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37. Jahrgang Heft 3 März 2019

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg


Stefan Fischer, Stuttgart
Lungenärzte diskutieren Pro und Contra


Übersicht
Bernhard Wörmann, Berlin
Entscheidungen in der Onkologie

Neue Arzneimittel in der Onkologie machen mehr als ein Drittel aller Verfahren in der frühen Nutzenbewertung beim Gemeinsamen Bundesausschuss aus. Der Ablauf der frühen Nutzenbewertung ist effizient und wird regelhaft innerhalb von einem Jahr nach Markteinführung abgeschlossen. Die Bewertung erfolgt entweder für die gesamte Zulassungsindikation oder nach Subgruppen, die der G-BA vor Beginn des Verfahrens festlegt. Bis Ende 2018 wurde die frühe Nutzenbewertung von 139 Verfahren mit 238 bewerteten Subgruppen abgeschlossen. Etwa die Hälfte der Subgruppen in der Onkologie erhielt die Festlegung Zusatznutzen nicht belegt (48,5 %), gefolgt von beträchtlicher Zusatznutzen (19,2 %), nicht quantifizierbarer Zusatznutzen (17,6 %) und geringer Zusatznutzen (12,2 %). Die Bewertungen in der Onkologie sind besser als in anderen Fachgebieten. Marktrücknahmen aufgrund des AMNOG-Verfahrens sind in der Onkologie selten. Die Zahl von Verfahren zu Arzneimitteln für seltene Erkrankungen (Orphan-Drug-Status) ist in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen. Das Verfahren der frühen Nutzenbewertung ist etabliert. Durch den Gesamtprozess wird eine höhere Transparenz der verfügbaren Daten zu neuen Arzneimitteln erreicht. Die spezifisch deutsche Bewertung von Subgruppen erschwert die Übersichtlichkeit.

Arzneimitteltherapie 2019;37:55–9.

Risk-benefit-assessment of new cancer drugs in Germany

New drugs in oncology trigger more than one third of the procedures for risk-benefit-assessment of new drugs by the Federal Joint Committee (G-BA) in Germany. The whole process of risk-benefit-assessment is efficient. Procedures are regularly finished within one year. The assessment may concern the entire indication or subgroups. Until the end of 2018, 139 procedures with 238 subgroups had been completed. About half of the subgroups got the assessment “no additional benefit” (48.5 %), followed by “considerable additional benefit” (19.2 %), “additional benefit not quantifiable” (17.6 %) and “minor additional benefit” (17.6 %). New drugs in oncology fare better than drugs in other indications. Market withdrawals due to unfavourable assessments are unusual. During the last years the number of procedures for drugs with an orphan-drug-status has significantly increased. The risk-benefit-assessment of new drugs is now well established. The whole process increases the transparency of available data. The specific German way of assessment of subgroups complicates the procedure. Key words: Risk-benefit-assessment, new drugs, oncology



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Dr. Maren Mundt, Duingen
Erste CAR-T-Zell-Therapie zur Behandlung von Non-Hodgkin-B-Zell-Lymphomen

Seit August 2018 ist Axicabtagen Ciloleucel unter dem Namen Yescarta® in der Europäischen Union zugelassen. Es handelt sich dabei um ein gentechnisches Verfahren, die Modifikation von körpereigenen T-Lymphozyten aus dem Blut von Patienten mit aggressiven Non-Hodgkin-B-Zell-Lymphomen. Die ex vivo angereicherten T-Lymphozyten des Patienten erhalten mithilfe einer retroviralen Transduktion einen chimäreren Antigenrezeptor (CAR), der gegen den B-Zell-Marker CD19 gerichtet ist. Das Produkt sind CAR-T-Zellen. Axicabtagen Ciloleucel hat Orphan-Drug-Status.

Arzneimitteltherapie 2019;37:60–3.

Axicabtagen Ciloleucel

The European Medicines Agency approved Axicabtagene Ciloleucel (Yescarta®) in August 2018. The product is a technique to transduce T-lymphocytes obtainened from the blood of patients with non Hodgkin B-cell lymphomas. The T-cells are then transfected with a retroviral vector containing a chimeric antigene receptor (CAR) directed against the B-cell antigen CD19. These genetically modified CAR-T-cells are armed to kill malignant CD19 positive B-cells. The European Commission granted orphan designation.

