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36. Jahrgang Heft 3 März 2018

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Jahrestagung 2017


Übersicht
Adrian Gillissen, Reutlingen-Bad Urach, und Maria Paparoupa, Hamburg*

Bronchodilatatoren sind das Standbein der Pharmakotherapie der COPD. Inhalative Glucocorticoide sind nur noch zur Senkung einer erhöhten Exazerbationsrate indiziert. Nichtpharmakologische Therapiemaßnahmen flankieren die Pharmakotherapie der COPD.

Arzneimitteltherapie 2018;36:56–62.

COPD management

The pillars of the pharmacologic treatment in chronic obstructive pulmonary disease (COPD) consist of an inhaled long-acting muscarinic antagonist (LAMA) or a long-acting β2-agonist (LABA) or the combination of both. The inhaled corticosteroid (ICS)/LABA-combination is only indicated to prevent exacerbations. In 07/2017 a new fixed triple combination containing beclometasone/formoterol/glycopyrronium has been approved for moderate to severe COPD patients. This paper puts new treatment paradigms in the management of COPD such as tentative use of ICS into perspective and further discusses other pharmacological options such as roflumilast and mucolytic drugs.

Key words: chronic obstructive pulmonary disease; COPD; long-acting muscarinic antagonist; LAMA; long-acting β2-agonist; LABA



Alina Marheineke, Constanze Rémi und Claudia Bausewein, München*

Patienten mit einer unheilbaren und lebensbedrohlichen Erkrankung sollten zur Linderung belastender Symptome und Unterstützung im Krankheitsprozess Zugang zu palliativmedizinischen Versorgungstrukturen haben. Palliative Care beschränkt sich dabei nicht nur auf Patienten mit Tumorerkrankungen, sondern richtet sich auch an Menschen, die von anderen fortgeschrittenen lebenslimitierenden Erkrankungen betroffen sind. Gerade bei fortgeschrittener Erkrankung können die Bedürfnisse von Patienten mit COPD vielfältig sein und situationsabhängig variieren. Das subjektive Empfinden von Atemnot bei Patienten mit COPD kann mit nichtmedikamentösen und medikamentösen Maßnahmen gelindert werden. Ziel der Palliativmedizin ist es, die Symptomlast am Lebensende zu verringern und die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen.

Arzneimitteltherapie 2018;36:63–6.

Palliative care for COPD

Patients with life-threatening illness should have access to palliative care for symptom relief and support. Palliative care is not restricted to oncologic patients. The needs of patients with an advanced chronic obstructive pulmonary disease (COPD) can be multifaceted and vary depending on the situation. The subjective feeling of breathlessness of patients with COPD can be alleviated by non-pharmacological and pharmacological measures. The goal of palliative care is to reduce symptom burden at the end of life and to increase the quality of life of the patient.

Key words: chronic obstructive pulmonary disease; COPD; palliative care



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Stefan Fischer, Stuttgart
Hält doppelt wirklich besser?

In den letzten Jahren wurden zahlreiche inhalative Kombinationspräparate zugelassen. Selbst für den Facharzt ist es schwer, den Überblick über die Studienlage zu behalten. Fixe Kombinationspräparate werden nur in wenigen Fällen gegen eine kombinierte, aber separate Verabreichung beider Einzelsubstanzen getestet. Oft liegen sogar nur begrenzte Studienergebnisse mit Vergleichen gegen andere etablierte Kombinationstherapien vor. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat mehreren Präparaten einen Zusatznutzen attestiert. Aber gegenüber was eigentlich?

Arzneimitteltherapie 2018;36:68–74.

Inhalation therapy in asthma and COPD: fixed-dose combinations

There is very low evidence that the use of devices combining two or three drugs has an advantage over the application of separate devices. Combinations consisting of the same therapeutic classes seem to have the same therapeutic effect. Or at least no analysis says otherwise. Nevertheless combination therapy might have some benefits for adherence which is not obvious in clinical studies.

Key words: Asthma, COPD, fixed-dose combinations



Claus Kroegel, Jena
Aus Expertensicht

Die Auswahlmöglichkeiten bei inhalativen Kombinationspräparaten scheinen unbegrenzt. Welches Device sollte bei wem eingesetzt werden? Sollte bestimmten Kombinationen der Vorzug gegeben werden? Oder bestimmten Einzelsubstanzen gegenüber anderen?

