Chronische Herzinsuffizienz

Eisen erhöht möglicherweise die Belastbarkeit


Bettina Christine Martini, Legau

Eine kleine randomisierte klinische Studie ergab Hinweise auf eine Verbesserung der Symptomatik einer Herzinsuffizienz durch eine intravenöse Eisen-Substitutionstherapie. Noch muss diese Therapieoption aber als experimentell angesehen werden.

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz haben meistens eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, was die Lebensqualität beeinträchtigt und das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko erhöht. Zusätzlich verschlechtert werden kann die Leistungsfähigkeit durch eine bei Patienten mit Herzinsuffizienz häufig vorkommende Anämie. Allerdings ist es oft schwierig, zwischen einer Eisenmangel-Anämie (→ absoluter Eisenmangel) und einer chronischen Anämie mit relativem Eisenmangel zu unterscheiden.

In der FERRIC-HF(Ferric Iron Sucrose in Heart Failure)-Studie wurde untersucht, inwieweit sich eine intravenöse Gabe von Eisen positiv auf die Belastbarkeit anämischer und nicht anämischer Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz auswirkt.

Studiendesign

An der randomisierten Studie nahmen 35 Patienten mit symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz (NYHA[New York Heart Association]-Klasse II oder III) teil. Sie waren im Mittel 64 (±13) Jahre alt und hatten entweder einen Ferritin-Wert von weniger als 100 µg/l oder einen Ferritin-Wert zwischen 100 und 300 µg/l bei einer Transferrin-Sättigung von weniger als 20%. Die Patienten wurden anhand ihres Hb-Werts stratifiziert (Anämie-Gruppe: Hb-Wert <12,5 g/dl; nicht anämische Gruppe: Hb-Wert zwischen 12,5 g/dl und 14,5 g/dl) und bekamen 16 Wochen lang randomisiert im Verhältnis 2:1 eine intravenöse Eisen-Therapie (Venofer® 200 mg/Woche bis zu einem Ferritin-Wert von ≥500 µg/l, anschließend 200 mg/Monat; n=24) oder kein Eisen (n=11). Alle Patienten führten während des Studienzeitraums ihre bisherige medikamentöse Herzinsuffizienz-Therapie fort.

Der für die Untersucher verblindete primäre Endpunkt war die Veränderung der Belastbarkeit von Studienbeginn bis Woche 18, gemessen am absoluten maximalen Sauerstoffverbrauch (peak oxygen consumption pVo2 [ml/min], gemittelt über die letzten 15 Sekunden der Messung beim Laufen auf einem Laufband).

Sekundäre Endpunkte waren unter anderem die in diesem Zeitraum eintretende Veränderung des pVo2 bezogen auf das Körpergewicht sowie die Veränderung der Belastungsdauer und der NYHA-Klasse.

Ergebnisse

Der Ferritin-Wert nahm in der Verumgruppe gegenüber der Kontrollgruppe im Mittel um 273 µg/l (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 151–396; p<0,001) zu.

Die Belastbarkeit, gemessen am absoluten maximalen Sauerstoffverbrauch, wurde durch die Eisensubstitution nicht signifikant beeinflusst, wenn auch eine Tendenz zu einer Verbesserung erkennbar war (Unterschied in der Veränderung des pVo2 zwischen Verum- und Kontrollgruppe: 96 ml/min; 95%-KI –12 bis +205; p=0,08).

Der auf das Körpergewicht bezogene pVo2 hingegen war am Ende der Studie in der Verumgruppe im Mittel um 2,2 ml/kg/min höher als in der Kontrollgruppe (95%-KI 0,5–4,0; p=0,01). Die Belastungsdauer auf dem Laufband nahm unter Eisengabe im Vergleich zu den nicht substituierten Patienten lediglich tendenziell zu (+60 s [–6 bis +126 s]; p=0,08).

Bezüglich der NYHA-Klassifikation ergab sich in der Verumgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Verbesserung (–0,6; 95%-KI –0,9 bis –0,2; p=0,007).

In der Subgruppe der anämischen Patienten (Hb-Wert <12,5 g/dl; n=18) wurde – im Gegensatz zu den nicht anämischen Studienteilnehmern – der absolute pVo2 durch Eisengabe signifikant verbessert (204 ml/min; 95%-KI 31–378; p=0,02); ebenso der auf das Körpergewicht bezogene pVo2 (3,9 ml/kg/min; 95%-KI 1,1–6,8; p=0,009).

Das Nebenwirkungsprofil der Verumgruppe unterschied sich nicht signifikant von dem der Kontrollgruppe.

Diskussion und Fazit

Insgesamt wurde die Eisen-Substitutionstherapie gut vertragen und führte zu einer signifikanten Verbesserung der Belastbarkeit (pVo2/kg). Zudem wurde eine tendenzielle Verbesserung des absoluten maximalen Sauerstoffverbrauchs (pVo2) sowie der Belastungsdauer festgestellt.

Die Subgruppe der anämischen Patienten profitierte noch stärker von der Eisen-Substitution: Hier stieg neben dem auf das Körpergewicht bezogenen auch der absolute maximale Sauerstoffverbrauch signifikant.

Die Ergebnisse sprechen für einen potenziellen Nutzen durch eine solche Therapie. Wenn sich die Ergebnisse in größeren und länger dauernden Studien bestätigen ließen, könnte die Behandlung eines Eisenmangels ein neues Behandlungsziel bei Patienten mit Herzinsuffizienz sein. Bis dahin bleibt diese Therapieoption aber experimentell, der Nutzen kann nicht als bewiesen angesehen werden.

Quelle

Darlington O, et al. Effect of intravenous iron sucrose on exercise tolerance in anemic and nonanemic patients with symptomatic chronic heart failure and iron deficiency. J Am Coll Cardiol 2008;51:103–12.

Arzneimitteltherapie 2009; 27(07)