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36. Jahrgang Heft 10 Oktober 2018

Editorial
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Eine Revolution in der Migräneprophylaxe?


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg
Highlights vom ASCO-Kongress


Übersicht
Matthias Raspe und Nikolaj Frost, Berlin
Behandlung des Lungenkarzinoms mit Treibermutationen

Die aktuelle (Erstlinien-)Therapie des nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms fußt derzeit auf drei Säulen. Neben der weiterhin indizierten klassischen platinbasierten Chemotherapie können Patienten mit einer PD-L1-Expression von mindestens 50 % der Tumorzellen primär mittels Immuntherapie behandelt werden. Schließlich kommt für 15 bis 20 % der Patienten mit Adenokarzinomhistologie bei Nachweis entsprechender Treibermutationen eine zielgerichtete Behandlung infrage. In diesem Übersichtsartikel werden die derzeit verfügbaren Optionen für molekulare Alterationen des EGFR- und BRAF-Gens sowie Translokationen von ALK und ROS1 vorgestellt. Neben der Darstellung der Zulassungsstudien wird die Handhabung in der klinischen Routine besprochen und ein kurzes Schlaglicht auf zu erwartende Nebenwirkungen geworfen.

Arzneimitteltherapie 2018;36:330–7.

Update thorax oncology 2018 – therapy of lung carcinoma with driver mutations

Lung cancer is the leading cause of cancer-related death worldwide. 15–20 % of patients with the histology of adenocarcinoma can be treated with targeted therapies in the presence of specific molecular alterations, thereby enabling a long-term survival. The alterations include activating mutations of the receptor for the epidermal growth factor (EGFR) and the BRAF gene as well as rearrangements of ALK and ROS1. The current therapeutic landscape will be presented in this review article. Furthermore, implications for the clinical routine and potential adverse events will be discussed.

Key words: ALK; BRAF; driving mutations; EGFR; lung cancer



Neue Arzneimittel in der Diskussion
My-Hanh Nguyen, Berlin
Neuer PARP-Inhibitor in der Erhaltungstherapie zur Behandlung von Platin-sensitivem rezidivierendem Ovarialkarzinom

Basierend auf den Daten der Studie ENGOT-OV16/NOVA erhielt Niraparib die EU-Zulassung zur Behandlung von erwachsenen Patientinnen mit Platin-sensitivem rezidivierendem Ovarialkarzinom. In Europa ist Niraparib somit der erste einmal täglich oral einzunehmende PARP-1/2-Inhibitor, der für Patienten unabhängig von ihrem BRCA-Mutationsstatus zugelassen ist. Klinische Studien haben ergeben, dass die Behandlung mit Niraparib bei Patientinnen mit Keimbahn BRCA-Mutationen das Risiko von Krankheitsprogression oder Tod um 73 % und bei Patientinnen ohne Keimbahn BRCA-Mutationen um 55 % gesenkt hat.

Arzneimitteltherapie 2018;36:340–5.

Niraparib: A new PARP-inhibitor for maintenance treatment of platinum-sensitive relapsed ovarian cancer

In November of 2017 the European Commission (EC) granted marketing authorization for niraparib (ZEJULA® , Tesaro) as a monotherapy for the maintenance treatment of adult patients with platinum-sensitive relapsed high grade serous epithelial ovarian, fallopian tube, or primary peritoneal cancer who are in complete or partial response to platinum-based chemotherapy. Niraparib is the first once-daily oral PARP 1/2 inhibitor which was approved in Europe that does not require BRCA mutation or other biomarker testing. The approval was based on the outcome of the international, double-blind, placebo-controlled Phase 3 study ENGOT-OV16/NOVA. The Study enrolled 553 patients with recurrent ovarian cancer who were either in partial or complete response to their most recent platinum-based chemotherapy. The primary endpoint of the study was defined by progression free survival (PFS). The PFS was significantly increased in patients with or without germline BRCA mutations treated with niraparib compared to placebo. The risk of disease progression or death in patients with germline BRCA mutations was reduced by 73 % (hazard ratio (HR) 0.27) and in patients without germline BRCA mutations by 55 % (HR 0.45).

