In memoriam Prof. Dr. Dr. Gerhard Thews


Ernst Mutschler, Paul Schölmerich, Hans C. Diener, Kurt Kochsiek, Susanne Heinzl

Im Alter von 76 Jahren ist Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Gerhard Thews, Mainz, am 16. Februar 2003 verstorben.

Gerhard Thews wurde am 22. Juli 1926 in Königsberg geboren. Nach dem Studium der Physik und Medizin habilitierte er sich 1959 in Kiel für das Fach Physiologie. 1963 nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Physiologie an der Universität Mainz an, den er bis zu seiner Emeritierung Ende 1994 trotz einer Reihe ehrenvoller Rufe an andere Einrichtungen inne hatte.

Als Forscher trat Professor Thews vor allem mit seinen grundlegenden Arbeiten über die Lungen- und Gewebsatmung sowie über den Sauerstofftransport und den Säure-Basen-Haushalt des Bluts hervor. Viele seiner Arbeiten zählen heute zu den international anerkannten „Klassikern“ auf diesen Gebieten. Seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen wurden unter anderem durch eine Reihe von Auszeichnungen, durch die Aufnahme als ordentliches Mitglied in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz im Jahr 1970 sowie durch die Aufnahme in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewürdigt. 1991 wurde Professor Thews mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Seine hohe didaktische Begabung und seine Begeisterung für die akademische Lehre fanden neben stets gut besuchten Vorlesungen auch ihren Niederschlag in mehreren, jedem Studenten der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie bekannten Lehrbüchern. Beispielhaft seien hier nur der „Schmidt/Thews“ (das zusammen mit R. F. Schmidt herausgegebene Lehrbuch „Physiologie des Menschen“) und der „Thews/Mutschler/Vaupel“ (Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen) erwähnt, die auch in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Über seine Lehr- und Forschungstätigkeit hinaus widmete sich Gerhard Thews zahlreichen Aufgaben in der akademischen Selbstverwaltung, bei Wissenschaftsorganisationen sowie bei Institutionen von Bund und Ländern. Von besonderer Bedeutung in seinem Leben war außerdem seine Tätigkeit für die Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz. So war er von 1985 bis 1993 Präsident dieser Akademie. 1986 wurde Thews zum Vorsitzenden des Präsidiums der Akademien der Wissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands setzte er sich mit großem Engagement für die Akademien und die medizinischen Fakultäten in den neuen Bundesländern ein.

Wie sehr es ihm bei seiner Tätigkeit um die Menschen, um die Patienten ging, geht nicht zuletzt daraus hervor, dass er Mitglied der Bioethik-Kommission der Landesregierung Rheinland-Pfalz und von 1980 bis 2003 Mitglied der Ethik-Kommission der Ärztekammer Rheinland-Pfalz war.

Professor Thews ist einer der drei Gründungs-Herausgeber der „Arzneimitteltherapie“, er hat unsere Zeitschrift seit ihrem ersten Erscheinen im Jahr 1983 fachlich begleitet. Der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft mbH war Professor Thews außerdem als Lehrbuch-Autor besonders verbunden. Darüber hinaus wirkte er im Herausgeber-Beirat der „Medizinischen Monatsschrift für Pharmazeuten“ und der Zeitschrift „Universitas“ mit.

Wir trauern um einen großen Wissenschaftler, um einen integren und liebenswerten Menschen, der nicht nur Kollege, sondern Freund und Vorbild war. Er wird uns fehlen, wir werden seinen Rat, seinen wissenschaftlichen klaren Blick, seine konstruktive Kritik, seine Menschlichkeit vermissen. Doch wir wollen versuchen, in seinem Sinn das von ihm begonnene Werk weiter zu führen. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner verehrten Gattin, Dr. Gisela Thews, sowie seiner ganzen Familie.

Arzneimitteltherapie 2003; 21(03)