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34. Jahrgang Heft 3 März 2016

Editorial
Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Studien, die die Leitlinien verändern werden


Übersicht
Peter Oelzner, Gabriele Lehmann und Gunter Wolf, Jena

Den sekundären Osteoporosen liegen eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen, jedoch auch Nebenwirkungen oder Folgen einer medikamentösen oder operativen Therapie zugrunde. Eine Besonderheit der sekundären gegenüber der postmenopausalen Osteoporose liegt darin, dass sich deren Entwicklung und Ausmaß häufig über die Behandlung der Grunderkrankung oder Modifizierung einer Osteoporose-begünstigenden Pharmakotherapie günstig beeinflussen lassen. Die spezifische medikamentöse Therapie sekundärer Osteoporosen orientiert sich – wie auch die der postmenopausalen Osteoporose – an den Leitlinien des Dachverbandes osteologischer Gesellschaften (DVO) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 60. Lebensjahr. Viele Ursachen einer sekundären Osteoporose spielen eine entscheidende Rolle als Therapieschwellen-modifizierende Faktoren bei der Indikationsstellung für eine spezifische Pharmakotherapie, die sich an Frakturrisiko, Zulassungsstatus und Kontraindikationen orientiert. Auf Aspekte der medikamentösen Prophylaxe und Therapie ausgewählter wichtiger Formen der sekundären Osteoporose soll in der folgenden Übersicht eingegangen werden, insbesondere auf die Osteoporose bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die Glucocorticoid-begünstigte Osteoporose, die Schwangerschafts-assoziierte Osteoporose und die Osteoporose im Zusammenhang mit adjuvanter endokriner Therapie des Mammakarzinoms mit Aromataseinhibitoren. Pathogenetische und diagnostische Aspekte werden soweit berücksichtigt, wie es für das Verständnis der Problematik notwendig ist.

Arzneimitteltherapie 2016;34:59–71.

Pharmacotherapy of selected forms of secondary osteoporosis

Secondary osteoporosis is caused by a variety of different diseases but also by side effects of pharmaco- and surgical therapy. A feature of secondary osteoporosis in contrast to postmenopausal osteoporosis is that their development and severity can be at least partially influenced by the treatment of the underlying disease or by modification of a osteoporosis favouring pharmacotherapy. The adequate specific pharmacotherapy of the secondary osteoporosis is based on the guidelines of the organization of German scientific osteology-related societies for prevention, diagnostics and therapy of osteoporosis in postmenopausal women and men starting the sixtieth year of life. Many causes of secondary osteoporosis play an important role as factors contributing to modification of threshold for specific pharmacotherapy of osteoporosis that is in general determined by fracture risk, state of approval and contraindications of a special drug. The following review will focus on prophylaxis and pharmacotherapy of selected important forms of secondary osteoporosis, especially on osteoporosis in inflammatory rheumatic diseases, glucocorticoid-induced osteoporosis, pregnancy-associated osteoporosis and osteoporosis associated with adjuvant endocrine therapy with aromatase inhibitors after breast cancer. Pathogenetic and diagnostic aspects are also considered if essential for understanding of the problem.

Key words: secondary osteoporosis, glucocorticoid-induced osteoporosis, pharmacological therapy



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Jörg Bojunga, Frankfurt am Main, und Jürgen Schölmerich, Hofheim am Taunus
EMPA-REG-Studie zur kardiovaskulären Sicherheit von Empagliflozin publiziert

Arzneimitteltherapie 2016;34:75–8.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Ulrich Laufs, Homburg



Martin Storr, Starnberg
Peripher wirkender My-Opioid-Rezeptorantagonist zur Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation

Die Opioid-induzierte Obstipation (Opioid-induced constipation; OIC) ist eine Form der chronischen Obstipation, die durch eine Medikation mit Opioiden verursacht wird. Betroffen sind Patienten mit einer Opioidtherapie bei malignen und nicht malignen Erkrankungen. Häufig lässt sich die OIC mit einer klassischen Laxanzientherapie nicht ausreichend behandeln. Peripher wirkende My-Opioid-Rezeptorantagonisten (Peripherally acting my-opioid receptor antagonists; PAMORAs) sind eine neue Wirkstoffgruppe, die gezielt zur Behandlung der OIC entwickelt wurden. Mit Naloxegol wurde vor kurzem ein solches Arzneimittel zur Behandlung von Patienten mit einer OIC, die mit einer Laxanzientherapie nicht ausreichend behandelt sind, in Europa zugelassen und auf dem deutschen Markt eingeführt.

