Aktuelle Meldungen der Arzneimittelzulassungs- und Pharmakovigilanzbehörden


Bettina Christine Martini, Legau

In dieser Rubrik werden wichtige aktuelle Meldungen nationaler und internationaler Arzneimittelbehörden zusammengefasst, die bis Redaktionsschluss vorliegen. Berücksichtigt werden Meldungen folgender Institutionen:

EMA www.ema.europa.eu

Die European Medicines Agency (EMA) ist für die zentrale Zulassung und Risikobewertung von Arzneimitteln in Europa zuständig. Die vorbereitende wissenschaftliche Evaluation erfolgt für Humanarzneimittel durch das CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use), bei Arzneimitteln für seltene Erkrankungen durch das COMP (Committee for Orphan Medicinal Products). Das PRAC (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee) ist für die Risikobewertung von Arzneimitteln, die in mehr als einem Mitgliedsstaat zugelassen sind, zuständig.

FDA www.fda.gov

Die US Food & Drug Administration (FDA) ist die US-amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde.

BfArM www.bfarm.de

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit und u.a. zuständig für Zulassung und Pharmakovigilanz in Deutschland.

AkdÄ www.akdae.de

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) bietet unter anderem unabhängige aktuelle neue Risikoinformationen zu Arzneimitteln (z.B. Risikobekanntgaben, Rote-Hand-Briefe).

IQWiG www.iqwig.de G-BA www.g-ba.de

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt Gutachten, auf deren Basis der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Zusatznutzen eines Arzneimittels gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) überprüft.

Wichtige Mitteilungen von EMA und CHMP

Zulassung erfolgt für

  • Guselkumab (Tremfya, Janssen-Cilag) bei mäßig schwerer bis schwerer Psoriasis (siehe Notizen Nr. 11/2017)
  • Niraparib (Zejula, Tesaro) bei Platin-sensiblem, gering differenziertem serösem Ovarialkarzinom, Karzinom der Tuben oder bei primärer Peritonealkarzinose (siehe Notizen Nr. 11/2017)

Zulassungsempfehlung für Benralizumab (Fasenra, AstraZeneca): Der antieosinophile humanisierte monoklonale Antikörper soll in Form einer Fertigspritze zugelassen werden zur Behandlung von schwerem eosinophilem Asthma bronchiale bei erwachsenen Patienten, die trotz hochdosierter Therapie mit inhalierbaren Glucocorticoiden und langwirksamen Beta-Sympathomimetika nicht ausreichend therapiert werden können. Der Antikörper bindet an den humanen Interleukin-5-Rezeptor, der von eosinophilen und basophilen Zellen auf der Oberfläche exprimiert wird. Dies führt zur Apoptose eosinophiler und basophiler Zellen und reduziert die eosinophile Entzündung.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungsempfehlung für Budesonid als orodispergierbare Tablette (Jorveza, Dr. Falk Pharma): Das lokal wirksame Glucocorticoid soll angewendet werden zur Behandlung einer eosinophilen Speiseröhrenentzündung bei erwachsenen Patienten. Orodispersible Arzneiformen sind Arzneiformen, die schnell in der Mundhöhle zerfallen und dabei entweder den Wirkstoff selbst oder partikuläre Wirkstoffträger freisetzen.

Jorveza wurde im August 2013 als Arzneimittel für ein seltenes Leiden eingestuft und wird daher in einem beschleunigten Zulassungsverfahren behandelt.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungsempfehlung für Burosumab (Crysvita, Kyowa Kirin): Der humane monoklonale Antikörper soll zugelassen werden für die parenterale Behandlung von familiärer Hypophosphatämie mit radiographischem Nachweis von Knochenerkrankungen bei Kindern ab einem Jahr sowie bei Jugendlichen mit wachsenden Knochen.

Die familiäre Hypophosphatämie – auch Phosphatdiabetes oder X-chromosomal erbliche hypophosphatämische Rachitis genannt – ist eine seltene komplexe Erkrankung, die Knochen, Zähne und die Funktion der Nieren betrifft. Die Betroffenen verlieren zu viel Phosphat und haben eine verminderte Produktion von aktivem Vitamin D. Burosumab hemmt die Aktivität des Fibroblasten-Wachstums-Faktors 23 und verringert den Phosphatverlust über die Nieren sowie weitere metabolische Störungen.

Mitteilung der EMA vom 15.12.2017


Zulassungsempfehlung für Darvadstrocel (Alofisel, Tigenix): Das Präparat enthält Fettstammzellen, die aktiviert und parenteral verabreicht werden. Angewendet werden soll es zur Behandlung von komplexen perianalen Fisteln bei Patienten mit nicht oder leicht aktivem Morbus Crohn, die nicht adäquat auf mindestens eine konventionelle oder biologische Therapie angesprochen haben. Nach der Aktivierung reduzieren die Stammzellen die Proliferation von Lymphozyten und vermindern die Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen. Somit werden immunregulatorische Aktivitäten und Entzündungsprozesse heruntergefahren, sodass das Gewebe um die Fisteln herum heilen kann.

Mitteilung der EMA vom 15.12.2017


Zulassungsempfehlung für Letermovir (Prevymis, MSD): Das antivirale Arzneimittel soll angewendet werden zur Prophylaxe einer Cytomegalievirus(CMV)-Reaktivierung oder -Erkrankung im Rahmen einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation bei Erwachsenen, bei denen CMV im Serum nachgewiesen wurde. Das Präparat soll als Filmtabletten zur oralen Anwendung und als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung eingeführt werden.

Prevymis wurde im April 2011 als Arzneimittel für ein seltenes Leiden eingestuft und wird daher in einem beschleunigten Zulassungsverfahren behandelt.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungsempfehlung für Ocrelizumab (Ocrevus, Roche): Der rekombinant hergestellte humanisierte monoklonale Anti-CD20-Antikörper soll zugelassen werden bei erwachsenen Patienten mit:

  • schubförmig verlaufender multipler Sklerose mit aktiver Erkrankung, die durch klinische oder bildgebende Merkmale definiert ist
  • früher primär progredienter multipler Sklerose in Bezug auf Krankheitsdauer und Invalidität sowie mit bildgebenden Merkmalen, die charakteristisch für die Entzündungsaktivität sind

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungsempfehlung für Prasteron (Intrarosa, Endoceutics): Das intravaginal anzuwendende Pessar enthält 6,5 mg Prasteron, auch bekannt als DHEA (Dehydroepiandrosteron), und ist vorgesehen zur Behandlung einer mäßig bis stark ausgeprägten Vulva- und Vaginalatrophie bei postmenopausalen Frauen. DHEA kann in Estrogene und Androgene umgewandelt werden und verändert über einen estrogengesteuerten Mechanismus die Qualität der Vaginalschleimhaut. Zudem wird der pH-Wert gesenkt und so das Wachstum einer normalen Bakterienflora gefördert. Die Frauen sollen eine Verbesserung einer eventuellen Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) erfahren.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungsempfehlung für Rurioctocog alfa pegol (Adynovi, Baxalta Innovations): Das Pulver zur Herstellung einer Injektion soll angewendet werden zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten ab 12 Jahren mit Hämophilie A (angeborener Faktor-VIII-Mangel). Pulver und Lösung zur Zubereitung der Injektion sollen mit 250 I.E., 500 I.E., 1000 I.E. sowie 2000 I.E. verfügbar sein.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungsempfehlung für Semaglutid (Ozempic, Novo Nordisk): Das GLP-1-Analogon soll zur parenteralen Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen werden, deren Erkrankung durch Diät und körperliche Aktivität nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Semaglutid kann in Monotherapie oder in Kombination mit anderen Antidiabetika eingesetzt werden. Semaglutid bindet nach subkutaner Gabe stark an Plasmaalbumin und hat daher eine lange Halbwertszeit von 165 bis 200 Stunden. Dies ermöglicht die einmal wöchentliche subkutane Gabe.

Mitteilung der EMA vom 15.12.2017


Zulassungserweiterung für Brentuximab-Vedotin (Adcetris, Takeda) empfohlen: Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat soll künftig auch für die Behandlung von Erwachsenen mit CD30+ kutanem T-Zell-Lymphom nach mindestens einem Jahr vorangegangener systemischer Therapie eingesetzt werden können. Bisher wird Brentuximab-Vedotin bereits bei CD30+ Hodgkin-Lymphom sowie bei systemischem anaplastischem großzelligem Lymphom (sALCL) eingesetzt.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungserweiterung für Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid (Genvoya, Gilead) empfohlen: Die gegen HIV gerichtete fixe Virustatika-Kombination soll zukünftig auch für die Behandlung einer HIV-Infektion bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren und einem Körpergewicht von mindestens 25 kg eingesetzt werden können, wenn alternative Regime wegen Resistenz oder Toxizitäten nicht eingesetzt werden können. Bisher galt die Zulassung für die Therapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungserweiterung für Emtricitabin/Tenofovir disoproxil (Truvada, Gilead) empfohlen: Die fixe gegen HIV gerichtete Kombination soll künftig wie folgt eingesetzt werden können: Behandlung der HIV-1-Infektion in einer antiretroviralen Kombination bei Erwachsenen sowie bei Jugendlichen mit NRTI-Resistenz oder Toxizitäten, die die Anwendung von First-Line-Arzneimitteln ausschließen. Präexpositionsprophylaxe in Kombination mit Safer-Sex-Praktiken zur Reduktion des Risikos einer sexuell erworbenen HIV-1-Infektion bei Erwachsenen mit hohem HIV-Risiko.

Mitteilung der EMA vom 15.12.2017


Zulassungserweiterung für Ipilimumab (Yervoy, BMS) empfohlen: Das Krebsimmuntherapeutikum soll in Zukunft für die Behandlung von fortgeschrittenem Melanom ab einem Alter von 12 Jahren eingesetzt werden können. Bisher war die Anwendung auf Erwachsene beschränkt.

Mitteilung der EMA vom 15.12.2017


Zulassungserweiterung für Ixekizumab (Taltz, Lilly) empfohlen: Der monoklonale IL-17A-Antikörper soll zukünftig allein oder in Kombination mit Methotrexat bei Erwachsenen mit aktiver Psoriasis-Arthritis eingesetzt werden können, die nicht ausreichend auf eine Behandlung mit DMARDs angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Bisher war die Anwendung auf Fälle mit mittelschwerer bis schwerer Ausprägung beschränkt.

Mitteilung der EMA vom 15.12.2017


Zulassungserweiterung für Lumacaftor/Ivacaftor (Orkambi, Vertex) empfohlen: Die Kombination der beiden CFTR-Inhibitoren, die zur Behandlung der zystischen Fibrose eingesetzt werden, soll künftig bereits bei Patienten ab 6 Jahren angewendet werden können, bisher galt die Zulassung für die Behandlung von Patienten ab 12 Jahren.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungserweiterung für Romiplostim (Nplate, Amgen) empfohlen: Der Thrombopoetin-Rezeptoragonist wird zur Therapie der chronischen immun-(idiopathischen) thrombozytopenischen Purpura (ITP), die gegen andere Therapien refraktär ist (z.B. Glucocorticoide, Immunglobuline), verwendet und soll künftig bereits bei Patienten ab einem Jahr eingesetzt werden können. Bisher war die Anwendung auf erwachsene Patienten beschränkt.

