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34. Jahrgang Heft 5 Mai 2016

Editorial
Dr. Holger Wegner, München


Übersicht
Mitja Bodatsch, Oberhausen, und Jens Kuhn, Köln und Oberhausen

Die medikamentöse Schizophrenie-Behandlung stellt eine besondere Herausforderung dar. Der heterogene Verlauf und die unterschiedlichen Anforderungen der frühen, mittleren und späten Erkrankungsstadien erfordern oft ein personalisiertes Regime. Die vorliegende Arbeit bietet einen Überblick über die wechselnden Anforderungen, die eine Medikation im individuellen Krankheitsverlauf zu erfüllen hat, und berücksichtigt insbesondere die Indikationen zur Langzeitbehandlung sowie praxisorientierte Indikatoren der Depot-Behandlung.

Arzneimitteltherapie 2016;34:146–53.

Adapted pharmacotherapy in the maintenance treatment of schizophrenia

The psychopharmacological therapy of schizophrenia represents a major challenge. The heterogeneous course of illness and the different needs in early, recent onset, and chronic stages, respectively, warrant a personalized treatment. The present paper provides an overview of the different requirements that psychopharmacology has to fulfil throughout the course of illness. The focus is on long-term treatment and decision guidance regarding long-acting injectable antipsychotics (LAI).

Key words: Schizophrenia, stages of illness, long-term treatment, long-acting injectable antipsychotics (LAI).



Consensus
Constanze Rémi, München, Steffen T. Simon, Raymond Voltz, Anne Pralong, Köln, Markus Follmann, Berlin, und Claudia Bausewein, München

Tumorerkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland [9] und der Bedarf an palliativmedizinischer Versorgung wächst. Die Integration palliativmedizinischer Behandlungsansätze in die Versorgung onkologischer Patienten kann einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität leisten. Die 2015 publizierte S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“, die durch das Leitlinienprogramm Onkologie gefördert wurde, stellt einen wichtigen Schritt in der Schaffung einheitlicher, evidenzbasierter Therapieempfehlungen dar. Diese können helfen, die Versorgung von Palliativpatienten in Deutschland zu verbessern. Die Leitlinie behandelt verschiedene Aspekte der Palliativversorgung von Tumorpatienten. Neben Bereichen wie Versorgungsstrukturen, Kommunikation und Betreuung in der Sterbephase finden sich auch Kapitel zu spezifischen Krankheitssymptomen und deren Behandlung. In dieser ersten Version der Leitlinie sind dies Atemnot, Tumorschmerz, Obstipation und Depression. In diesem Artikel sollen die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie genauer betrachtet werden.

Arzneimitteltherapie 2016;34:155–62.

S3 Guideline “Palliative Care for Patients with Incurable Cancer”

Maintaining the best quality of life up to the end is a central objective of palliative care in cancer patients. Pharmacotherapy plays a significant role in symptom management. The S3 Guideline “Palliative Care for Patients with Incurable Cancer”, which is part of the German Guideline Program in Oncology, was developed by a representative expert panel employing a consensus process. It contains evidence based recommendations on different topics in palliative care. This article presents the guidelines recommendations on drug therapy.

Key words: Palliative care, guideline, pharmacotherapy



Klinische Studie
Prof. Dr. Martin Storr, Starnberg
Eluxadolin zeigt gute Ergebnisse unter praxisrelevanten Studienbedingungen

Das Reizdarmsyndrom hat auf der ganzen Welt eine hohe Prävalenz. Viele Patienten wünschen sich eine intermittierende oder dauerhafte Behandlung. In der Behandlung des Reizdarmsyndroms haben sich in den letzten Jahren einige neue Therapieoptionen etabliert, aber nicht alle dieser Optionen sind in Deutschland erhältlich. Der My/Kappa-Opioid-Rezeptoragonist und Delta-Opioid-Rezeptorantagonist Eluxadolin ist eine dieser Optionen. Eluxadolin wurde im Mai 2015 auf dem amerikanischen Markt zur Behandlung des Diarrhö-betonten Reizdarmsyndroms zugelassen. Die Beantragung zur Zulassung in Europa wird für 2016 erwartet. Im New England Journal of Medicine berichten A. Lembo et al. über zwei klinische Phase-III-Studien, in denen Wirksamkeit und Sicherheit einer Therapie bei Patientinnen und Patienten mit einem Diarrhö-betonten Reizdarmsyndrom untersucht wurden.