Key words: B-cell lymphoma, CD19, cimeric antigene receptor CAR-T-cells, transduction



Miriam Sonnet, Rheinstetten
CAR-T-Zell-Therapie zur Behandlung von akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie und diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom

Seit August 2018 ist Tisagenlecleucel, eine chimärische Antigenrezeptor-T-Zell-Therapie (CAR-T), zur Behandlung von jungen Patienten mit rezidivierter/refraktärer akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (r/r B-Zell-ALL) und zur Therapie von Erwachsenen mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom zugelassen. In klinischen Studien wurde gezeigt, dass die CAR-T-Zell-Therapie dauerhafte Remissionen in beiden Patientengruppen erreicht.

Arzneimitteltherapie 2019;37:64–8.

Tisagenlecleucel

In August 2018, tisagenlecleucel was approved for the treatment of young patients with relapsed/refractory B-cell acute lymphoblastic leukemia and adult patients with diffuse large B-cell lymphoma (DLCBL). Tisagenlecleucel is a chimeric antigen receptor (CAR) T-cell immunotherapy. Clinical studies demonstrated that patients treated with CAR-T achieved durable remission in both B-cell ALL and DLBCL.

Key words: Tisagenlecleucel, CAR-T, immunotherapy, ALL, DLBCL, Kymriah



Andreas Neubauer, Marburg
Aus Expertensicht

CAR T-cell therapy is a completely new type of immunotherapy. The clinical data are impressive, especially in diffuse large B-cell lymphoma, where even treatment-refractory patients will get a 45 to 50% chance of long-term remission with this treatment. The treatment is toxic. Therefore, it may only be performed in specialized centers.

Key words: axicabtagene ciloleucel; CAR T-cell therapy; diffuse large B-cell lymphoma; tisagenlecleucel



Klinische Studie
Beatrice Hamberger, Berlin
Was inhalieren bei akuten Exazerbationen?

 Mit einem Kommentar von Dr. Christoph Ruwwe-Glösenkamp, Berlin

Kurz wirksame Beta2-Sympathomimetika gehören zur Standardtherapie bei akuten Exazerbationen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Ob Patienten von der Hinzugabe von kurz wirksamen Anticholinergika profitieren, ist bislang unklar. Nun haben Forscher die alleinige Gabe von Terbutalin mit einer Kombination von Terbutalin und Ipratropiumbromid verglichen. Demnach macht das zusätzliche Medikament keinen Unterschied.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Miriam Neuenfeldt, Stralsund
Elotuzumab plus Pomalidomid und Dexamethason in der Therapie des multiplen Myeloms

Trotz Therapie mit immunmodulatorischen Wirkstoffen und Proteasom-Inhibitoren sind Rezidive und fehlendes Ansprechen häufige Komplikationen des multiplen Myeloms. Therapien mit Kombinationen von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen haben die Prognose dieser Patienten verbessert. Mögliche synergistische klinische Effekte der Kombination von Elotuzumab und Pomalidomid bei Patienten mit rezidiviertem und refraktärem multiplen Myelom wurden in der ELOQUENT-3-Studie untersucht.



Solvejg Langer, Stuttgart
Dupilumab für eine bessere Asthma-Therapie

Der gegen den Interleukin-4-Rezeptor gerichtete Antikörper Dupilumab könnte neben der atopischen Dermatitis auch eine Therapieoption bei unkontrolliertem Asthma bronchiale sein. Der Antikörper zeigte einen positiven Einfluss auf die Exazerbationsrate, das forcierte exspiratorische Volumen und die benötigte orale Glucocortocoid-Dosis. In einer Studie konnte zudem eine verbesserte Lebensqualität für die Patienten gezeigt werden.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Dr. Claudia Borchard-Tuch, Ratingen
Niedrige Exazerbationsrate bei Dreifachtherapie

 Mit einem Kommentar von Dr. Christoph Ruwwe-Glösenkamp, Berlin

Bei Patienten mit schwerer COPD ist eine Dreifachtherapie mit Glucocorticoid, Anticholinergikum und Beta-2-Agonist sowohl einer Anticholinergikum-Monotherapie als auch einer Zweifachtherapie mit Anticholinergikum/Beta-2-Agonist bzw. Glucocorticoid/Beta-2-Agonist überlegen. Das Risiko für eine Lungenentzündung ist jedoch unter der Dreifachtherapie höher.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Antibiotikaprophylaxe: Weniger Exazerbationen, mehr Resistenzen

Der vorliegende Cochrane-Review belegt den Nutzen einer Antibiotikaprophylaxe für COPD-Patienten, warnt aber auch vor Nebenwirkungen und Resistenzbildungen.



