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36. Jahrgang Heft 7/8 Juli/August 2018

Editorial
Dr. med. Magnus Diller, Bad Nauheim
Durchbruch bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA)?


Übersicht
Corinna Trebst, Hannover
Klinik und Therapie

Neuromyelitis-optica-Spektrumerkrankungen (NMOSD) sind seltene autoimmune Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Mit Nachweis des pathogenen Autoantikörpers gegen Aquaporin-4 (AQP4) konnte das Spektrum der Erkrankungen besser charakterisiert und die Erkrankung gegenüber der multiplen Sklerose (MS) abgegrenzt werden. Die NMOSD führt häufig und rasch zu schweren körperlichen Behinderungen. Bei diesen schubförmig verlaufenden Erkrankungen baut sich die langfristige Behinderung durch schlecht remittierende Schübe auf. Die Diagnose der NMOSD wird auf der Grundlage der Kriterien aus 2015 gestellt. Der Nachweis von Anti-AQP4-Antikörpern im Serum ist dabei von großer Bedeutung. Bei der Therapie unterscheidet man die Schubtherapie von der langfristigen Immuntherapie. Für die Schubtherapie stehen Arzneimittel wie hochdosierte Glucocorticoide und Verfahren wie Plasmapherese oder Immunadsorption zur Verfügung. Für die Immuntherapie werden sowohl B-Zell-depletierende als auch immunsuppressive Strategien eingesetzt. Neuere Ansätze beinhalten die Inhibition des Interleukin-6-Rezeptors und des Komplementsystems.

Arzneimitteltherapie 2018;36:237–46.

Clinical presentation and therapeutic strategies in neuromyelitis optica spectrum disorder

Neuromyelitis optica spectrum disorders (NMOSD) are rare autoimmune diseases affecting the central nervous system. In a high majority of NMOSD patients the pathogenic autoantibody targeting the water channel aquaporin-4 (AQP4) is found. Characterization of AQP4-patients lead to a better understanding of the disease spectrum. NMOSD take a relapsing course and disability accumulates from incomplete remission of attacks. Diagnosis of NMOSD is based on the 2015 diagnostic criteria. Detection of serum aquaporin-4 antibodies is of particular importance. Therapeutic strategies are implemented for the treatment of the acute attack and long term immunotherapy. Acute attacks are treated by high-dose glucocorticoids or apheresis therapies. Long-term treatment is immunosuppressive, e. g. with azathioprine, or by B-cell depleting strategies, e. g. with rituximab. Further strategies target the IL-6 receptor and complement inhibition.

Advances in NMOSD in terms of understanding of clinical presentation and therapeutic interventions have been immense within the last decade. Nevertheless there are still open questions. Follow-up of prospective cohorts, therapeutic trials ideally in a prospective randomized placebo-controlled setting and also head-to head comparison of already available treatments will help to pave the way for a better understanding and therapy of NMOSD.

Key words: neuromyelitis optica spectrum disorder, NMOSD, autoantibodiy to aquaporin-4 channel, glucocorticoids, apheresis therapies, B-cell depletion, immunosuppression



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Rieke Alten, Berlin
Aus Expertensicht

Baricitinib zeigte sich in allen klinischen Studien gegenüber Placebo, Methotrexat (MTX) und Adalimumab überlegen. Verglichen mit Placebo und MTX war durchgehend ein besseres Ansprechen sowohl im klinischen Outcome als auch in der radiographischen Progression zu beobachten. Weiterhin konnte auch in den Patient Reported Outcomes (PROs) die Überlegenheit gegenüber den Vergleichstherapien gezeigt werden. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Vorteil von Baricitinib ist die einfache, einmal tägliche, orale Applikation. Studien zur Langzeitwirksamkeit und langfristige Sicherheitsdaten werden erwartet. Sollten diese das aktuell angenommene Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil des Wirkstoffs bestätigen, könnte Baricitinib eine weitere wertvolle Therapieoption zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis werden.

Arzneimitteltherapie 2018;36:248–53.

