Rheumatoide Arthritis

Adalimumab verlangsamt Gelenkerosion


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart

Der humane monoklonale Tumornekrosefaktor-alpha-Antagonist Adalimumab (Humira®) verzögert die Progression der radiologisch messbaren Gelenkschädigung bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, die auf Methotrexat allein unzureichend angesprochen haben. Das ergab eine 52-wöchige, Plazebo-kontrollierte, randomisierte Doppelblindstudie. Eine Subgruppenanalyse deutet darauf hin, dass die Wirkung bei Patienten im frühen Krankheitsstadium besonders ausgeprägt ist.

Adalimumab ist der erste rein humane monoklonale Antikörper gegen Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α), der in den USA zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen wurde. Die europäische Zulassung wird noch im Laufe des Jahres erwartet, und zwar in Kombination mit Methotrexat oder zur Monotherapie, sofern Methotrexat nicht vertragen wird oder aus anderen Gründen nicht mit Methotrexat weiterbehandelt werden soll.

Die Wirkung von Adalimumab auf die radiologische Progression und die Symptome einer rheumatoiden Arthritis sowie auf die funktionelle Behinderung wurde in einer 52-wöchigen Studie bei 619 Patienten untersucht, die auf Methotrexat nur partiell angesprochen hatten. Die Patienten waren im Durchschnitt 56,9 Jahre alt, litten seit 10,9 Jahren an rheumatoider Arthritis und erhielten 16,5 mg/Woche Methotrexat. Der Therapieerfolg war nicht zufrieden stellend, erkennbar an einer durchschnittlichen Zahl der geschwollenen und druckschmerzhaften Gelenke (19,3 bzw. 27,8). Der modifizierte Sharp-Score als Maß für die radiologisch messbare Gelenkschädigung betrug 68,3 Punkte; der Health-Assessment-Questionnaire-(HAQ-)Score als Maß für die Behinderung im Alltag und damit die Lebensqualität lag bei 1,5.

Zusätzlich zu ihrer Methotrexat-Behandlung erhielten die Patienten randomisiert subkutan

  • einmal wöchentlich 20 mg Adalimumab (n = 212),
  • jede zweite Woche 40 mg Adalimumab (n = 207) (alternierend Plazebo) oder
  • einmal wöchentlich Plazebo (n = 200).

Der radiologische Befund hatte sich nach 52 Wochen mit zusätzlicher Adalimumab-Behandlung signifikant weniger verschlechtert als in der Plazebo-Gruppe (Tab. 1); in Bezug auf die Gelenkspaltverengung galt dies nur für die zweiwöchentliche Gabe von 40 mg Adalimumab. Die Symptome, gemessen nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) wurden durch Adalimumab ebenfalls stärker gebessert, wie die ACR20-, ACR50- und ACR70-Ansprechraten zeigen (Tab. 1). Ähnliche Ansprechraten waren bereits nach 26 Wochen feststellbar. Der HAQ-Index hatte nach 52 Wochen in den Adalimumab-Gruppen um 0,69 bzw. 0,64 Punkte abgenommen, in der Plazebo-Gruppe nur um 0,34 Punkte.

Mit der zweiwöchentlichen Gabe von 40 mg Adalimumab waren nach 52 Wochen 13 % der Patienten frei von druckschmerzhaften Gelenken und 15 % frei von geschwollenen Gelenken, 16 % hatten den HAQ-Index 0, also keinerlei Behinderungen im Alltag.

Der Einfluss auf den radiologischen Befund war tendenziell stärker ausgeprägt bei Patienten mit kurzer Erkrankungsdauer (≤ 2 Jahre). Hier stieg der modifizierte Sharp-Score bei Plazebo-Behandlung um 4,7 Punkte, mit 40 mg Adalimumab um 0,4 Punkte.

Unter den unerwünschten Wirkungen waren Kopfschmerzen bei Adalimumab-Behandlung signifikant häufiger (0,16 bzw. 0,15 vs. 0,07 Ereignisse/Patientenjahr). Schwere unerwünschte Wirkungen waren in allen drei Gruppen vergleichbar häufig (0,18 bzw. 0,15 vs. 0,14 Ereignisse/Patientenjahr). Die Zahl der schweren Infektionen betrug in der Plazebo-Gruppe 1, in der 20-mg-Adalimumab-Gruppe 5 und in der 40-mg-Adalimumab-Gruppe 11. In der Plazebo-Gruppe brachen 60 Patienten die Studie ab, davon 13 wegen unerwünschter Wirkungen und 23 wegen Unwirksamkeit. In der 20-mg- bzw. 40-mg-Adalimumab-Gruppe betrug die Zahl der Studienabbrecher 44 bzw. 48, davon 16 bzw. 26 wegen unerwünschter Wirkungen und je 6 wegen Unwirksamkeit der Behandlung.

Die laut Zulassung empfohlene Dosierung von Adalimumab ist 40 mg subkutan alle zwei Wochen.

Quelle

Prof. Dr. Edward C. Keystone, Toronto, Adalimumab inhibits the progression of structural joint damage in patients with active RA. Annual European Congress of Rheumatology, Lissabon, 19. Juni 2003.

Tab. 1. Adalimumab zusätzlich zu Methotrexat bei rheumatoider Arthritis, Ergebnisse nach 52 Wochen; * p = 0,01, ** p = 0,001 vs. Plazebo [nach Keystone]

Plazebo

Adalimumab 20 mg/Woche

Adalimumab 40 mg alle 2 Wo.

Sharp-Gesamtscore

– Baseline

66,4

66,4

72,1

– Veränderung bis Woche 52

2,7

0,8**

0,1**

Gelenkerosions-Score – Veränderung

1,7

0,4**

0**

Gelenkspaltverengungs-Score – Veränderung

1,1

0,5

0,1**

ACR20-Ansprechrate [%]

24

55**

59**

ACR50-Ansprechrate [%]

10

38**

42**

ACR70-Ansprechrate [%]

5

21**

23**

Arzneimitteltherapie 2003; 21(09)