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36. Jahrgang Heft 9 September 2018

Editorial
Dr. med. Jan Preiß, Berlin
Konventionelle oder intensivere Therapien bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen


Übersicht
Katrin Hirschmann und Jörg C. Hoffmann, Ludwigshafen
Biologika und Immunsuppressiva als Kombinationstherapie für alle?

Bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) besteht das Therapieziel neben der klinischen Remission in der „mukosalen Heilung“ (deep remission) bis hin zur „histologischen Heilung“ (intestinal healing). Um diese Ziele zu erreichen, wird diskutiert, ob eine Kombinationstherapie aus einem Biologikum mit einem Immunsuppressivum Vorteile bringt. Nach bisheriger Datenlage kann man zusammenfassen, dass die Kombinationstherapie beim Morbus Crohn aus Infliximab und Azathioprin deutlich wirksamer als die Monotherapie erscheint. Bei der Colitis ulcerosa gibt es keine eindeutigen Daten. Dennoch birgt die Kombinationstherapie erhöhte Gefahren, sodass diese nur bei Hochrisikopatienten eingesetzt werden sollte.

Arzneimitteltherapie 2018;36:286–92.

Current research on the therapy of inflammatory bowel diseases – biologics and immunosuppressants as combo-therapy for everybody?

Aims for the treatment of inflammatory bowel disease (Crohn’s disease and ulcerative colitis) are clinical remission, the deep remission (plus mucosal healing) or intestinal healing (plus histological healing). In order to reach one of these aims it is being discussed if the combination therapy of biologics und immunosuppressants is better than monotherapy. In summary of recent data, the combination therapy of Crohn’s disease with infliximab und azathioprine is better than each monotherapy. Currently, there are no clear data on ulcerative disease. However, the combination therapy includes increased risks. Thus, the combination therapy should only be used for high risk patients.

Key words: inflammatory bowel disease, biologics, immunosuppressants, combo-therapy



Nina-Kristin Mann, Witten, Sven Schmiedl, Witten/Wuppertal, Simone Bernard, Witten, und Petra A. Thürmann, Witten/Wuppertal
Weniger kann mehr sein

Viele ältere Patienten sind multimorbid und werden mit fünf oder mehr Arzneimitteln (Polypharmazie) behandelt. Aufgrund altersphysiologischer Veränderungen sind sie vulnerabel für Arzneimittelnebenwirkungen. Eine nicht geeignete Arzneimitteltherapie führt bei älteren Menschen zu vermehrten unerwünschten Ereignissen wie Stürzen, Krankenhauseinweisungen und einem erhöhten Sterberisiko. Diese Patientengruppe wird in klinischen Studien und Leitlinien nur begrenzt berücksichtigt, was eine evidenzbasierte Therapie erschwert. Es existieren verschiedene Tools zur Verbesserung der Pharmakotherapie älterer Patienten. Aufgrund der Tatsache, dass ältere und multimorbide Patienten nicht in den Studien repräsentiert sind, auf denen Leitlinien basieren, ist die Evidenz für viele pharmakotherapeutische Behandlungen für diese Population nicht sicher gegeben. Somit ergibt sich eine Grauzone, innerhalb derer abgewogen werden muss, ob bestimmte Medikamente sinnvoll und verträglich sind. Das gezielte Absetzen von Medikation erfordert eine Individualisierung von Leitlinien, Gespräche mit Patient und Angehörigen sowie eine engmaschige Überwachung.

Arzneimitteltherapie 2018;36:295–302.

Polypharmacy in elderly patients: Less is more.

Elderly patients are often multimorbid and treated with five medications or more (polypharmacy). Due to age-related changes in their physiology they are vulnerable to adverse drug events. Treatment with inappropriate medication leads to a higher rate of adverse events such as falls and hospitalizations and to an increased risk of death in the elderly. The aged are underrepresented in both clinical studies and clinical practice guidelines which impedes an evidence-based therapy of their illnesses. A variety of tools (i.e. PIM lists) has been developed to improve pharmacotherapy in elderly patients. Since multimorbid, elderly patients are not sufficiently represented in clinical studies, on which clinical practice guidelines are based, there is a lack of certainty regarding the evidence for treatments in this population. This results in a grey area, where the (further) usefulness and tolerability of medications must be considered. In order to systematically withdraw medications, which is also called deprescribing, clinical practice guidelines need to be customized for the individual patient. Conversations with the patient and their relatives and a close monitoring of the patient are also required.

Key words: polypharmacy, multimorbidity, potentially inappropriate medication (PIM), adverse drug events, deprescribing



Klinische Studie
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Erenumab als erster Antikörper gegen CGRP-Rezeptor zugelasssen

 Mit einem Kommentar des Autors

Der humanisierte Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor Erenumab reduziert bei Patienten mit episodischer Migräne die Anzahl der Migränetage pro Monat signifikant effektiver als Placebo. Das ergab die ARISE-Studie. Anfang August wurde Erenumab in der EU zur Migräneprophylaxe zugelassen.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Fremanezumab gegenüber Placebo überlegen

 Mit einem Kommentar des Autors

Bei Patienten mit episodischer Migräne, die auf mindestens zwei Klassen von Migräneprophylaktika nicht ansprachen, führte Fremanezumab in einer Studie innerhalb von zwölf Wochen verglichen mit Placebo zu einer statistisch signifikanten Reduktion der Migränetage pro Monat. Die Behandlung mit Fremanezumab wurde gut toleriert.



Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Wirksamkeit und Verträglichkeit des CGRP-Antikörpers Galcanezumab

 Mit einem Kommentar des Autors

Der monoklonale Antikörper gegen Calcitonin gene-related peptide (CGRP) Galcanezumab war in zwei randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studien über einen Zeitraum von sechs Monaten in der Prophylaxe der episodischen Migräne besser wirksam als Placebo. Zwischen den beiden Dosierungen von 120 und 240 mg bestanden keine Unterschiede in der Wirksamkeit.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Belimumab ist als Zusatztherapie unwirksam

 Mit einem Kommentar des Autors

Belimumab, ein humaner, monoklonaler Antikörper gegen den B-Lymphozyten-Stimulator, ist bei Patienten mit Myasthenia gravis nicht besser wirksam als Placebo. Das sind die Ergebnisse einer kleinen, randomisierten Studie.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Aminophyllin ist zur Behandlung des postpunktionellen Kopfschmerzes wirksam

 Mit einem Kommentar des Autors

Die intravenöse Gabe von 250 mg Aminophyllin reduzierte im Vergleich zu Placebo signifikant die Schmerzintensität bei Patienten mit postpunktionellen Kopfschmerzen. Das ergab eine randomisierte Studie aus China mit 126 Patienten.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Migränepatienten haben ein erhöhtes Risiko für vaskuläre Krankheiten

 Mit einem Kommentar des Autors

Patienten mit Migräne haben ein erhöhtes Risiko für vaskuläre Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber keine erhöhte Mortalität. Das ergab eine aktuelle Metaanalyse.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Kombinationstherapie aus Clopidogrel und Acetylsalicylsäure zeigt Vor- und Nachteile

 Mit einem Kommentar des Autors

Bei Patienten, die eine transitorische ischämische Attacke (TIA) mit hohem Risiko oder einen leichten ischämischen Insult erlitten, ist die Kombination von Clopidogrel und Acetylsalicylsäure (ASS) einer Monotherapie mit ASS über einen Zeitraum von 90 Tagen bezüglich des kombinierten Endpunkts aus Herzinfarkt, Schlaganfall und vaskulärem Tod überlegen. Allerdings führt die Kombinationstherapie zu einem signifikant höheren Risiko für schwerwiegende Blutungskomplikationen. Das sind die Ergebnisse der POINT-Studie.



Prof. Dr Hans-Christoph Diener, Essen
Tranexamsäure nicht wirksam

 Mit einem Kommentar des Autors

Die Gabe von Tranexamsäure führte bei Patienten mit einer spontanen intrazerebralen Blutungen zu keinem besseren funktionellen Status nach 90 Tagen im Vergleich zur Placebo-Therapie. Das ergab die TICH-II-Studie.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Rivaroxaban nicht besser als ASS bei höherem Blutungsrisiko

 Mit einem Kommentar des Autors

Bei Patienten mit embolischen Schlaganfällen ungeklärter Ätiologie (ESUS) war eine reduzierte Dosis von Rivaroxaban im Vergleich zu Acetylsalicylsäure (ASS)nicht in der Lage, erneute Schlaganfälle und systemische Embolien zu verhindern. Die Behandlung mit Rivaroxaban ging mit einem erhöhten Blutungsrisiko einher.



Dr. Maren Mundt, Duingen
Frühzeitige Adrenalingabe erhöht die Überlebenschancen

In den USA und Kanada wurden die Daten von Notfallpatienten ausgewertet, bei denen es außerhalb eines Krankenhauses zu einem Herzstillstand kam. Bei der Subgruppe von Patienten mit nicht-defibrillierbarem Herzstillstand verringerte jede Minute, die nach Eintreffen des Notfallteams vor Ort bis zur Adrenalingabe verging, die Überlebenswahrscheinlichkeit um 4 %.



Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
NPH-Insulin ist eine sichere Alternative zu Insulinanaloga

Langwirksame Insulinanaloga reduzieren in Studien das Risiko nächtlicher Hypoglykämien gegenüber dem traditionellen NPH-Insulin bei Typ-2-Diabetikern, da keine Insulinwirkspitzen auftreten. In den USA sind die Kosten dieser Therapie gegenüber NPH-Insulin mittlerweile jedoch stark gestiegen. Eine retrospektive Analyse von Versichertendaten in den USA kommt nun zu dem Ergebnis, dass bei Initiierung der Insulintherapie mit Insulinanaloga das Risiko, aufgrund einer Hypoglykämie in eine Notfallambulanz oder Klinik eingewiesen zu werden, nicht geringer ist als unter NPH-Insulin.



Dr. Claus Gassner, Villingen-Schwenningen
Kurzzeittherapie meist genauso wirksam wie lange Therapieregime

Nach einer aktuellen Übersichtsarbeit können mit einer Kurzzeitanwendung von Antibiotika bei verschiedenen Infektionen oftmals gleich gute Ergebnisse erzielt werden wie unter Langzeittherapie.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau