Kopf-Hals-Tumoren

Immuntherapie mit Nivolumab verlängert Überleben


Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Patienten mit einem metastasierten oder rezidivierten Tumor in Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf nach einer Platin-basierten Chemotherapie haben eine sehr schlechte Prognose. Auch die therapeutischen Möglichkeiten von ärztlicher Seite sind in diesem Stadium sehr eingeschränkt. Der monoklonale Antikörper Nivolumab hat nun in einer Phase-III-Studie die Lebenszeit der Patienten geringfügig verlängert und zeigte weniger Nebenwirkungen als die Standardtherapie.

Nivolumab bindet an den Immun-Checkpoint PD-1 (Programmed death receptor 1) auf T-Zellen. Das führt zu einer gesteigerten T-Zell-Aktivität gegen die Tumorzellen. Der Antikörper aktiviert das Immunsystem also gegen die Krebszellen, eine direkt gegen den Tumor gerichtete Wirkung hat Nivolumab nicht. In Deutschland ist es bereits zugelassen für die Therapie von nichtkleinzelligen Lungenkarzinomen, Melanomen und Nierenzellkarzinomen. Ob der monoklonale Antikörper auch bei Tumoren im Kopf- und Hals-Bereich wirksam ist, wurde in der CheckMate-141-Studie geprüft (Tab. 1).

Tab. 1. Studiendesign von CheckMate-141 [nach Ferris RL et al.]

Erkrankung

Rezidivierendes Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich

Studienziel

Nachweis, ob Nivolumab die Überlebenszeit bei Patienten mit rezidivierendem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich signifikant gegenüber einer Standardtherapie verlängert

Studientyp

Interventionsstudie

Studienphase

Phase III

Studiendesign

Randomisiert, offen, parallel

Eingeschlossene Patienten

361, davon erhielten 347 mind. eine Dosis

Intervention

  • Nivolumab 3 mg/kg Körpergewicht (n=236)
  • Methotrexat 40–60 mg/m2 Körperoberfläche (n=46) oder Docetaxel 30–40 mg/m2 Körperoberfläche (n=52) oder Cetuximab 250 mg/m2 Körperoberfläche mit einer Anfangsdosis von 400 mg/m2 Körperoberfläche (n=13)

Primäre Endpunkte

Überlebensrate (Zeit von der Randomisierung bis zum Todestag)

Sekundäre Endpunkte

Progressionsfreies Überleben, objektive Ansprechrate, Sicherheit, vom Patienten eingeschätzte Lebensqualität

Sponsor

Bristol-Myers Squibb

Studienregisternummer

NCT02105636 (ClinicalTrials.gov)

Studiendesign

In die randomisierte offene Studie wurden 361 Patienten mit einem fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich eingeschlossen, bei denen es innerhalb von sechs Monaten nach einer Platin-basierten Chemotherapie zu einem Rezidiv gekommen war. Die Patienten wurden im Verhältnis 2:1 auf eine Therapie mit Nivolumab 3 mg/kg Körpergewicht alle zwei Wochen oder eine Chemotherapie mit Methotrexat oder Docetaxel oder Cetuximab randomisiert. Die Chemotherapie wurde beendet, wenn toxische Wirkungen auftraten oder es zu einer Tumorprogression kam. Die Nivolumab-Therapie wurde fortgesetzt, solange ein klinischer oder radiologischer Nutzen vermutet wurde.

Überlebensvorteil von 2,4 Monaten

Die mit Nivolumab therapierten Patienten lebten im Mittel 7,5 Monate (95%-Konfidenzintervall [KI] 5,5–9,1) verglichen mit 5,1 Monaten unter Standardtherapie (95%-KI 4,0–6,0). Dieser Überlebensvorteil von 2,4 Monaten unter Nivolumab war signifikant (Hazard-Ratio [HR] für die Mortalität 0,70; 97,73%-KI 0,51–0,96; p=0,01). Die 1-Jahres-Überlebensrate war unter Nivolumab mehr als doppelt so hoch wie unter Chemotherapie (36,0% vs. 16,6%) (Abb. 1).

Abb. 1. Überlebensrate unter Nivolumab im Vergleich zur Chemotherapie [nach Ferris RL, et al.]; HR: Hazard-Ratio

Unter Nivolumab vergingen im Median 2,0 Monate, bis bei den Patienten eine Progression auftrat (95%-KI 1,9–2,1), unter der Standardtherapie 2,3 Monate (95%-KI 1,9–3,1). 19,7% der mit Nivolumab therapierten Patienten erreichten eine sechs Monate andauernde Progressionsfreiheit, unter Chemotherapie waren dies lediglich 9,9% der Patienten. Die Ansprechrate unter Berücksichtigung der RECIST-Kriterien betrug unter Nivolumab 13,3% (95%-KI 9,3–18,3), unter Chemotherapie 5,8% (95%-KI 2,4–11,6).

Subgruppen mit weiteren Vorteilen

Bei einer Subgruppenanalyse stellten die Wissenschaftler außerdem fest, dass Patienten, bei denen mehr als 1% der Tumorzellen den Liganden PD-L1 exprimierten, die mediane Überlebenszeit unter Nivolumab auf 8,7 Monate stieg, während sie unter Standardtherapie bei 4,6 Monaten lag. Auch Patienten, bei denen das Antigen p16 nachgewiesen werden konnte, hatten eine längere mediane Überlebenszeit unter Nivolumab als unter Standardtherapie (9,1 Monate vs. 4,4 Monate).

Weniger Nebenwirkungen unter Nivolumab

Die mit Nivolumab behandelten Patienten vertrugen die Therapie besser als Patienten unter Chemotherapie. Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 traten seltener unter Nivolumab auf (13,1% vs. 35,1%). Während die von den Patienten selbst eingeschätzte Lebensqualität unter Nivolumab stabil blieb, verschlechterte sie sich bei Patienten, die die Standardtherapie erhielten.

Fazit

Laut der CheckMate-141-Studie profitieren Patienten mit einem Platin-refraktären fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich von einer Therapie mit dem PD-1-Inhibitor Nivolumab.

Quelle

Ferris RL, et al. Nivolumab for recurrent squamous-cell carcinoma of the head and neck. New Engl J Med 2016;375:1856–67.

RECIST-Kriterien

RECIST ist die Abkürzung für Response Evaluation Criteria in Solid Tumors. Mithilfe der RECIST-Kriterien wird das Therapieansprechen eines soliden Tumors eingeschätzt. Dafür wird die Mindestgröße einer messbaren Läsion in einer Ebene ermittelt. Bei mehreren Läsionen wird die Summe der längsten Durchmesser der einzelnen Zielläsionen beurteilt (bis maximal fünf Läsionen/Organ und zehn Läsionen insgesamt). Es sind immer alle initial identifizierten Läsionen zu beurteilen. Alle übrigen Läsionen werden als Nichtzielläsionen eingestuft. Das Therapieansprechen wird in den Folgeuntersuchungen jeweils in eine der vier Kategorien eingeteilt: partielle Remission, komplette Remission, „stable disease“ oder „progressive disease“.

Arzneimitteltherapie 2017; 35(03)