Cluster-Kopfschmerz

Galcanezumab zur Therapie des episodischen Cluster-Kopfschmerzes


Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Mit einem Kommentar des Autors
Galcanezumab, ein monoklonarer Antikörper gegen das Calcitonin gene-related Peptide (CGRP) führt in einer Dosis von 300 mg subkutan einmal pro Monat im Vergleich zu Placebo zu einer signifikanten Reduktion der Häufigkeit von Clusterattacken beim episodischen Cluster-Kopfschmerz.

Beim Cluster-Kopfschmerz kommt es zu Anfällen mit heftigsten, halbseitigen Attacken von Kopf- und Gesichtsschmerzen mit autonomen Begleiterscheinungen wie Augenrötung, Nasenlaufen und einem Horner-Syndrom. Die Attacken können zwischen 15 Minuten und zwei Stunden anhalten. Meist treten ein bis drei Attacken pro Tag auf. Beim episodischen Cluster-Kopfschmerz kommt es für einen Zeitraum von Wochen oder Monaten zu Attacken des Cluster-Kopfschmerzes, gefolgt von beschwerdefreien Intervallen. Zur Prophylaxe stehen bisher Verapamil, Lithium oder Topiramat zur Verfügung. Da viele Patienten auf diese Therapie nicht ansprechen oder unter ausgeprägten Nebenwirkungen leiden, besteht ein hoher Bedarf für weitere therapeutische Optionen. CGRP spielt nicht nur bei der Pathophysiologie der Migräne, sondern auch beim Cluster-Kopfschmerz eine wichtige Rolle. Daher wurde der Einsatz von monoklonalen Antikörpern gegen CGRP beim Cluster-Kopfschmerz untersucht.

Studiendesign

Es handelte sich um eine prospektive, randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie, in die Patienten mit episodischem Cluster-Kopfschmerz eingeschlossen wurden. Einschlusskriterium war mindestens eine Attacke jeden zweiten Tag und nicht mehr als acht Attacken pro Tag vor der Randomisierung. Die behandelte erste Clusterperiode sollte mindestens seit sechs Wochen bestehen. Die Patienten erhielten zum Zeitpunkt der Randomisierung und nach einem Monat entweder eine subkutane Gabe von 300 mg Galcanezumab oder Placebo. Der primäre Endpunkt der Studie war die mittlere Abnahme der Zahl der wöchentlichen Cluster-Kopfschmerzattacken zwischen der Baseline und in den Wochen 1 bis 3. Der sekundäre Endpunkt war der Prozentsatz der Patienten mit einer mindestens 50%igen Reduktion der Attackenfrequenz nach drei Wochen.

Ergebnisse

In die Studie wurden 106 Patienten aufgenommen, von denen 49 Galcanezumab und 57 Placebo erhielten (Tab. 1). Sie waren im Mittel 46 Jahre alt und 83 % waren Männer. Die Zahl der Clusterattacken pro Woche in der Baseline-Periode betrug 17,5. Die Krankheit selbst bestand im Mittel seit 16,5 Jahren. Die mittlere Reduktion der wöchentlichen Attackenfrequenz in den Wochen 1 bis 3 betrug –8,7 Attacken in der Galcanezumab-Gruppe und –5,2 Attacken in der Placebo-Gruppe. Der Unterschied von 3,5 Attacken pro Woche war signifikant (p = 0,04). Die 50%-Responder-Rate nach drei Wochen betrug 71 % in der Galcanezumab-Gruppe und 53 % in der Placebo-Gruppe.

Tab. 1. Studiendesign [Clinicaltrials.gov]

Erkrankung

Episodischer Cluster-Kopfschmerz

Studienziel

Wirksamkeit und Sicherheit von Galcanezumab bei episodischen Cluster-Kopfschmerzen

Studientyp/Design

Randomisiert, doppelblind, Placebo-kontrolliert, interventionell/Phase III

Patienten

106

Intervention

  • Galcanezumab 300 mg
  • Placebo

Primärer Endpunkt

Mittlere Abnahme der Anzahl Schmerzattacken/Woche

Sponsor

Eli Lilly

Register-Nr.

NCT 02397473 (Clinicaltrials)

Es gab keine wesentlichen Unterschiede bei den unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Lediglich Schmerzen an der Injektionsstelle waren unter Galcanezumab etwas häufiger als unter Placebo.

Kommentar

Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass ein Antikörper gegen CGRP beim Cluster-Kopfschmerz prophylaktisch wirksam ist. Das Ergebnis ist von pathophysiologischem Interesse, da es zeigt, dass CGRP tatsächlich eine wichtige pathophysiologische Rolle beim Cluster-Kopfschmerz spielt. Der besondere Vorteil der monoklonalen Antikörper gegen CGRP ist ihre gute Verträglichkeit. In der vorliegenden Studie brachen nur zwei Patienten in der Galcanezumab-Gruppe die Therapie wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen ab. Der Therapieeffekt nahm im Laufe der Beobachtungszeit ab, was daran liegt, dass bei einem nicht unbeträchtlichen Teil der Patienten die Clusterperiode spontan zu Ende geht. Mit Galcanezumab steht in Zukunft also eine wirksame gut verträgliche Alternative zu den bisherigen prophylaktischen Therapien zur Verfügung, insbesondere bei Patienten, die Verapamil, Lithium oder Topiramat nicht vertragen oder bei denen diese Substanzen kontraindiziert sind.

Quelle

Goadsby PJ, et al. Trial of galcanezumab in prevention of episodic cluster headache. N Engl J Med 2019;381:132–41.

Arzneimitteltherapie 2019; 37(10):365-366.