Metastasiertes Kolorektalkarzinom

Patienten mit K-ras-Wildtyp profitieren von Cetuximab


Veröffentlicht am: 28.11.2019

Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart

Patienten, deren metastasiertes Kolorektalkarzinom das Wildtyp-K-ras-Gen exprimiert, sprechen auf eine Therapie mit EGFR-Hemmern wie Cetuximab (Erbitux®) signifikant besser an als Patienten, bei denen dieses Gen mutiert ist. Neue Daten wurden bei der 44. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago im Juni 2008 vorgestellt.

Das K-ras-Gen kodiert für ein Protein (p21 ras), das im Signalweg über den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) eine Rolle spielt. Normalerweise wird das Gen durch verschiedene Stimuli reguliert. Bei mutiertem K-ras-Gen, das bei 40 bis 45 % der Patienten mit Kolorektalkarzinom nachzuweisen ist, ist die Regulation aufgehoben, es „feuert“ ständig. Patienten mit mutiertem Gen haben eine schlechtere Prognose.

Beim ASCO 2008 in Chicago wurden retrospektive Analysen von zwei Studien vorgestellt, in denen Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom mit einer Chemotherapie ohne oder mit Cetuximab behandelt worden waren.

In der OPUS-Studie (Oxaliplatin and cetuximab in first-line treatment of mCRC) waren 169 Patienten mit FOLFOX (Folinsäure, Fluorouracil und Oxaliplatin) und 168 Patienten mit FOLFOX plus Cetuximab behandelt worden. Retrospektiv konnte mit den Daten von 233 Patienten gezeigt werden, dass der primäre Endpunkt, die Ansprechrate bei Patienten mit Wildtyp-K-ras-Gen in der Kombinationsgruppe bei 61 % und in der FOLFOX-Gruppe bei 37 % lag (p < 0,011). Bei Patienten mit mutiertem K-ras-Gen betrug die Ansprechrate in der Kombinationsgruppe dagegen nur 33 %, in der FOLFOX-Gruppe 49 %, der Unterschied war nicht signifikant.

Auch die Daten der CRYSTAL-Studie (Cetuximab combined with irinotecan in first line therapy for metastatic colorectal cancer), in der Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom mit FOLFIRI (Folinsäure, Fluorouracil und Irinotecan) ohne oder mit Cetuximab behandelt worden waren, wurden retrospektiv analysiert. Der K-ras-Status konnte von 540 Patienten erhoben werden. Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben, war bei den Wildtyp-K-ras-Gen-Patienten in der Kombinationsgruppe mit 9,9 Monaten signifikant besser als in der FOLFIRI-Gruppe mit 8,7 Monaten, das relative Risiko wurde durch Cetuximab um 32 % gesenkt (Abb. 1). Bei den Patienten mit mutiertem K-ras-Gen konnte wiederum kein Nutzen der Cetuximab-Behandlung gezeigt werden.

Die Ansprechraten betrugen bei Patienten mit Wildtyp-K-ras-Gen im Vergleich zu Patienten mit mutiertem K-ras-Gen in der

  • FOLIFIRI-Gruppe 43,2 % vs. 40,2 %
  • FOLFIRI-plus-Cetuximab-Gruppe 59,3 % vs. 36,2 %

Mit K-ras steht damit der erste molekulare Marker zur Verfügung, mit dem Patienten für eine zielgerichtete Therapie in der Erstlinienbehandlung des metastasierten Kolorektalkarzinoms ausgewählt werden können.

Als eine Konsequenz aus diesen Ergebnissen hat das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der European Medicines Agency (EMEA) Ende Mai 2008 empfohlen, die Indikation von Cetuximab zu erweitern auf die Erstlinientherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms bei Patienten mit K-ras-Wildtyp-Tumoren.

Quellen

Bokemeyer C, et al. KRAS status and efficacy of first-line treatment of patients with metastatic colorectal cancer (mCRC) with FOLFOX with or without cetuximab: The OPUS experience. ASCO 2008, Chicago, 31. Mai 2008.

Van Cutsem E, et al. KRAS status and efficacy in the first-line treatment of patients with metastatic colorectal cancer (mCRC) treated with FOLFIRI with or without cetuximab: The CRYSTAL experience. ASCO 2008, Chicago, 1. Juni 2008.


Abb. 1. Progressionsfreies Überleben (PFS) der Patienten in der CRYSTAL-Studie in Abhängigkeit vom
K-ras-Status [nach van Cutsem]

Arzneimitteltherapie 2008; 26(08)