Aktuelle Meldungen von EMA, FDA, BfArM und AkdÄ


Bettina Christine Martini, Legau

In dieser Rubrik werden wichtige aktuelle Meldungen nationaler und internationaler Arzneimittelbehörden zusammengefasst, die bis Redaktionsschluss vorliegen. Berücksichtigt werden Meldungen folgender Institutionen:

EMA www.ema.europa.eu

Die European Medicines Agency (EMA) ist für die zentrale Zulassung und Risikobewertung von Arzneimitteln in Europa zuständig. Die vorbereitende wissenschaftliche Evaluation erfolgt für Humanarzneimittel durch das CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use), bei Arzneimitteln für seltene Erkrankungen durch das COMP (Committee for Orphan Medicinal Products).

FDA www.fda.gov

Die US Food & Drug Administration (FDA) ist die US-amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde.

BfArM www.bfarm.de

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit und u.a. zuständig für Zulassung und Pharmakovigilanz in Deutschland.

AkdÄ www.akdae.de

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) bietet unter anderem unabhängige aktuelle neue Risikoinformationen zu Arzneimitteln (z.B. Risikobekanntgaben, Rote-Hand-Briefe).

Zulassung erfolgt für

  • Alemtuzumab (Lemtrada, Genzyme) bei schubförmig remittierender multipler Sklerose (siehe Notizen Nr. 9/2013)
  • Dabrafenib (Tafinlar, GSK) bei nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom (siehe Notizen Nr. 9/2013)
  • Lipegfilgrastim (Lonquex, Teva Pharma) zur Verkürzung der Dauer von Neutropenien und zur Verminderung der Häufigkeit von febrilen Neutropenien (siehe Notizen Nr. 7-8/2013)
  • Lomitapid (Lojuxta, Aegerion) bei familiärer Hypercholesterolämie (siehe Notizen Nr. 7-8/2013)
  • Mercaptamin (Procysbi, Raptor) bei nephropathischer Zystinose (siehe Notizen Nr. 9/2013)
  • Ponatinib (Iclusig, Ariad) bei chronisch-myeloischer Leukämie und Philadelphia-Chromosom-positiver akuter lymphatischer Leukämie (siehe Notizen Nr. 5/2013)
  • Regorafenib (Stivarga, Bayer) bei metastasiertem Kolorektalkarzinom (siehe Notizen Nr. 9/2013)
  • Teriflunomid (Aubagio, Sanofi Aventis) bei schubförmig remittierender multipler Sklerose (siehe Notizen Nr. 9/2013)
  • Vierfachkombination bei HIV-Infektion (Stribild, Gilead) für die Behandlung von Erwachsenen mit HIV-Infektionen (siehe Notizen Nr. 5/2013)

