Teduglutid


Neues GLP-2-Analogon verbessert die intestinale Adaptation bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom

Bettina Hellwig, Konstanz

Das GLP-2-Analogon Teduglutid (Revestive®) ist seit September 2014 in Deutschland zur Behandlung des Kurzdarmsyndroms (Short bowel syndrome, SBS) bei Erwachsenen auf dem Markt. Der neue Wirkstoff verbessert Struktur und Funktion der Darmschleimhaut und sorgt dafür, dass Flüssigkeit und Nährstoffe im Gastrointestinaltrakt besser resorbiert werden. Dadurch ermöglicht er eine Reduktion der parenteralen Nährstoffzufuhr. In Europa und in den USA hat Teduglutid den Orphan-Drug-Status erhalten.
Arzneimitteltherapie 2015;33:149–53.

Vor allem Patienten, die große Volumen an parenteraler Ernährung benötigen, können von einer solchen Verringerung profitieren. Patienten, die nur auf geringe Mengen angewiesen sind, können unter der Anwendung von Teduglutid in manchen Fällen ihre parenterale Ernährung sogar ganz absetzen [1, 6].

Indikationsgebiet

Ein Kurzdarmsyndrom (Infokasten 1) ist durch den Funktionsverlust von Teilen des Dünndarms gekennzeichnet. Bei Erwachsenen tritt eine solche Störung meistens als Folge einer operativen Entfernung von Dünndarmabschnitten auf, unter anderem bei Morbus Crohn, einem Mesenterialinfarkt, Karzinomen, Verletzungen im Bauchraum oder Darmverschlingungen (Abb. 1).

Infokasten 1: Definition Kurzdarmsyndrom

Durch eine Verringerung der Resorptionsfläche des Darms ist die Fähigkeit vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt, den Eiweiß- und Energiestatus, den Flüssigkeits- und Elektrolytstatus sowie den Mikronährstoffstatus mit normaler Kost aufrechtzuerhalten [12]

Abb. 1. Teduglutid kann die intestinale Adaptation beim Kurzdarmsyndrom nach einer operativen Entfernung von Teilen des Dünndarms (Abb. 2) oder bei einem Funktionsverlust verbessern

Abb. 2. Einige Arten der Darmresektion [Vorlage NPS Pharma]

Da Duodenum, Jejunum und Ileum unterschiedliche Aufgaben bei der Verdauung und Resorption der Nährstoffe haben, kommt es bei einer Entfernung von Teilen des Dünndarms je nach Länge und Lokalisation zu unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomen. Als Folge der Malabsorption tritt oft eine massive Diarrhö mit nachfolgender Dehydratation und Mangelernährung auf.

Es können klinisch drei Phasen des Kurzdarmsyndroms unterschieden werden. Die Hypersekretionsphase tritt unmittelbar nach einer Operation beziehungsweise eines funktionellen Darmverlustes ein und ist gekennzeichnet durch einen ausgeprägten Flüssigkeits- und Elektrolytverlust infolge einer massiven Diarrhö. Es folgen die Adaptationsphase, welche bis zu zwei Jahre andauern kann. und schließlich die Erhaltungs- und Stabilisierungsphase.

In der Regel passen sich die verbleibenden Teile des Dünndarms innerhalb des ersten Jahres strukturell und funktionell den neuen Gegebenheiten an und gewinnen ihre Absorptionskapazität zurück, sodass die Ausfälle zumindest teilweise kompensiert werden können. Im Verlauf dieser intestinalen Adaptation kommt es zu einer Kryptenzell-Hyperplasie, zu einer verstärkten Zottenhöhe und Kryptentiefe, einer Erhöhung der Transportproteinaktivität auf der epithelialen Oberfläche sowie einer Proliferation der Enterozyten.

Um die verbleibende Resorptionskapazität maximal zu nutzen und die intestinale Adaptation anzustoßen, benötigt der Darm einen kontinuierlichen Kontakt mit Nahrung. Deshalb wird bereits unmittelbar nach der Operation mit einer enteralen Ernährung begonnen, bei der die orale Nahrungszufuhr optimiert wird (Infokasten 2).

