Bluthochdruck und KHK

Verapamil- und Atenolol-basierte Therapie vergleichbar wirksam


Alexandra Hennemann, Stuttgart

Eine Therapie mit Verapamil (z. B. Isoptin®) oder Atenolol (z. B. Tenormin®) in Kombination mit dem ACE-Hemmer Trandolapril (z. B. Gopten®) und dem Diuretikum Hydrochlorothiazid war vergleichbar wirksam zur Blutdruckkontrolle und zur Verringerung von Tod, nicht tödlichen Herzinfarkten und Schlaganfällen. Dies ergab die über zwei Jahre dauernde INVEST-Studie.

In der randomisierten offenen INVEST-Studie (International verapamil SR-trandolapril study) wurde die blutdrucksenkende Therapie mit dem Calciumantagonisten Verapamil oder dem Betablocker Atenolol bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit verglichen. Primärer Endpunkt in der auf Gleichwertigkeit angelegten Studie mit 22 576 Patienten ab 50 Jahren war die Kombination aus Tod, nicht tödlichem Schlaganfall und nicht tödlichem Herzinfarkt. Sekundäre Endpunkte waren kardiovaskulärer Tod, tödlicher und nicht-tödlicher Schlaganfall oder Herzinfarkt, kardiovaskulär bedingte Hospitalisierung, Lebensqualität und Blutdruckkontrolle.

Die Patienten erhielten im Calciumantagonisten-Arm zunächst nur Verapamil (Tab. 1), in der nächsten Stufe zusätzlich den ACE-Hemmer Trandolapril. In der dritten Stufe wurden die Verapamil- und die Trandolapril-Dosis erhöht. In der letzten Stufe wurde zusätzlich das Diuretikum Hydrochlorothiazid gegeben. Weitere Dosiserhöhungen waren möglich. Diabetiker und Patienten mit renaler Dysfunktion oder Herzinsuffizienz erhielten direkt die Kombination der zweiten Stufe. Im Betablocker-Arm wurden zunächst Atenolol gegeben, das dann mit Hydrochlorothiazid kombiniert wurde. In Stufe 3 wurde die Dosis von Atenolol und Hydrochlorothiazid erhöht. In der vierten Stufe kam Trandolapril dazu. Auch hier waren höhere Dosierungen möglich. Risikopatienten erhielten hier direkt die Dreifach-Kombination.

Erwartungsgemäß benötigte die Mehrheit der Patienten eine Kombinationstherapie (Tab. 2). 43 % der Patienten in jeder Gruppe erhielten Wirkstoffe, die nicht ihrem Stufenschema vorgesehen waren. Ein Cross-over-Therapiewechsel wurde bei 11,6 % der Patienten mit Verapamil und 16,5 % mit Atenolol durchgeführt (p < 0,0001).

Sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck wurden vergleichbar stark gesenkt (Tab. 2). Die angestrebte Blutdruckeinstellung auf Werte < 140/90 mm Hg (für Diabetiker und bei Niereninsuffizienz < 130/85 mm Hg) gelang insgesamt gut und ebenfalls vergleichbar häufig. Auch ein Ereignis-freies Überleben wurde bei einer Nachbeobachtung von 2,7 Jahren vergleichbar häufig erreicht, die jährliche Ereignisrate lag bei 3,6 %. Mit Verapamil traten 9,62 % primäre Endpunkte auf und mit Atenolol 9,83 %. Nicht signifikant unterschiedlich war auch die Häufigkeit von Tod und Hospitalisierung aus kardiovaskulärer Ursache.

In einer Subgruppenanalyse der Patienten mit neu aufgetretenem Diabetes mellitus waren Tod und neu aufgetretener Diabetes mellitus mit Verapamil seltener.

Fazit ist, dass beide Regime den Blutdruck bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit vergleichbar senken und das klinische Ergebnis vergleichbar verbessern. Bei den meisten Patienten war dazu die Gabe von mehreren Antihypertonika (+ ACE-Hemmer ± Hydrochlorothiazid) erforderlich.

Quelle

Pepine CJ. International Verapamil-Trandolapril Study. 52nd Annual Scientific Session des American College of Cardiology, Chicago, 2. April 2003.

Tab. 1. Therapieschemata in der INVEST-Studie (SR: sustained release)

Stufe / Calciumantagonisten-Arm / Betablocker-Arm

1 Verapamil SR 240 mg Atenolol 50 mg

2 Verapamil SR 240 mg Atenolol 50 mg
+ Trandolapril 2 mg Hydrochlorothiazid 25 mg

3 Verapamil SR 180 mg 2 x tgl. Atenolol 50 mg 2 x tgl.
+ Trandolapril 2 mg 2 x tgl. Hydrochlorothiazid 25 mg 2 x tgl.

4 Verapamil SR 180 mg 2 x tgl. Atenolol 50 mg 2 x tgl.
+ Trandolapril 2 mg 2 x tgl. Hydrochlorothiazid 25 mg 2 x tgl.
+ Hydrochlorothiazid 25 mg + Trandolapril 2 mg

Tab. 2. Ergebnisse der INVEST-Studie, die Unterschiede sind jeweils nicht signifikant

Verapamil / Atenolol

n = 11 267 n = 11 309

Therapie
Keine 2 % 2 %
Monotherapie 16 % 15 %
Zweifachkombination 31 % 31 %
Mindestens Dreifachkomb. 51 % 52 %

Andere Wirkstoffe 43 % 43 %

Blutdrucksenkung
Im Mittel [mm Hg] 18,6/8,9 18,9/10,2
Ausreichend systolisch 64,9 % 64,3 %
diastolisch 90,7 % 90,7 %

Primärer Endpunkt 9,62 % 9,83 %
Tod 7,53 % 7,62 %
Nicht tödlicher Herzinfarkt 1,27 % 1,34 %
Nicht tödlicher Schlaganfall 1,12 % 1,25 %

Arzneimitteltherapie 2003; 21(08)