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37. Jahrgang Heft 5 Mai 2019

Editorial
Dr. med. Daniel Gärtner, Karlsruhe
Von der Schwierigkeit der medikamentösen Adipositastherapie


Übersicht
Clemens Unger, Freiburg

In der westlichen Welt ist das Prostatakarzinom innerhalb der männlichen Bevölkerung die häufigste Krebserkrankung. Über Jahrzehnte galt die medikamentöse oder chirurgische Hormonentzugstherapie (ADT) als Therapiestandard für das fortgeschrittene oder metastasierte Prostatakarzinom. Ungeachtet des Therapieerfolgs bei bis zu 90 % der Patienten kommt es im Mittel nach zwei bis drei Jahren zu einer Tumorprogression trotz Testosteronabsenkung in den Kastrationsbereich unter der laufenden Therapie. Der Grund liegt in einer Mutation und Amplifikation am Androgen-Rezeptor. Weiterhin kommt es in der Tumorzelle zu einer intrinsischen Androgen-Synthese, die dann über alternative Signalwege eine Tumorproliferation und Progression induzieren kann. Diese Situation entspricht einer Kastrationsresistenz, das heißt, eine laufende antiandrogene Therapie ist nicht mehr wirksam. Im Folgenden werden aktuelle Therapiestrategien sowohl für das kastrationssensitive als auch für das kastrationsrefraktäre Prostatakarzinom besprochen.

Arzneimitteltherapie 2019;37:154–8.

Treatment of disseminated prostate cancer

Previous untreated castration-sensitive prostate cancer is dependent upon androgen for its continued growth. This is the basis for androgen deprivation therapy (ADT) as an important component of the initial systemic therapy. For patients with high risk disseminated prostate cancer ADT should be combined with either docetaxel or abiraterone rather than using ADT alone. This combination significantly prolongs overall survival compared with ADT alone. However, these two approaches have not been directly compared and the choice of regimen should be discussed with the patient about the potential toxicities. Castration-resistant prostate cancer is defined by occurrence of disease progression despite a castration level of testosterone and continuous ADT-treatment. Potential treatment options include abiraterone, enzalutamide as tablets as well as docetaxel and cabazitaxel as chemotherapeutic drugs for intravenous application. A new promising experimental ligand 177-Lu-PSMA therapy was investigated in metastatic castration resistant patients. Results look very promising, further studies in different countries have been initiated.

Key words: disseminated prostate cancer, androgen deprivation therapy, 177-Lu-PSMA, abiraterone, enzalutamide, docetaxel, cabazitaxel



Marcus May, Stefan Engeli, Hannover
Stellenwert der medikamentösen Therapie

Gewichtsreduktion durch Arzneimittel zu erzielen, scheint verlockend zu sein. Im folgenden Beitrag werden die derzeit in Deutschland zugelassenen gewichtsreduzierenden Arzneimittel vorgestellt. Es wird aufgezeigt, dass die derzeitigen Therapieoptionen unbefriedigend sind – sowohl aus Gründen der Effektivität, aber auch aus Gründen der Arzneimittelsicherheit. Außerdem müssen Patienten in Deutschland die Kosten für gewichtsreduzierende Arzneimittel bisher selbst tragen – sie sind als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel nicht erstattungsfähig. Daher ist der deutsche Markt nur von begrenztem Interesse, sodass möglicherweise zukünftige bessere Alternativen gar nicht bei uns erhältlich sein werden.

Arzneimitteltherapie 2019;37:161–8.

On the role of weight reducing drugs

Between lifestyle changes and weight reducing surgery is a gap for the treatment of obese patients aiming at losing weight. Weight loss drugs could possibly close this gap, but the history of this class of drugs is somewhat frustrating, partly because of lack of efficacy, but more so because of drug safety concerns. Five weight loss drugs are currently well investigated in clinical trials and available in a regional varying manner: orlistat, liraglutide, fix dose combination of naltrexone + bupropion, lorcaserine (not approved in Europe), and fix dose combination of phentermine + topiramate (not approved in Europe). When balancing efficacy and safety, the drug of choice in Germany at present appears to be liraglutide. However, due to German health insurance regulation, most of the patients would have to pay for any weight loss drug prescription by themselves, thus the number of treated patients is inadequately small, and long-term treatment often not feasible.

Key words: obesity, weight reduction, orlistat, liraglutide, bupropion, naltrexone



Klinische Studie
Dr. Sabine Fischer, Stuttgart
Sicherheit und Wirksamkeit von Exenatid bei stationären Allgemeinmedizin- und Chirurgiepatienten

Das Management von insulinpflichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes auf Station kann sehr aufwendig sein. In einer aktuellen Studie wurde untersucht, ob stationäre Patienten unter Exenatid allein oder in Kombination mit Insulin ebenfalls gut versorgt sind.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Maximilian Günther, Bonn
Darolutamid als neue Therapieoption

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Clemens Unger, Freiburg

Darolutamid könnte das Wirkstoffportfolio für die Therapie des nichtmetastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms erweitern. In der vorliegenden randomisierten Placebo-kontrollierten Studie zeigte der Wirkstoff bei ähnlich guter Wirksamkeit eine bessere Verträglichkeit im Vergleich zu den Zulassungsstudien der anderen Klassenvertreter.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Pridopidin ist in der symptomatischen Behandlung nicht wirksam

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Dosisfindungsstudie bei 408 Patienten mit Chorea Huntington hatte eine symptomatische Behandlung mit dem Dopamin-Stabilisierer Pridopidin keine bessere Wirkung als Placebo.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabinoiden zur Behandlung der Spastik bei Patienten mit Motoneuronen-Erkrankungen

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer Proof-of-Concept-Studie hatten Cannabinoide bei Patienten mit Motoneuronen-Erkrankungen eine geringe therapeutische Wirkung auf die Spastik.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Hämatopoetische Stammzelltransplantation zur Behandlung der aggressiven multiplen Sklerose

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer kleinen randomisierten Studie bei Patienten mit aggressiver multipler Sklerose (MS) war eine nicht-myeloablative hämatopoetische Stammzelltherapie einer medikamentösen Therapie überlegen.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Übergang in eine sekundärprogrediente MS: Einfluss der initialen Therapie

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer prospektiven Kohortenstudie an 68 neurologischen Zentren in 21 Ländern zeigte sich, dass eine aggressive initiale Therapie der multiplen Sklerose (MS) mit Fingolimod, Alemtuzumab oder Natalizumab mit einem geringeren Risiko eines Übergangs in eine sekundärprogrediente MS einhergeht als eine Behandlung mit Glatirameracetat oder Interferon beta.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Ist Levodopa neuroprotektiv?

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie bei 455 Patienten mit beginnendem Parkinson-Syndrom zeigte ein früherer therapeutischer Einsatz von Levodopa keinen krankheitsmodulierenden Effekt.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Kein klarer Nutzen für kurzwirksame Insulinanaloga

Im vorliegenden Cochrane-Review bleibt der klinische Nutzen kurzwirksamer Insulinanaloga bei Typ-2-Diabetikern weiterhin unklar. Die Autoren kritisieren, dass bisher keine Langzeiteffekte untersucht wurden.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Neue Therapieoption auch für Diabetes-Patienten

PCSK-9-Inhibitoren senken LDL-Cholesterin auch bei Diabetes-Patienten wirksam und sicher. Negative Auswirkungen der lipidsenkenden Therapie auf die Blutzuckerkontrolle wurden nicht beobachtet.



Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Art der Glucosekontrolle hat keine Auswirkungen auf kardiovaskuläre Komplikationen

Die Morbidität und Mortalität von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 wird entscheidend durch kardiovaskuläre Komplikationen bestimmt. In den letzten 20 Jahren konnte in zahlreichen großen klinischen Studien und Metaanalysen gezeigt werden, dass eine intensive Glucosekontrolle beim Typ-2-Diabetes die Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen und die Rate mikrovaskulärer Komplikationen senkt. Ob dies genauso für Patienten mit bereits vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung gilt, wird jedoch nach wie vor diskutiert.



Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
SGLT2-Inhibitoren schützen die Nieren

Bei Typ-2-Diabetes-Patienten sind die Nieren besonders gefährdete Organe. SGLT2-(Sodium dependent glucose transporter-2-)Inhibitoren verlangsamen den Abfall der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und das Fortschreiten einer Mikroalbuminurie. Weitere renale Endpunkte verbessern sich ebenfalls unter der Therapie, während das Risiko für genitale Infektionen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes steigt. Dies hat eine aktuelle Metaanalyse bestätigt.



Dr. Sabine Fischer, Stuttgart
Metformin versus Insulin: Langzeiteffekte auf Wachstum und Entwicklung der Kinder

Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist eine weitverbreitete Schwangerschaftskomplikation. Es wird geschätzt, dass weltweit eine von sieben Geburten von Schwangerschaftsdiabetes betroffen ist. Viele Frauen sind in der Lage, ihre Blutzuckerwerte durch eine angepasste Ernährung zu kontrollieren, manche benötigen darüber hinaus eine medikamentöse Behandlung. In randomisierten Studien konnte gezeigt werden, dass Metformin eine effektive Alternative zu Insulin sein kann. Allerdings fehlen bislang ausreichende Langzeitdaten zur Sicherheit von Metformin bei Einnahme während der Schwangerschaft. Die vorliegende retrospektive Kohortenstudie untersuchte die Langzeiteffekte von Metformin versus Insulin bei Einnahme während der Schwangerschaft zur Behandlung des GDM. Untersucht wurden das Wachstum der Kinder sowie verschiedene Parameter bezüglich der Entwicklung.



Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Keine Sicherheitsbedenken für den DPP-4-Hemmer Linagliptin

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die den DPP-4-Inhibitor Linagliptin erhalten, haben kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Das hat die randomisierte Studie CARMELINA gezeigt, in der Linagliptin für die Dauer von 2,2 Jahren bei Typ-2-Diabetes-Patienten mit einem erhöhten Risiko für Herz- und/oder Nierenerkrankungen mit Placebo verglichen wurde. Eine weitere Datenauswertung zeigt, dass Linagliptin bei Patienten mit einem hohen Risiko einer Herzinsuffizienz und ihren Komplikationen auch das Risiko für eine Hospitalisierung aufgrund der Herzinsuffizienz nicht steigert.



Simone Reisdorf, Erfurt
Analyse nach alternativem Statistikmodell zeigt deutlichen Vorteil für Alirocumab

Eine präspezifizierte Auswertung der Daten von ODYSSEY OUTCOMES nach dem sogenannten Frailty-Modell zeigt: Auch bei Berücksichtigung aller Ereignisse (und nicht nur der Erstereignisse) ist der Vorteil für die Zusatzbehandlung mit Alirocumab versus Placebo deutlich. Er ist sogar noch ausgeprägter als in der primären Analyse. Die aktuelle Studie wurde jetzt im Journal of the American College of Cardiology (JACC) publiziert.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Maja M. Christ, Stuttgart
Atezolizumab plus Bevacizumab: Kombinationstherapie für die Erstlinie

Im März 2019 erhielt der Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab eine Zulassungserweiterung für eine Kombinationstherapie in der Erstlinienbehandlung des NSCLC. Studienergebnisse und Fallbeispiele behandelter Patienten wurden vorab auf einem von der Firma Roche unterstützten Pressegespräch in Frankfurt vorgestellt.



Dr. Maren Mundt, Duingen
Apalutamid verlängert die Zeit bis zur Metastasierung

Für Patienten mit einem nicht metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (M0CRPC) gab es lange keine von der FDA oder der EMA zugelassene krankheitsmodifizierende Therapie. Das hat sich infolge der Zulassung von Antiandrogenen verändert. Mit dem Wirkstoff Apalutamid gibt es nun eine neue Therapieoption für Patienten mit M0CRPC. Die Ergebnisse der Zulassungsstudie wurden in einer von Janssen-Cilag veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.



Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Therapieplanung über den Progress hinaus

Für die Therapie des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) wurden zahlreiche neue Medikamente entwickelt. Trotzdem bleibt die Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium auch durch diese Arzneistoffe unheilbar. Wenn es schließlich zum Progress kommt, stellt sich die Frage nach noch verfügbaren Optionen. Mögliche Antworten wurden im März 2019 im Rahmen des Pneumologenkongresses auf einem von Boehringer Ingelheim veranstalteten Symposium gegeben.