Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit


Zusammenfassung der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e.V., Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

Wolfgang Fischbach, Aschaffenburg, für die Leitliniengruppe

Die Leitlinie aktualisiert eine frühere Konsensusempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aus dem Jahr 1996. Sie wurde interdisziplinär in Zusammenarbeit mit Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie erstellt. Die Leitlinie basiert auf den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) für eine systematische evidenzbasierte Konsensus-Leitlinie der Entwicklungsstufe S3 und hat auch die Bewertungskriterien der GRADE (Grading of recommendations assessment, development and evaluation) implementiert. Dieser Artikel fasst die wesentlichen Empfehlungen der Leitlinie zu folgenden Aspekten zusammen: Diagnostik der H.-pylori-Infektion; Indikationen zur H.-pylori-Eradikation; Durchführung der Eradikationstherapie; nicht mit H. pylori assoziierte gastroduodenale Ulkuserkrankungen.
Arzneimitteltherapie 2009;27:241–5.

Einleitung und Methodik

1983 wurde Helicobacter pylori (H. pylori), damals noch als Campylobacter pylori bezeichnet, von den beiden Australiern Robin Warren und Barry Marshall wiederentdeckt [1]. Eine weltweite Erfolgsgeschichte war die Folge, deren Höhepunkt die Nobelpreisverleihung an die beiden australischen Forscher im Jahr 2006 war. In den ersten Jahren konzentrierte sich das Interesse auf die Bedeutung des H. pylori für die gastroduodenale Ulkuskrankheit. Die ganze Tragweite der Infektion wurde erst nach und nach evident, als sich darüber hinaus auch eine ätiopathogenetische Bedeutung des H. pylori für das Magenkarzinom und das MALT-Lymphom sowie Assoziationen mit weiteren gastralen und extragastralen Erkrankungen abzeichneten (Abb. 1).

Abb. 1. Mit H. pylori assoziierte Erkrankungen ITP: idiopathische thrombozytopenische Purpura

Die im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in den Jahren 2007 und 2008 erstellte und 2009 publizierte [2] S3-Leitlinie sollte in gleicher Weise die neuen Erkenntnisse und Fortschritte der letzten Jahre sowie die Besonderheiten in Deutschland in Bezug auf Epidemiologie, Resistenzlage, Diagnostik und Therapie berücksichtigen. Die verschiedenen Themenbereiche, die in den einzelnen Arbeitsgruppen behandelt wurden, können Tabelle 1 entnommen werden. Die Leitlinie erfüllt alle methodischen Kriterien einer evidenzbasierten Konsensus-Leitlinie der Stufe 3.

Tab. 1. Themenbereiche der Leitlinie

I

Epidemiologie

II

Diagnostik, Typisierung, Resistenzlage, Resistenztestung

III

Indikationen zur Therapie der H.-pylori-Infektion bei benignen Erkrankungen

IV

Prävention und Therapie neoplastischer Magenerkrankungen (Marginalzonen-B-Zell-Lymphom vom MALT-Typ; Magenkarzinom)

V

Therapie der H.-pylori-Infektion

VI

Besonderheiten der H.-pylori-Infektion bei Kindern und Jugendlichen

VII

Nicht mit H. pylori assoziierte gastroduodenale Ulkuserkrankungen

Diese Zusammenfassung der Leitlinie fokussiert vor allem auf die Therapieindikationen und die Durchführung der H.-pylori-Eradikation. Voraussetzung für eine korrekte Therapie und deren Erfolgskontrolle ist jedoch auch eine zuverlässige Diagnose der H.-pylori-Infektion. Deshalb sollen zumindest die Grundzüge der Diagnostik ebenfalls aufgezeigt werden. Wer sich eingehender hierüber, über andere Details und die umfangreiche Literatur informieren möchte, sei auf die vollständige Leitlinie verwiesen [2]. Diese enthält auch ein Kapitel zu nicht mit H. pylori assoziierten gastroduodenalen Ulzera, auf die abschließend eingegangen wird.

