Perikarditis

Colchicin verhindert Rezidive


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Auch wenn der Mitosehemmer Colchicin bereits seit längerem zur Behandlung der Perikarditis eingesetzt wird, gab es bisher keine evidenzbasierten Daten dafür. Jetzt konnte erstmals in einer doppelblinden, randomisierten Studie (CORP-Studie) die überzeugende Wirksamkeit der Substanz dokumentiert werden. Die Ergebnisse wurden beim Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) im August 2011 vorgestellt.

Die Perikarditis ist eine Erkrankung, die mit einem hohen Rezidivrisiko assoziiert ist; nach einer ersten Episode erleiden 10 bis 30%, nach wiederholten Krankheitsepisoden bis zu 50% der Patienten ein Rezidiv. Zur Therapie der rezidivierenden Perikarditis wurde die Gabe des Mitosehemmstoffs Colchicin schon bisher empfohlen, und zwar auf der Basis von Daten aus nicht randomisierten und offenen Studien.

Im Rahmen der CORP(Colchicine for recurrent pericarditis)-Studie wurden 120 Patienten mit einem ersten Perikarditis-Rezidiv randomisiert und 6 Monate lang mit Colchicin oder Plazebo behandelt. Die Colchicin-Dosis betrug je nach Körpergewicht 1 bis 2 mg am ersten Tag, anschließend 0,5 bis 1 mg täglich, aufgeteilt auf zwei Einzelgaben. Alle Patienten erhielten zudem eine entzündungshemmende Basistherapie – in über 90% der Fälle mit Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen, die übrigen mit Prednison – für 7 bis 10 Tage und dann ausschleichend für bis zu 4 Wochen. Patienten mit einer Perikarditis bakterieller oder neoplastischer Genese waren ausgeschlossen.

Primärer Endpunkt der Studie war die Rezidivrate nach 18 Monaten, sekundäre Endpunkte unter anderem die Symptompersistenz über 72 Stunden und die Remissionsrate nach einer Woche.

Rezidivrisiko halbiert

Die Auswertung der Daten ergab, dass Colchicin ein sehr wirksames Therapiekonzept darstellt. Während in der Plazebo-Gruppe 55% der Patienten innerhalb von 18 Monaten ein Rezidiv entwickelten (davon die meisten in den ersten ca. 5 Wochen), waren es in der Colchicin-Gruppe nur 24% der Patienten (p<0,001). Das bedeutet eine relative Risikoreduktion durch die Colchicin-Behandlung um 56%. Aus der absoluten Risikoreduktion um 31 Prozentpunkte ergibt sich einen Number needed to treat (NNT) von 3.

Auch die sekundären Endpunkte wurden statistisch signifikant beeinflusst. Die Besserung der Index-Perikarditis wurde beschleunigt. So waren nach drei Tagen 77% der Patienten in der Colchicin-Gruppe symptomfrei, jedoch nur 47% der Kontrollgruppe (p=0,001). Die Remissionsrate nach einer Woche betrug in der Colchicin-Gruppe 82%, in der Kontrollgruppe 48% (p<0,001).

Die Therapie wurde insgesamt gut vertragen. Nur bei 7% der Patienten in beiden Gruppen traten leichte Nebenwirkungen auf, wobei gastrointestinale Beschwerden im Vordergrund standen.

Fazit

Nach den Ergebnissen der CORP-Studie ist Colchicin ein sehr wirksames Therapiekonzept bei der rezidivierenden Perikarditis. Die Rezidivrate wird um über 50% gesenkt, und statistisch müssen nur drei Patienten behandelt werden, um ein Rezidiv zu verhindern.

Quellen

Dr. Massimo Imazio, Turin, Hotline Session im Rahmen des Europäischen Kardiologenkongresses (ESC), Paris, 28. August 2011.

Imazio M, et al. Colchicine for recurrent pericarditis (CORP). A Randomized Trial. Ann Intern Med 2011; online 28. August 2011. www.annals.org/content/early/2011/08/26/0003-4819-155-7-201110040-00359.full (Zugriff am 15.12.2011).

Arzneimitteltherapie 2012; 30(01)