Janus kinase inhibitors in rheumatology: baricitinib

In all clinical trials, baricitinib was superior to placebo, MTX and adalimumab. In comparison to placebo and MTX, baricitinib showed not only better clinical outcome, but also less radiographic progression. In the Patient Reported Outcomes (PROs) domains superiority was shown to the comparators. Additionally, another advantage is the once daily only formula. Long-term data for efficacy and safety will be seen soon; if they confirm the current results, baricitinib will be another valuable option for the treatment of rheumatoid arthritis.

Key words: janus kinase inhibitor, baricitinib, rheumatology, rheumatoid arthritis



Klinische Studie
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Siponimod wirksamer als Placebo: Ergebnisse einer doppelblinden randomisierten Phase-III-Studie

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer großen Placebo-kontrollierten Studie bei Patienten mit sekundär progredienter multipler Sklerose hatte Siponimod einen signifikanten Einfluss auf die Krankheitsprogression im Vergleich zu Placebo. Der absolute Therapieerfolg war allerdings gering.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Elamipretid verbessert die Gangfunktion

 Mit einem Kommentar des Autors

Patienten mit mitochondrialer Myopathie könnten von Elamipretid profitieren. In einer kleinen Dosisfindungsstudie verbesserte die Substanz die Gangfunktion gegenüber Placebo.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Glucocorticoide bei akuter Optikusneuritis: oral oder intravenös?

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer kleinen randomisierten Studie mit 55 Patienten mit Retrobulbärneuritis war eine orale Therapie mit 1250 mg Prednison genauso wirksam wie die intravenöse Gabe von 1000 mg Methylprednisolon.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Im Spätstadium ist Riluzol am wirksamsten

 Mit einem Kommentar des Autors

Bisher ist der Gluamatantagonist Riluzol der einzig bekannte Wirkstoff, der die Überlebenszeit von Patienten mit amyotropher Lateralsklerose verlängern kann. Eine Post-hoc-Auswertung der Dosisfindungsstudien ergab, dass der Arzneistoff im Spätstadium der ALS am wirksamsten ist.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Mit dem ersten Antiepileptikum erreichen zwei Drittel der Patienten Anfallsfreiheit

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer englischen Kohortenstudie, in der 1795 Patienten mit neu diagnostizierter Epilepsie über einen 30-Jahreszeitraum erfasst wurden, zeigte sich, dass neue Antiepileptika nicht wirksamer sind als ältere Präparate. 64 % der Patienten wurden durch die Therapie anfallsfrei und davon 90 % mit dem ersten oder zweiten eingesetzten Antiepiletikum.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Verubecestat nicht besser als Placebo

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer großen randomisierten Phase-III-Studie war der BACE-1-Hemmer Verubecestat bei Patienten mit beginnender Alzheimer-Erkrankung einer Behandlung mit Placebo nicht überlegen.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Pimavanserin, einem selektiven 5-HT2A-Rezeptorantagonisten und inversen Agonisten

 Mit einem Kommentar des Autors

Pimavanserin verbesserte nach sechs Wochen signifikant psychotische Symptome, die im Rahmen einer Alzheimer-Erkrankung auftreten. Dieser Unterschied war nach zwölf Wochen nicht mehr nachweisbar. Das ergab eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-II-Studie mit 181  Alzheimer-Patienten, die unter Psychosen litten.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Tenecteplase ist vor einer Thrombektomie Alteplase überlegen

 Mit einem Kommentar des Autors

Bei Schlaganfall-Patienten, für die eine Thrombektomie vorgesehen ist, ist Tenecteplase als thrombolytische Therapie wirksamer als Alteplase. Prozentual erreichten signifikant mehr Patienten eine Reperfusion des verschlossenen Gefäßes von über 50 % des Areals oder eine Thrombolyse des Thrombus. Das ergab die EXTEND-IA-TNK-Studie.



Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Klinischer oder ambulanter Blutdruck: Welcher Wert sagt Mortalität besser voraus?

