Insulin degludec

Weniger Hypoglykämien, unproblematische Elimination


Veröffentlicht am: 28.11.2019

Reimund Freye, Baden-Baden

Anfang dieses Jahres wurde das Basalinsulin degludec in Deutschland zugelassen. Es weist eine sehr gleichmäßige Freisetzung sowie eine lange Halbwertszeit von rund 25 Stunden auf. In einer aktuellen Metaanalyse wurde für Insulin degludec (IDeg) ein erniedrigtes Hypoglykämierisiko im Vergleich mit Insulin glargin (IGlar) errechnet. Weitere Studien zeigen, dass IDeg ohne zu erwartende Komplikationen bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion verabreicht werden kann. Die Daten wurden auf einer von Novo Nordisk unterstützten Posterpräsentation während der Frühjahrstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Leipzig präsentiert.

Nach der subkutanen Injektion bildet IDeg (Tresiba®) ein Depot stabiler, löslicher Multihexamerketten im subkutanen Gewebe. Lediglich an den Enden dieser Ketten erfolgt die Ablösung von Wirkstoffmolekülen, die in den Blutkreislauf eingeschwemmt werden. Im Unterschied dazu lösen sich bei IGlar Kristalle unterschiedlicher Größe aus dem Depot, sodass es zu Schwankungen der Serumspiegel kommen kann.

Durch die gleichmäßige Freisetzung und die dazu sehr hohe Halbwertszeit kann IDeg, bei einmal täglicher Injektion, zu jeder Tageszeit appliziert werden. Die lange Wirkdauer von über 42 Stunden verzeiht auch einmal ein Vergessen der Injektion.

Compliance in der Insulintherapie

Dass das Vergessen sowie Unregelmäßigkeiten bei der Selbstmedikation mit Insulin durchaus häufig vorkommen, zeigte die internationale GAPP2-Online-Befragung (Global attitudes of patients and physicians 2) unter 2740 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 [1]. 19% der Patienten gaben an, in den letzten 30 Tagen zumindest eine Dosis ausgelassen zu haben, 25% hatten die Injektion zu einem anderen als dem festgelegten Zeitpunkt verabreicht, und 15% hatten die Dosis verringert. Dosisreduktionen werden oft aus Angst vor Hypoglykämien von den Patienten vorgenommen. Hypoglykämien – insbesondere nächtliche – werden von den Patienten sehr gefürchtet.

Insulin degludec verursacht weniger Hypoglykämien

In einer Metaanalyse wurde daher die Häufigkeit von Hypoglykämien unter Therapie mit IDeg mit der bei Gabe von IGlar verglichen.

Einbezogen wurden fünf Studien mit insgesamt über 1330 Patienten, die einen Typ-2-Diabetes mit mittlerer Blutzuckereinstellung aufwiesen; der HbA1c lag zwischen 7,5 und 8,5%. Bei gleicher Senkung des HbA1c um durchschnittlich einen Prozentpunkt in beiden Therapiearmen war die Anzahl der gesamten Hypoglykämien unter IDeg um 20% geringer als bei den Patienten, die mit IGlar behandelt wurden (p=0,02). Die Anzahl der nächtlichen Hypoglykämien war sogar um 31% niedriger (p=0,01) [2].

Einsatz bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion

In zwei anderen Studien wurde die Pharmakokinetik von IDeg bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion untersucht. Der Kurvenverlauf der Serumkonzentration von IDeg war bei normaler Nierenfunktion sowie bei leichter, moderater oder schwerer Einschränkung der Nierenfunktion nahezu identisch [3].

Ebenfalls unbeeinflusst war der Verlauf der Serumkonzentration bei gestörter Leberfunktion [4]. Neben Probanden mit normaler Leberfunktion wurden Patienten mit Child-Pugh A bis C einbezogen, also bis hin zu schwerster Leberzirrhose.

Vom Pankreas produziertes Insulin wird zum großen Teil in der Leber verstoffwechselt. Bei einer exogenen Gabe s.c. wird das Insulin zu rund 50% von der Niere eliminiert. Daher wäre zu befürchten, dass eine verminderte Funktion zu einem Anstieg der Insulinspiegel führt, und damit zu Hypoglykämien. Dass dies bei IDeg nicht der Fall ist, wird auf die gleichmäßigen, flachen Spiegel des Basalinsulins zurückgeführt, die auch bei eingeschränkter Nierenfunktion die Eliminationskapazität nicht übersteigen.

Quelle

Priv.-Doz. Dr. med. Elmar Jaeckel, Hannover; Posterpräsentation „Aktuelle Studiendaten zu Insulin degludec“, veranstaltet von Novo Nordisk im Rahmen der 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Leipzig, 8. Mai 2013.

Literatur

1. Grundner M, et al. 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Leipzig 2013; Poster 125.

2. Schumm-Draeger PM, et al. 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Leipzig 2013; Poster 163.

3. Jaeckel E, et al. 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Leipzig 2013; Poster 164.

4. Merker L, et al. 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Leipzig 2013; Poster 166.

Arzneimitteltherapie 2013; 31(12)