Infokasten 2: Stadieneinteilung des Kurzdarmsyndroms

Im selbstlimitierenden Stadium des Kurzdarmsyndroms besteht nach Abschluss der Adaptationsphase erneut eine vollständige Darmfunktionalität. Während beim Kurzdarmsyndrom mit passagerem Darmversagen „intestinal failure“ eine längere Adaptationsphase zur vollständigen Stabilisierung erforderlich ist, bezeichnet ein chronisches Darmversagen einen Zustand, der eine dauerhafte parenterale bzw. gemischt enteral-/parenterale Ernährung erforderlich macht [9]

Eine solche Ernährungstherapie wird jedoch von Patienten mit schwerer Malabsorption nicht immer gut vertragen und hilft unter Umständen nicht immer, das vollständige resorptive Potenzial des Darmtrakts wieder zu erlangen [10, 11].

Spätestens bei Ausbildung eines Kurzdarmsyndroms müssen die Patienten eine auf ihr Krankheitsbild abgestimmte Ernährungstherapie erhalten. Viele Betroffene benötigen dann je nach Ausmaß der Störung dauerhaft zusätzlich eine parenterale Ernährung, um ausreichend mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt zu werden. Zu den Risiken einer parenteralen Ernährung gehören schwerwiegende Komplikationen wie lebensbedrohliche Infektionen, Thrombosen sowie Leber- und Nierenschäden.

Teduglutid wird eingesetzt, um die intestinale Adaptation zu fördern und so die Abhängigkeit von einer parenteralen Ernährung zu verringern. Als GLP-2-Analogon imitiert es die Einflüsse der Glucagon-like-Peptide-1 und -2 (GLP-1 und GLP-2) auf die Darmfunktion. Zu den weiteren natürlichen endogenen Faktoren, die diese unterstützen, gehören das menschliche Wachstumshormon, der epidermale Wachstumsfaktor, Enteroglucagon, Cholecystokinin, Gastrin, Insulin und Neurotensin.

Das menschliche GLP-2 ist ein Peptid, das aus 33 Aminosäuren besteht. Nach der Nahrungsaufnahme wird es von intestinalen L-Zellen aus der Darmschleimhaut und aus dem Dickdarm sezerniert und fördert die intestinale Absorption der Nährstoffe. Unter anderem führt es zu einer Erhöhung des intestinalen und portalen Blutflusses, hemmt die Sekretion der Magensäure und senkt die gastrointestinale Motilität. Nachdem es seine Wirkung entfaltet hat, wird es rasch durch das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-IV (DPP-IV) abgebaut. Seine Halbwertszeit liegt bei rund sieben Minuten [1, 14, 15].

Pharmakologie

Pharmakodynamik

Teduglutid ist ein rekombinantes Analogon des körpereigenen Glucagon-like Peptide 2 (GLP-2) und besteht wie dieses aus 33 Aminosäuren. Teduglutid wirkt genauso wie die natürliche Substanz, hat aber mit zwei Stunden eine längere Halbwertszeit. Diese Verlängerung ist durch den Austausch der Aminosäure Alanin gegen Glycin an der zweiten Position am N-terminalen Ende bedingt. Dadurch verzögert sich bei Teduglutid der Abbau durch das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-IV (DPP-IV), und die Halbwertszeit verlängert sich.

Wie GLP-2 erhöht auch Teduglutid den intestinalen und den portalen Blutfluss, hemmt die Sekretion von Magensäure und senkt die gastrointestinale Motilität. Zudem wirkt Teduglutid auf die Darmschleimhaut. In präklinischen Studien konnte Teduglutid in vivo die Integrität der Darmschleimhaut bewahren, indem es ihre Reparatur und ihr Wachstum förderte. Auch führte es zu einer Vergrößerung der Darmzotten und einer Vertiefung der Krypten in der Darmmukosa. Dadurch verbessert sich die Absorption von Nährstoffen und Flüssigkeiten aus dem Darm [15] (Abb. 3).