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Einschränkung der Einsatzgebiete für Daclizumab (Zinbryta, Biogen) empfohlen: Der Interleukin-Inhibitor wird eingesetzt zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose. Um das Risiko von Leberschäden weiter zu reduzieren, sollen die Einsatzgebiete eingegrenzt werden und weitere Maßnahmen durchgeführt werden (siehe Mitteilungen der AkdÄ).

Mitteilung der EMA vom 9.11.2017


Zulassungswiderruf für retardierte Paracetamol-Zubereitungen empfohlen: Die Koordinationsgruppe für gegenseitige Anerkennung und dezentralisierte Verfahren CMDh empfiehlt, die Zulassung für retardierte Paracetamol-Zubereitungen aufgrund von Sicherheitsbedenken zu widerrufen. Dies basiert auf einer Empfehlung des PRAC, dass retardiertes Paracetamol bei zulassungskonformem Einsatz zwar ein akzeptables Nutzen-Risiko-Verhältnis hat, falls es aber zu einer Überdosierung kommt, lässt sich diese bei retardiertem Paracetamol nur schwer beherrschen. Übliche Behandlungsoptionen sind auf sofort freisetzende Paracetamol-Formulierungen ausgerichtet und der Arzt weiß mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, dass die Intoxikation durch retardiertes Paracetamol erfolgt ist. Dies kann zu schweren Leberschäden oder Tod führen.

Mitteilung der EMA vom 15.12.2017

Wichtige Mitteilungen der FDA

Zulassung für adjuvanten rekombinanten Impfstoff gegen Herpes Zoster (Shingrix, GlaxoSmithKline): Der nicht-lebende, rekombinante Subunit-Impfstoff wurde zugelassen zur Prävention von Herpes Zoster (Gürtelrose) bei Erwachsenen ab einem Alter von 50 Jahren. Die Applikation erfolgt intramuskulär in zwei Gaben.

Mitteilung der FDA vom 20.10.2017


Zulassung für Aripiprazol mit Sensor (Abilify MyCite, Otsuka Pharmaceuticals): Die Aripiprazol-Tabletten enthalten einen eingebetteten Sensor, der aufzeichnet, ob das Arzneimittel eingenommen wurde und sich im Magen aufgelöst hat. Zugelassen ist das Produkt für die Behandlung von Schizophrenie, die akute Behandlung manischer und gemischter Episoden im Zusammenhang mit Bipolarer Störung I und als Zusatztherapie bei Depressionen für Erwachsene.

Der Sensor sendet bei Verdauung eine Nachricht an ein tragbares Pflaster. Das Pflaster überträgt die Informationen beispielsweise an ein Smartphone, sodass der Patient die Einnahme auf einem digitalen Medium verfolgen kann. Die Patienten können ihren Pflegern und Ärzten über ein webbasiertes Portal den Zugriff auf die Informationen gestatten.

Die FDA betont jedoch, dass die Fähigkeit von Abilify MyCite, die Einhaltung der Behandlungsvorgaben durch die Patienten zu verbessern, nicht nachgewiesen wurde. Abilify MyCite sollte nicht verwendet werden, um die Einnahme von Arzneimitteln in „Echtzeit“ oder während eines Notfalls zu verfolgen, da die Meldung verzögert erscheinen (30 bis 120 Minuten) oder ausbleiben könnte.

Mitteilung der FDA vom 16.11.2017


Zulassung für Dolutegravir/Rilpivirin (Juluca, ViiV Healthcare): Die fixe Kombination der beiden antiviralen Bestandteile wurde zugelassen zur Therapie bei Erwachsenen mit HIV-1-Infektion, deren Virus derzeit mindestens sechs Monate lang in einem stabilen Regime unterdrückt wird, ohne dass es in der Vergangenheit zu einem Therapieversagen gekommen ist und ohne bekannte Substitutionen, die mit einer Resistenz gegen die einzelnen Komponenten von Juluca verbunden sind. Das Therapieregime ist das erste, das nur auf einer Zweierkombination basiert.

Mitteilung der FDA vom 21.11.2017


Zulassung für Emicizumab (Hemlibra, Roche): Der monoklonale bispezifische Antikörper soll eingesetzt werden für die Behandlung von Patienten mit Hämophilie A und Faktor-VIII-Antikörpern. Durch seine bispezifischen Eigenschaften bildet der Antikörper eine Brücke zwischen Faktor IX und X und stellt so die Funktion von fehlendem Faktor VIII wieder her.

Mitteilung der FDA vom 16.11.2017


Zulassung für Insulin lispro (Admelog, Sanofi-Aventis): Das kurzwirksame Insulinanalogon wurde zugelassen zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Erwachsenen und Kindern ab 3 Jahren mit Diabetes mellitus Typ 1 sowie bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Das Insulin wurde als erstes Insulin als „Follow-on“-Insulin zugelassen, das heißt, es kann unmittelbar nach einer Mahlzeit angewendet werden. Das Insulin wird subkutan durch Injektion oder über eine Insulinpumpe verabreicht.

Die Daten zur Zulassung beziehen sich teilweise auf die von der FDA festgestellte Sicherheit und Wirksamkeit von Humalog (Insulin-Lispro-Injektion).

Mitteilung der FDA vom 11.12.2017


Zulassung für Vemurafenib (Zelboraf, Hoffmann-LaRoche): Der Proteinkinase-Inhibitor wurde zugelassen bei erwachsenen Patienten mit Erdheim-Chester-Krankheit, einer seltenen hämatologischen Krebserkrankung. Indiziert ist die neue Therapie bei Patienten mit einer BRAF-V600-Mutation.

In Deutschland wird Vemurafenib bereits als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem, nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom eingesetzt.

Mitteilung der FDA vom 6.11.2017


Zulassung für Voretigen Neparvovec (Luxturna, Spark Therapeutics): Die erste in den USA zugelassene, direkt verabreichte Gentherapie soll eingesetzt werden für die Behandlung von pädiatrischen und erwachsenen Patienten mit Netzhautdystrophie durch bestätigte RPE65-Mutation, die zu Sehkraftverlust führt und bei bestimmten Patienten zu völliger Erblindung führen kann.