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Martin Storr, Starnberg



Referiert & kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Monoklonale Antikörper als neues Therapieprinzip

Im Jahr 2015 wurde – vor allem von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) – eine Reihe neuer Arzneimittel für die Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen. Erstmals stehen nun auch zwei monoklonale Antikörper zur Verfügung, nämlich Daratumumab und Elotuzumab. Die neuen Entwicklungen für die Therapie des multiplen Myeloms wurden bei einem Satelliten-Symposium der Janssen-Cilag GmbH beim Deutschen Krebskongress im Februar 2016 in Berlin diskutiert.



Referiert & kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Reimund Freye, Baden-Baden
Längere Halbwertszeit, weniger Injektionen

Seit Ende 2015 ist ein rekombinantes Faktor-VIII-Präparat zur Behandlung der Hämophilie A zugelassen, das über eine Fc-Domäne für Immunglobulin G1 verfügt (rFVIIIFc, Efmoroctocog alfa). Die Fc-Fusionstechnologie ist eine bereits etablierte Methode, um die Halbwertszeit pharmakologischer Proteine zu verlängern. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich durch den Fc-Anteil die Bildung von Hemmkörpern reduzieren lässt. Durch die längere Halbwertszeit kann eine verringerte Injektionsfrequenz ermöglicht werden, was für die Patienten sehr bedeutsam sein kann. Diese Zielpunkte konnten in den Zulassungsstudien für Kinder und für Erwachsene erreicht werden, wie auf einem von der Firma Swedish Orphan Biovitrum (SOBI) im Rahmen der 60. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) veranstalteten Satellitensymposium erläutert wurde.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Fortschritte durch zielgerichtete Therapien

Die Einführung zielgerichteter Substanzen wie dem Tyrosinkinase-Inhibitor Pazopanib hat die Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit einem metastasierten Nierenzellkarzinom wesentlich verbessert. Im Rahmen der empfohlenen Sequenztherapie hat Pazopanib sowohl in der Erst- als auch in der Zweitlinientherapie einen wichtigen Stellenwert, so das Fazit eines von der Novartis Pharma GmbH im Rahmen des 32. Deutschen Krebskongresses veranstalteten Satellitensymposiums.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
„Verpackung“ verbessert Verträglichkeit

Die Pegylierung und Verpackung in Liposomen verbessert die Verträglichkeit des Anthracyclins Doxorubicin, sodass es auch bei Patienten in der metastasierten Situation eingesetzt werden kann. Pegyliertes liposomales Doxorubicin (Caelyx®) ist zum Beispiel beim metastasierten Mammakarzinom als Monotherapie für Patientinnen mit erhöhtem kardialen Risiko sowie für die Therapie von Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom nach Versagen einer platinhaltigen First-Line-Chemotherapie zugelassen. Seine Anwendung in der Gynäkologie wurde bei einem Satelliten-Symposium der Janssen-Cilag GmbH beim Deutschen Krebskongress im Februar 2016 in Berlin diskutiert.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Cetuximab verlängert das Gesamtüberleben

Der EGFR-Rezeptor Cetuximab konnte in entsprechenden Studien bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumor seine günstige Wirkung auf das progressionsfreie und das Gesamtüberleben unter Beweis stellen. Dieser Benefit ist unabhängig vom HPV-Status, so das Fazit eines von der Firma Merck Serono im Rahmen des 32. Deutschen Krebskongresses in Berlin veranstalteten Satellitensymposiums.



Pressekonferenz
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Pembrolizumab verspricht beträchtlichen Zusatznutzen

Mit Pembrolizumab wurde der erste Anti-PD-1-Antikörper für die Behandlung des nicht resezierbaren beziehungsweise metastasierten Melanoms bei Erwachsenen entwickelt. Basis für die Zulassung waren überzeugende Studienergebnisse. Bei der frühen Nutzenbewertung nach dem AMNOG wurde Pembrolizumab ein beträchtlicher Zusatznutzen attestiert, so das Fazit eines von MSD im Rahmen des 32. Deutschen Krebskongresses in Berlin veranstalteten Meet-the-Experts.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Osimertinib für Patienten mit EGFR-T790M-Mutation

