Mikrobiommodulation mit topisch wirksamer Antibiose

Rifaximin wirkt bei vielen gastroenterologischen und hepatologischen Erkrankungen


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Bei vielen gastroenterologischen und hepatologischen Krankheitsbildern insbesondere der hepatischen Enzephalopathie entfaltet die Modulation des Mikrobioms mit dem topisch wirksamen Antibiotikum Rifaximin eine günstige Wirkung, so das Fazit eines von der Firma Norgine im Rahmen des Kongresses Viszeralmedizin 2017 veranstalteten Fachpressegesprächs.

Das Darmmikrobiom ist für die Entwicklung und Erhaltung eines starken Immunsystems unverzichtbar. Entscheidend ist eine hohe Diversität des Mikrobioms, das heißt je diverser das Mikrobiom, desto günstiger ist dies für die Gesundheit. Eine Störung der Eubiose dürfte deshalb bei zahlreichen, vor allem gastroenterologischen und hepatologischen Krankheitsbildern eine wichtige Rolle spielen. Daraus ergibt sich ein neuer therapeutischer Ansatz, nämlich die Mikrobiommodulation. Eine solche gelingt mit dem topisch wirksamen Antibiotikum Rifaximin (Xifaxan®).

Rifaximin bei gastroenterologischen Erkrankungen

In den letzten Jahren wurde die Wirkung von Rifaximin bei einer Reihe von gastroenterologischen Erkrankungen untersucht. Bei Patienten mit einer funktionellen Dyspepsie konnte eine adäquate Symptombesserung bei 78% der Patienten im Vergleich zu 52% unter Placebo dokumentiert werden. Diese günstige Wirkung bestand auch noch nach acht Wochen, obwohl Rifaximin nur über zwei Wochen gegeben wurde [9]. Eine günstige Wirkung wurde auch bei der bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms durch eine Metaanalyse belegt. Eine Eradikation gelang mit Rifaximin bei 70,8% der Patienten mit einer Nebenwirkungsrate von nur 4,6% [4]. Interessant ist auch die protektive Wirkung von Rifaximin bezüglich der Enteropathie durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Bekannt ist, dass NSAR das intestinale Mikrobiom verändern und Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) zwar den Magen vor NSAR-Läsionen schützen, aber die Inzidenz enteraler Läsionen erhöhen. Mit Rifaximin konnte die Anzahl der Dünndarmläsionen bei Patienten, die Diclofenac plus PPI erhielten, von 43% unter Placebo auf 20% gesenkt werden [7]. Nach der aktuellen Studienlage eignet sich Rifaximin auch zur Prophylaxe der Reisediarrhö und zur empirischen Therapie der afebrilen Gastroenteritis. Auch das Risiko für eine Antibiotika-assoziierte Diarrhö wird gesenkt. Das gleiche gilt für die Entstehung eines postinfektiösen Reizdarmsyndroms. Eine 2-wöchige Rifaximin-Gabe führte zu einer Abnahme der Reizdarmsymptomatik sogar noch sechs Wochen nach Beendigung der Behandlung [5]. Eine Metaanalyse von vier randomisierten kontrollierten Studien mit 1660 Patienten mit unkomplizierter Divertikelkrankheit konnte auch hier eine günstige symptomatische Wirkung von Rifaximin belegen [3]. Erste positive Erfahrungen mit dieser Substanz liegen auch für den Morbus Crohn vor [6].