Das Gentherapeutikum wird subretinal verabreicht und liefert eine normale Kopie des RPE65-Gens an die Netzhautzellen. Die Netzhautzellen können dann das normale Protein produzieren. In klinischen Studien wurden spürbare Verbesserungen für die Patienten erzielt, aber keine vollständige Heilung.

Mitteilung der FDA vom 19.12.2017

Wichtige Mitteilungen der AkdÄ und des BfArM

Rote-Hand-Brief zu Cladribin (Leustatin, Litak, Lipomed und Janssen-Cilag) wegen des Risikos einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML):

Das Purin-Nukleosid-Analogon Cladribin ist in onkologischer Indikation zugelassen zur Behandlung der Haarzell-Leukämie. Cladribin kann Myelosuppression, Immunsuppression sowie eine mehrere Monate andauernde Lymphopenie auslösen, wodurch das Risiko für eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) erhöht sein kann.

Die Zulassungsinhaber informieren in einem Rote-Hand-Brief über Fälle von PML bei der Anwendung in onkologischer Indikation, darunter auch tödliche Fälle:

  • Die PML wurde sechs Monate bis mehrere Jahre nach Behandlung mit Cladribin berichtet.
  • In mehreren Fällen wurde ein Zusammenhang zwischen Cladribin und einer anhaltenden Lymphopenie berichtet.
  • Eine PML ist differenzialdiagnostisch in Betracht zu ziehen bei neuen oder sich verschlechternden neurologischen oder kognitiven Symptomen sowie Verhaltensauffälligkeiten.
  • Bei Verdacht auf PML dürfen Patienten nicht weiter mit Cladribin behandelt werden.

Cladribin ist auch zugelassen zur Behandlung der hochaktiven schubförmigen multiplen Sklerose. Die Produktinformation von Cladribin in dieser Indikation enthält bereits einen Warnhinweis zum PML-Risiko.

AkdÄ Drug Safety Mail 44–2017 vom 4.12.2017


Information zu Clozapin (z.B. Clozapin-neuraxpharm und weitere Generika) wegen Einfluss auf die Darmperistaltik bis hin zum Risiko von Darmverschluss, Koprostase und paralytischem Ileus:

Die antipsychotische Wirkung von Clozapin wird vermittelt durch Hemmung des Dopamin-D4-Rezeptors. Neben der Beeinflussung weiterer Transmittersysteme besitzt Clozapin auch eine anticholinerge Aktivität. Vermutlich dadurch bedingt kann es in unterschiedlicher Ausprägung die Darmperistaltik beeinträchtigen: Gemäß Fachinformation tritt Obstipation sehr häufig (≥1 von 10 Patienten) auf. Darmverschluss, Koprostase und paralytischer Ileus werden als sehr seltene (<1 von 10000 Patienten) Nebenwirkungen genannt. Diese sind jedoch wegen ihres Schweregrads klinisch relevant.

Die Britische Arzneimittelbehörde (MHRA) erinnert an das potenziell lebensbedrohliche Risiko dieser Nebenwirkungen: Clozapin ist bei paralytischem Ileus kontraindiziert. Besondere Vorsicht ist angeraten, wenn gleichzeitig weitere Arzneimittel, die eine Obstipation auslösen können, angewendet werden (insbesondere Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften wie verschiedene Antipsychotika, Antidepressiva oder Antiparkinsonmittel) oder wenn Patienten Dickdarmerkrankungen oder Operationen am Unterbauch in der Vorgeschichte aufweisen sowie bei Patienten ab 60 Jahren. Patienten sollten über das Risiko aufgeklärt und aufgefordert werden, entsprechende Beschwerden unverzüglich anzusprechen. Eine Obstipation unter Clozapin sollte aktiv behandelt werden.

AkdÄ Drug Safety Mail 48–2017 vom 15.12.2017


Rote-Hand-Brief zu Daclizumab (Zinbryta, Biogen) mit folgenden Informationen und Empfehlungen:

  • Daclizumab kann zu einer nicht vorhersagbaren und potenziell tödlich verlaufenden immunvermittelten Leberschädigung führen, die jederzeit während der Behandlung und bis zu sechs Monate nach Therapieende auftreten kann.
  • Daclizumab soll nur angewendet werden, wenn mindestens zwei krankheitsmodifizierende Therapien (DMT, disease modifying therapies) nicht ausreichend wirksam waren und jede andere DMT kontraindiziert oder ungeeignet ist.
  • Serumtransaminasen und Bilirubin sollen vor jeder Behandlung und bis zu sechs Monate nach der letzten Daclizumab-Dosis kontrolliert werden.
  • Wenn ALT oder AST auf mehr als das 3-Fache des oberen Normwerts steigen, soll Daclizumab unabhängig vom Bilirubinwert abgesetzt werden.
  • Vor Therapiebeginn sollten die Patienten auf Hepatitis B und C untersucht und bei positivem Testergebnis an einen Hepatologen überwiesen werden.
  • Patienten sollen über das Risiko einer Leberschädigung und die notwendige Überwachung sowie über Anzeichen und Symptome einer Leberfunktionsstörung aufgeklärt werden.
  • Allen Patienten (auch bereits mit Daclizumab behandelten) soll ein Bestätigungsformular vorgelegt werden.

