Schlaganfall

Systemische Thrombolyse mit Alteplase ist sicher und wirksam


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen

Die Beobachtungsstudie SITS-MOST zeigt, dass eine systemische Thrombolyse mit Alteplase bei Patienten mit ischämischem Insult im 3-Stundenfenster im klinischen Alltag genauso sicher und effektiv durchgeführt werden kann, wie im Rahmen randomisierter kontrollierter Studien.

Hintergrund

Die einzige bisher zugelassene Behandlung des ischämischen Insults im 3-Stundenfenster ist die systemische Thrombolyse mit rekombinantem Gewebeplasminogenaktivator (Alteplase = Actilyse®). Voraussetzung für die Zulassung in Europa war allerdings, dass eine prospektive Beobachtungsstudie durchgeführt wird, die die Sicherheit der Behandlung im klinischen Einsatz belegt.

Studiendesign

SITS-MOST (Safe implementation of thrombolysis in stroke-monitoring study) ist ein prospektives Register, das in Schweden angesiedelt wurde und in das Internet-basiert Patientendaten eingegeben werden konnten von Patienten, die wegen eines ischämischen Insults mit Alteplase behandelt worden waren. Insgesamt wurden 6 483 Patienten aus 285 Zentren in 14 Ländern zwischen 2002 und 2006 beobachtet. Primäre Zielparameter waren die Häufigkeit symptomatischer intrazerebraler Blutungen innerhalb von 24 Stunden gemessen mit einer Verschlechterung des National-of-Health-Schlaganfallwerts von 4 oder mehr und die Sterblichkeit nach drei Monaten. Die Ergebnisse von SITS-MOST wurden mit den Ergebnissen der NINDS-Studie (NINDS = National Institute of Neurological Disorders and Stroke), der ECASS-Studien I und II (European cooperative acute stroke study) und der ATLANTIS-Studie (The alteplase thrombolysis for acute noninterventional therapy in ischemic stroke) verglichen. Die Patientencharakteristika Begleiterkrankungen und Risikofaktoren waren im SITS-MOST-Register und bei den randomisierten Studien identisch.

Ergebnis

Die Häufigkeit symptomatischer intrazerebraler Blutungen innerhalb der ersten 24 Stunden betrug 1,7 %. Innerhalb der ersten sieben Tage erlitten 7,3 % der Patienten eine intrazerebrale Blutung verglichen mit 8,6 % in den randomisierten Studien. Die Sterblichkeit nach drei Monaten in SITS-MOST betrug 11,3 % verglichen mit 17,3 % in den randomisierten Studien. Ein gutes Outcome, das heißt einen Ranking-Wert zwischen 0 und 2 nach drei Monaten, hatten 54,8 % der Patienten in der SITS-MOST-Studie verglichen mit 49 % in den randomisierten Studien. Zentren, die neu mit der Lyse begannen, hatten nur eine unwesentlich höhere Komplikationsrate als Zentren, die bereits Erfahrung hatten.

Kommentar

Es gibt nur wenige Beispiele, wo die praktische Umsetzung einer neuen Therapie in den klinischen Alltag sorgfältig überwacht wurde. Ein gutes Beispiel ist hier das SITS-MOST-Register. Diese Register sind allerdings nur möglich, seitdem es gelungen ist, Datenerhebungen im Internet durchzuführen. Die Studie zeigt sehr eindrucksvoll, dass die Anwendung von Alteplase in der klinischen Praxis genauso sicher ist wie im Rahmen randomisierter Studien. Der Outcome der Patienten ist tendenziell sogar besser als in den Studien, was unter anderem daran liegen kann, dass sich in der Zwischenzeit die Behandlung von Begleiterkrankungen und Risikofaktoren verbessert hat. Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass unerfahrene Zentren relativ schnell den Umgang mit der systemischen Thrombolyse lernen und nur eine unwesentlich höhere Komplikationsrate haben als erfahrene Zentren.

Quelle

Wahlgren N, Ahmed N, Dávalos A, Ford GA, et al. for the SITS-MOST Investigators. Thrombolysis with alteplase for acute ischaemic stroke in the Safe Implementation of Thrombolysis in Stroke-Monitoring Study (SITS-MOST): an observational study. Lancet 2007;369:275–82.

Arzneimitteltherapie 2007; 25(07)