Arzneimitteltherapie 2016;34:79–83.

Naloxegol: Peripherally acting my-opioid receptor antagonist for the treatment of opioid-induced constipation

Opioid-induced constipation (OIC) is classified as chronic constipation caused by opioid treatment. Patients taking opioids can be affected, regardless whether they suffer from a malignant disorder or not. OIC is frequently not sufficiently treated with standard laxatives. Peripherally acting my-opioid receptor antagonists (PAMORAs) have been developed specifically for the treatment of OIC. The PAMORA naloxegol was recently authorized by the European Commission for the treatment of patients with OIC, who are inadequately treated with standard laxatives, and is available in Germany.

Key words: Naloxegol, opioid-induced constipation, PAMORA



Pharmakovigilanz
Dorothea Strobach, Michael Nagl und Alexandra Weber, München

Rifampicin ist ein Antibiotikum mit hohem Interaktionspotenzial. Während für viele Arzneistoffe Informationen zu Wechselwirkungen vorliegen, ist die Datenlage bei anderen Substanzen unklar. Kritisch kann dies zum Beispiel bei Antiinfektiva sein, bei denen eine ausreichende Wirkung klinisch wichtig ist.

Arzneimitteltherapie 2016;34:84–6.

What is the evidence for a drug-drug interaction between rifampicin and clindamycin?

Rifampicin is an antibiotic drug with a high potential for drug-drug interactions. For bone and joint infections it is often combined with clindamycin. While some drug interaction databases do not give any information on this combination, others warn that a significant decrease of clindamycin serum levels can occur. Studies on pharmacokinetic changes and clinical outcomes are sparse with only small patient numbers and retrospective design. An elevated clearance and significantly decreased clindamycin serum levels are reported, but clinical outcome was often comparable to drug regimens without rifampicin. Since monotherapy with rifampicin can lead to rapid bacterial resistance there is concern of an insufficient clindamycin effect. In summary, this drug-drug interaction should be considered as possibly clinical relevant, especially in patients with severe infections, high body weight and oral therapy.

Key words: rifampicin, clindamycin, drug interaction, evidence



Klinische Studie
Dr. Matthias Desch, Wien
Anhaltendes virologisches Ansprechen unter Sofosbuvir plus Velpatasvir bei allen Genotypen

Die Kombination von Sofosbuvir und Velpatasvir mit und ohne Ribavirin zeigte bei Patienten mit Hepatitis-C-Virus(HCV)-Infektionen der Genotypen 2 und 3 (ASTRAL-2/ASTRAL-3) sowie bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose (ASTRAL-4) hohe Raten einer anhaltenden virologischen Antwort (sustained virological response, SVR).



Referiert & kommentiert: Therapiehinweise
Simone Reisdorf, Erfurt
Neue, überzeugende Daten zur Therapie mit Spironolacton

Eine Zusatztherapie mit Spironolacton wirkt bei therapieresistenter Hypertonie deutlich stärker als die additive Gabe von Doxazosin, Bisoprolol oder Placebo. Dies ist das Ergebnis der doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Cross-over-Studie PATHWAY-2. Alle Therapien wurden ähnlich gut vertragen; insbesondere war der Anteil der Patienten, die wegen Nierenfunktionsstörungen oder Hyperkaliämie ausschieden, in allen Gruppen ähnlich.



Prof. Dr. Ulrich Laufs, Homburg
120 mm Hg als neuer Zielwert für die Blutdrucktherapie?