AkdÄ Drug Safety Mail 39–2017 vom 24.11.2017


Rote-Hand-Brief zu Fingolimod (Gilenya, Novartis) wegen Kontraindikationen bei Patienten mit kardialen Erkrankungen:

Der Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulator Fingolimod ist in bestimmten Situationen zugelassen zur krankheitsmodifizierenden Monotherapie der hochaktiven schubförmig remittierenden multiplen Sklerose bei Erwachsenen. (Schwerwiegende) Herzrhythmusstörungen sind als Risiko bekannt. Um das Risiko von schweren Nebenwirkungen bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen zu minimieren, wurden die Kontraindikationen angepasst:

Fingolimod ist jetzt kontraindiziert bei Patienten mit:

  • Myokardinfarkt, instabiler Angina pectoris, Schlaganfall, transitorisch ischämischer Attacke, dekompensierter Herzinsuffizienz (stationäre Behandlung erforderlich) oder New York Heart Association (NYHA) Klasse III/IV-Herzinsuffizienz in den vorhergehenden sechs Monaten
  • schweren Herzrhythmusstörungen, die eine Behandlung mit Antiarrhythmika der Klasse Ia (z.B. Chinidin, Procainamid, Disopyramid) und Klasse III (Kaliumkanalblocker, z.B. Amiodaron, Sotalol, Ibutilid, Dofetilid) erfordern
  • AV-Block 2. Grades Typ Mobitz II, AV-Block 3. Grades oder Sick-Sinus-Syndrom, die keinen Herzschrittmacher tragen
  • bestehendem QTc-Intervall ≥500 Millisekunden.

Auch die Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen zum immunsuppressiven Effekt von Fingolimod, der möglicherweise das Auftreten von schwerwiegenden Infektionen und malignen Erkrankungen begünstigt, werden angepasst.

AkdÄ Drug Safety Mail 36–2017 vom 7.11.2017


Rote-Hand-Brief zu Leuprorelinacetat (Eligard, Astellas) wegen Medikationsfehlern durch Überdrehen der Sicherheitsnadel:

Leuprorelinacetat wird angewendet zur Behandlung des hormonabhängigen, fortgeschrittenen Prostatakarzinoms sowie in Kombination mit Radiochemotherapie zur Behandlung des lokalisierten Hochrisiko- und lokal fortgeschrittenen hormonabhängigen Prostatakarzinoms. Es steht in unterschiedlichen Dosierungen als 1-, 3- und 6-Monatsdepotformulierung zur Verfügung.

Der Zulassungsinhaber informiert in einem Rote-Hand-Brief über zahlreiche Berichte über Medikationsfehler, bei denen es durch Überdrehen der Sicherheitsnadel zu Flüssigkeitsaustritt an der Nadel gekommen ist. Folgendes ist deshalb zu beachten:

  • Wird der Nadelansatz der Sicherheitsnadel bei der Rekonstitution überdreht, kann dieser brechen und das Arzneimittel während der Injektion auslaufen, woraus eine Unterdosierung resultieren kann.
  • Bei der Befestigung der Sicherheitsnadel an der Spritze B ist die Nadel etwa eine Dreivierteldrehung im Uhrzeigersinn vorsichtig zu drehen und die Spritze festzuhalten, bis die Nadel sitzt.
  • Wenn der Nadelansatz beschädigt ist oder Flüssigkeit ausläuft, darf das Produkt nicht verwendet werden.
  • Wird eine fehlerhafte Handhabung vermutet, sollte der Testosteronspiegel kontrolliert werden.

AkdÄ Drug Safety Mail 47–2017 vom 14.12.2017


Erinnerung an seltene schwerwiegende Nebenwirkung von Metamizol: Anlässlich eines kürzlich der AkdÄ gemeldeten Todesfalls eines 33-jährigen Mannes wird erneut daran erinnert, dass Metamizol sehr selten eine Agranulozytose verursachen kann. In einigen gemeldeten Fällen mit schweren Verläufen wurden die für eine Agranulozytose typischen Symptome (Fieber, Halsschmerzen, entzündliche Schleimhautveränderungen) falsch interpretiert oder bagatellisiert. Die Diagnose wurde erst spät gestellt und damit die Therapie verzögert eingeleitet.

Metamizol ist als Erstlinienbehandlung zugelassen für akute starke Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen sowie für Kolik- und Tumorschmerzen. Bei anderen starken Schmerzen oder auch hohem Fieber ist es nur zugelassen, wenn therapeutische Maßnahmen erster Wahl nicht indiziert sind bzw. nicht angesprochen haben. Wegen der Gefahr von Blutdruckabfällen soll es nur dann parenteral angewendet werden, wenn die enterale Applikation nicht infrage kommt.

Eine Agranulozytose ist eine sehr seltene, jedoch potenziell tödliche Nebenwirkung von Metamizol. Als Mechanismus wird eine immunvermittelte Lyse der neutrophilen Granulozyten vermutet. Die Dauer bis zum Auftreten ist variabel (direkt nach der ersten Gabe bei bestehender Sensibilisierung bis zu mehreren Monaten nach Behandlungsbeginn).

Empfehlung der AkdÄ:

Metamizol sollte nur in den zugelassenen Indikationen verordnet werden. Gemäß Fachinformation soll bei längerfristiger Behandlung mit Metamizol regelmäßig das Differenzialblutbild kontrolliert werden. Es wird jedoch nicht ausgeführt, in welchen zeitlichen Abständen die Kontrollen durchgeführt werden sollen. Nach Einschätzung der AkdÄ ist vor allem wichtig, dass Patienten und ggf. Verwandte sowie Pflegepersonal über Symptome einer Agranulozytose und die notwendige umgehende ärztliche Vorstellung aufgeklärt werden müssen. Bei Auftreten von Fieber, Halsschmerzen und entzündlichen Schleimhautveränderungen unter Behandlung mit Metamizol muss der Patient sofort den Arzt aufsuchen; dieser muss eine Agranulozytose in Betracht ziehen, umgehend das Differenzialblutbild kontrollieren und Metamizol pausieren.