Nach einem chirurgischen Eingriff am Darm sollte zunächst eine Phase der intestinalen Adaptation abgewartet werden, in der sich die Darmfunktion an die verringerte Darmgröße angleicht. Die Therapie mit Teduglutid sollte erst dann begonnen werden, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die Darmfunktion stabil ist. Vor Beginn der Therapie sollte außerdem eine Optimierung und Stabilisierung der intravenösen Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr angestrebt werden.

In Studien angewendet wurde Teduglutid bisher ausschließlich bei Patienten mit einem Kurzdarmsyndrom in der späten Adaptationsphase beziehungsweise bereits in der Stabilisierungs- und Erhaltungsphase. Zu diesem Zeitpunkt hat sich ein individuell stabiler enteraler und/oder parenteraler Supplementationsbedarf eingestellt und es ist unter konservativ diätischen Maßnahmen („Weaning von der parenteralen Ernährung“) eine durchgreifende Besserung nicht mehr zu erwarten.

Der Effekt der Behandlung mit Teduglutid sollte nach sechs Monaten beurteilt werden. Dabei sind individuelle Behandlungsziele und Präferenzen des Patienten zu berücksichtigen. Wenn keine allgemeine Verbesserung der Beschwerden erzielt wird, sollte die Behandlung abgesetzt werden. Auch wenn Patienten nicht mehr parenteral ernährt werden müssen, sollten sie die Behandlung fortsetzen [16].

Abb. 3. Beispiel für eine erhöhte Zottenhöhe bei einem Patienten mit KDS, der im Rahmen der Machbarkeitsstudie 21 Tage lang 0,10 mg/kg/Tag Teduglutid erhielt [Vorlage NPS Pharma]. Bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom und End-Jejunostomien erhöhte Teduglutid deutlich die Zottenhöhe (+38%, p=0,030) [7]

Pharmakokinetik

Einige wichtige pharmakokinetische Parameter von Teduglutid sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Tab. 1. Pharmakokinetische Parameter von Teduglutid

Absolute Bioverfügbarkeit

88%

Zeit (tmax) bis zum Erreichen der maximalen Plasmakonzentration nach s.c. Injektion

3–5 Stunden

Verteilungsvolumen nach subkutaner Injektion

26 l

Metabolismus

Abbau durch Peptidasen

Exkretion

Renal

Plasma-Clearance nach i.v. Verabreichung

Etwa 127 ml/Stunde und kg, entspricht der glomerulären Filtrationsrate (GFR)

Terminale Eliminationshalbwertszeit

Etwa 2 Stunden

Klinische Studien

Daten zur Wirksamkeit von Teduglutid

Teduglutid wurde in mehreren klinischen Studien bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom untersucht. Eingesetzt wurden Dosierungen von 0,05 mg/kg/Tag und 0,10 mg/kg/Tag über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren [1–5, 8, 13].

In der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie STEPS [5] wurden Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Teduglutid bei 86 Patienten mit einem Kurzdarmsyndrom getestet, die zuvor als Einschlusskriterium über eine Dauer von mindestens zwölf Monaten an mindestens drei Tagen pro Woche parenteral ernährt werden mussten.

Studiendesign und -ziel

Die Probanden wurden in 29 Zentren in Nordamerika und Europa aufgenommen. Die Studie umfasste eine anfängliche Optimierungs- und Stabilisierungsperiode bei der parenteralen Ernährung.

Anschließend wurden die Probanden im Verhältnis 1:1 randomisiert. Die Hälfte von ihnen erhielt 24 Wochen lang entweder 0,05 mg pro Kilogramm Körpergewicht Teduglutid subkutan, die andere Hälfte ein Placebo. 78 Patienten nahmen bis zum Ende an der Studie teil.

Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war der Anteil der Patienten, die bis Woche 20 bei der parenteralen Ernährung eine Reduktion des wöchentlichen Volumens von 20% oder mehr erzielten und dieses Ansprechen gegenüber der Basislinie bis Woche 24 aufrechterhielten. Zu den sekundären Studienendpunkten gehörten neben einer Reduktion der parenteralen Ernährung die direkten Auswirkungen der verbesserten Flüssigkeitsaufnahme des Darms.

