Prävention

Auch alte Patienten profitieren von CSE-Hemmern


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Mit der PROSPER-Studie konnte nun gezeigt werden, dass auch Patienten über 70 Jahre aus kardiovaskulärer Sicht von einer CSE-Hemmer-Therapie mit Pravastatin (z. B. Pravasin®) profitieren. Schlaganfallrisiko und kognitive Leistungsfähigkeit konnten dabei nicht verbessert werden.

Zahlreiche große Studien haben gezeigt, dass CSE-Hemmer kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Morbidität und Letalität bei Menschen mittleren Alters günstig beeinflussen. Dagegen war die Wirksamkeit und auch die Sicherheit bei älteren Patienten (über 70 Jahre) bisher nicht ausreichend untersucht.

In der PROSPER-Studie (The prospective study of pravastatin in the elderly at risk) wurden 5 804 Personen (2 804 Männer und 3 000 Frauen) im Alter zwischen 70 und 82 Jahren und mit einem ausgeprägten Risikoprofil oder einer bereits klinisch manifesten Arteriosklerose randomisiert mit 40 mg Pravastatin oder Plazebo über durchschnittlich 3,2 Jahre behandelt. Der Ausgangs-Cholesterol-Wert lag zwischen 155 und 350 mg/dl.

Primärer Endpunkt war die Kombination von tödlichem und nicht-tödlichem Herzinfarkt und tödlichem und nicht-tödlichem Schlaganfall. Außerdem wurden kognitive Leistungsfähigkeit und Lebensqualität untersucht.

Durch Pravastatin konnte der LDL-Cholesterol-Wert um 34 % reduziert werden. Beim primären Endpunkt ergab sich eine relative Gesamt-Risikoreduktion von 15 % (p = 0,014). Die relative Risikoreduktion für tödlichen und nicht-tödlichen Herzinfarkt betrug 19 % (p = 0,006) und das relative Risiko eines tödlichen Herzinfarkts wurde sogar um 24 % gesenkt. Das Schlaganfallrisiko wurde aber nicht beeinflusst. Nur die Häufigkeit transienter ischämischer Attacken nahm um relativ 25 % (p = 0,051) ab (Tab. 1). Kognitive Funktionen und Lebensqualität konnten durch Pravastatin nicht signifikant beeinflusst werden.

Der CSE-Hemmer wurde gut vertragen. Klinisch relevante Interaktionen wurden nicht beobachtet, obwohl die Mehrzahl der behandelten Patienten eine Reihe anderer Medikamente einnahm. Leberenzymerhöhungen und Rhabdomyolysen wurden nicht beobachtet. In der Pravastatin-Gruppe wurden häufiger neue Karzinome diagnostiziert, allerdings in den allermeisten Fällen während des ersten Jahres. Dies spricht dafür, dass die Patienten bereits mit der malignen Erkrankung in die Studie eingeschlossen wurden. Auch nach den Ergebnissen entsprechender Metaanalysen gibt es keinerlei Hinweise für eine kanzerogene Begleitwirkung von Pravastatin.

Die Ergebnisse zeigen, dass auch bei älteren Patienten ab dem 70. Lebensjahr durch die Gabe eines CSE-Hemmers das Risiko eines tödlichen oder nicht-tödlichen kardiovaskulären Ereignisses in dem gleichem Ausmaß reduziert werden kann, wie bei Personen mittleren Alters.

Quellen

Shepherd J. PROSPER: The prospective study of pravastatin in the elderly at risk. 75. Jahrestagung der American Heart Association, Chicago, 18. November 2002.

Shepherd J, et al. Pravastatin in elderly individuals at risk of vascular disease (PROSPER): a randomised controlled trial. Lancet 2002;360:1623-30.

Tab. 1. Einige Endpunkte in der PROSPER-Studie

Plazebo (n = 2 913)

Pravastatin (n = 2 891)

Hazard-

95 %-KI

p-Wert

[n]

[%]

[n]

[%]

Ratio

Primärer Endpunkt:

Tödlicher oder nichttödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall

473

16,2

408

14,1

0,85

0,74–0,97

0,014

Sekundäre Endpunkte

Tödlicher oder nichttödlicher Herzinfarkt

356

12,2

292

10,1

0,81

0,69–0,94

0,006

Tödlicher oder nichttödlicher Schlaganfall

131

4,5

135

4,7

1,03

0,81–1,31

0,81

Andere Endpunkte

Nichttödlicher Herzinfarkt

254

8,7

222

7,7

0,86

0,72–1,03

0,10

Nichttödliche Schlaganfälle

119

4,1

116

4,0

0,98

0,76–1,26

0,85

Transiente ischämische Attacken

102

3,5

77

2,7

0,75

0,55–1,00

0,051

Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz

122

4,2

112

3,9

0,91

0,71–1,18

0,49

ARR und NNT

Für den primären Endpunkt der
PROSPER-Studie errechneten wir für die absolute Risikoreduktion (ARR) und die Number needed to treat (NNT) folgende Werte:

ARR = 2,25 %
NNT = 44 (44,48) in 3,2 Jahren

Arzneimitteltherapie 2003; 21(04)