Grundprinzipien

Grundsätzlich sollte eine Untersuchung auf H. pylori nur veranlasst werden, wenn ein positiver Erregernachweis auch zu therapeutischen Konsequenzen führt. Die Entscheidung für eine Therapie muss demnach bereits vor der Diagnostik erfolgen. Ist sie getroffen, stehen für die Diagnose einer H.-pylori-Infektion nichtinvasive und invasive Testverfahren mit hoher Sensitivität und Spezifität zur Verfügung. Aufgrund der günstigen Resistenzlage in Deutschland ist bei Erwachsenen eine empirische Erstlinientherapie gerechtfertigt. Angesichts wirksamer Reserveantibiotika ist auch vor einer Zweitlinientherapie eine Endoskopie zur Resistenzbestimmung nicht zwingend erforderlich. Ist allerdings aus anderen Gründen eine Kontrollendoskopie indiziert, sollte diese auch zur Anlage einer Kultur und Resistenztestung genutzt werden. Abbildung 2 zeigt, wie Kultur und Resistenzbestimmung in den diagnostischen Algorithmus einzubauen sind. Eine Ausnahme hiervon ist bei Kindern und Jugendlichen angesagt. Damit bei ihnen eine am Antibiogramm ausgerichtete Therapie möglich ist, sollte bei Verdacht auf eine H.-pylori-Infektion eine kulturelle Anzucht auch vor der Erstlinientherapie angestrebt werden.

Abb. 2. Diagnostischer Algorithmus und Resistenztestung

Diagnose der H.-pylori-Infektion

Zur Infektionsdiagnostik bieten sich mehrere invasive und nichtinvasvie Methoden an (Tab. 2). Sensitivität und Spezifität der Tests liegen bei 80 bis 98% [3, 4], sofern keine Störfaktoren vorliegen. Falsch positive Ergebnisse können durch eine bakterielle Überwucherung des Magens verursacht sein. Falsch negative Ergebnisse werden bei geringer Kolonisationsdichte des Bakteriums und bei akuter oberer gastrointestinaler Blutung beobachtet. Der serologische Nachweis von IgG-Antikörpern mag für epidemiologische Studien interessant sein, für die klinische Situation ist er indessen ungeeignet, da nicht zwischen einer zurückliegenden H.-pylori-Exposition und einer aktuell bestehenden Infektion unterschieden werden kann.

Tab. 2. Invasive und nichtinvasive Testverfahren zum Nachweis von H. pylori

Test

Besonderheiten

Invasive Methoden

Kultur

Endoskopie erforderlich
Resistenztestung möglich

Histologie

Endoskopie erforderlich
Gastritis-Muster als weiteres Kriterium

Urease-Schnelltest

Endoskopie erforderlich
Schnell verfügbar

PCR zum Erregernachweis

Teuer, keine Vorteile

Nichtinvasive Methoden

13C-Harnstoff-Atemtest

Einfach
Schnell verfügbar (<1 h)

Stuhlantigentest

Einfach
Akzeptanz?

IgG-Antikörper im Serum

Nicht für die klinische Diagnose geeignet, da keine Differenzierung zwischen früherer und aktueller Infektion

PCR: Polymerase-Kettenreaktion

Aufgrund der niedrigen und weiter sinkenden Prävalenz der H.-pylori-Infektion in Deutschland sollten für eine verlässliche Diagnose zwei positive Testergebnisse vorliegen. Eine Ausnahme stellt lediglich das Ulcus duodeni dar, für das ein einziges positives Testergebnis als ausreichend für die Therapieentscheidung angesehen wird. Im Falle von diskrepanten Befunden (z.B. zwischen Urease-Schnelltest und Histologie) ist ein weiteres Nachweisverfahren (z.B. Atemtest) hinzuzuziehen.

Von besonderer Bedeutung für eine zuverlässige H.-pylori-Diagnostik ist es, dass Mindestzeitintervalle nach einer H.-pylori-suppressiven Therapie eingehalten werden. Zwischen einer Protonenpumpenhemmer-Medikation und einem H.-pylori-Test sollten zwei Wochen liegen, nach einer vorangegangenen Eradikationstherapie oder einer sonstigen Antibiotikatherapie sollte vier Wochen gewartet werden.