Studienergebnisse

In der Teduglutid-Gruppe konnten 63% (27/43) der Patienten ihren Bedarf an parenteraler Ernährung in der 20. und 24. Woche im Vergleich zur Ausgangssituation um mindestens 20% reduzieren. In der Placebo-Gruppe war dieser Anteil mit 13 von 43 Patienten (30%) statistisch signifikant geringer (p=0,002). 54% der Patienten konnten mindestens einen Tag pro Woche weniger parental ernährt werden, gegenüber 23% in der Placebo-Gruppe (p 0,005).

Die Patienten der Teduglutid-Gruppe konnten innerhalb von 24 Wochen ihren Bedarf an parenteraler Ernährung um durchschnittlich 4,4 l/Woche reduzieren, wobei die Ausgangsmenge vor der Behandlung bei 12,9 l gelegen hatte. Die Patienten der Placebo-Gruppe erzielten lediglich eine Verringerung von 2,3 l/Woche gegenüber einer vor der Behandlung ermittelten Basismenge von 13,2 l/Woche (p0,001).

Mehr als 97% der Teilnehmer der STEPS-Studie, die die entsprechenden Kriterien erfüllten, entschieden sich auch für die Teilnahme an STEPS-2 [2]. In dieser offenen Fortsetzungsstudie erhielten alle Teilnehmer für maximal weitere 24 Monate eine Therapie mit Teduglutid. Dabei erhöhte sich die Anzahl der Patienten, die komplett ohne Infusionsernährung auskamen oder infusionsfreie Tage pro Woche gewinnen konnten, im zweiten Jahr weiter. Die mittlere Reduktion des Infusionsvolumens lag bei 7,6 l/Woche. Bei Abschluss von STEPS-2 benötigten 13 Patienten (von ursprünglich 88 eingeschlossenen) keine weitere parenterale Unterstützung. 93% der Patienten, die mit Teduglutid behandelt wurden, zeigten ein klinisches Ansprechen.

Mittlerweile liegen auch die Daten von 14 Patienten aus STEPS-3 [3] vor, einer einjährigen Erweiterungsstudie von STEPS-2, in der sich eine weiterhin anhaltende Wirkung von Teduglutid zeigte.

Daten zur Verträglichkeit

In klinischen Studien traten bei 52% der Patienten (n=109), die mit einer Dosierung von 0,05 mg/kg/Tag und 0,10 mg/kg/Tag bis zu 24 Wochen lang behandelt wurden, unter der Therapie mit Teduglutid unerwünschte Ereignisse auf; unter der Placebo-Therapie war dies bei 36% der Patienten der Fall [1, 16].

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren gastrointestinaler Natur. Dazu gehörten abdominale Schmerzen und Blähungen (49%), Atemwegsinfektionen (28%), Übelkeit (27%), Reaktionen an der Injektionsstelle (21%), Kopfschmerzen (17%), Erbrechen (14%) und periphere Ödeme (10%). Die Mehrheit der Reaktionen war leicht oder mäßig stark ausgeprägt.

Bei Auftreten von Symptomen, die einem Krankheitsbild der Gallenblase beziehungsweise der Gallenwege zugeordnet werden können, bei Affektion der Bauchspeicheldrüse oder rezidivierenden (Sub-)Ileuszuständen wird empfohlen, die Therapie passager zu unterbrechen und die Indikation zur Wiederaufnahme der Behandlung mit Teduglutid streng zu stellen.