Wichtige Mitteilungen der EMA

Zulassungsempfehlung für Canagliflozin (Invokana, Janssen-Cilag): Das neue orale Antidiabetikum hemmt ein Protein in den Nieren, den so genannten Natrium-Glucose-Co-Transporter-2 (SGLT2). Dadurch wird die Rückresorption von Glucose aus dem Harn gehemmt und vermehrt Glucose ausgeschieden. Das orale Antidiabetikum soll zusätzlich zu körperlicher Ertüchtigung und Ernährungsumstellung als Monotherapie bei Patienten eingesetzt werden, die Metformin nicht vertragen oder bei denen es nicht angezeigt ist. Außerdem soll es als Zusatztherapie zu anderen Blutzucker-senkenden Substanzen einschließlich Insulin verwendet werden können.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungsempfehlung für Elvitegravir (Vitekta, Gilead Sciences): Der Integrase-Inhibitor soll in Kombination mit einem Ritonavir-geboosteten Proteasehemmer und anderen HIV-hemmenden Substanzen für die Behandlung von HIV-infizierten Patienten zugelassen werden. In einer Vierfachkombination (Stribild, Gilead) ist die Substanz bereits zugelassen.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungsempfehlung für nasalen Grippeimpfstoff (Fluenz Tetra, MedImmune LLC): Der attenuierte Lebendimpfstoff soll zur nasalen Grippeschutzimpfung bei Kindern ab zwei Jahren und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren zugelassen werden.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungsempfehlung für kutanes Lidocain/Prilocain-Spray (Plethora, Plethora Solutions): Die Kombination der beiden Lokalanästhetika soll als kutanes Spray bei Männern mit vorzeitiger Ejakulation angewendet werden.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungsempfehlung für Radium-223-chlorid (Xofigo, Bayer): Das Strahlentherapeutikum soll für die Behandlung von Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit symptomatischen Knochenmetastasen, aber ohne bekannte viszerale Metastasen zugelassen werden. Radium-223 wird wie Calcium in den Knochen eingebaut und setzt dort hochenergetische Strahlung frei, was den Knochenumbau eindämmt und zudem zytotoxisch auf Krebszellen und Knochenmetastasen wirkt.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungsempfehlung für Trastuzumab-Emtansin (Kadcyla, Roche): Die antineoplastische Substanz ist ein Konjugat aus dem Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) und dem Zytostatikum DM1 (Drug Maytansinoid 1 oder Mertansin). Beide Komponenten entfalten ihren eigenen Wirkungsmechanismus: Trastuzumab über die Blockade des Wachstumsfaktor-Rezeptors HER2 und DM1 als Spindelgift über die Hemmung der Tubulinpolymerisation. Das Konjugat soll als Monotherapie bei HER2-positivem, inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs angewendet werden bei Patienten, die zuvor mit Trastuzumab und einer Taxan-haltigen Chemotherapie separat oder kombiniert behandelt wurden.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungsempfehlung für Turoctocog alfa (NovoEight, Novo Nordisk): Der rekombinant hergestellte humane Blutgerinnungsfaktor VIII soll zur Prophylaxe und Therapie von Blutungen bei Patienten mit Hämophilie A zugelassen werden.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungsempfehlung für die Fixkombination Vilanterol/Fluticason furoat (Relvar Ellipta, Glaxo Group): Der lang wirksame Beta-Agonist Vilanterol in Kombination mit dem Glucocorticoid Fluticason soll für die Behandlung von Patienten mit Asthma bronchiale und COPD zugelassen werden.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungserweiterung für Anakinra (Kineret, Biovitrum) empfohlen: Der Immunmodulator soll nun für die Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndromen (CAPS) eingesetzt werden können. Bisher wurde der Interleukin-Inhibitor bei rheumatoider Arthritis in Kombination mit Methotrexat angewendet.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungserweiterung für Certolizumab pegol (Cimzia, UCB) empfohlen: Der TNF-alpha-Blocker soll nun auch bei axialer Spondylitis eingesetzt werden können. Dies umfasst die ankylosierende Spondylitis (AS) und die axiale Spondylarthritis ohne röntgenologischen Nachweis einer AS, aber mit Entzündungszeichen (erhöhter CRP-Wert und/oder MRT-Untersuchungen) jeweils bei Erwachsenen, die nicht ausreichend auf NSAR ansprechen oder diese nicht vertragen.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungserweiterung für Everolimus (Votubia, Novartis) empfohlen: Der Proteinkinase-Inhibitor soll zukünftig auch bei Kindern unter drei Jahren mit subependymalem Riesenzellastrozytom (SEGA) assoziiert mit TSC (Tuberous Sclerosis Complex) angewendet werden, bisher war die Anwendung erst bei Patienten ab drei Jahren zugelassen.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Zulassungserweiterung für Ipilimumab (Yervoy, Bristol-Myers Squibb) empfohlen: Der monoklonale Antikörper soll zukünftig bei fortgeschrittenem Melanom auch bei Patienten ohne Vorbehandlung eingesetzt werden. Bisher war die Anwendung von Ipilimumab nur bei vorbehandelten Patienten zugelassen.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Neue Kontraindikation für Agomelatin (Valdoxan, Thymanax, Servier) empfohlen: Das Antidepressivum darf zukünftig nicht bei erhöhten Transaminasespiegeln (3 x ULN) angewendet werden.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Neue Kontraindikation für Azilsartan medoxomil (Edarbi, Ipreziv, Takeda) empfohlen: Der Angiotensin-II-Antagonist soll bei Diabetikern und Patienten mit Nierenfunktionsstörungen mit einer glomerulären Filtrationsrate <60 ml/min nicht in Kombination mit Aliskiren eingesetzt werden.