Indikationen zur Therapie der H.-pylori-Infektion

Peptisches Ulkus

Die Helicobacter-pylori-Infektion bei einem peptischen Ulcus ventriculi oder duodeni stellt eine obligate Behandlungsindikation mit dem Ziel der Erregereradikation dar. Dies gilt auch für ein abgeheiltes oder anamnestisches Ulkus [5–7].

Funktionelle Dyspepsie (Reizmagen)

Hierbei werden die Dyspepsie bei negativer Endoskopie (Ausschlussdiagnostik) und die nicht untersuchte Dyspepsie unterschieden. Bei Patienten mit länger bestehenden dyspeptischen Beschwerden und negativem Endoskopiebefund kann eine H.-pylori-Eradikation durchgeführt werden. Sie führt bei 5 bis 10% der Betroffenen zu einer anhaltenden Besserung der dyspeptischen Beschwerden [8]. Auch wenn demzufolge nur eine kleine Minderheit der Patienten von der Eradikation profitiert, wird man ihnen diese Option angesichts des Leidensdrucks und der begrenzten therapeutischen Alternativen meist nicht vorenthalten können.

Bei Patienten mit nicht untersuchten dyspeptischen Beschwerden wird entgegen anderslautenden Empfehlungen in der Literatur eine alleinige nichtinvasive Testung auf H. pylori mit anschließender Eradikationsbehandlung („test-and-treat“) nicht empfohlen. Diese Ablehnung beruht darauf, dass in Deutschland gänzlich andere Voraussetzungen vorliegen als in Ländern, in denen ein solches, insbesondere ökonomisch geprägtes Vorgehen als sinnvoll angesehen wird (z.B. Großbritannien, USA). Wir haben eine niedrigere und weiter abnehmende H.-pylori-Prävalenz und damit eine geringe Wahrscheinlichkeit für assoziierte Läsionen in der potenziellen Test-and-treat-Zielpopulation, und wir können auf eine hohe Verfügbarkeit und niedrige Kosten der Endoskopie zurückgreifen. Hinzu kommt, dass eine diagnostische Abklärung ohnehin bei allen Patienten über 55 Jahre sowie bei Vorliegen sogenannter Alarmsymptome obligat ist. Hierzu zählen ein progredientes Beschwerdebild, Blutung, Anämie, Gewichtsverlust, Dysphagie sowie peptische Ulzera oder gastrointestinale Tumoren in der Vorgeschichte.

Marginalzonen-B-Zell-Lymphom (MZBZL) vom MALT-Typ

H. pylori ist der entscheidende ätiopathogenetische Faktor für das extranodale Marginalzonen-B-Zell-Lymphom (MZBZL) des Magens vom MALT(Mucosa-associated-lymphoid tissue)-Typ. Hierfür sprechen übereinstimmend große epidemiologische Studien, histomorphologische Befunde sowie molekularbiologische und tierexperimentelle Studien [9]. Die logische Konsequenz aus diesen Erkenntissen konnte nur sein, sie auch in einen therapeutischen Ansatz überzuführen.

Heute wissen wir aus vielen Studien, dass die erfolgreiche Erregereradikation in etwa 80% der Fälle zu einer kompletten und langanhaltenden Lymphomremission führt [10]. Im Stadium I (Befall der Magenwand) ist die alleinige H.-pylori-Eradikation die Therapie der ersten Wahl mit kurativer Intention. Demzufolge sieht die Leitlinie bei einem H.-pylori-positiven MALT-Lymphom des Magens – dies ist in >90% der Fall – eine obligate Indikation für eine Eradikationsbehandlung. Selbst wenn nach erfolgreicher Erregereradikation weiterhin minimale histologische Restinfiltrate des MALT-Lymphoms und eine B-Zell-Monoklonalität persistieren, zeigen 94% dieser Patienten einen günstigen natürlichen Krankheitsverlauf [11]. In dieser Situation ist eine Strategie des beobachtenden Abwartens („watch and wait“) mit regelmäßigen endoskopisch-bioptischen Kontrollen heute das Vorgehen der Wahl.

