Brustkrebs-Vorbeugung

Raloxifen und Tamoxifen gleich wirksam


Rosemarie Ziegler, Albershausen

Beim Vergleich der beiden Antiestrogene im Rahmen der größten je durchgeführten Brustkrebs-Präventionsstudie reduzierten beide Medikamente das relative Risiko für invasives Mammakarzinom um etwa 50 %. Raloxifen hat ein etwas günstigeres Nebenwirkungsprofil und scheint sich besonders für postmenopausale Frauen zu eignen.

Hintergrund

Die letzten 20 Jahre Grundlagenforschung und deren Umsetzung in Therapiemöglichkeiten haben zu erheblichen Verbesserungen für das Überleben und die Lebensqualität von Brustkrebs-Patientinnen geführt. Parallel dazu wurden auch Strategien der Vorbeugung untersucht, insbesondere die Chemoprävention mit selektiven Estrogenrezeptor-Modulatoren (SERM). Seit einiger Zeit wird das bereits mehr als 30 Jahre therapeutisch eingesetzte Tamoxifen (z. B. Nolvadex®) auch als Präventivum verwendet. Raloxifen (Evista®), ein SERM der zweiten Generation, ist zur Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose zugelassen. Die Überlegenheit gegenüber Plazebo bei der Prävention von Brustkrebs wurde nun gezeigt.

Studiendesign

Von 1999 bis 2004 lief an fast 200 amerikanischen Klinikzentren eine große doppelblinde, randomisierte Brustkrebs-Präventionsstudie, in der die Wirkung von täglich 20 mg Tamoxifen und 60 mg Raloxifen verglichen wurde. Teilnehmerinnen waren 19 747 postmenopausale Frauen im Durchschnittsalter von 58,5 Jahren, die auf der Basis des Gail-Modells ein durchschnittliches 5-Jahres-Grundrisiko von 4 % für Brustkrebs („high-risk“) hatten. Hauptendpunkte waren das Auftreten von invasivem Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, nicht-invasivem Brustkrebs, Knochenbrüchen und thromboembolischen Ereignissen. Von einer zweiten Forschergruppe wurden die Aufzeichnungen der Patientinnen zur physischen und psychischen Gesundheit bewertet.

Ergebnisse

Die Inzidenz von invasivem Brustkrebs unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Nach einer durchschnittlichen Nachuntersuchungszeit von vier Jahren gab es in der Gruppe der Frauen, die Tamoxifen erhalten hatten, 163 Fälle von invasivem Brustkrebs und 168 Fälle in der Raloxifen-Gruppe (Inzidenz 4,30 vs. 4,41 pro 1 000; relatives Risiko [RR] 1,02; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 0,82–1,28). In der Tamoxifen-Gruppe kamen tendenziell weniger Fälle nicht-invasiven Brustkrebses (n = 57) als in der Raloxifen-Gruppe (n = 80) vor (Inzidenz 1,51 vs. 2,11 pro 1 000; RR 1,40; 95%-KI 0,98–2,00).

In der Tamoxifen-Gruppe wurden 36 Gebärmutterkrebsfälle verzeichnet, in der Raloxifen-Gruppe nur 23 (RR 0,62; 95%-KI 0,35–1,08).

Für andere invasive Krebsarten sowie für akute ischämische Syndrome wurden keine Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten gefunden.

In der Raloxifen-Gruppe kamen tendenziell weniger thromboembolische Ereignisse (RR 0,70; 95%-KI 0,54–0,91) und Katarakte (RR 0,79; 95%-KI 0,68–0,92) vor. Die Zahl der osteoporotischen Frakturen war in beiden Gruppen ähnlich, ebenso die Gesamtzahl der Todesfälle (101 vs. 96 für Tamoxifen vs. Raloxifen). Andere signifikante Unterschiede in den Nebenwirkungen beider Substanzen wurden nicht verzeichnet. Die durchschnittliche Schwere der Symptome war gering, aber bei der Gabe von Tamoxifen wurden mehr gynäkologische Probleme, vasomotorische Symptome, Wadenkrämpfe und Blasenfunktionsstörungen berichtet, bei der Gabe von Raloxifen dagegen mehr muskuloskelettale Probleme, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Gewichtszunahme.

Schlussfolgerung

Die Ärzte der Patientinnen, die für eine solche Therapie in Frage kommen, sind normalerweise keine Onkologen und haben sich in der Vergangenheit gegenüber einer vorbeugenden Tamoxifen-Verschreibung sehr zurückhaltend gezeigt, da sie die Toxizität fürchteten. Raloxifen ist ein schon lange eingeführtes und bewährtes Osteoporosemittel und könnte deshalb eher als Chemopräventivum für Brustkrebs angenommen werden.

Quellen

Vogel VG, et al. Effects of tamoxifen vs. raloxifen on the risk of developing invasive breast cancer and other disease outcomes. JAMA 2006;295:2727–41.

Land SR, et al. Patient-reported symptomes and quality of life during treatment with tamoxifen or raloxifen for breast cancer prevention: the NSABP study of tamoxifen and raloxifen (STAR) P-2 trial. JAMA 2006;295:2742–51.

Gradishar WJ, Cella D. Selective estrogen receptor modulators and prevention of invasive breast cancer. JAMA 2006;295:2784–6.

Arzneimitteltherapie 2006; 24(12)