AkdÄ Drug Safety Mail 37–2017 vom 15.11.2017


Rote-Hand-Brief zu Midazolam zur Anwendung in der Mundhöhle (Buccolam, Shire) wegen eines möglichen Produktmangels bei der vorgefüllten Applikationsspritze: Buccolam wird angewandt zur Behandlung länger anhaltender, akuter Krampfanfälle bei Säuglingen ab drei Monaten, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen mit diagnostizierter Epilepsie. In einzelnen Fällen blieb nach Abziehen der roten Schutzkappe der durchscheinend-weiße Verschluss auf der Applikationsspritze stecken, wodurch die Verabreichung behindert wurde. Der durchscheinend-weiße Verschluss muss dann manuell entfernt werden, um zu verhindern, dass dieser bei Applikation in den Mund des Patienten gelangt. Eltern und Betreuungspersonen von Patienten sollten darüber informiert werden.

AkdÄ Drug Safety Mail 41–2017 vom 28.11.2017


Rote-Hand-Brief zu Misoprostol (Misodel, Ferring) wegen exzessiver uteriner Tachysystolie, die möglicherweise nicht auf eine Tokolyse anspricht: Misoprostol wird als vaginales Wirkstofffreisetzungssystem angewandt zur Einleitung von Wehen bei Frauen mit unreifer Zervix ab der 37. Schwangerschaftswoche, wenn eine Geburtseinleitung klinisch indiziert ist. Nach Überprüfung von Fallberichten aus klinischen Studien sowie nach Markteinführung weist der Zulassungsinhaber darauf hin, dass Misoprostol eine exzessive uterine Tachysystolie auslösen kann, die möglicherweise nicht auf eine tokolytische Behandlung anspricht.

Das vaginale Wirktstofffreisetzungssystem soll entfernt werden:

  • bei Einsetzen aktiver Wehentätigkeit (rhythmische, feste Kontraktionen, die adäquat sind, Zervixveränderungen auszulösen, und/oder bei Zervixdilatation von 4 cm)
  • wenn lang anhaltende oder exzessive Uteruskontraktionen auftreten
  • bei Gefahr für Mutter und/oder Kind
  • 24 Stunden nachdem es eingeführt wurde

Bei Bedarf sollte unmittelbar nach Entfernen des Wirkstofffreisetzungssystems eine tokolytische Behandlung möglich sein.

AkdÄ Drug Safety Mail 40–2017 vom 24.11.2017


Information des BfArM zu Radium-223-dichlorid (Xofigo, Bayer Vital) aufgrund einer Warnung zur Anwendung in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison/Prednisolon:

Das Radiotherapeutikum Radium-223-dichlorid (Radium-223) ist zugelassen zur Behandlung des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms mit symptomatischen Knochenmetastasen.

Es wurde ein europäisches Bewertungsverfahren gestartet wegen des erhöhten Risikos von Todesfällen und Knochenbrüchen in einer laufenden klinischen Studie mit Radium-223.

In der Studie wird Radium-223 mit Placebo verglichen, die beide in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison/Prednisolon angewendet werden. Eine vorläufige Analyse ergab eine erhöhte Todesrate unter Radium-223 im Vergleich zu Placebo (27 vs. 20%), auch Frakturen traten häufiger auf (24 vs. 7%).

Das PRAC der EMA wird die Gesamtergebnisse der Studie und weitere verfügbare Daten analysieren und die Bedeutung für die Anwendung von Radium-223 bewerten. Solange die Auswertung andauert, sollte Radium-223 nicht in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison/Prednisolon angewendet werden.

AkdÄ Drug Safety Mail 45–2017 vom 8.12.2017


Information des BfArM zu Ulipristalacetat 5 mg (Esmya, Gedeon) zur Anwendung bei Uterusmyomen – Risikobewertungsverfahren wegen Leberschäden:

Nach vier Fallberichten über schwere Leberschädigungen (bei drei Fällen war eine Transplantation erforderlich) im Zusammenhang mit der Anwendung von Ulipristalacetat (5 mg Tabletten) wurde ein europäisches Risikobewertungsverfahren gestartet.

Nach einer initialen Bewertung der Fallberichte schlussfolgerte das PRAC der EMA, dass ein ursächlicher Zusammenhang mit der Anwendung des Arzneimittels bestehen könnte. Das PRAC wird nun alle verfügbaren Daten bewerten und prüfen, ob Einschränkungen für die Anwendung erforderlich sind.

Ulipristalacetat (30 mg Tablette) ist als ellaOne® auch als einmalig anzuwendendes Notfallkontrazeption zugelassen. In dieser Indikation sind bislang keine schweren Leberschädigungen berichtet worden, und es gibt zu diesem Arzneimittel keine diesbezüglichen Sicherheitsbedenken.

AkdÄ Drug Safety Mail 46–2017 vom 7.12.2017


Drug-Saftey-Mail wegen Hyperkalzämie durch Überdosierung mit Vitamin D: Zwei Fallberichte zeigen, dass die Einnahme von vermeintlich harmlosen Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder Präparaten schädlich sein kann. Eine 78-jährige Patientin (A) und ein 60-jähriger Patient (B) hatten sich eigenständig Vitamin-D-haltige Präparate besorgt und täglich hohe Dosen (A: Vitamin D3 10000 I.E./d; B: „Vitamin D“ 50000 I.E./d) eingenommen. Beide entwickelten ein akutes Nierenversagen bei ausgeprägter Hyperkalzämie (A: 3,42 mmol/l; Referenzbereich: 2,15–2,58 mmol/l; für B liegt genauer Wert nicht vor). Hinweise auf alternative Ursachen wie primären Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose oder Tumorerkrankung gab es nicht. Der Zustand der Patientin A besserte sich unter forcierter diuretischer Therapie und peroraler Cortison-Gabe. Patient B entwickelte schwere Komplikationen und trug eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz davon (Nierenbiospie: schwerer tubulärer Schaden mit Mikroverkalkungen, passend zu hyperkalzämischer Schädigung).

