Osteosarkom

Welche Möglichkeiten bietet die Zukunft?


Dr. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Das Osteosarkom gehört zu den Orphan Diseases. In Deutschland erkranken jährlich etwa 200 Menschen, meist Jugendliche oder junge Erwachsene. Mit Etablierung der Chemotherapie in den 70er-Jahren wurden zwar bedeutende Fortschritte in der Therapie erreicht, weitere Verbesserungen durch Dosisintensivierungen oder Gabe zusätzlicher Chemotherapeutika lassen jedoch auf sich warten. Mit der Frage nach den therapeutischen Möglichkeiten der Zukunft befasste sich ein von der Firma Takeda veranstaltetes „Meet-the-Expert“ im Rahmen der 5. Sarkomkonferenz 2015 in Münster.

Das Osteosarkom ist ein meist hochmaligner Tumor, der häufig in der Metaphyse eines langen Röhrenknochens auftritt, besonders in der Knieregion. Zum Zeitpunkt der Diagnose weisen 10 bis 20% der Patienten makroskopisch Metastasen – bevorzugt der Lunge – auf. Bei bis zu 90% der Patienten sind bei Diagnosestellung bereits okkulte Metastasen vorhanden. Daher wird der Operation des Osteosarkoms eine neoadjuvante Chemotherapie mit Cisplatin, Adriamycin und hoch dosiertem Methotrexat vorgeschaltet, die nach der Resektion des Tumors fortgesetzt wird. Die 5-Jahres-EFS-Rate (EFS = ereignisfreies Überleben) beträgt unter dieser Therapie beim lokalisierten Osteosarkom 60 bis 70%. Das Spektrum an wirksamen, medikamentösen Therapien ist im Vergleich zu anderen Tumoren jedoch relativ schmal, insbesondere wenn Fernmetastasen oder ein Tumorrezidiv aufgetreten sind. Bahnbrechende neue Arzneimittel sind nicht in Sicht. Einzig das seit 2010 in Deutschland erhältliche immunmodulatorisch wirksame Muramyl-Tripeptid-Phosphatidyl-Ethanolamin (MTP, Mifamurtid) stellt einen Therapiefortschritt dar.

Mifamurtid: Erfolg versprechende adjuvante Substanz

Mifamurtid ist zugelassen für die Therapie des nicht metastasierten, reserzierbaren hochmalignen Osteosarkoms bei Patienten unter 30 Jahren in Kombination mit einer Chemotherapie.

In einer prospektiven, randomisierten Phase-III-Studie erhielten 662 Patienten postoperativ in einem 2×2-faktoriellen Design eine Polychemotherapie (Cisplatin, Doxorubicin, Methotrexat) mit oder ohne Ifosfamid und zusätzlich Mifamurtid zu beiden Regimen.

Es zeigte sich, dass durch Zusatz von Mifamurtid zur Kombinationschemotherapie das Gesamtüberleben signifikant gegenüber der alleinigen Chemotherapie erhöht war (Verbesserung des 6-Jahres-Überlebens von 70% auf 78%; Hazard-Ratio 0,71; 95%-Konfidenzintervall 0,52–0,96) [1].

Aktive Immuntherapie

Mifamurtid aktiviert wahrscheinlich tumorassoziierte Makrophagen und führt zu einer Freisetzung von proinflammatorischen und anti-tumoralen Zytokinen, die auf die Mikrometastasen in der Lunge einwirken. Damit ist Mifamurtid seit über 25 Jahren die erste Substanz, die in Kombination mit der etablierten Chemotherapie das Überleben von Osteosarkom-Patienten weiter verlängern konnte.

Genomforschung ausbauen

Auf weitere interessante therapeutische Ansätze kam Prof. Heribert Jürgens, ehemaliger Direktor der Pädiatrischen Hämatologie und Onkologie der Universität Münster, zu sprechen. Doch auch er konnte auf keine neuen bahnbrechenden Arzneimittel verweisen. Zwar gäbe es interessante Ansätze in der frühen experimentellen Phase, eine zukunftsweisende neue Substanz sei jedoch nicht in Sicht. Jürgens plädierte für eine Intensivierung der Genomforschung, um molekulargenetische Veränderungen identifizieren zu können. Dies könnte die Basis sein, um mögliche Zielstrukturen für neue Therapieansätze zu identifizieren. Interessant sei es auch, Biomarker zu finden, die eine Vorhersage in Bezug auf das Ansprechen der Therapie und eine Einschätzung der Prognose erlauben würden.

Quelle

Prof. Paul Meyers, New York; Prof. Heribert Jürgens, Münster, Dr. Lilianna Wielitzek, Berlin; Meet-the-Expert: „Mepact® (Mifamurtid) – Behandlung des Osteosarkompatienten“, veranstaltet von Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG im Rahmen der Sarkomkonferenz 2015, Münster, 26. Februar 2015.

Literatur

1. Meyers PA, et al. Osteosarcoma: The addition of muramyl tripeptide to chemotherapy improves overall survival – a report from the Children’s Oncology Group. J Clin Oncol 2008;26:633–8.

Arzneimitteltherapie 2015; 33(07)