Mitteilung der EMA vom 20.09.2013

Anwendungsbeschränkung bei Schwangeren für kurz wirkende Beta-Agonisten empfohlen: Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) empfiehlt, kurz wirkende Beta-Agonisten in oraler oder rektaler Form wegen kardiovaskulärer Risiken nicht mehr zur Wehenhemmung einzusetzen. Eine kurzzeitige Anwendung parenteraler Formen ist weiterhin möglich.

Mitteilung der EMA vom 06.09.2013

Widerruf der Zulassung und Umformulierung für Numeta G13%E (Baxter) empfohlen: Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) empfiehlt die Marktrücknahme und Umformulierung der Lösung zur parenteralen Ernährung wegen des Risikos einer Hypermagnesiämie bei Frühgeborenen. Der Widerruf der Zulassung gilt, bis eine neu formulierte Zusammensetzung verfügbar ist. Bei Numeta G16%E, das bei reifen Neugeborenen und Kindern bis zu zwei Jahren zugelassen ist, wird eine Überwachung der Magnesiumwerte empfohlen.

Mitteilung der EMA vom 06.09.2013

Wichtige Mitteilungen der FDA

Zulassung für Albumin-gebundenes Paclitaxel (Abraxane, Abraxis BioScience, Celgene): Das proteingebundene Taxan wurde für die Behandlung von Patienten mit Pankreaskarzinom in Kombination mit Gemcitabin zugelassen. In Deutschland ist Abraxane bei metastasiertem Mammakarzinom zugelassen.

Mitteilung der FDA vom 09.09.2013

Wichtige Mitteilungen der AkdÄ

Informationsbrief zu Apixaban (Eliquis, BMS, Pfizer), Dabigatranetexilat (Pradaxa, Boehringer Ingelheim) und Rivaroxaban (Xarelto, Bayer Vital) zu Risikofaktoren für das Auftreten von Blutungen: Die neuen oralen Antikoagulanzien sind in den letzten Jahren zur Prophylaxe thromboembolischer Ereignisse in vielen Indikationen zugelassen worden, in denen bisher Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Phenprocoumon, Warfarin) oder niedermolekulare Heparine angewendet wurden. Im Gegensatz zu den Vitamin-K-Antagonisten ist ein routinemäßiges Monitoring der Gerinnungshemmung nicht erforderlich. Ein spezifisches Antidot ist derzeit für keine der drei Substanzen verfügbar.

Die drei Hersteller weisen in einem mit den zuständigen Arzneimittelbehörden abgestimmten Informationsbrief darauf hin, dass auch bei den neuen oralen Antikoagulanzien ein signifikantes Risiko für schwere Blutungsereignisse, auch mit Todesfolge, besteht.

Um das Blutungsrisiko zu minimieren, müssen die verordnenden Ärzte das Blutungsrisiko der Patienten individuell beurteilen und die Angaben zu Dosierung und Gegenanzeigen sowie Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen beachten. Gemeinsam sind allen neuen oralen Antikoagulanzien die folgenden Gegenanzeigen: Akute, klinisch relevante Blutungen, Läsionen oder klinische Situationen, die als signifikanter Risikofaktor einer schweren Blutung angesehen werden, gleichzeitige Anwendung von anderen Antikoagulanzien wie zum Beispiel Heparinen oder Vitamin-K-Antagonisten (mit wenigen Ausnahmen). Auch eine Nierenfunktionsstörung kann eine Gegenanzeige darstellen, allerdings gelten hierbei für die drei Arzneimittel unterschiedliche Empfehlungen (siehe Fachinformationen).