Vitamin D ist durch Aufrechterhaltung des physiologischen Calciumspiegels im Serum u.a. an der Knochengesundheit beteiligt. Vitamin-D-Mangel bei Erwachsenen kann zu Osteoporose und Osteomalazie führen. Bei UV-Bestrahlung werden in der Haut Vorstufen gebildet, aus denen über Zwischenschritte in Leber und Niere das eigentlich wirksame Calcitriol gebildet wird. Wenn die endogene Produktion nicht ausreicht (z.B. bei mangelnder UV-Bestrahlung), können Colecalciferol („Vitamin D3“) oder Ergocalciferol („Vitamin D2“) oral eingenommen werden. Eine Dosierung von 800 I.E./d reicht in der Regel aus.

Wenn höhere Dosierungen von Vitamin D erforderlich sind, sollte dies unter ärztlicher Aufsicht und regelmäßiger Kontrolle des Vitamin-D-Status erfolgen. Für die tägliche Aufnahme wurde von der Europäischen Lebensmittelbehörde eine tolerierbare, das heißt sichere Obergrenze von 100 µg/d (4000 I.E./d) für Heranwachsende und Erwachsene festgelegt. Überdosierung geht mit dem Risiko einer Hypervitaminose einher, die sich als Hyperkalzämie manifestieren kann. Positive Wirkungen von Vitamin D auf nichtskelettale Erkrankungen sind überwiegend nicht belegt.

Vitamin-D-haltige Fertigarzneimittel mit einer Tagesdosis über 1000 I.E. sind verschreibungspflichtig. Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel (ggf. von ausländischen Anbietern) können jedoch im Internet erworben werden, wie in den oben dargestellten Fällen geschehen.

Wegen der genannten Risiken raten wir davon ab, eigenständig hochdosierte Vitamin-D-Präparate einzunehmen. Bei Fragen sollten sich Patienten an ihren Arzt oder Apotheker wenden.

AkdÄ Drug Safety Mail 42–2017 vom 30.11.2017

Mitteilung zur Nutzenbewertung des IQWiG

Brodalimumab (Kyntheum, Leo Pharma) bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, für die eine systemische Therapie infrage kommt:

  • Bei Kontraindikation, Unverträglichkeit oder unzureichender Ansprache auf andere systemische Therapien einschließlich Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA (Psoralenen mit UV-A) besteht ein Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
  • Bei allen anderen Patienten ist der Nutzen geringer oder zumindest ist kein Zusatznutzen belegt

Mitteilung des IQWiG vom 1.12.2017


Carfilzomib (Kyprolis, Amgen) bei Erwachsenen mit multiplem Myelom, die bereits mindestens eine Therapie erhalten haben:

  • In Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason besteht bei <65-Jährigen ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, bei über 65-Jährigen ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
  • In Kombination mit Dexamethason ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Mitteilung des IQWiG vom 15.11.2017


Ceritinib (Zykadia, Novartis) zur Erstlinienbehandlung Erwachsener mit fortgeschrittenem, Anaplastische-Lymphomkinase(ALK)-positivem, nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC): Wegen mangelnder Ähnlichkeit der indirekt verglichenen Studien ist ein Zusatznutzen nicht belegt. Zweckmäßige Vergleichstherapie wäre Crizotinib.

Mitteilung des IQWiG vom 2.11.2017


Daratumumab (Darzalex, Janssen-Cilag) bei Erwachsenen mit multiplem Myelom, die bereits mindestens eine Therapie erhalten haben:

  • Für eine Monotherapie nach Progression während der Vorbehandlung ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
  • Für die Kombination mit Bortezomib und Dexamethason ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
  • Für die Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason ist ein Zusatznutzen für Männer nicht belegt, bei Frauen besteht ein Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen.

Mitteilung des IQWiG vom 15.11.2017


Etelcalcetid (Parsabiv, Amgen) bei sekundärem Hyperparathyreoidismus: Nach Prüfung der Studie 20120360 (Addendum zur ursprüngllichen Bewertung) kommt das IQWiG zu folgendem Schluss: Es ist weder ein Vorteil noch ein Nachteil von Etelcalcetid im Vergleich zu Cinacalcet belegt.

Mitteilung des IQWiG vom 15.11.2017


Glecaprevir/Pibrentasvir (Maviret, AbbVie) bei chronischer Hepatitis C: Mangels geeigneter Daten gilt für alle sieben Indikationen (Genotypen, Vorbehandlung): Es ist kein Zusatznutzen belegt.

Mitteilung des IQWiG vom 2.11.2017


Ledipasvir/Sofosbuvir (Harvoni, Gilead) bei chronischer Hepatitis C bei vorbehandelten und therapienaiven Jugendlichen:

  • Bei Patienten, die mit Genotyp 1 infiziert sind, unabhängig davon ob bereits eine Vorbehandlung stattgefunden hat, besteht ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
  • Bei anderen Genotypen ist ein Zusatznutzen nicht belegt

Mitteilung des IQWiG vom 15.11.2017


Nivolumab (Opdivo, Bristol-Myers Squibb) bei Erwachsenen mit Plattenepithelkarzinom des Kopf-Hals-Bereichs und Progression während/nach Platin-basierter Therapie: Nach erneuter Prüfung in einem Addendum bleibt das Fazit der ursprünglichen Dossierbewertung unverändert:

  • Patienten mit einer Progression während oder innerhalb von 6 Monaten nach einer Platin-basierten Therapie: Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen.
  • Patienten mit einer Progression mehr als 6 Monate nach einer Platin-basierten Therapie: Zusatznutzen nicht belegt.

Mitteilung des IQWiG vom 15.11.2017


Pembrolizumab (Kyntheum, Leo Pharma) bei Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Urothelkarzinom:

  • Als Erstlinientherapie bei Patienten, die für eine Cisplatin-basierte Therapie ungeeignet sind: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Bei Rezidiv nach Platin-basierter Chemotherapie: Es besteht ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen.