Magenkarzinomprophylaxe

H. pylori ist ein wesentlicher Risikofaktor für das distale (Nichtkardia-) Magenkarzinom vom intestinalen und diffusen Typ. Schon 1994 wurde H. pylori von der WHO als Karzinogen der Klasse 1 eingestuft. Das Risiko der Karzinomentstehung hängt aber auch von Wirts-, Umwelt-, bakteriellen Virulenzfaktoren und von Ernährungsgewohnheiten ab. Angesichts der weiten Verbreitung der H.-pylori-Infektion einerseits und der relativen Seltenheit des Magenkarzinoms andererseits kann eine allgemeine Empfehlung zur H.-pylori-Eradikation allein unter dem Aspekt der Karzinomprävention nicht ausgesprochem werden. Allerdings kann sie mit diesem Ziel sehr wohl bei Risikopersonen erfolgen. Hierzu zählen Verwandte 1. Grades von Patienten mit Magenkarzinom, Patienten mit einer Pangastritis oder korpusdominanten H.-pylori-Gastritis, Patienten mit gastralen Adenomen sowie Patienten, bei denen eine endoskopische Mukosaresektion eines Magenfrühkarzinoms durchgeführt worden ist.

Idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) und Eisenmangelanämie

Die ITP und die trotz adäquater Diagnostik ungeklärte Eisenmangelanämie stellen bei nachgewiesener H.-pylori-Infektion mögliche Indikationen für eine Eradikationstherapie dar.

Helicobacter pylori und NSAR/ASS-Medikation

Die H.-pylori-Infektion und die Einnahme von traditionellen nichtsteroidalen Antirheumatika (tNSAR) oder Acetylsalicylsäure (ASS) sind unabhängige Risikofaktoren für gastroduodenale Ulzera. Daraus ergibt sich die Frage nach der Notwendigkeit einer H.-pylori-Eradikation bei entsprechender Medikation. Es ist hier ein sehr differenziertes Vorgehen angesagt, auf das im letzten Kapitel des Artikels eingegangen wird.

Therapie der Helicobacter-pylori-Infektion (Eradikation)

Vor Einleitung einer Therapie der H.-pylori-Infektion muss neben einer allgemein akzeptierten Indikation der Nachweis der Infektion vorliegen. Diese fast banal anmutende Empfehlung muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass keine gastroduodenale Erkrankung in einem so hohen Prozentsatz mit H. pylori assoziiert ist, dass auf einen Nachweis der Infektion verzichtet werden kann.

Für die Erstbehandlung einer H.-pylori-Infektion sollte eine mindestens einwöchige Dreifachtherapie bestehend aus einem PPI (Protonenpumpeninhibitor) und Clarithromycin plus Metronidazol oder Amoxicillin eingesetzt werden (Tab. 3) [7]. Als alternative Erstlinienprotokolle können eine sequenzielle Therapie (PPI plus Amoxicillin Tag 1–5 gefolgt von PPI plus Clarithromycin plus Imidazolderivat Tag 6–10) ebenso wie andere Vierfachtherapien ohne Sequenzaufbau berücksichtigt werden [12].

Tab. 3. Geeignete Therapieschemata zur Erstlinientherapie der H.-pylori-Infektion

Name

Tag

Schema

Dosierung

Italienische Tripeltherapie

1–7

PPI*

1–0–1

1–7

Clarithromycin 250–500 mg

1–0–1

1–7

Metronidazol 400–500 mg

1–0–1

Französische Tripeltherapie

1–7

PPI*

1–0–1

1–7

Clarithromycin 500 mg

1–0–1

1–7

Amoxicillin 1000 mg

1–0–1

Sequenztherapie

1–5

PPI*

1–0–1

1–5

Amoxicillin 1000 mg

1–0–1

6–10

PPI*

1–0–1

6–10

Clarithromycin 500 mg

1–0–1

6–10

Metronidazol 500 mg

1–0–1

Vierfachtherapie

1–7

PPI*

1–0–1

1–7

Clarithromycin 250–500 mg

1–0–1

1–7

Metronidazol 400 mg

1–0–1

1–7

Amoxicillin 1000 mg

1–0–1

*PPI: Protonenpumpenhemmer (Esomeprazol 40 mg, Lansoprazol 30 mg, Omeprazol 20 mg, Pantoprazol 40 mg, Rabeprazol 20 mg)

Wegen der verbesserten Wirksamkeit der PPI und aus Gründen der Compliance sollten alle Medikamente vor der Mahlzeit eingenommen werden. Eine vorgeschaltete säurehemmende Therapie mit einem PPI gefährdet den Eradikationserfolg nicht. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass bei einem blutenden Ulkus keine intravenöse antibiotische Therapie erforderlich ist. Die Eradikation kann bis zur Wiederaufnahme einer oralen Medikation ohne Wirkungsverlust zurückgestellt werden.