Die Risikoreduktion von Schlaganfällen und Herzinfarkten durch Blutdrucksenkung steht außer Frage. Gut dokumentiert ist eine Risikoreduktion durch Senkung auf Werte unter 150 mm Hg. Die generelle Empfehlung ist ein Blutdruckzielwert unter 140/90 mm Hg. Ob und wo unterhalb dieser Schwelle ein optimaler Zielwert anzusiedeln ist, ist Gegenstand der aktuellen Diskussion. Vor diesem Hintergrund wurde die prospektive randomisierte SPRINT-Studie in den USA mit finanzieller Unterstützung des National Heart Lung and Blood Institute (NHL-BI) initiiert.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Ulrich Laufs, Homburg



Prof. Dr. Ulrich Laufs, Homburg
Einfluss durch Berichterstattung in den Medien

Negative Presseberichte über Statine reduzieren die Einnahmetreue von Statinen und steigern das Risiko für Myokardinfarkt und kardiovaskuläre Sterblichkeit.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Ulrich Laufs, Homburg



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Ipilimumab auch bei Vorliegen einer Autoimmunerkrankung?

Einer kleinen retrospektiven Studie zufolge ist eine Melanom-Behandlung mit Ipilimumab auch bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen wirksam. Die Therapie führt allerdings häufig zu einer Verschlechterung der Autoimmunerkrankung sowie zu immunvermittelten Nebenwirkungen, was eine sorgfältige Überwachung der Patienten voraussetzt.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Ixazomib verlängert progressionsfreies Überleben

Der orale Proteasomhemmer Ixazomib verlängerte in der ersten Phase-III-Studie zusammen mit Lenalidomid und Dexamethason in der Zweitlinienbehandlung von Patienten mit multiplem Myelom das progressionsfreie Überleben (PFS) signifikant im Vergleich zu Placebo. Dies zeigten die Ergebnisse der beim ASH-Kongress Anfang Dezember 2015 in Orlando vorgestellten TOURMALINE-MM1-Studie.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Romiplostim wirkt bei Kindern

Der Thrombopoetin-Rezeptorantagonist Romiplostim führte bei Kindern mit idiopathischer thrombozytopenischer Purpura zu einem deutlichen und lang anhaltenden Ansprechen der Thrombozyten. Es ergaben sich keine neuen, bislang nicht bekannten Nebenwirkungen. Dies zeigten die Ergebnisse einer doppelblinden Phase-III-Studie, die beim ASH-Kongress Anfang Dezember 2015 in Orlando vorgestellt wurde.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie verlängert Überleben

Erstmals nach nahezu 30 Jahren konnte mit Midostaurin in Kombination mit Standardchemotherapie bei Patienten mit FLT3-mutierter akuter myeloischer Leukämie (AML) eine Verlängerung des Gesamtüberlebens erreicht werden. Dies zeigten die Ergebnisse der in der Plenarsitzung auf dem ASH-Kongress Anfang Dezember 2015 vorgestellten RATIFY-Studie.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Ultra-Hochrisikopatienten profitieren von Venetoclax

Eine Monotherapie mit dem oral applizierbaren B-cell lymphoma 2(BCL2)-Hemmer Venetoclax führte bei Patienten mit rezidivierter und refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (r/rCLL) und 17p-Deletion zu bislang nicht erreichten Ansprechraten. Ergebnisse der ersten Phase-II-Studie mit Venetoclax wurden in der Late-Breaker-Sitzung beim ASH-Kongress Anfang Dezember 2015 in Orlando vorgestellt [2].



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Ibrutinib bei allen Älteren schon in der Erstlinientherapie einsetzen

Zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) steht ein reichhaltiges Arsenal verschiedener Medikamente zur Verfügung. Nach den Empfehlungen der deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) werden diese in Abhängigkeit von Alter und Gesamtgesundheitszustand des Patienten oder von vorliegenden Mutationen eingesetzt. Der Bruton-Tyrosinkinase(BTK)-Inhibitor Ibrutinib sollte bisher in diesen Empfehlungen erst in der Zweitlinientherapie und sonst nur bei ungünstigen genetischen Voraussetzungen auch schon früher verwendet werden. Eine Studie, die im Dezember während der Jahrestagung der amerikanischen Hämatologen (ASH) vorgestellt wurde, könnte zu der Empfehlung führen, Ibrutinib besonders bei älteren Patienten grundsätzlich in der Erstlinientherapie einzusetzen [4].



