Endocannabinoid-Rezeptor-Blocker

Rimonabant erleichtert Gewichtsreduktion und Nicotin-Verzicht


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Bei der Prävention kardiovaskulärer und zerebrovaskulärer Ereignisse steht die konsequente Korrektur des Risikoprofils im Vordergrund. Der neue Endocannabinoid-Rezeptor-Blocker Rimonabant erleichtert nach den Ergebnissen erster Studien sowohl die Gewichtsreduktion als auch den Nicotin-Verzicht. Derzeit befindet sich der von der Firma Sanofi-Synthelabo entwickelte Wirkstoff in Phase III der klinischen Prüfung.

Die Steuerung der Nahrungsaufnahme und des Energieverbrauchs und somit auch des Körpergewichts ist ein komplexes Geschehen. Dabei ist eine Reihe von Transmittern und Hormonen wie Insulin, Adiponectin und Leptin beteiligt. Nach neueren Studienergebnissen dürfte auch das endogene Cannabinoid-System eine wichtige Rolle spielen. Seine Bezeichnung verdankt dieses System der Tatsache, dass Cannabinoide Agonisten dieses Systems sind. Die endogenen Cannabinoide entfalten ihre Wirkung über spezifische Rezeptoren, die CB1- und CB2-Rezeptoren. Diese finden sich im Gehirn, im Magen-Darm-Trakt und im Fettgewebe. Über diese Rezeptoren greift das endogene Cannabinoid-System in die Nahrungsaufnahme und die Regulation des Lipid- und Glucose-Stoffwechsels ein. Experimentelle und klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Übergewichtigen und bei Rauchern, eine Überstimulation des Endocannabinoid-Systems vorliegt.

Mit Rimonabant (geplanter Handelsname Acomplia™, Abb. 1) konnte eine Substanz entwickelt werden, die spezifisch die CB1-Rezeptoren hemmt. Im Rahmen zweier großer klinischer Phase-III-Studien wurde die Substanz sowohl bei Adipösen als auch bei Rauchern eingesetzt.

Rimonabant zur Gewichtsreduktion

Im Rahmen der RIO(Rimonabant in obesity)-Lipids-Studie erhielten 1 036 übergewichtige Patienten mit einer Dyslipidämie und einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 27 und 40 kg/m2 Plazebo-kontrolliert Rimonabant in einer Dosierung von 5 mg oder 20 mg täglich. Allen Patienten wurde empfohlen, ihre tägliche Kalorienzufuhr um 600 kcal zu reduzieren. Die über 1 Jahr mit 20 mg Rimonabant behandelten Patienten nahmen durchschnittlich 8,6 kg ab, während die Patienten der Plazebo-Gruppe im Durchschnitt nur eine Gewichtsreduktion von 2,3 kg erreichten. In der Rimonabant-Gruppe verloren 75 % der Patienten über 5 % ihres Körpergewichts, in der Plazebo-Gruppe gelang dies nur 28 %.

Neben Körpergewicht und Taillenumfang wurden auch Stoffwechselparameter günstig beeinflusst. Das HDL-Cholesterol stieg unter 20 mg Rimonabant im Vergleich zu Plazebo um 23 %, die Triglyceride nahmen um relativ 15 % ab. Auch die LDL-Partikelgröße wurde günstig beeinflusst, der Anteil kleiner atherogener LDL-Partikel nahm signifikant ab. Außerdem wurde die hormonelle Situation verbessert, indem die Adiponectin-Konzentration stieg und die Leptin-Konzentration sank. Das C-reaktive Protein, ein wichtiger Entzündungsmarker und Prädiktor für das kardiovaskuläre Risiko, konnte ebenfalls signifikant gesenkt werden. Darüber hinaus wurde auch die Insulin-Sensitivität verbessert, im oralen Glucose-Toleranztest wurden signifikant niedrigere Blutzuckerwerte dokumentiert.

Rimonabant wurde gut vertragen. Nur leichte Nebenwirkungen, die meist rasch vorübergingen, wurden vermehrt beobachtet, dies waren Übelkeit (12,7 %) und Schwindel (10,4 %). Kardiovaskuläre und zentralnervöse Nebenwirkungen oder depressive Verstimmungen oder Angstzustände wurden nicht beobachtet.

Rimonabant zur Unterstützung des Rauchstopps

In der STRATUS-US-Studie (Studies with Rimonabant and tobacco use) wurde Rimonabant bei der Nicotin-Entwöhnung untersucht. 787 Raucher, die durchschnittlich 23 Zigaretten täglich rauchten, wurden randomisiert Plazebo-kontrolliert mit 20 mg Rimonabant über 10 Wochen behandelt. Die von den Patienten angegebene Tabak-Abstinenz wurde durch Messung der Kohlenmonoxid-Konzentration in der ausgeatmeten Luft und der Cotinin-Konzentration im Plasma überprüft.

Während unter Rimonabant 36,2 % der Patienten abstinent wurden, waren es in der Plazebo-Gruppe nur 20,6 %. Ein häufig geklagtes Phänomen bei entwöhnten Rauchern ist die Gewichtszunahme. Unter Rimonabant kam es jedoch bei übergewichtigen Rauchern unter der Entwöhnung sogar zu einem leichten Gewichtsverlust von 0,3 kg im Vergleich zu einer Gewichtszunahme von 1,1 kg bei Patienten in der Plazebo-Gruppe. Allerdings nahmen nur die übergewichtigen Patienten an Gewicht ab. Normalgewichtige Raucher zeigten keine Gewichtsabnahme. Auch hier wurde das Medikament gut vertragen. Die häufigsten, meist leichten, vorübergehenden Nebenwirkungen waren Übelkeit, Schwindel und Infektionen der oberen Atemwege.

Quelle

Anthenelli RM. Rimonabant in obesity, studies with rimonabant and tobacco use. 53. Jahrestagung des American College of Cardiology, New Orleans, 7. bis 10. März 2004.

Abb. 1. Rimonabant

Arzneimitteltherapie 2004; 22(09)