Probiotika allein bewirken keine H.-pylori-Eradikation. Sie können allerdings die Nebenwirkungsrate der Eradikationstherapie senken und auch die Wirksamkeit einer erneuten Therapie verbessern [13].

Die Auswahl des Eradikationsschemas zur Zweitlinientherapie muss die in der Erstlinientherapie eingesetzten Antibiotika einschließlich der Wahrscheinlichkeit einer Resistenzinduktion und individuellen Intoleranzen seitens des Patienten berücksichtigen (Tab. 4) [14, 15].

Tab. 4. Empfohlene Zweitlinientherapie (empirisch ohne Resistenzbestimmung)

Erstlinientherapie

Tag

Schema

Dosierung

Italienische Tripeltherapie/
Sequenztherapie

1–10

PPI*

1–0–1

1–10

Amoxicillin 1000 mg**

1–0–1

1–10

Levofloxacin 500 mg

1–0–0

1–10

PPI*

1–0–1

1–10

Amoxicillin 1000 mg

1–0–1

1–10

Rifabutin 150 mg

1–0–1

Französische Tripeltherapie

1–10

PPI*

1–0–1

1–10

Amoxicillin 1000 mg**

1–0–1

1–10

Levofloxacin 500 mg

1–0–0

1–10

PPI*

1–0–1

1–10

Amoxicillin 1000 mg

1–0–1

1–10

Rifabutin 150 mg

1–0–1

1–10

PPI*

1–0–1

1–10

Amoxicillin 750–1000 mg

1–1–1

1–10

Metronidazol 400–500 mg

1–1–1

Alle Schemata

1–14

PPI*** 40 mg

1–1–1

1–14

Amoxicillin 750–1000 mg

1–1–1

*Esomeprazol 20 mg, Lansoprazol 30 mg, Omeprazol 20 mg, Pantoprazol 40 mg, Rabeprazol 20 mg

** Bei Penicillinallergie: Rifabutin statt Amoxicillin

*** Es liegen nur Studien mit Esomeprazol und Omeprazol vor

Kontrolle des Eradikationserfolgs

Bei Patienten mit MALT-Lymphom, Ulcus duodeni mit Komplikationen und Ulcus ventriculi muss eine Kontrollendoskopie durchgeführt werden. In diesen Fällen sollte der Erfolg der Eradikationsbehandlung durch eine Kombination aus Urease-Test und Histologie überprüft werden. Ist eine Kontrollendoskopie hingegen nicht erforderlich, sollte die Eradikationskontrolle durch einen 13C-Harnstoff-Atemtest oder einen monoklonalen Stuhlantigentest erfolgen. Eine routinemäßige Suche nach einer H.-pylori-Reinfektion ist nicht erforderlich, wenn die primäre Eradikationskontrolle korrekt vorgenommen worden ist.

Nicht mit H. pylori assoziierte gastroduodenale Ulkuserkrankungen

Neben der H.-pylori-Infektion können auch andere Ursachen zu gastroduodenalen Ulzera führen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Einnahme von traditionellen nichtsteroidalen Antirheumatika (tNSAR) und ASS zu.

Wenn eine Therapie mit tNSAR begonnen wird, sollte gleichzeitig eine Behandlung mit einem Protonenpumpeninhibitor (PPI) erfolgen, sofern mindestens ein weiterer Risikofaktor für gastroduodenale Ulzera vorliegt (Tab. 5). Gleichzeitig sollte auf H. pylori untersucht und gegebenenfalls eine Eradikationsbehandlung durchgeführt werden. Im Falle einer schon laufenden NSAR-Medikation profitieren die Patienten nicht von einer H.-pylori-Eradikation, so dass darauf verzichtet werden kann.

Tab. 5. Risikofaktoren für gastroduodenale Ulzera

Alter (>60–65 Jahre)

Männliches Geschlecht

Gastroduodenale Ulzera oder gastrointestinale Blutung in der Anamnese

Orale Antikoagulation

Simultane Einnahme von Glucocorticoiden oder ASS

Die Gabe eines selektiven COX-2-Hemmers (Coxib) stellt eine Alternative zur Kombination von tNSAR und PPI dar [16]. Wird allerdings eine Dauertherapie mit einem COX-2-Hemmer und Acetylsalicylsäure durchgeführt, sollte bei Vorliegen eines weiteren Risikofaktors eine gleichzeitige Therapie mit einem PPI erfolgen.

Vor einer geplanten ASS-Dauermedikation können eine Testung auf H. pylori und gegebenenfalls eine Eradikationstherapie nicht generell empfohlen werden, da das Risiko, durch eine ASS-Monotherapie eine obere gastroduodenale Blutung zu entwickeln, eher gering ist. Im Falle einer kombinierten Therapie mit ASS und Clopidogrel sollte von vornherein eine begleitende PPI-Medikation erfolgen.

Tabelle 6 fasst die Empfehlungen zur Primärprophylaxe gastroduodenaler Blutungen bei NSAR/ASS-Medikation zusammen.

Tab. 6. Empfehlungen zur Primärprophylaxe gastroduodenaler Blutungen bei Einnahme von NSAR/ASS

PPI-Komedikation bei

– NSAR-Therapie plus ein weiterer Risikofaktor (Tab. 5)

– ASS plus Clopidogrel

– COX-2-Hemmer plus ASS plus ein weiterer Risikofaktor (Tab. 5)

H.-pylori-Eradikation in diesen Fällen optional

Wie ist es mit der Sekundärprophylaxe? Tritt eine obere gastrointestinale Blutung unter einer laufenden NSAR- oder ASS-Medikation auf, sollte im Falle einer Fortsetzung dieser Therapie stets eine begleitende Dauertherapie mit einem PPI vorgenommen werden. Gleichzeitig erscheinen eine Testung auf eine H.-pylori-Infektion und gegebenenfalls eine ergänzende Eradikationstherapie sinnvoll. Tritt unter einer ASS-Dauermedikation eine gastroduodenale Blutung auf, sollte nicht auf eine Monotherapie mit Clopidogrel übergegangen werden, sondern vielmehr eine Dauertherapie mit einem PPI initiiert werden.

Wenn für gastroduodenale Ulzera keine Ursache gefunden wird (idiopathische Ulzera), sollte eine PPI-Dauermedikation erfolgen. Das Auftreten von sogenannten Stressulzera und eine damit assoziierte gastrointestinale Blutung im Rahmen schwerer Erkrankungen wie akutem Atemnotsyndrom (ARDS), Schock mit Hypotension, Sepsis, Polytrauma, Verbrennungen, Schädelhirntraumata mit neurochirurgischen Eingriffen, Leber-/Nierenversagen oder andauernde mechanische Beatmung kann durch die prophylaktische Gabe von Protonenpumpeninbitoren (p.o. oder i.v.) reduziert werden. Als weniger wirksame Stressulkusprophylaxe steht die Gabe von H2-Blockern wie Ranitidin (3-mal 50 mg/Tag i.v. oder 2-mal 150 mg p.o.) oder von Sucralfat (4-mal 1 g/Tag p.o.) zur Verfügung.

Literatur

1. Warren JR, Marshall BJ. Unidentified curved bacilli in the stomach of patients with gastritis and peptic ulceration. Lancet 1984;1:1311–5.

2. Fischbach W, Malfertheiner P, Hoffmann JC, et al. S3-Leitlinie „Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit“ der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie – AWMF-Register-Nr. 021/001. Z Gastroenterol 2009;47:68–102.

3. Cutler AF, Havstad S, Ma CK, Blaser MJ, et al. Accuracy of invasive and noninvasive tests to diagnose Helicobacter pylori infection. Gastroenterology 1995;109:136–41.

4. Thijs JC, van Zwet AA, Thijs WJ, Oey HB, et al. Diagnostic tests for Helicobacter pylori: a prospective evaluation of their accuracy, without selecting a single test as the gold standard. Am J Gastroenterol 1996;91:2125–9.