Teduglutid kann das Wachstum von Zellen in der Darmwand stimulieren und dadurch theoretisch das Risiko für Neoplasien im Dünndarm und/oder Kolon erhöhen. Nach den bisherigen klinischen Daten lässt sich ein solches Risiko weder bestätigen noch ausschließen. Im Rahmen der klinischen Studien wurde das Wachstum von gutartigen Darmpolypen beobachtet. Deren Häufigkeit war jedoch in der Verum-Gruppe nicht höher als bei den Patienten unter Placebo. Zu Beginn einer Behandlung mit Teduglutid sollte eine Index-Koloskopie mit vollständiger endoskopischer Entfernung etwaiger Kolonpolypen erfolgen. Während der ersten beiden Behandlungsjahre wird eine jährliche Nachfolgekoloskopie empfohlen. Weitere Koloskopie-Untersuchungen sollten im Mindestabstand von fünf Jahren wiederholt werden, wenn nicht individuell engmaschigere Kontrollen als notwendig erachtet werden. Im Falle einer Malignität ist die Behandlung mit Teduglutid zu beenden.

Bei Patienten mit einer malignen Grunderkrankung oder einem Malignitätsverdacht ist die Behandlung mit Teduglutid kontraindiziert. Dies gilt auch für Patienten mit zurückliegenden malignen Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes einschließlich des hepatobiliären Systems innerhalb eines zurückliegenden Zeitraums von fünf Jahren.

Weil sich unter der Therapie mit Teduglutid die Flüssigkeitsabsorption aus dem Darm erhöht, sollten Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinsuffizienz und Hypertonie hinsichtlich einer Flüssigkeitsretention überwacht werden, insbesondere bei Therapiebeginn. Sie sollten darauf hingewiesen werden, bei Anzeichen einer Herzschwäche, wie einer plötzlichen Gewichtszunahme, Schwellungen der Fußknöchel und/oder einer Dyspnoe, ihren Arzt aufzusuchen. Generell kann eine Flüssigkeitsretention durch angemessene und rechtzeitige Bewertung des Bedarfs an parenteraler Ernährung vermieden werden. Da sich beim Absetzen das Risiko für eine Dehydrierung erhöht, sollte ein solches nur mit Vorsicht erfolgen.

Bei Patienten, die täglich 0,05 mg/kg Körpergewicht Teduglutid für bis zu 30 Monate im Rahmen der Langzeit-Verlängerungsstudien erhielten, wurden keine neuen Nebenwirkungen beobachtet. In STEPS-3 entwickelten drei Patienten spezifische Antikörper gegen Teduglutid, was aber weder Wirkung noch Sicherheit der Therapie zu beeinträchtigen schien.

Daten zu Wechselwirkungen

Es wurden bislang keine Untersuchungen zur Erfassung von Arzneimittel-Wechselwirkungen publiziert. Eine In-vitro-Studie zeigte, dass Teduglutid Cytochrom-P450-Enzyme nicht inhibiert.

Basierend auf der pharmakodynamischen Wirkung von Teduglutid besteht die Möglichkeit einer erhöhten Absorption der Begleitmedikation. Deshalb sollten Patienten, die eine orale Begleitmedikation erhalten, welche eine Dosistitration erfordert oder einen engen therapeutischen Bereich hat, aufgrund eventuell erhöhter Absorption sorgfältig überwacht werden.

Indikation, Dosierung, Einsatz und Handhabung

Zulassungsstatus

Teduglutid ist seit August 2012 in der Europäischen Union zugelassen und wurde im September 2014 in Deutschland eingeführt.

Dosierungsempfehlungen

Teduglutid steht in Form eines Pulvers mit Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung zur Verfügung. Nach Rekonstitution enthält jede Durchstechflasche 5 mg Teduglutid in 0,5 ml Lösung (10 mg/ml).

Teduglutid wird einmal täglich in Form der rekonstituierten Lösung in einer Dosis von 0,05 mg/kg Körpergewicht subkutan injiziert. Das Präparat darf nicht intravenös oder intramuskulär angewendet werden. Das benötigte Volumen kann anhand einer Tabelle in der Fachinformation ermittelt werden. Bei Unverträglichkeiten kann eine Verminderung der täglichen Dosis in Betracht gezogen werden.

Für die Injektion sollte jedes Mal ein anderer Teil des Abdomens als Injektionsstelle gewählt werden. Wird eine Injektion ins Abdomen durch Schmerzen, narbiges oder verhärtetes Gewebe behindert, kann sie auch in den Oberschenkel erfolgen. Falls eine Dosis vergessen wird, muss die Injektion so bald wie möglich am selben Tag nachgeholt werden.