Arzneimitteltherapie 2018;36:75–7.

Inhalation therapy in asthma and COPD: optimal choice of devices and complementary drug combinations

A variety of different inhaler devices used to deliver various medications (e.g. beta-agonists, anticholinergics, glucocorticoids) for respiratory therapy in asthma and COPD are available to date. There are four types of inhaler devices available: the pressurized metered dose inhaler (MDI), the dry powder inhaler (DPI), the soft mist inhaler (SMI), and the jet or ultrasonic wave nebulizer. While the drugs in each class have comparable therapeutic actions, differences in the therapeutic efficacy mainly depend on patient-related factors. Thus, the choice of the most beneficial device relies upon matching the preference, the acceptability, the motoric skills and the needs of the individual patient to the benefits of a particular inhalation device.

Devices combining two drugs may have some benefit referring to adherence and therapeutic aims in certain diseases. In asthma the combination of inhaled corticosteroids with long-acting β-agonists (LABA) may ensure the essential anti-inflammatory treatment with inhalative corticosteroids (ICS) while in COPD combination devices containing both LABA and long-acting anticholinergics (LAMA) may help to improve optimal bronchodilatation. Triple combinations combining ICS, LABA and LAMA are likely to lead to overtreatment in both asthma and COPD.

Once-daily dosing devices may improve adherence compared to a twice-daily dosing regimen. However, in clinical practice patients have a tendency to use inhalative treatment twice a day.

Key words: Asthma, COPD, fixed-dose combinations



Klinische Studie
Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Patienten mit CFTR-Restfunktion können von Tezacaftor-Ivacaftor-Kombination profitieren

Eine Kombinationstherapie mit Tezacaftor und Ivacaftor zeigte sich bei Mukoviszidose-Patienten, deren CTFR-Protein noch eine Restfunktion aufweist, wirksam und sicher. Die Studie wurde kürzlich im New England Journal of Medicine veröffentlicht.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Fremanezumab für die Prophylaxe der chronischen Migräne

 Mit einem Kommentar des Autors

Fremanezumab ist bei Patienten mit chronischer Migräne einer Behandlung mit Placebo für alle wesentlichen Zielparameter überlegen. Die Ergebnisse einer Phase-III-Studie wurden Ende 2017 im New England Journal of Medicine veröffentlicht.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Erenumab zur Prophylaxe der episodischen Migräne

 Mit einem Kommentar des Autors

Erenumab, das einmal pro Monat subkutan injiziert wird, hat eine signifikante Wirkung auf alle Parameter der episodischen Migräne, verglichen mit Placebo. Dies betrifft die Häufigkeit der Attacken, die 50%-Responder-Rate, die Lebensqualität und die Einnahme von Akut-Medikation.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Orale Antikoagulanzien für die Schlaganfall-Prävention bei Vorhofflimmern: Netzwerk-Metaanalyse

 Mit einem Kommentar des Autors

Eine Netzwerk-Metaanalyse mit 94 656 Patienten bestätigt weitestgehend die Ergebnisse der randomisierten Zulassungsstudien, in denen bei Patienten mit Vorhofflimmern Nicht-Vitamin-K-antagonistische orale Antikoagulanzien (NOAKs) mit Warfarin verglichen wurden.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Thrombektomie beim akuten ischämischen Insult im Zeitfenster zwischen 6 und 24 Stunden: die DAWN-Studie

 Mit einem Kommentar des Autors

Bei Patienten mit einem Mismatch zwischen Schwere der klinischen Ausfälle und dem Infarktvolumen in der zerebralen Bildgebung ist die Thrombektomie auch in einem Zeitfenster zwischen 6 und 24 Stunden einer rein konservativen Therapie überlegen.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Sekundärprävention mit Plättchenfunktionshemmern: Triple-Therapie

 Mit einem Kommentar des Autors

Eine aggressive Triple-Therapie mit drei Thrombozytenfunktionshemmern reduziert im Vergleich zu einer dualen Plättchenhemmung oder einer Monotherapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) das Risiko einer erneuten zerebralen Ischämie nicht und führt zu einer erhöhten Rate von schwerwiegenden Blutungskomplikationen. Das ergab eine Studie aus England, die Ende 2017 im Lancet publiziert wurde.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Risiko intrakranieller Blutungen unter niedrig dosierter ASS-Therapie