Key words: Niraparib, PARP 1/2 inhibitor, platinum-sensitive relapsed ovarian cancer



Nikolaus de Gregorio, Ulm
Aus Expertensicht


Klinische Studie
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Erstlinientherapie mit Pembrolizumab besser als Chemotherapie

Eine Erstlinien-Immuntherapie mit dem PD1-Inhibitor Pembrolizumab wirkt bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und PD-L1-Expression  1 % besser als eine Standard-Chemotherapie. Die Patienten lebten im Median vier bis acht Monate länger und erlitten weniger Nebenwirkungen. Dies ergab die offene Phase-III-Studie KEYNOTE 042, die bei der Plenarsitzung während des 2018 ASCO Annual Meeting am 3. Juni 2018 in Chicago vorgestellt wurde.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. Maren Mundt, Duingen
Etwa die Hälfte der Patienten spricht auf Cemiplimab an

UV-Strahlung führt zu einer hohen Mutationslast in der DNA der Haut und damit zu potenziell immunogenen Genprodukten. Das und die Häufung von Plattenepithelkarzinomen nach immunsuppressiven Therapien sind Argumente dafür, dass eine Immuntherapie bei dieser Form des Hautkrebs wirken könnte. In zwei Studien mit Cemiplimab, einem neuen PD-1-Antikörper, sprachen etwa 50 % der Patienten mit fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung auf die Therapie an.



Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Rekombinantes Poliovirus: neue Tumortherapie am Horizont?

PVSRIPO, ein genetisch verändertes Poliovirus, wird zurzeit für die Therapie von Glioblastomen getestet. In einer Dosiseskalationsstudie ermittelten die Autoren die Phase-II-Dosis sowie limitierende toxische Effekte. Außerdem wurden erste Daten zum Gesamtüberleben und zum progressionsfreien Überleben vorgestellt.



Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Eculizumab verbessert Gehfähigkeit, aber nicht signifikant

  Mit einem Kommentar des Autors

Die Behandlung mit Eculizumab, einem monoklonalen Antikörper gegen Komplementprotein C5, hatte bei Patienten mit akuter inflammatorischer demyelinisierender Polyneuritis (AIDP) im Vergleich zu Placebo keine signifikante Wirkung auf den primären Endpunkt. Nach vier Wochen konnten mit Eculizumab 61 % und mit Placebo 45 % der Patienten ohne fremde Hilfe gehen. Dies ergab eine kleine Phase-II-Studie in Japan mit 34 Patienten.



Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Subkutanes Ofatumumab verringert Zahl neuer Entmarkungsherde im MRT

  Mit einem Kommentar des Autors

Die subkutane Gabe von Ofatumumab alle zwölf Wochen verringert bei Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose (MS) die Zahl neu aufgetretener Entmarkungsherde in der Kernspintomographie (MRT). Die Therapieeffekte sind am ausgeprägtesten bei einer Dosierung von  30 mg Ofatumumab alle 12 Wochen. Dies ergab die Phase-IIb-Studie MIRROR (Ofatumumab subcutaneous administration in subjects with relapsing-remitting multiple sclerosis) mit 232 MS-Patienten.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Progressive multifokale Leukenzephalopathie durch Fingolimod sehr selten

  Mit einem Kommentar des Autors

Seit der Zulassung von Fingolimod zur Behandlung der multiplen Sklerose wurden bis August 2017 mehr als 217 000 Patienten weltweit in klinischen Studien und in der klinischen Praxis mit Fingolimod behandelt. In diesem Zeitraum wurden 15 Patienten mit einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) identifiziert. Dies entspricht einem Risiko von < 1 : 10 000, unter Fingolimod eine PML zu entwickeln.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Orale Antikoagulation nach Traumata bei Patienten mit Vorhofflimmern

  Mit einem Kommentar des Autors

Bei Patienten, die wegen Vorhofflimmern antikoaguliert werden, muss nach einem schwerwiegenden Trauma über eine weitere Antikoagulation entschieden werden. Nach Absetzen bestehen eine erhöhte Mortalität und ein erhöhtes Risiko für ischämische Insulte. Dem gegenüber steht ein geringeres Risiko, schwerwiegende Blutungskomplikationen zu erleiden.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Alteplase bei ischämischem Schlaganfall mit unbekanntem Beginn wirksam

  Mit einem Kommentar des Autors

Bei Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall mit unbekanntem Zeitfenster ist eine intravenöse Thrombolyse mit Alteplase (rt-PA) wirksam, wenn die Patienten nach Magnetresonanztomographie(MRT)-Kriterien ausgesucht werden. Voraussetzung ist der Nachweis einer Ischämie in den diffusionsgewichteten MRT-Bildern und Ausschluss einer parenchymalen Läsion. Die Thrombolyse geht mit einem erhöhten Risiko intrakranieller Blutungen einher.