Mitteilung des IQWiG vom 15.12.2017


Ribociclib (Kisqali, Novartis) zur initialen endokrinen Therapie des HR-positiven und HER2-negativen lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen: Es bestehen Hinweise auf einen geringeren Nutzen gegenüber der Vergleichstherapie. In der Begründung heißt es, der Surrogatmarker „progressionsfreies Überleben“ sei nicht validiert und bei den Nebenwirkungen besteht ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch Ribociclib.

Mitteilung des IQWiG vom 15.12.2017


Sarilumab (Kevzara, Sanofi-Aventis) bei mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis: Es besteht ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen, wenn die Therapie erstmalig mit einem biotechnologisch hergestellten krankheitsmodifizierenden Antirheumatikum (bDMARD) angezeigt ist und MTX nicht vertragen wird. Bei anderen Patientengruppen ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Mitteilung des IQWiG vom 15.11.2017


Saxagliptin/Metformin (Komboglyze, AstraZeneca) bei Diabetes mellitus Typ 2: Für die Kombination mit anderen Wirkstoffen außer Insulin und Sulfonylharnstoffen gilt: Mangels geeigneter Daten ist ein Zusatznutzen nicht belegt. Zweckmäßige Vergleichstherapie ist Insulin plus Metformin oder Empagliflozin bzw. eine Monotherapie mit Insulin bei bestehender Unverträglichkeit gegenüber Metformin und Empagliflozin.

Mitteilung des IQWiG vom 2.11.2017


Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir (Vosevi, Gilead) bei chronischer Hepatitis C: Für 12 von 13 Fragestellungen ist ein Zusatznutzen nicht belegt. Bei Patienten, die bisher nicht mit direkt antiviral wirkenden Substanzen behandelt wurden (DAA-naive Erwachsene) mit chronischer Hepatitis C Genotyp 3 und kompensierter Zirrhose besteht ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen ggü. der Vergleichstherapie mit Sofosbuvir/Velpatasvir.

Mitteilung des IQWiG vom 15.11.2017

G-BA Entscheidungen zum Zusatznutzen

Bewertung ggü. zweckmäßiger Vergleichstherapie von Etelcalcetid (Parsabiv, Amgen) bei sekundärem Hyperparathyreoidismus (sHPT) bei erwachsenen Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, die sich einer Hämodialysetherapie unterziehen: Ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Cinacalcet) ist nicht belegt. (siehe auch unter Mitteilungen zur Nutzenbewertung des IQWiG)

G-BA-Beschluss vom 17.11.2017


Bewertung ggü. zweckmäßiger Vergleichstherapie von Nivolumab (Opdivo, Bristol-Myers Squibb) bei dem neuen Anwendungsgebiet Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich bei Erwachsenen mit einer Progression während oder nach einer Platin-basierten Therapie:

  • Patienten mit einer frühen Progression während oder nach einer Platin-basierten Therapie: Es bestehen Anhaltspunkte für einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber Methotrexat
  • Patienten mit einer späten Progression nach einer Platin-basierten Therapie, für die auch eine erneute Platin-basierte Therapie infrage kommt: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt (siehe Notizen Nr. 11/2017).

G-BA-Beschluss vom 17.11.2017


Bewertung ggü. zweckmäßiger Vergleichstherapie von Pembrolizumab (Keytruda, MSD) bei dem neuen Anwendungsgebiet Hodgkin-Lymphom als Monotherapie bei Erwachsenen nach Versagen einer autologen Stammzelltransplantation und einer Behandlung mit Brentuximab-Vedotin, oder nach Versagen einer Behandlung mit Brentuximab-Vedotin, wenn eine autologe Stammzelltransplantation nicht infrage kommt: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt (siehe Notizen Nr. 11/2017).

G-BA-Beschluss vom 17.11.2017


Bewertung ggü. zweckmäßiger Vergleichstherapie von Rolapitant (Varuby, Tesaro Bio Germany) zur Prävention von verzögert auftretender Übelkeit und Erbrechen in Zusammenhang mit einer hoch oder mäßig emetogenen antineoplastischen Chemotherapie bei Erwachsenen als Bestandteil einer Kombinationstherapie:

  • Patienten mit einer hoch emetogenen antineoplastischen Chemotherapie: Zweckmäßige Vergleichstherapie ist eine Dreifachkombination aus Serotonin-Antagonist (Ondansetron oder Granisetron oder Tropisetron oder Palonosetron) + Neurokinin-1-Rezeptorantagonist (Aprepitant oder Fosaprepitant) + Dexamethason: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Patienten mit einer mäßig emetogenen antineoplastischen Chemotherapie: Zweckmäßige Vergleichstherapie ist eine Zweifachkombination aus Serotonin-Antagonist (Ondansetron oder Granisetron oder Tropisetron oder Palonosetron) + Dexamethason: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt (siehe Notizen Nr. 11/2017).

G-BA-Beschluss vom 17.11.2017


Neubewertung ggü. zweckmäßiger Vergleichstherapie nach Fristablauf von Blinatumomab (Blincyto, Amgen) zur Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom-negativer, rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie:

Blinatumomab ist zugelassen als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens, somit gilt der medizinische Zusatznutzen durch die Zulassung als belegt. Der Zusatznutzen ist beträchtlich.

G-BA-Beschluss vom 7.12.2017


Neubewertung ggü. zweckmäßiger Vergleichstherapie nach Fristablauf von Nivolumab (Opdivo, BMS) in Kombination mit Ipilimumab bei Melanom bei nicht vorbehandelten Patienten mit einem BRAF-V600-wildtyp Tumor: Im Vergleich zu Nivolumab-Monotherapie oder Pembrolizumab ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

G-BA-Beschluss vom 7.12.2017

Arzneimitteltherapie 2018; 36(01):31-38.