AkdÄ Drug-Safety-Mail 50–2013 vom 09.09.2013

Rote-Hand-Brief zu Mefloquin (Lariam, Roche) wegen neuer Kontraindikationen sowie Risiko für neuropsychiatrische und andere schwerwiegende Nebenwirkungen: Mefloquin ist zugelassen zur Behandlung und Vorbeugung der Malaria, insbesondere bei der gegen andere Malariamittel resistenten Plasmodium-falciparum-Malaria. Als neue Kontraindikationen wurden Schwarzwasserfieber in der Anamnese und schwere Leberfunktionsstörungen aufgenommen. Zudem kann Mefloquin potenziell schwere neuropsychiatrische Störungen induzieren (ungewöhnliches Träumen, Insomnie, Angst, Depression, Halluzinationen, Psychose, Suizid, suizidale Gedanken und selbstgefährdendes Verhalten). Es soll zur Malaria-Chemoprophylaxe und als „Stand-by“-Notfallbehandlung nicht angewendet werden bei Patienten mit aktiven oder anamnestischen, psychiatrischen Störungen. Aufgrund der langen Halbwertszeit können Nebenwirkungen mehrere Monate nach Absetzen des Arzneimittels auftreten und mehrere Monate andauern. Bei Anzeichen neuropsychiatrischer Reaktionen soll Mefloquin umgehend abgesetzt und durch ein alternatives Arzneimittel ersetzt werden. Die Produktinformationen werden entsprechend aktualisiert.

AkdÄ Drug-Safety-Mail 52–2013 vom 11.09.2013

Rote-Hand-Brief zu Olmesartan (Olmetec, Sevikar, Daiichi Sankyo und Vocado, Votum, Berlin-Chemie) wegen Sprue-ähnlicher Enteropathie: Zwei Fallserien und eine Untersuchung der FDA weisen darauf hin, dass Olmesartan eine Sprue-ähnliche Enteropathie verursachen kann, die mit chronischen, teilweise schweren Durchfällen einhergeht. Im Zusammenhang mit anderen Sartanen wurden Fälle mit ähnlicher Symptomatik nicht beschrieben. Da sich die Symptomatik erst Monate bis Jahre nach Beginn der Einnahme manifestieren kann, wird ein Zusammenhang mit Olmesartan vermutlich meist nicht in Erwägung gezogen. Bei Patienten, die unter einer länger bestehenden Behandlung mit Olmesartan Diarrhöen mit oder ohne Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust entwickeln, ist als Differenzialdiagnose diese unerwünschte Arzneimittelwirkung in Betracht zu ziehen.

AkdÄ Drug-Safety-Mail 48–2013 vom 03.09.2013

Rote-Hand-Brief Vemurafenib (Zelboraf, Roche) wegen Risiko für eine Progression maligner Erkrankungen und DRESS-Syndrom: Vemurafenib ist zugelassen zur Monotherapie bei erwachsenen Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom. Der Hersteller informiert in einem Rote-Hand-Brief über folgende Risiken im Zusammenhang mit Vemurafenib:

  • Progression maligner Erkrankungen, die mit einer RAS-Mutation in Verbindung stehen. Deshalb soll Vemurafenib bei Patienten mit vorherigen oder anderen gleichzeitigen Krebserkrankungen, die mit einer RAS-Mutation in Verbindung stehen, mit Vorsicht angewendet werden.
  • DRESS-Syndrom (Arzneimittelausschlag mit Eosinophilie und systemischen Symptomen wie abnormen Leberfunktionstests, Nierenfunktionsstörung, interstitieller Pneumonitis und/oder Pleuraerguss und Myokarditis). Bei Patienten, die ein DRESS-Syndrom entwickeln, soll die Behandlung mit Vemurafenib dauerhaft abgebrochen werden.

AkdÄ Drug-Safety-Mail 49–2013 vom 03.09.2013

Arzneimitteltherapie 2013; 31(11)