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Isavuconazol zur Behandlung invasiver Aspergillosen und Mucormykosen

Mit Isavuconazol steht seit Kurzem ein neues Antimykotikum zur Behandlung erwachsener Patienten mit invasiver Aspergillose oder Mucormykose zur Verfügung. Grundlage der EU-Marktzulassung waren die Daten der VITAL- und SECURE-Studie, in der Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Triazolderivats aufgezeigt wurden. Die Ergebnisse der Studien wurden im Herbst 2015 auf einem von Basilea Pharmaceutica veranstalteten DGHO-Symposium vorgestellt.



Dr. Bettina Hellwig, Konstanz
Nachhaltige Hemmung von aktivierten Lymphozyten

Teriflunomid und der monoklonale Antikörper Alemtuzumab sind zur Basistherapie einer multiplen Sklerose (MS) indiziert. Sie wirken in erster Linie auf die aktivierten autoreaktiven T- und B-Lymphozyten und verändern so die Immunreaktion. Auf dem 31. Congress of the European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) in Barcelona im Herbst 2015 wurden auf zwei von Genzyme unterstützten Veranstaltungen neue Daten vorgestellt.



Dipl.-Biol. Anne Bleick, Stuttgart
Innovative Wirkstoffe: Dimethylfumarat und pegyliertes Interferon beta-1a

Seit 2014 stehen mit Dimethylfumarat (DMF) zur oralen Therapie und mit Peginterferon beta-1a zur subkutanen Injektion (s. c.) alle zwei Wochen zwei weitere Wirkstoffe zur Behandlung der schubförmig remittierenden multiplen Sklerose (RRMS) zur Verfügung. Für DMF liegen mit den Interimsdaten der Langzeitstudie ENDORSE 5-Jahres-Werte vor, die eine anhaltend niedrige jährliche Schubrate von 0,14 zeigen. Auch zu Peginterferon beta-1a gibt es Interimsdaten, die die Wirksamkeit nach dreijähriger Behandlung widerspiegeln. Diese Daten wurden auf einem von Biogen veranstalteten Symposium im Rahmen des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Düsseldorf vorgestellt.



Pressekonferenz
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Depot-Antipsychotika verbessern die Lebensqualität

Ziel bei der Therapie der Schizophrenie ist die Erhaltung oder Wiedererlangung einer bestmöglichen Lebensqualität. Der Einsatz atypischer Depot-Antipsychotika bietet die Möglichkeit, eine kontinuierliche, auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Langzeittherapie sicherzustellen. In der QUALIFY-Studie zeigte Aripiprazol-Depot im Vergleich zu Paliperidonpalmitat eine stärkere Wirksamkeit im Hinblick auf die Verbesserung der Lebensqualität. Die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen eines von den Firmen Otsuka Pharma und Lundbeck GmbH anlässlich der DGPPN-Tagung 2015 veranstalteten Satellitensymposiums diskutiert.



Helga Brettschneider, Frankfurt am Main
Weniger Proteinurie und höhere Knochendichte mit neu zugelassenem Kombinationspräparat

Mit zunehmender Normalisierung der Lebenserwartung der HIV-Patienten steigen die Ansprüche an die HIV-Medikation: Sie sollte nicht nur die Viruslast stabil unter die Nachweisgrenze drücken, sondern auch gut verträglich sein und nur geringe Langzeit-Toxizität besitzen. Ein neues Single-Tablet-Regime hat in den Zulassungsstudien gute Ergebnisse erzielt. Das Arzneimittel ist seit Januar 2016 erhältlich. Studien und Daten zum Präparat wurden bei der Einführungspressekonferenz von GILEAD Sciences vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau