausscheidung beruht. Klinische Studien zeigen eine moderate antidiabetische Wirksamkeit mit geringem Hypoglykämierisiko, Reduktion des Körpergewichtes sowie des systolischen Blutdrucks. Bei insgesamt guter klinischer Verträglichkeit stellen Infektionen des Urogenitaltraktes die häufigste unerwünschte Wirkung dar. Zudem ist die Effektivität der SGLT2-Inhibitoren bei eingeschränkter Nierenfunktion reduziert. Vorsicht bei der Anwendung ist zudem bei älteren Menschen geboten, da hier ein größeres Risiko für eine Verschlechterung der Nierenfunktion, eine orthostatische Hypotension und Dehydratation besteht, obwohl die niedrige Hypoglykämierate grundsätzlich als positiv zu werten ist. Der Effekt der SGLT2-Inhibitoren auf kardiovaskuläre Endpunkte ist bisher nicht bekannt, hierzu laufen mehrere prospektive Placebo-kontrollierte Studien. Diese Studien sollten es ermöglichen, den Stellenwert der Substanzklasse im bereits bestehenden Armamentarium der oralen Antidiabetika besser zu definieren.

Arzneimitteltherapie 2015;33:137–45.

SGLT2 inhibitors: a new class of oral antidiabetics

Treatment of type 2 diabetes (T2DM) continues to present challenges, with significant proportion of patients failing to achieve and maintain glycemic targets. Despite the availability of different oral antidiabetic agents, therapeutic efficacy is offset by side effects such as weight gain and hypoglycemia. Therefore, the search for novel therapeutic agents with an improved benefit-risk profile continues. Recent research has focused on the kidney as a potential therapeutic target. SGLT2 inhibitors are a new class of oral antidiabetics, which reduce hyperglycemia by increasing urinary glucose excretion independently of insulin secretion or action. Clinical results show moderate lowering of HbA1c without increased risk of hypoglycemia, reduction of body weight and reduction of systolic blood pressure. In general, the SGLT2 inhibitors are well tolerated, with the most frequent adverse events being urinal and genital infections. Since their primary site of effect is the kidney, these drugs are less effective in patients with impaired kidney function. Caution is also recommended in the elderly population because of a higher risk of renal impairment, orthostatic hypotension and dehydration, even if the absence of hypoglycemia represents an obvious advantage in this population. The overall effect of SGLT2 inhibitors on the risk of cardiovascular disease is unknown and will be evaluated in several ongoing prospective placebo-controlled trials with cardiovascular outcomes. These studies should even better delineate the place of these new glucose-lowering agents in the already existing armamentarium for the management of T2DM.

Key words: Dapagliflozin, Empagliflozin, SGLT2 inhibitors, type 2 diabetes.



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Bettina Hellwig, Konstanz
Neues GLP-2-Analogon verbessert die intestinale Adaptation bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom

Das GLP-2-Analogon Teduglutid (Revestive®) ist seit September 2014 in Deutschland zur Behandlung des Kurzdarmsyndroms (Short bowel syndrome, SBS) bei Erwachsenen auf dem Markt. Der neue Wirkstoff verbessert Struktur und Funktion der Darmschleimhaut und sorgt dafür, dass Flüssigkeit und Nährstoffe im Gastrointestinaltrakt besser resorbiert werden. Dadurch ermöglicht er eine Reduktion der parenteralen Nährstoffzufuhr. In Europa und in den USA hat Teduglutid den Orphan-Drug-Status erhalten.

Arzneimitteltherapie 2015;33:149–53.

Teduglutide: novel analogue of glucagon-like peptide 2 (GLP-2) enhances structural adaptation of the small intestinal mucosa in patients with short bowel syndrome

Teduglutide (Revestive®) is a novel analogue of glucagon-like peptide 2 (GLP-2) indicated for the treatment of short bowel syndrome – intestinal failure subjects. Teduglutide enhances the structural adaptation of the small intestinal mucosa, improves intestinal absorption and enables reduction of parenteral nutrition and/or intravenous fluids in patients with intestinal failure associated with short bowel syndrome.

Key words: Teduglutide, glucagon-like peptide 2, GLP-2, short bowel syndrome, SBS, small intestine, structural adaptation, intestinal absorption



Martin Storr, Starnberg
Aus Expertensicht

Das Kurzdarmsyndrom ist ein seltenes Krankheitsbild, eine spezifische Therapie stand bis vor kurzem nicht zur Verfügung. 2012 erhielt Teduglutid von der European Medicines Agency (EMA) die Zulassung zur Behandlung von Patienten mit einem Kurzdarmsyndrom in Europa. Die Zulassung basierte insbesondere auf Daten aus einer Phase-III-Studie [5]. Ob sich diese Ergebnisse im klinischen Alltag, der bei Patienten mit einem Kurzdarmsyndrom sehr unterschiedlich ist, widerspiegeln, ist aktuell noch unklar.

Arzneimitteltherapie 2015;33:154–5.



Consensus
Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Neue S3-Leitlinie der AWMF zur Opioid-Langzeittherapie erschienen

Unter Federführung der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) die S3-Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioid-Analgetika bei nicht tumorbedingten Schmerzen (LONTS) überarbeitet. Damit stehen wieder aktuelle, Evidenz- und Experten-geprüfte Nutzen-Risiko-Empfehlungen für die Behandlung schwerer chronischer Schmerzen zur Verfügung.

Arzneimitteltherapie 2015;33:156–61.



Charly Gaul, Königstein
Alle Fragen geklärt?

Arzneimitteltherapie 2015;33:162–3.



Klinische Studie
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Proteasom-Inhibitor Carfilzomib verbessert Outcome

Patienten mit rezidiviertem multiplem Myelom profitieren von der Gabe des Proteasom-Inhibitors Carfilzomib zusätzlich zur bisherigen Standardbehandlung mit Lenalidomid und Dexamethason. Eine Phase-III-Studie resultierte in einer signifikanten und klinisch relevanten Risiko-Reduktion der Krankheitsprogression. Zudem erreichte die Dreierkombination ein hohes Maß an progressionsfreiem Überleben, das bisher noch von keinem anderen medikamentösen Therapieregime in dieser Patientengruppe erreicht worden war. Das Risiko-Nutzen-Profil wurde als günstig bewertet.



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Ceftriaxon als neuroprotektiver Ansatz in einer Phase-III-Studie nicht wirksam

In einer großen randomisierten Studie war Ceftriaxon in einer Dosierung von 4 g pro Tag nicht in der Lage, das Fortschreiten der amyotrophen Lateralsklerose oder die Mortalität der Erkrankung zu beeinflussen.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
HIV
Ermutigende Studienergebnisse zur dualen Therapie

Die antiretrovirale Erstlinientherapie bei HIV setzt sich aus drei Substanzen zusammen. Aufgrund der zahlreichen unerwünschten Wirkungen werden jedoch immer wieder Versuche unternommen, eine duale Therapie bestehend aus nur zwei Substanzen als erfolgreich oder zumindest der Standardtherapie mit drei Substanzen nicht unterlegen zu beschreiben. Die NEAT-Studie liefert nun Daten für einen begrenzten Einsatz der dualen Therapie in der Erstlinientherapie.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
ESC-Leitlinie nimmt NOAK als gleichwertige Alternative auf

Im August 2014 wurde die neue Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) zu Diagnose und Management der Lungenembolie veröffentlicht. Neuerungen in der Leitlinie und vor allem der Stellenwert der nicht Vitamin-K-abhängigen Antikoagulanzien (NOAK) wurden auf einem von Daiichi-Sankyo veranstalteten Industriesymposium im Rahmen der Jahrestagung 2015 der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im März vorgestellt.



Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Einsatz von Glucocorticoiden und Formoterol als Bedarfs- und Erhaltungstherapie

Nach den Leitlinien der GINA kann die Fixkombination aus Formoterol und einem inhalativen Glucocorticoid zur Bedarfs- und Erhaltungstherapie eingesetzt werden, wenn die Therapie mit einem langwirksamen Beta-2-Agonisten angezeigt ist. Darüber hinaus ist die Vermeidung von Anwendungsfehlern von hoher Bedeutung. Die Aufnahme von Inhalatoren auf eine Substitutionsausschlussliste könnte dazu ein wichtiger Schritt sein. Die zugehörigen Daten wurden auf einem von Teva veranstalteten Pressegespräch im Rahmen der Jahrestagung 2015 der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im März vorgestellt.



Dr. Beate Fessler, München
Subkutane Applikation von Rituximab von Patienten bevorzugt

Seit März 2014 steht der CD20-Antikörper Rituximab für die Therapie des follikulären und des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms auch als subkutane Darreichungsform zur Verfügung. In der SABRINA-Studie konnte die Nicht-Unterlegenheit gegenüber der intravenösen Gabe gezeigt werden. Nun liegen erste Ergebnisse der PrefMab-Studie vor, die die Präferenz der Patienten untersucht – mit klarem Trend zur subkutanen Applikation.



Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Supportive Behandlungsoptionen zur Reduktion von Nebenwirkungen

Übelkeit und Erbrechen induziert durch Zytostatika beeinflussen maßgeblich die Lebensqualität onkologischer Patienten. Das Auftreten einer febrilen Neutropenie kann bei Vorliegen von Komorbiditäten mit einer hohen Mortalität verbunden sein. Trotzdem wird beides oft nicht ausreichend in die Therapieentscheidungen eingebunden. Was die leitliniengerechten Optionen sind, wurde auf einem von Amgen und MSD veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen der Jahrestagung 2015 der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im März erörtert.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neuer NK1-Rezeptorantagonist Rolapitant wirkt bei verzögerten und akuten Symptomen

Zur Verhütung von akuter und verzögerter Übelkeit oder Erbrechen bei hoch emetogener Chemotherapie ist seit einigen Jahren der Neurokinin-1-Rezeptorantagonist Aprepitant zugelassen. Die Daten einer Phase-III-Studie zu Rolapitant, einem weiteren Wirkstoff aus dieser Arzneistoffgruppe, wurden am 27. September 2014 in Madrid während der ESMO-Tagung vorgestellt und im Vergleich zum bisherigen Arzneistoffarsenal diskutiert.



Simone Reisdorf, Erfurt
Wirksamkeit von Secukinumab bei entzündlichen Haut- und Gelenkerkrankungen

Secukinumab wurde im Januar 2015 in Europa als systemische Erstlinientherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis zugelassen. Auch bei Psoriasis-Arthritis und ankylosierender Spondylitis zeigen Phase-III-Studien mit Secukinumab eine hohe Effektivität und gute Verträglichkeit.



Simone Reisdorf, Erfurt
Effektive Blutzuckersenkung, einmal wöchentliche Gabe

Dulaglutid ist ein neuer, einmal wöchentlich subkutan zu applizierender GLP-1-Rezeptoragonist. Dieser wird als gebrauchsfertige Lösung in einem Pen angeboten und wurde für erwachsene Typ-2-Diabetiker in Europa zugelassen.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau