Pharmakovigilanz

Arzneimittelinteraktionen aktuell


Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

An dieser Stelle informieren wir Sie kurz über aktuelle Veröffentlichungen zu therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen.

Starke Hemmung des Metabolismus von Clozapin durch Ciprofloxacin

Es liegen zwei Fallberichte einer klinisch relevanten Interaktion vor: Ein 46-jähriger Mann, der auf eine tägliche Dosis von 900 mg Clozapin eingestellt war, wurde mit einer Urosepsis in die Klinik eingeliefert und wurde über fünf Tage mit Ciprofloxacin und Amoxicillin behandelt. Zwei Tage nach Ende der antiinfektiven Therapie traten beim Patienten Zeichen einer Rhabdomyolyse auf. Clozapin wurde abgesetzt, seine Plasmaspiegel wurden gemessen. Sie lagen einen und drei Tage nach Beendigung der Therapie noch weit über dem therapeutischen Bereich.

Der zweite Patient, ein 58-jähriger Mann, war auf 300 mg Clozapin täglich eingestellt. Er wurde in die Klinik wegen einer vermuteten schweren Harnwegsinfektion oder Pneumonie aufgenommen. Eine Behandlung mit Ciprofloxacin wurde begonnen. Die Bestimmung der Plasmaspiegel von Clozapin vor und drei Tage nach Gabe von Ciprofloxacin ergab eine Verdopplung der Plasmaspiegel.

Vermuteter Grund der Interaktion: Durch die Hemmung von Cytochrom P450 (CYP) 1A2 und CYP3A4 durch Ciprofloxacin kam es zu einer verzögerten Biotransformation von Clozapin und erhöhten Plasmaspiegeln. Dies kann zu schweren Nebenwirkungen führen.

Maßnahmen: Verwendung eines anderen Antibiotikums oder Dosisreduktion von Clozapin und engmaschige Überwachung der Plasmaspiegel.

Quelle

Brouwers EE, et al. Ciprofloxacin strongly inhibits clozapine metabolism: two case reports. Clin Drug Investig 2009;29:59–63.

Verminderte Resorption von Posaconazol bei gleichzeitiger Gabe von Metoclopramid

In einer pharmakokinetischen Studie kam es bei gleichzeitiger Gabe von Posaconazol und dreimal täglich 10 mg Metoclopramid über zwei Tage aufgrund der erhöhten gastrointestinalen Motilität zu einer signifikanten Abnahme der Plasmakonzentration bei einer einmaligen Dosis von 400 mg Posaconazol (mittlere Cmax-Abnahme 21%; AUC-Abnahme 19%). Hierdurch kann es zu verminderter Wirksamkeit von Posaconazol kommen.

Die FDA stellt klar, dass jede Dosis von Posaconazol unmittelbar zu oder innerhalb von 20 Minuten nach einer vollen Mahlzeit einzunehmen ist. Alternativ empfiehlt sich ein fettreiches Nahrungsergänzungsmittel.

Quelle

Krishna G, et al. Pharmacokinetics and absorption of posaconazole oral suspension under various gastric conditions in healthy volunteers. Antimicrob Agents Chemother 2009;53:958–66.

Carvedilol: Interaktionen mit Amiodaron und Fluconazol können Bradykardie hervorrufen

Amiodaron und sein Metabolit Desethylamiodaron sind Inhibitoren von CYP2C9 und P-Glykoprotein. In einer pharmakokinetischen Studie mit 106 japanischen Patienten mit Herzinsuffizienz führte die Koadministration von Amiodaron in einer kleinen Loading- und Erhaltungsdosis zu einem Anstieg der Talspiegel des (S)-Enantiomers von Carvedilol im Steady State um das Zweifache.

Die FDA warnt vor der gleichzeitigen Gabe von Amiodaron oder anderen CYP2C9-Inhibitoren wie Fluconazol mit Carvedilol. Dabei kann es zu einer Verstärkung der beta-blockierenden Eigenschaften und Bradykardie kommen.

Quelle

Waknine Y. FDA warns of interaction between carvedilol and amiodarone – may cause bradycardia. http://www.theheart.org/article/947729.do (Zugriff am 25.05.2009).

Levothyroxin-Natrium: Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung mit Orlistat

Die FDA warnt vor einer Arzneimittelinteraktion zwischen Levothyroxin und Orlistat. Durch Orlistat kann die Resorption von Levothyroxin vermindert sein, so dass die FDA einen Applikationsabstand von mindestens 4 Stunden vorschreibt. Dies erlangt besondere Bedeutung dadurch, dass Orlistat in der 60-mg-Dosierung seit Mitte April rezeptfrei erhältlich ist.

Quelle

Aktualisierte Verschreibungsinformation der FDA: http://www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/label/2009/021292s002lbl.pdf

Arzneimitteltherapie 2009; 27(07)