 Mit einem Kommentar des Autors

Die Einnahme einer niedrigen Dosis von Acetylsalicylsäure (ASS) zur primären oder sekundären Prävention vaskulärer Ereignisse führt im klinischen Alltag nicht zu einem erhöhten Risiko intrakranieller Blutungen.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Neue Therapieoptionen mit Anti-IL-5

Bei Patienten mit schwerem refraktärem eosinophilem Asthma bronchiale konnten die drei IL-5-Antikörper Mepolizumab, Reslizumab und Benralizumab als Zusatz zur Standardtherapie die Exazerbationsrate signifikant senken. Weiterhin wurden kleine Verbesserungen im Hinblick auf Lebensqualität und Atmung festgestellt.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Insulin oder orale Antidiabetika?

Lässt sich bei einem Schwangerschaftsdiabetes mit Diät- und Lebensstil-Interventionen keine gute Blutzuckereinstellung erreichen, ist eine antidiabetische pharmakologische Therapie angezeigt. Wie der derzeitige Wissenstand in Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit von Insulin im Vergleich zu anderen antidiabetischen Therapien aussieht, haben Autoren aus Neuseeland in einem Cochrane-Review zusammengetragen.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Welche antiretrovirale Therapie ist am geeignetsten?

Neue Empfehlungen für eine antiretrovirale Therapie bei HIV-infizierten Schwangeren sehen einen leichten Vorteil von Behandlungsstrategien, die sich auf Zidovudin und Lamivudin stützen gegenüber solchen, die Tenofovir oder Emtricitabin enthalten. Dies gilt besonders in Kombination mit Lopinavir/Ritonavir.



Dr. Claus Gassner, Villingen-Schwenningen
Ibuprofen als Alternative zu Opioiden?

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Clemens Unger, Freiburg

Opioide sind in der Therapie starker und stärkster Schmerzen als Mittel der Wahl anzusehen. In nichtretardierter Form zeigen diese auch bei akuten Schmerzen eine schnelle analgetische Wirkung, die derjenigen der nichtopioiden Schmerzmittel überlegen ist – scheinbar überlegen: Die Autoren einer aktuellen Studie kommen zu dem überraschenden Ergebnis, dass es bezüglich der Schmerzreduktion nach Einmalgabe keine signifikanten Unterschiede zwischen Ibuprofen und verschiedenen Opioiden in Kombination mit Paracetamol gibt.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Bevacizumab ist in der Behandlung des Glioblastoms nicht wirksam

 Mit einem Kommentar des Autors

Die Kombinationstherapie von Lomustin plus Bevacizumab hatte im Vergleich zu einer Monotherapie mit Lomustin bei Patienten mit fortgeschrittenem Glioblastom keine therapeutische Wirkung, wie eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie zeigte.



Dr. Larissa Tetsch, Maisach
Schrittweise Erhöhung der Febuxostat-Dosis reduziert Gichtanfälle als Nebenwirkung der Harnsäure-senkenden Therapie

Zu Beginn einer Harnsäure-senkenden Therapie lösen mobilisierte Harnsäurekristalle vermehrte Gichtanfälle aus. Eine aktiv kontrollierte Interventionsstudie zeigt nun, dass eine schrittweise Dosiserhöhung des Urikostatikums Febuxostat die Inzidenz der Gichtanfälle senkt und somit eine Alternative zur Colchicin-Prophylaxe darstellen kann.



Referiert & Kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Sieben Jahre adjuvante endokrine Therapie reichen aus

Bei postmenopausalen Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom erfolgte nach der Operation eine fünfjährige adjuvante endokrine Therapie mit Tamoxifen und/oder einem Aromataseinhibitor. Anschließende Behandlungen mit Anastrozol über zwei oder fünf Jahre hatten den gleichen Nutzen. Dies zeigten die Ergebnisse der Phase-III-Studie ABCSG-16 (Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group), die beim 40. San Antonio Breast Cancer Symposium im Dezember 2017 vorgestellt worden sind.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Dosisintensivierung senkt Rezidiv- und Sterberisiko