5. Ford AC, Delaney BC, Forman D, Moayyedi P. Eradication therapy for peptic ulcer disease in Helicobacter pylori positive patients. Cochrane Database Syst Rev 2006;(2):CD003840.

6. Leodolter A, Kulig M, Brasch H, Meyer-Sabellek W, et al. A meta-analysis comparing eradication, healing and relapse rates in patients with Helicobacter pylori-associated gastric or duodenal ulcer. Aliment Pharmacol Ther 2001;15:1949–58.

7. Malfertheiner P, Megraud F, O’Morain C, Bazzoli F, et al. Current concepts in the management of Helicobacter pylori infection: the Maastricht III Consensus Report. Gut 2007;56:772–81.

8. Malfertheiner P, Layer P, Fischbach W, Mössner J. Helicobacter pylori eradication is beneficial in the treatment of functional dyspepsia. Aliment Pharmacol Ther 2003;18:615–25.

9. Fischbach W. Gastrointestinale Lymphome. Z Gastroenterol 2004;42: 1067–72.

10. Fischbach W, Goebeler-Kolve ME, Dragosics B, Greiner A, et al. Long term outcome of patients with gastric marginal zone B cell lymphoma of mucosa associated lymphoid tissue (MALT) following exclusive Helicobacter pylori eradication therapy: experience from a large prospective series. Gut 2004;53:34–7.

11. Fischbach W, Goebeler ME, Ruskone-Fourmestraux A, et al. Most patients with minimal histological residuals of gastric MALT lymphoma after successful eradication of Helicobacter pylori can be managed safely by a watch and wait strategy: experience from a large international series. Gut 2007;56:1685–7.

12. Zullo A, De Francesco V, et al. The sequential therapy regimen for Helicobacter pylori eradication: a pooled-data analysis. Gut 2007;56:1353–7.

13. Tong JL, Ran ZH, et al. Meta-analysis: the effect of supplementation with probiotics on eradication rates and adverse events during Helicobacter pylori eradication therapy. Aliment Pharmacol Ther 2007;25:55–68.

14. Gisbert JP, Morena F. Systematic review and meta-analysis: levofloxacin-based rescue regimens after Helicobacter pylori treatment failure. Aliment Pharmacol Ther 2006;23:35–44.

15. Miehlke S, Schneider-Brachert W, Kirsch C, et al. One-week once-daily triple therapy with esomeprazole, moxifloxacin, and rifabutin for eradication of persistent Helicobacter pylori resistant to both metronidazole and clarithromycin. Helicobacter 2008;13:69–74.

16. Hooper L, Brown TJ, Elliott R, et al. The effectiveness of five strategies for the prevention of gastrointestinal toxicity induced by non-steroidal anti-inflammatory drugs: systematic review. BMJ 2004;329:948.


Prof. Dr. Wolfgang Fischbach, Medizinische Klinik II und Klinik für Palliativmedizin, Klinikum Aschaffenburg, Akad. Lehrkrankenhaus der Universität Würzburg, Am Hasenkopf, 63739 Aschaffenburg, E-Mail: med2-aschaffenburg@t-online.de


Helicobacter pylori and gastroduodenal ulcer – summary of the guideline of the German Society for Digestive and Metabolic Diseases (DGVS)

This guideline updates a prior concensus recommendation of the German Society for Digestive and Metabolic Diseases (DGVS) from 1996. It was developed by an interdisciplinary cooperation with representatives of the German Society for Microbiology, the Society for Pediatric Gastroenterology and Nutrition (GPGE) and the German Society for Rheumatology. The guideline is methodologically based on recommendations of the Association of the Scientific Medical Societies in Germany (AWMF) for providing a systematic evidence-based consensus guideline of S3 level and has also implemented grading criteria according to GRADE (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation). This article summarizes the relevant recommendations of the guideline to the following aspects: diagnosis of H. pylori infection; indication for eradication therapy; eradication therapy; not with H. pylori associated gastroduodenal ulcers.

Keywords: Helicobacter pylori, gastroduodenal ulcer, ulcer disease

Arzneimitteltherapie 2009; 27(07)