Dr. Matthias Desch, Kogl
VX-659 und VX-445 könnten Therapie der Mukoviszidose verbessern

Viele Patienten mit Mukoviszidose konnten in den letzten Jahren von CFTR-Modulatoren profitieren. Für Patienten mit einer „Minimal-Function“-Mutation ist jedoch noch keine Therapie mit CFTR-Modulatoren verfügbar. In zwei kleinen Phase-II-Studien konnten nun erste vielversprechende Ergebnisse für dieses Patientenkollektiv gefunden werden. Zudem scheinen Patienten mit einer homozygoten Phe508del-Mutation zusätzlich von den neuen Substanzen zu profitieren. Für eine endgültige Bewertung sind jedoch weitere Studien notwendig.



Dr. med. Claudia Borchard-Tuch, Ratingen
Empagliflozin: Add-on-Therapie zu Insulin

Eine begleitende Therapie mit dem SGLT-2-Inhibitor Empagliflozin senkt nach den beiden Studien des EASE-Programms das Hypoglykämie-Risiko und verbessert die Blutzuckerkontrolle. Demgegenüber steht das erhöhte Risiko für Ketoazidosen.



Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Pantoprazol senkt die Mortalität nicht

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Kritisch kranken Patienten auf der Intensivstation wird häufig zur Prophylaxe eines Stressulkus ein Protonenpumpeninhibitor (PPI) gegeben. Dieses Vorgehen wird zwar in zahlreichen Leitlinien empfohlen, doch gibt es keine guten randomisierten klinischen Studien, die diese Therapie auch belegen. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass durch die Gabe von PPI zwar die Rate gastrointestinaler Blutungen auf Intensivstationen gesenkt werden kann, die Mortalität der Patienten sich jedoch nicht signifikant ändert.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Antipsychotika insgesamt ohne Effekt

Haloperidol und Ziprasidon haben bei beatmeten Intensivpatienten mit hypo- und hyperaktivem Delir keine Effekte auf die Dauer von Delir und Krankenhausaufenthalt. Das ist das Ergebnis einer randomisierten Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie. Möglicherweise spielen bei der Mehrzahl dieser Patienten zentralnervöse Dysbalancen außerhalb des Dopamin-Stoffwechsels eine zentrale Rolle bei der Delir-Symptomatik.



Dr. Maren Mundt, Duingen
Erhaltungstherapie mit Olaparib verringert Progressionsrisiko

Die meisten Frauen mit einem im fortgeschrittenen Zustand diagnostizierten Ovarial- oder Tubenkarzinom haben nach einer Standardtherapie innerhalb von drei Jahren ein Rezidiv. Effektive Erhaltungstherapien könnten das verzögern oder verhindern. Eine Phase-III-Studie mit dem PARP-Inhibitor Olaparib hat nun gezeigt, dass Patientinnen mit BRCA1- und oder BRCA2-Mutationen unter Olaparib im Zeitraum von median 41 Monaten ein um 70 % geringeres Risiko für Progression oder Tod haben, als die Placebo-Gruppe.



Referiert & Kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Trastuzumab Emtansin bei Brustkrebs mit Resterkrankung nach neoadjuvanter Behandlung

Trastuzumab Emtansin könnte nach den Ergebnissen der offenen Phase-III-Studie KATHERINE ein neuer Therapiestandard in der adjuvanten Behandlung von Frauen mit Resterkrankung nach neoadjuvanter Therapie eines HER2-positiven Mammakarzinoms werden. Es verlängerte im Vergleich zu Trastuzumab das invasive krankheitsfreie Überleben (IDFS) signifikant mit einem Hazard-Ratio von 0,5 (p < 0,0001). Die Studie wurde im Dezember 2018 auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Zwei Studien empfehlen Luspatercept

Zwei separate Phase-III-Studien zeigen, dass Luspatercept gut verträglich ist und effektiv die Notwendigkeit für Bluttransfusionen senken kann. In die beiden Studien waren Patienten mit Beta-Thalassämie und myelodysplastischen Syndromen eingeschlossen worden. Die Studien wurden während des 60. Kongresses der amerikanischen Hämatologen (ASH) im Dezember 2018 vorgestellt.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Pharmakotherapie: Ansatz am zentralen Nervensystem

Bringt eine Basistherapie bei Adipositas keinen Erfolg, kann zusätzlich eine Pharmakotherapie zum Einsatz kommen, unter anderem mit Naltrexon/Bupropion. Auf einem von Cheplapharm veranstalteten Industriesymposium am Rande der Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft wurden Daten vorgestellt, welche die Wichtigkeit der medikamentösen Therapie unterstreichen. Außerdem wurde diskutiert, inwiefern es sich bei einer Adipositas um eine Suchterkrankung handelt.