Wird die Dosisdichte einer adjuvanten Chemotherapie bei Frauen mit frühem Mammakarzinom erhöht, sinkt das Rezidiv- und das Sterberisiko im Vergleich zur Standardbehandlung, so das Ergebnis einer Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group (EBCTCG), die beim 40. San Antonio Breast Cancer Symposium im Dezember 2017 vorgestellt wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
CAR-T-Behandlungen halten ihr Versprechen bei schwer zu behandelnden Lymphomen

Für einige Menschen mit bestimmten Typen von aggressiven, refraktären Lymphomen sind die Therapieoptionen leider sehr begrenzt. Drei Studien, die während der 59. Jahrestagung der amerikanischen Hämatologen (ASH) im Dezember 2017 in Atlanta präsentiert wurden, lenkten die Aufmerksamkeit auf die wachsende Rolle der CAR-T-Zell-Therapien, die bei einigen Patienten zu klinischem Ansprechen und teilweise sogar zu dauerhaften Remissionen führen können.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Verbesserte Resultate durch Kombination zielgerichteter Therapien

In einer Phase-III-Studie konnte das progressionsfreie Überleben für Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) durch die Kombination aus Venetoclax und Rituximab im Vergleich zur Standard-Immunchemotherapie mit Bendamustin und Rituximab mehr als verdoppelt werden. Eine weitere Kombination zielgerichteter Therapien, nämlich aus Ibrutinib und Venetoclax, führte bei Patienten mit R/R CLL (relapsed/refractory CLL) zu hohen Ansprechraten, kompletten Remissionen und MRD-Eradikation. Die Ergebnisse dieser beiden Studien wurden während der 59. Jahrestagung der amerikanischen Hämatologen (ASH) im Dezember 2017 in Atlanta vorgestellt und diskutiert.



Simone Reisdorf, Erfurt
Antimykotische Therapie mit verbesserter Verträglichkeit

Krebs- oder Intensivpatienten mit invasiver Aspergillose oder Mukormykose sind akut vital bedroht. Sie benötigen eine rasche, effiziente und möglichst gut verträgliche Behandlung mit geringem Interaktionspotenzial. In der SECURE- und der VITAL-Studie zeigte Isavuconazol ermutigende Ergebnisse. Sie wurden auf einem von Pfizer veranstalteten Symposium im Rahmen des 17. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Leipzig vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Orale Therapie mit Edoxaban nicht schlechter als subkutane Therapie mit niedermolekularem Heparin

Krebspatienten mit venösen Thromboembolien (VTE) haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für erneute VTE, sondern durch die Therapie auch ein erhöhtes Risiko für größere Blutungskomplikationen. In einer randomisierten Studie, die während des amerikanischen Hämatologiekongresses (ASH) im Dezember 2017 als Late Breaking Abstract vorgestellt wurde, zeigte sich, dass bei diesen Patienten orales Edoxaban – für bis zu 12 Monaten gegeben – nicht schlechter war als eine subkutane Therapie mit Dalteparin.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Interleukin-23-Hemmer wirkt stark, schnell und anhaltend

Im Mittelpunkt der Pathogenese steht bei der Psoriasis das Interleukin 23, welches die krankheitsauslösenden Th17-Zellen aktiviert. Mit dem monoklonalen Antikörper Guselkumab, der selektiv IL-23 hemmt, steht jetzt eine neue Therapieoption für Patienten mit einer moderaten oder schweren Psoriasis zur Verfügung. Die Ergebnisse der Zulassungsstudien VOYAGE 1 und 2 wurden bei einer von der Firma Janssen veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.



Dagmar Jäger-Becker, Rodgau
Substitutionstherapie mit rekombinantem Parathormon

Hypoparathyreoidismus – eine reduzierte oder fehlende körpereigene Produktion des Parathormons (PTH) – tritt häufig durch Beeinträchtigung der PTH-produzierenden Nebenschilddrüse auf, etwa nach subtotaler Thyroidektomie oder totaler Strumektomie bei Schilddrüsenkarzinom oder Morbus Basedow. Der Mangel kann neuerdings durch rekombinantes Parathormon substituiert werden. Das Präparat wurde auf einem von der Firma Shire veranstalteten Pressegespräch vorgestellt und diskutiert.