Ein ambulant und über 24 Stunden aufgezeichneter Blutdruck ist offensichtlich genauer als die klinische Messung. Allerdings ist die Studienlage zur Vorhersehbarkeit der Mortalität mittels der beiden Methoden eher dürftig. Die Autoren einer neuen Kohortenstudie untersuchten jetzt die Daten von 63 910 Personen, bei denen der Blutdruck klinisch und über einen Zeitraum von 24 Stunden ambulant gemessen wurde. Ziel war es, den stärksten Prädiktor für die Gesamtmortalität sowie für die kardiovaskuläre Sterblichkeit zu bestimmen.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Antiandrogen Apalutamid verlängert Metastasen-freies Überleben

Eine Therapie mit dem Antiandrogen Apalutamid verlängerte bei Patienten, die an einem kastrationsresistenten, aber noch Metastasen-freien Prostatakarzinom erkrankt waren, das Überleben ohne Metastasenbildung deutlich länger als eine Placebo-Behandlung. So konnte durch die Einnahme von Apalutamid das Risiko von Metastasen oder Tod um rund 70 % verringert werden. Das ergab die SPARTAN-Studie.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Vergleich von Opioiden und Nicht-Opioiden bei Patienten mit chronischen Schmerzen

 Mit einem Kommentar des Autors

In der Schmerztherapie von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen oder Schmerzen durch eine Arthrose der Hüft- und Kniegelenke sind in der Langzeittherapie Opioide nicht wirksamer als Nicht-Opioide. Das ergaben die Ergebnisse der SPACE-Studie.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Können Dosissteigerungen Asthma-Exazerbationen verhindern?

Bei jugendlichen und erwachsenen Asthmatikern konnte mit einer Dosiserhöhung der inhalativen Glucocorticoide um das Vierfache die Anzahl von Exazerbationen leicht reduziert werden, wenn die hohe Dosis beim ersten Anzeichen eines drohenden Anfalls eingesetzt wurde.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Hoffnungsträger Secukinumab

Der Stellenwert des IL-17A-Inhibitors Secukinumab bei Morbus Bechterew war das zentrale Thema eines Novartis-Pressegesprächs in Düsseldorf.



Dr. Claudia Bruhn, Berlin
Erstes Trastuzumab-Biosimilar in Deutschland auf dem Markt

Seit der Zulassung des ersten Biosimilars in Europa, einem Somatropin-Präparat der Firma Sandoz (Omnitrope®) im Jahre 2006, entwickelt sich der Markt für die Nachfolgepräparate biologischer Arzneimittel stetig. Monoklonale Antikörper als besonders komplexe Biosimilars sind seit 2015 verfügbar. Am 2. Mai 2018 erfolgte in Europa die Markteinführung des Trastuzumab-Biosimilars Herzuma® der südkoreanischen Pharmafirma Celltrion.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Lebensqualität und Prognose von Patienten mit schweren Krankheiten verbessern

Auf einem Symposium im Rahmen des ADKA-Kongresses, der im Mai 2018 in Stuttgart stattfand, stellten die Referenten drei Antikörper vor, die die Firma Roche in den vergangenen Monaten zur Zulassung gebracht hatte: Atezolizumab zur Behandlung des fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms oder Urothelkarzinoms, Ocrelizumab bei schubförmiger oder primär progredienter multipler Sklerose und Emicizumab für Patienten mit Hämophilie A und Hemmkörpern gegen Faktor VIII.



Ralf Schlenger, München
Neuer Totimpfstoff mit Wirksamkeit über alle Altersgruppen zugelassen

Herpes zoster (HZ) wird durch die Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, mit dem mehr als 99 % der über 50-Jährigen latent infiziert sind. Mit Abnahme der Immunabwehrkräfte mit dem Alter steigt das Risiko für eine oft schmerzhafte Gürtelrose deutlich an. Ein rekombinanter, adjuvantierter Totimpfstoff (Shingrix®) konnte in den Zulassungsstudien eine HZ-Erkrankung in den untersuchten Altergruppen wirksam verhindern. Als Kehrseite der hohen Wirksamkeit ist unter anderem mit stärkeren Lokalreaktionen zu rechnen.