Eine Dosisanpassung bei Patienten über 65 Jahren ist nicht erforderlich. Auch bei Patienten mit einer leicht ausgeprägten Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Basierend auf einer klinischen Studie mit Patienten im Child-Pugh-Stadium B ist eine Dosisanpassung bei leicht und mäßig eingeschränkter Leberfunktion nicht erforderlich. Bei Patienten mit einer mäßigen oder schweren Nierenfunktionsstörung (Creatinin-Clearance <50 ml/min) und bei Patienten mit terminalen Nierenerkrankungen wird empfohlen, die tägliche Dosis zu halbieren. Klinische Studien an Patienten mit schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen wurden nicht durchgeführt.

Sicherheit und Wirksamkeit von Teduglutid bei Kindern und Heranwachsenden (<18 Jahre) sind nicht erwiesen.

Bei Schwangeren und Stillenden sollte die Anwendung von Teduglutid wegen fehlender Daten vermieden werden.

Kosten der Therapie

Die Kosten einer Jahrestherapie liegen bei etwa 280000 Euro.

Fazit

Das GLP-2-Analogon Teduglutid ist das erste und bisher einzige in der Europäischen Union zugelassene Arzneimittel für die gezielte Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem Kurzdarmsyndrom mit chronischem Darmversagen im Sinne einer „targeted therapy“. Weil die Zahl der Patienten niedrig ist, hat es den Orphan-Drug-Status erhalten.

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Teduglutid zur Wiederherstellung einer normalen Darmfunktion beitragen kann und insbesondere den Bedarf einer parenteralen Ernährung zu reduzieren vermag. Einzelne Patienten konnten unter Teduglutid vollständig von der parenteralen Ernährung entwöhnt werden.

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren gastrointestinaler Natur, was mit der Wirkungsweise von Teduglutid und der Grunderkrankung zusammenhängt. Weil Teduglutid das Wachstum von Zellen in der Darmwand stimuliert, kann seine Anwendung möglicherweise das Risiko für Neoplasien im Darm erhöhen.

Damit neue Erkenntnisse zur Sicherheit der Substanz schnell erkannt werden können, unterliegt die Teduglutid-Behandlung einer zusätzlichen Überwachung. Bei allen Patienten sollte die Wirksamkeit und Sicherheit gemäß den klinischen Behandlungsleitlinien regelmäßig und engmaschig überwacht werden.

Interessenskonflikterklärung

Es liegen keine Interessenskonflikte vor.

Danksagung

Die Redaktion dankt Dr. Daniel Vidaček und Prof. Dr. Frank Lammert, Homburg, für ihre Expertise und inhaltlichen Anregungen.

Literatur

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3. Iyer K, Fujioka K, Boullata JI, Ziegler TR. Long-term safety and efficacy with teduglutide treatment in patients with intestinal failure associated with short bowel syndrome (SBS–IF): The STEPS-3 Study. Poster presented at the 36th European Society for Clinical Nutrition and Metabolism Congress; September 6–9, 2014; Geneva, Switzerland.

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16. Fachinformation zu Revestive®, Stand Mai 2014.

Dr. rer. nat. Bettina Hellwig, Am Guckenbühl 13, 78465 Konstanz, E-Mail: bhellwig@bettina-hellwig.de

Teduglutide: novel analogue of glucagon-like peptide 2 (GLP-2) enhances structural adaptation of the small intestinal mucosa in patients with short bowel syndrome

Teduglutide (Revestive®) is a novel analogue of glucagon-like peptide 2 (GLP-2) indicated for the treatment of short bowel syndrome – intestinal failure subjects. Teduglutide enhances the structural adaptation of the small intestinal mucosa, improves intestinal absorption and enables reduction of parenteral nutrition and/or intravenous fluids in patients with intestinal failure associated with short bowel syndrome.

Key words: Teduglutide, glucagon-like peptide 2, GLP-2, short bowel syndrome, SBS, small intestine, structural adaptation, intestinal absorption

Arzneimitteltherapie 2015; 33(05)