Hepatitis C

C-EDGE: Grazoprevir/Elbasvir erfolgreich auch bei vorbehandelten, HIV-koinfizierten Zirrhose-Patienten …


Simone Reisdorf, Erfurt

Die Behandlung mit der Zweifachkombination aus dem NS3/4A-Inhibitor Grazoprevir und dem NS5A-Inhibitor Elbasvir führt bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten mit Hepatitis C zu einer anhaltenden Viruseradikation. Dies gilt für Menschen mit den verschiedenen HCV-Genotypen, Begleiterkrankungen und Vortherapien. Auf der 50. Tagung der European Association for the Study of the Liver (EASL) in Wien, Österreich, wurden erstmals die Daten der C-EDGE-Studien zur Behandlung mit Grazoprevir/Elbasvir bei Patienten mit den HCV-Genotypen 1, 4 und 6 präsentiert.

In C-EDGE TN (treatment-naiv) wurden 316 therapienaive HCV-Patienten von Anfang an mit Grazoprevir/Elbasvir behandelt. In C-EDGE TE (treatment-experienced) waren es 421 Patienten mit erfolgloser Vorbehandlung, und in C-EDGE CO-INFXN 218 Personen, die zugleich HCV- und HIV-infiziert waren. In allen drei Kollektiven zeigte sich die direkt antivirale Kombination erfolgreich. Dies galt jeweils auch für Patienten mit Leberzirrhose.

Nicht vorbehandelte Patienten: 95%iger Therapieerfolg bei guter Verträglichkeit

In der verblindeten, randomisierten, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie C-EDGE TN wurden 316 Patienten zwölf Wochen lang mit der Zweifachkombination ohne Zugabe von Ribavirin behandelt. Eine anhaltende Viruseradikation zwölf Wochen nach Therapieende (Sustained virological response, SVR-12) zeigten 95% von ihnen; für den in Europa besonders häufigen Subtyp 1b waren es sogar 99%. Nur bei 13 Studienteilnehmern (4%) war die sofortige Behandlung mit Grazoprevir/Elbasvir nicht erfolgreich.

Eine Placebo-Gruppe im eigentlichen Sinne gab es nicht, denn dies wäre unethisch gewesen. Die 105 Kontrollpatienten, die in den ersten zwölf Wochen ein Scheinmedikament bekamen, wurden noch weitere vier Wochen beobachtet und dann ohne weiteren Verzug ebenfalls einer zwölfwöchigen Behandlung mit Grazoprevir/Elbasvir zugeführt.

Die unerwünschten Wirkungen der Therapie mit Grazoprevir/Elbasvir korrespondierten mit denen unter Placebo. Bei jeweils 3% der Patienten traten schwere unerwünschte Wirkungen auf, die aber nicht behandlungsbezogen waren. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse unter Grazoprevir/Elbasvir versus Placebo waren Kopfschmerz (17% vs. 18%), Fatigue (16% vs. 17%), Übelkeit (9% vs. 8%) und Gelenkschmerz (6% vs. 6%).

Auch in der Studie C-EDGE CO-INFXN, an der ausschließlich nicht vorbehandelte Patienten mit HCV- und zusätzlicher HIV-Infektion teilnahmen, hatten nach zwölfwöchiger Ribavirin-freier Behandlung die Studienteilnehmer zu 95% eine SVR-12.

Erfolglos vorbehandelte Patienten: SVR-12 bei 93% bis 100%

Eine besondere Herausforderung ist es, HCV-Patienten zu behandeln, die auf eine frühere Behandlung – meist mit pegyliertem Interferon und Ribavirin – nicht oder nur teilweise respondiert oder die nach anfänglichem vermeintlichem Therapieerfolg einen Rückfall erlitten haben.

Die 420 Teilnehmer von C-EDGE TE waren bereits erfolglos vorbehandelt. Um nun das für Grazoprevir/Elbasvir optimale Therapieregime zu ermitteln, wurden sie gleich in vier Studienarme randomisiert: Sie wurden entweder 12 oder 16 Wochen lang einmal täglich mit Grazoprevir/Elbasvir behandelt, jeweils mit oder ohne zusätzliche zweimal tägliche Gabe von Ribavirin.

Bei zwölfwöchiger Behandlung mit Grazoprevir/Elbasvir erlebten nur 6% der Patienten ein Krankheitsrezidiv. 94% (mit Ribavirin) bzw. 92% (ohne Ribavirin) waren auch 12 Wochen nach Therapieende noch immer virenfrei. Patienten mit 16-wöchiger Therapie erreichten dieses Ziel in 97% (mit Ribavirin) bzw. 92% (ohne Ribavirin) der Fälle.

Subgruppen mit Zirrhose: Zwölf Wochen sind in der Regel (mehr als) genug

22%, 16% bzw. 35% der Population in C-EDGE TN, TE bzw. CO-INFXN hatten einen strukturellen Leberschaden. Auch für diese Subgruppen wurden Daten vorgestellt: 97% der Zirrhotiker in C-EDGE TN und alle Zirrhotiker in C-EDGE CO-INFXN erlangten nach nur zwölfwöchiger Behandlung mit Grazoprevir/Elbasvir ohne Ribavirin eine SVR-12.

Von den zirrhotischen Patienten in C-EDGE TE zeigten 89% derjenigen mit zwölfwöchiger Behandlung eine SVR-12. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie zusätzlich Ribavirin erhalten hatten oder nicht. Bei 16-wöchiger Behandlung schafften 92% (Ribavirin-freie Therapie) bzw. 100% (Ribavirin-haltige Therapie) der vorbehandelten Zirrhose-Patienten in C-EDGE TE dieses Ziel.

In einer anderen Studie, C-SWIFT, hatte sich sogar eine achtwöchige Behandlung mit Grazoprevir/Elbasvir plus Sofosbuvir als ausreichend erwiesen, wenn die Zirrhose-Patienten an einer HCV vom Genotyp 1 litten.

Quelle

Dr. Eliav Barr, Vizepräsident, Infectious Diseases, Merck Research Laboratories, Kenilworth, USA: MSD Presseworkshop. Veranstaltet auf dem 50th International Liver Congress (ILC) am 24.04.2015, Wien, Österreich.

Literatur

Bei der Verfasserin.

Arzneimitteltherapie 2015; 33(10)