Referiert & Kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie ohne Nutzen bei Peritonealkarzinose

Bei vielen Patienten mit metastasierten kolorektalen Karzinomen haben die Krebszellen bereits bei der Erstdiagnose in den Bauchraum und das die Bauchhöhle auskleidende Bauchfell gestreut. In vielen Ländern gehört es zum Therapiestandard, diese Patienten während der operativen Entfernung des Darmtumors mit einer erhitzten Chemotherapie im Peritoneum zu behandeln. In der ersten randomisierten Studie, die sich hiermit beschäftigte, konnte gezeigt werden, dass das für die Patienten aber keinen Benefit bringt. Sie wurde während des 54. Amerikanischen Krebskongresses (ASCO) in Chicago vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Genetische Abstimmung der Behandlung wirkt lebensverlängernd

Wenn die Therapie einer Krebserkrankung nicht nach der Krebsart und deren Lokalisation, wie bislang üblich, sondern nach den genetischen Veränderungen im Tumorgewebe ausgerichtet wird, führt das zu einer Lebensverlängerung bei verschiedenen Krebsarten. Das konnte in einer Studie gezeigt werden, die während der 54. Jahrestagung der amerikanischen Onkologen (ASCO) vorgestellt wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Nelarabin erhöht Überlebensrate bei Kindern

Wenn Nelarabin der Standardtherapie von Kindern mit T-ALL und T-LL hinzugefügt wird, erhöht sich die Vier-Jahres-Überlebensrate von 83 % auf fast 90 %. Das sind die höchsten Überlebensraten, die bei diesen Erkrankungen je dokumentiert wurden. Die Ergebnisse der COG-AALL0434-Studie wurden während des amerikanischen Krebskongresses (ASCO) präsentiert.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Adjuvante Chemotherapie oft entbehrlich

Wird mit Hilfe eines 21-Gen-Expressionstests bei Frauen mit frühem Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom ohne axilläre Lymphknoten ein mittlerer Recurrence-Score (RS) von 11–25 gefunden, kann auf eine adjuvante Chemotherapeutika verzichtet werden. Dies ergab die Phase-III-Studie TAILORx, die bei der Plenarsitzung während des 2018 ASCO Annual Meeting am 3. Juni 2018 in Chicago vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Kürzere Trastuzumab-Behandlung reicht aus

Die Entwicklung von Trastuzumab war ein großer Fortschritt für Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs, der die Heilungsraten deutlich erhöht hat. Aber die Behandlung ist nicht frei von Nebenwirkungen. Die kardiale Toxizität muss bei dieser Therapie immer im Auge behalten werden. Während des 54. Amerikanischen Krebskongresses (ASCO) wurde die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die darauf hindeuten, dass eine sechsmonatige Trastuzumab-Therapie ausreicht.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Nephrektomie teilweise entbehrlich

Eine Behandlung mit Sunitinib alleine war einer Nephrektomie gefolgt von Sunitinib bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom und intermediärem bis hohem Risiko in der Wirkung auf das Gesamtüberleben nicht unterlegen. Dies ergab die randomisierte Phase-III-Studie CARMENA, die bei der Plenarsitzung während des 2018 ASCO Annual Meeting am 3. Juni 2018 in Chicago vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Erhaltungstherapie führt zu längerem Überleben

Eine an die Chemotherapie anschließende Erhaltungstherapie verbessert die Überlebensrate von Kindern mit Rhabdomyosarkomen, die ein hohes Rückfall-Risiko haben. Das zeigten die Ergebnisse einer Studie, die während des 54. Jahreskongresses der amerikanischen Onkologen (ASCO) präsentiert wurde.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Starnberg
Auch bei Problempatienten ist Rivaroxaban wirksam und sicher

Neue Daten aus dem Versorgungsalltag belegen, dass der Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban in der „Real World“ das hält, was er in der ROCKET-AF- Zulassungsstudie versprochen hat, nämlich ein im Vergleich zu einem VKA günstigeres Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil. Dies gilt auch für Risikopatienten mit hohem Alter, chronischer Niereninsuffizienz oder einer Krebs-assoziierten Thrombose, so das Fazit eines von der Firma Bayer veranstalteten Presse-Workshops.