Mit Osimertinib (Tagrisso®) hat die EU-Kommission im Februar 2016 beschleunigt den ersten Tyrosinkinase-Inhibitor zugelassen, der für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) und einer nachgewiesenen EGFR-T790M-Mutation eingesetzt werden kann. Die neue Substanz wurde bei einer Pressekonferenz von AstraZeneca im Februar 2016 in Berlin vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Innovative Therapiestrategien zur Überlebens-Verlängerung

Für Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom muss eine individuelle Therapiestrategie erarbeitet werden. Dabei spielen die gezielte Therapie molekularer Subgruppen und eine Biomarker-gesteuerte Behandlung eine immer größere Rolle, wie bei einem Satelliten-Symposium von Sanofi beim Deutschen Krebskongress im Februar 2016 in Berlin berichtet wurde.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Die App „Nierenzellkarzinom Transparent“ bietet eine kompakte Darstellung

Die Einführung neuer Substanzen hat die Therapie des Nierenzellkarzinoms sehr komplex gemacht. In die neue App „Nierenzellkarzinom Transparent“ haben die Inhalte aus den aktuellen nationalen und internationalen Leitlinien Eingang gefunden. Sie ist ein hochwertiges, innovatives Tool, das eine sichere und leitlinienkonforme Behandlung des Nierenzellkarzinoms ermöglicht, so das Fazit auf einem von der Novartis Pharma GmbH im Rahmen des 32. Deutschen Krebskongresses in Berlin veranstalteten Meet-the-Expert.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Was es bei der Umstellung auf Sacubitril/Valsartan zu beachten gibt

Seit November 2015 ist mit Sacubitril/Valsartan in Europa ein neues Wirkstoffprinzip zur Behandlung der symptomatischen chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion bei Erwachsenen zugelassen. Die Studiendaten, die zur Zulassung des Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitors (ARNI) geführt hatten, wurden Ende 2015 bei der Einführungs-Pressekonferenz in München vorgestellt.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Auch ältere Patienten profitieren von einem NOAK

Bei älteren Patienten mit Vorhofflimmern wird oft aus Angst vor Blutungen auf eine Antikoagulation verzichtet. Doch gerade bei solchen Patienten ist der absolute Nettonutzen bei Gabe eines Nicht-Vitamin-K-antagonistischen oralen Antikoagulans (NOAK) wie Edoxaban sogar größer, so das Fazit auf einem von der Firma Daiichi Sankyo im Rahmen der 60. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) in Münster veranstalteten Satellitensymposium.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Neues Faktor-VIII-Präparat erlaubt patientenindividuelle Dosierung

Die Hämophilie A erfordert eine lebenslange Ersatztherapie mit dem fehlenden Gerinnungsfaktor VIII. Mit Kovaltry® (Octocog alfa) steht ein neues rekombinantes Faktor-VIII-Präparat zur Verfügung, das eine patientenindividuelle Dosierung und Flexibilität bei der Blutungsprophylaxe ermöglicht, so das Fazit einer von Bayer Vital GmbH veranstalteten Pressekonferenz.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Alirocumab als Alternative zur Zielwerterreichung?

HMG-CoA-Reduktasehemmer (Statine) sind das Mittel der ersten Wahl, wenn ein Hypercholesterinämie-Patient seinen Zielwert nicht allein mit Diät und körperlicher Aktivität erreicht. Lässt sich ein Hochrisikopatient mit Statinen nicht einstellen, kann die Anwendung des Inhibitors der Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9) Alirocumab eine Alternative darstellen. Für welche Patientengruppen Alirocumab infrage kommt, diskutierten Experten im März 2016 auf einer von Sanofi veranstalteten Pressekonferenz in München.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Neunfach-Impfstoff ist Vierfach-Impfstoff nicht unterlegen

Humane Papillomviren des Hochrisiko-Typs sind an der Entstehung von Plattenepithelkarzinomen im Anogenital- und Oropharynx-Bereich beteiligt. Die bisher zur Verfügung stehenden Impfstoffe richteten sich gegen zwei Hochrisiko-Typen, einer zudem gegen zwei Niedrigrisiko-HPV-Typen – und somit auch gegen Genitalwarzen. Ab sofort steht in Deutschland ein nonavalenter HPV-Impfstoff zur Verfügung. Er soll die Schutzwirkung in Bezug auf Zervixkarzinome auf 90 % erhöhen, wie auf einer in Frankfurt von Sanofi Pasteur MSD veranstalteten Fachpressekonferenz bekannt gegeben wurde.

 Mit einem Kommentar von Dr. Maja M. Christ, Stuttgart



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau