Orthopädische Thrombose-Prophylaxe

Klinischer Alltag bestätigt Studienergebnisse mit Rivaroxaban


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

In Zulassungsstudien war Rivaroxaban bei der orthopädischen Thrombose-Prophylaxe niedermolekularem Heparin überlegen hinsichtlich der Gesamtrate venöser Thromboembolien, ohne dass damit ein erhöhtes Blutungsrisiko verbunden war. Die Ergebnisse einer Registerstudie (ORTHOTEP-Register), die die günstigen Eigenschaften von Rivaroxaban in der klinischen Praxis bestätigen, wurden im Rahmen eines von der Firma Bayer Vital GmbH veranstalteten Presseworkshops vorgestellt.

Vor fünf Jahren wurde Rivaroxaban (Xarelto®) zur Prophylaxe von venösen Thromboembolien nach elektivem Hüft- und Kniegelenksersatz zugelassen. Die während des Zulassungsverfahrens eingereichten RECORD-Studien (Regulation of coagulation in major orthopedic surgery reducing the risk of DVT and PE) hatten ergeben, dass der Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban in Hinblick auf die Verhinderung venöser Thromboembolien einem niedermolekularen Heparin überlegen ist, ohne dass die Rate schwerer Blutungen zunimmt. Auch bestand während der Therapie mit Rivaroxaban kein erhöhtes Risiko für Blutungen im Wundbereich und für Wundinfektionen [1–4].

ORTHOTEP-Register

Das ORTHOTEP-Register soll Aufschluss darüber geben, ob die Vorteile von Rivaroxaban auch im klinischen Alltag sichtbar werden. Es handelt sich dabei um eine retrospektive Analyse mit drei Kohorten von insgesamt 5346 nicht selektierten Patienten, die nach einem schweren orthopädischen Eingriff an der unteren Extremität entweder Rivaroxaban, ein niedermolekulares Heparin oder Fondaparinux erhielten. Relevante Endpunkte waren symptomatische venöse Thromboembolien, schwere Blutungen und Komplikationen, die zu einer chirurgischen Revision führten, sowie die Dauer der Hospitalisierung. Bezüglich der symptomatischen venösen Thromboembolien schnitt Rivaroxaban mit einer Ereignisrate von 2,5% im Vergleich zum niedermolekularen Heparin mit 3,9% und Fondaparinux mit 5,5% statistisch signifikant besser ab (p<0,05). Daraus ergibt sich eine relative Risikoreduktion unter Rivaroxaban gegenüber dem niedermolekularen Heparin von 39% und gegenüber Fondaparinux von 57%. Bei dem kombinierten Endpunkt schwere venöse Thromoboembolie (proximale tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie und Tod durch Lungenembolie) lag die Ereignisrate unter Rivaroxaban bei 1,0% im Vergleich zu 1,4% bei einem niedermolekularen Heparin und 1,7% bei Fondaparinux.

Zudem bestätigten die Erfahrungen aus der Praxis das in den Studien postulierte niedrige Blutungsrisiko von Rivaroxaban und die damit verbundene Therapiesicherheit. Schwere Blutungskomplikationen traten unter dem niedermolekularen Heparin bei 14,9%, unter Fondaparinux bei 11,1%, unter Rivaroxaban nur bei 7,4% der Patienten auf (p=0,001). Blutungsbedingte Re-Operationen waren unter dem niedermolekularen Heparin bei 1,7%, unter Fondaparinux bei 1,1% und unter Rivaroxaban bei 0,4% der Patienten erforderlich (p<0,001). Die Reduktion von Revisionen führte zu einer Verkürzung des stationären Aufenthalts, nämlich von durchschnittlich 11,1 Tagen unter dem niedermolekularen Heparin und 9,2 Tage unter Fondaparinux auf 8,3 Tage unter Rivaroxaban [5–7].

Fazit

Die Ergebnisse des ORTHOTEP-Registers bestätigen die in Zulassungsstudien dokumentierten positiven Eigenschaften von Rivaroxaban im klinischen Alltag. Verglichen mit einem niedermolekularen Heparin oder Fondaparinux traten unter Rivaroxaban seltener venöse Thromboembolien, schwere Blutungen und chirurgische Komplikationen auf, die eine operative Revision erforderlich machten.

Quelle

Dr. med. Patrick Mouret, Frankfurt/Main, Vortrag „Aktuell publizierte Daten zur orthopädischen Thromboseprophylaxe mit Rivaroxaban“, gehalten im Rahmen des Presseworkshops „Fortschritte mit Xarelto® in der oralen Antikoagulation: Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfolge“, Kloster Roggenburg, 19. Juli 2013, veranstaltet von Bayer Vital GmbH.

Literatur

1. Eriksson BI, et al. (RECORD 1=Regulation of coagulation in major orthopedic surgery reducing the risk of DVT and PE1). N Engl J Med 2008;358:2765.

2. Lassen MR, et al. (RECORD 3=Regulation of coagulation in major orthopedic surgery reducing the risk of DVT and PE3). N Engl J Med 2008;358:2776.

3. Kakkar AK, et al. (RECORD 2=Regulation of coagulation in major orthopedic surgery reducing the risk of DVT and PE2): Lancet 2008;372:31.

4. Turpie AGG, et al. Rivaroxaban versus enoxaparin for thromboprophylaxis after total knee arthroplasty (RECORD4): a randomised trial. Lancet 2009;373:1673–80.

5. Donath L, et al. Efficacy and safety of venous thromboembolism prophylaxis with fondaparinux or low molecular weight heparin in a large cohort of consecutive patients undergoing major orthopaedic surgery – findings from the ORTHO-TEP registry. Br J Clin Pharmacol 2012;74:947–58.

6. Beyer-Westendorf J. Efficacy and safety of rivaroxaban or fondaparinux thromboprophylaxis in major orthopedic surgery: findings from the ORTHO-TEP registry. J Thromb Haemost 2012;10:2045–52.

7. Beyer-Westendorf J. Efficacy and safety of thromboprophylaxis with low-molecular-weight heparin or rivaroxaban in hip and knee replacement surgery: findings from the ORTHO-TEP registry. Thromb Haemost 2013;109:154–63.

Arzneimitteltherapie 2013; 31(11)