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36. Jahrgang Heft 11 November 2018

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg


Übersicht
Marcus M. Mücke, Frankfurt am Main
Ein Update

Die Therapie der chronischen Hepatitis-C-Erkrankung hat sich durch die Einführung direkt antiviraler Medikamente (DAAs) revolutioniert. Mit der Zulassung neuer, hoch effektiver Wirkstoffkombinationen in 2016 und 2017 haben sich abermals grundlegende Veränderungen ergeben: Mittlerweile ist der Einsatz von kosteneffektiven, pangenotypisch wirkenden Therapieregimen bei einer Vielzahl der Patienten Realität. Damit sind Ausheilungsraten von über 95 % bei (fast) allen Patientengruppen bei exzellentem Nebenwirkungsprofil alltäglich. Abhängig vom Genotyp, einer etwaigen Vortherapie und dem Grad der Leber- bzw. Nierenerkrankung beträgt die Therapiedauer in der Regel 8 bis 12 Wochen.

Arzneimitteltherapie 2018;36:380–6.

Drug therapy of hepatitis C

Treatment of chronic Hepatitis C virus (HCV) infections has been revolutionized since the development of direct acting antivirals (DAAs). Since the latest approvals of highly effective DAAs in 2016 and 2017, treatment options have radically changed again: Lately, pan-genotypic treatment regimens have become cost-effective for the majority of HCV infected patients. Sustained virologic response rates of greater than 95 % can now be achieved in almost every patient with a minimum of treatment associated side effects. Depending on genotype, treatment experience and severity of liver disease or renal impairment, treatment duration of 8 to 12 weeks is common in most cases.

Key words: hepatitis C virus, HCV treatment, direct acting antivirals, liver cirrhosis



Dirk Keiner, Weimar
Management-Maßnahmen für mehr Sicherheit

Die Zahl verfügbarer Wirkstoffe in transdermaler Applikationsform ist beachtlich und die Verordnungshäufigkeit nimmt zu. Das bietet jedoch nicht nur Chancen in der Therapie, sondern birgt auch Risiken, wie die Ergebnisse einer deutschen Patientenbefragung in der klinischen Praxis zeigen. Eine umfassende Patienteninformation ist unerlässlich. Checklisten können dabei helfen.

Arzneimitteltherapie 2018;36:389–96.

Transdermal patches – risks and opportunities

The number of available drugs in transdermal application form is considerable and the prescription frequency increases. However, this not only harbors opportunities in therapy, but also risks. This is shown by results of a German patient survey in clinical practice. Comprehensive patient information is essential. Checklists can help.

Key words: transdermal patches, transdermal therapeutic systems, TTS



Klinische Studie
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Subkutane Apomorphin-Infusion zur Behandlung von persistierenden motorischen Fluktuationen

 Mit einem Kommentar des Autors

Die subkutane Infusion von Apomorphin wird seit Längerem zur Behandlung von persistierenden motorischen Fluktuationen bei Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit eingesetzt. Die Wirksamkeit dieser Therapie konnte nun mit den Ergebnissen einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, multizentrischen Doppelblindstudie belegt werden.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Fingolimod ist bei CIDP nicht wirksam

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer doppelblinden, multizentrischen, randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie war Fingolimod in einer Dosis von 0,5 mg täglich in der Behandlung der chronischen inflammatorischen demyelinisierenden Polyradikuloneuritis nicht wirksam.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Risiko schwerwiegender kongenitaler Missbildungen unter Antiepileptika

 Mit einem Kommentar des Autors

Eine Therapie von schwangeren Frauen mit Epilepsie mit Valproinsäure, Phenobarbital, Phenytoin oder Carbamazepin erhöht das Risiko kongenitaler Missbildungen. Dies ergab eine prospektive Kohortenstudie mit den Daten des internationalen EURAP-Registers.



Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Methadon oder Morphin: Welches Opioid ist effizienter?

Säuglinge, die schon im Mutterleib mit Opioiden in Berührung gekommen sind, haben ein erhöhtes Risiko, ein neonatales Abstinenzsyndrom zu entwickeln. Eine einheitliche Behandlungsstrategie fehlt bisher. Meist kommen Opioide zur Entwöhnung der Neugeborenen zum Einsatz. Ob dabei Morphin oder Methadon effizienter ist, wurde jetzt in einer multizentrischen Studie untersucht.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Keine Risikosenkung durch Multivitamin- und Mineralstoffsupplementierung

 Mit einem Kommentar des Autors

Die Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen senkt weder die Inzidenz noch die Mortalität an kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen in der Normalbevölkerung. Dies ergab eine Metaanalyse von 18 prospektiven Kohortenstudien und randomisierten kontrollierten Studien mit über zwei Millionen Teilnehmern.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Acetylsalicylsäure zur Primärprävention vaskulärer Ereignisse „entzaubert“

 Mit einem Kommentar des Autors

In drei großen randomisierten Studien war Acetylsalicylsäure zur Primärprävention vaskulärer Ereignisse entweder nicht wirksamer als Placebo oder der geringe Therapieeffekt wurde durch eine erhöhte Rate an Blutungskomplikationen wieder aufgehoben.



Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Acetylsalicylsäure wirkt abhängig vom Körpergewicht

 Mit einem Kommentar des Autors

In der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse ist Acetylsalicylsäure (ASS) in einer Dosierung von 75 bis 100 mg nur bei Patienten mit einem Körpergewicht unter 70 kg wirksam, während höhere Dosen ( 325 mg) nur bei Personen mit einem Körpergewicht über 70 kg wirken. Dies zeigte eine Analyse der individuellen Daten von 117 279 Patienten aus zehn Studien, in denen Acetylsalicylsäure zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse untersucht wurde.



Dr. Maren Mundt, Duingen
Überlebenszeit ist bei Anwendung komplementärer Krebstherapien verringert

Eine Krebsdiagnose ist eine existenzielle Bedrohung und vielen Patienten fällt es schwer, die evidenzbasierte konventionelle Krebstherapie als ihre vielleicht einzige Chance zu akzeptieren. Komplementäre Therapien decken offenbar ein wichtiges Bedürfnis. Die ergänzenden Therapiestrategien führen aber nicht zu einer besseren Prognose. Im Gegenteil: Wissenschaftler der Yale-Universität haben gezeigt, dass sich die Anwendung von komplementären Therapien negativ auf die Überlebenszeit auswirkt. Die genauen Gründe dafür sind unklar.



Dr. Maren Mundt , Duingen
Prävalenz von Amplifikationen des PD-L1-Gens

Checkpoint-Inhibitoren haben die Therapie vieler Krebserkrankungen erheblich verbessert. Unklar ist jedoch, warum die Antikörper bei Patienten mit der gleichen Tumorentität nicht gleichermaßen wirksam sind. Deshalb werden Biomarker gesucht, die mit dem Ansprechen auf die Immuntherapie assoziiert sind.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg
Antisense-Oligonukleotid stabilisiert den Krankheitsverlauf

Ein typisches Leitsymptom bei der hereditären Transthyretin-Amyloidose (hATTR) ist die rasch progrediente Polyneuropathie. Mit Inotersen steht jetzt ein wirksames Therapeutikum zur Verfügung, das den Krankheitsverlauf stabilisiert und die Lebensqualität verbessert. Die Ergebnisse der Zulassungsstudie wurden im Rahmen einer von der Firma Akcea Therapeutics veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg
Tafamidis verbessert die Prognose

Die Transthyretin-assoziierte Amyloidose betrifft neben dem Nervensystem vor allem das Herz in Form einer restriktiven Kardiomyopathie, die zu einer diastolischen Herzinsuffizienz führt. Die Frühdiagnose ist wichtig, zumal sich mit dem Transthyretin-Stabilisator Tafamidis erstmals die Möglichkeit einer effektiven medikamentösen Therapie eröffnet, so das Fazit eines von der Firma Pfizer anlässlich des ESC veranstalteten Satellitensymposiums.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg
Apixaban bewährt sich auch im Praxisalltag

Die Vorteile der NOAK sind in der Praxis angekommen. Entsprechende Registerdaten belegen, dass sie auch im Praxisalltag halten, was sie in den Zulassungsstudien versprochen haben. Dabei genießt Apixaban besonderes Vertrauen, so das Fazit eines von den Firmen BMS (Bristol-Myers Squibb) und Pfizer im Rahmen des ESC 2018 veranstalteten Pressegesprächs.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Erenumab als erster Antikörper gegen CGRP-Rezeptor zugelassen

Die Auswirkungen, die Migräne auf die Wirtschaft und Gesellschaft hat, werden immer noch unterschätzt. Dabei hat hierzulande etwa jeder zehnte Mensch Migräne. Auf dem von der Firma Novartis veranstalteten Einführungspressegespräch im September 2018 in München wurde der erste in der EU zugelassene Anti-CGRP-Rezeptor-Antikörper Erenumab genauer vorgestellt.