Mortalität bei hepatischer Enzephalopathie wird gesenkt

Die hepatische Enzephalopathie ist eine der häufigsten Komplikationen der Leberzirrhose. Das Problem ist, dass bei vielen Betroffenen diese nicht erkannt wird, vor allem bei leichten Formen. Pathogenetisch spielt Ammoniak eine Rolle, das im Darm von Bakterien gebildet wird und nicht mehr von der Leber metabolisiert werden kann. Ammoniak gelangt über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn und führt zu einer Anschwellung der Astrozyten. Es entsteht ein Hirnödem, was sich in kognitiven Defiziten äußert. Neben der Hyperammonämie kommt es auch zu einer systemischen Inflammation, was die Begründung für die Mikrobiommodulation als Therapieansatz darstellt. Rifaximin reduziert die Ammoniakbildung im Darm, indem die Substanz die Vermehrung der Harnstoff-desaminierenden Bakterien hemmt. Zudem scheint die Substanz antiinflammatorische und die Darmmukosa-stabilisierende Eigenschaften zu entfalten. So kommt es unter Rifaximin zu einer Abnahme der Endotoxinproduktion im Darm und zu einer Verbesserung der Kognition [1]. Im Rahmen der Rezidivprophylaxe bei hepatischer Enzephalopathie führte Rifaximin zu einer signifikanten Risikoreduktion von relativ 58% (p<0,001) [2]. Daraus ergibt sich eine NNT (number needed to treat) von 4. Auch konnte gezeigt werden, dass die Kombination mit Lactulose in der Akuttherapie der hepatischen Enzephalopathie effektiver ist als eine Monotherapie. Mit einer solchen konnte die Mortalität im Krankenhaus von 49% bei alleiniger Lactulose-Therapie auf 24% gesenkt werden [8].

Fazit

Ein verändertes Mikrobiom dürfte bei vielen Erkrankungen, vor allem gastroenterologischen und hepatologischen, eine ursächliche Rolle spielen. Mit dem Darm-selektiven Antibiotikum Rifaximin gelingt eine Modulation des Mikrobioms, wodurch die Beschwerden bei Reizmagen, Reizdarm, Divertikeln, bakterieller Fehlbesiedlung und die enterale Komplikationsrate bei NSAR günstig beeinflusst werden. Bei Patienten mit einer hepatischen Enzephalopathie wird nicht nur die Symptomatik, sondern sogar die Prognose verbessert.

Quelle

Prof. Joachim Labenz, Siegen; Fachpressegespräch „Unter der Lupe: Das Darmmikrobiom und seine Bedeutung“, veranstaltet von Norgine im Rahmen des Kongresses Viszeralmedizin 2017, Dresden, 15. September 2017.

Literatur

1. Bajaj JS, et al. Modulation of the metabiome by rifaximin in patients with cirrhosis and minimal hepatic encephalopathy. PLos One 2013;8:e60042.

2. Bass NM, et al. Rifaximin treatment in hepatic encephalopathy. N Engl J Med 2010;362:1071–81.

3. Bianchi M, et al. Meta-analysis: long-term therapy with rifaximin in the management of uncomplicated diverticular disease. Aliment Pharmacol Ther 2011;33:902–10.

4. Gatta L, Scarpignato C. Systematic review with meta-analysis: rifaximin is effective and safe for the treatment of small intestine bacterial overgrowth. Aliment Pharmacol Ther 2017;45:604–16.

5. Pimentel M, et al. Rifaximin therapy for patients with irritable bowel syndrome without constipation. N Engl J Med 2011;364:22–32.

6. Prantera C, et al. Rifaximin-extended intestinal release induces remission in patients with moderately active Crohn‘s disease. Gastroenterology 2012;142:473–81.e4.

7. Scarpignato C, et al. Rifaximin Reduces the Number and Severity of Intestinal Lesions Associated With Use of Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drugs in Humans. Gastroenterology 2017;152:980–82.e3.

8. Sharma BC, et al. A randomized, double-blind, controlled trial comparing rifaximin plus lactulose with lactulose alone in treatment of overt hepatic encephalopathy. Am J Gastroenterol 2013;108:1458–63.

9. Tan VP, et al. Randomised clinical trial: rifaximin versus placebo for the treatment of functional dyspepsia. Aliment Pharmacol Ther 2017;45:767–76.


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Arzneimitteltherapie 2017; 35(12):508-519.